Start Aktuelles Japan aktuell: AKW Hamaoka vom Betreiber als Zeitbombe eingeräumt

Japan aktuell: AKW Hamaoka vom Betreiber als Zeitbombe eingeräumt

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Atomkraftwerk Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Das AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Atomkraftwerk Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Das AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)

Am heutigen Freitag erlebten Japans Hauptstadt Tokyo und die Hafenstadt Yokohama den ersten Schneefall des neuen Jahres. Auch wenn er nach Angaben von Meteorologen in Tokyo 17 Tage später kommt als zuvor, so scheint dem regulären Aufblühen der ersten Kirschblüten nichts im Wege zu stehen. Nach Angaben einer privaten Wetteragentur wird die Blüte der Kirschsorte Someiyoshino in Tokyo am 25. März beginnen.

Während derartige Voraussagen auf Normalität im neuen Jahr hoffen lassen und manche Nachrichtenmeldung, etwa über die Rettung aller 43 japanischen Passagiere der havarierten Costa Concordia ein Anlass zur Freude sind, kann man dies von Nachrichtenmeldungen, wie sie beispielsweise aus der Präfektur Fukushima aktuell gemeldet werden, nicht sagen – da hilft auch die Veröffentlichung neuer Fotos durch TEPCO nicht.  Detailliertere Fukushima News sowie weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. Januar 2012.

AKW Hamaoka ist potentielle Zeitbombe:
Der Kraftwerksbetreiber Chubu Electrics kommt in einem gestern vorgelegten Bericht, der als Antwort auf eine Anfrage der Präfekturverwaltung Shizuoka, wo das Atomkraftwerk Hamaoka seit 1976 in Betrieb ist, veröffentlicht wurde  zu dem Schluss, dass es innerhalb von drei Tagen zu einer Kernschmelze kommen würde, wenn sich ein Stromausfall, verbunden mit einem Versagen des Notstromsystems ereignen würde.In einem am selben Tag veröffentlichten Bericht meldet der Betreiber, bei einem vergleichbaren Szenario käme es bei den 6.625  in den Abklingbecken gelagerten Brennelementen innerhalb von 25 Tagen ebenfalls zur Kernschmelze.

Das Kraftwerk, von dessen fünf Reaktoren sich die Nummern 1 und 2 bereits in der Stilllegung befinden, war vom damaligen Premierminister Naoto Kan im Mai 2011 als unmittelbare Reaktion auf das Reaktorunglück von Fukushima abgeschaltet worden und ruht seitdem. Es befindet sich in einem tektonisch stark aktivem Gebiet und war nach Zwischenfällen in der Vergangenheit bereits als potentielle Zeitbombe angesehen worden.

Endoskop reichte nicht bis zum Wasserpegel: Entgegen eigenen Erwartungen, hat TEPCO bei seinen Untersuchungen des äußeren Sicherheitsbehälters von Reaktor 2 mittels eines Industrie-Endoskops kein Wasser ausfindig machen können. Bislang war das Unternehmen von einem Wasserstand in Höhe von fünf Metern ausgegangen. Da jedoch selbst in einem Abstand von 4,5 Metern zum Boden nicht die Wasseroberfläche ausgemacht werden konnte, liegt der Pegel offenbar tiefer als vermutet.

TEPCO-Sprecher Junichi Matsumoto wertet jedoch die Bilder, die zeigen, dass es im Inneren des Behälters äußerst feucht zu sein scheint, als Beleg dafür, dass sich der Reaktor dennoch im stabil heruntergekühlten Zustand des Cold Shutdown befinde, so die Nachrichtenagentur jiji.

Die Bildqualität der Aufnahmen war jedoch sehr schlecht, was nach Angaben der NHK möglicherweise auf die Strahlung und den Dampf des kontaminierten Wassers zurückzuführen sei. Dennoch kommt der japanische Reaktorbetreiber zu dem Schluss, man habe keine ernsthaften Schäden oder Verformungen entdecken können.

Neben den erstmals seit der Kernschmelze gemachten Aufnahmen, seien auch die Temperaturen vielversprechend. Innerhalb des Behälters habe man mit 44, 7 Grad Celsius eine deutliche Nähe zur Umgebungstemperatur außerhalb des Behälters, die 42,6 Grad betrage und bereits zuvor gemessen worden war.

Radioaktiver Zement bei Haus in der Stadt Fukushima verwendet: Nach der Verwendung in einem Wohnkomplex, im Straßenbau und anderer Stelle wurde jetzt auch erstmalig ein Privathaus entdeckt, bei dessen Bau offenbar Zement auf der Basis von radioaktiv belastetem Kies verwendet wurde. Das Haus befindet sich in der Stadt Fukushima und das Baumaterial stammt von dem gleichen Unternehmen, das auch den Appartementkomplex in Nihonmatsu baute. Das Fundament war im April gegossen worden, berichten japanische Medien, darunter die Nachrichtenagentur jiji.

Messungen ergaben Werte von  1,5 bis 1,9 Mikrosievert pro Stunde am Fundament unter dem Haus und 0,8 bis 0,85 an der Oberfläche des Bodens. Außerhalb des Gebäudes wurden 0,2 Mikrosievert pro Stunde nachgewiesen. Gegenwärtig leben noch Menschen in dem Gebäude. Entsprechende Berichte gab es unter anderem von der jiji.

Nach Angaben der Mainichi Shimbun gehen aktuelle Zahlen davon aus, dass der radioaktive Kies aus dem Steinbruch in Namie an 108 Stellen verwendet wurde, darunter in vier Schulen.

Hohe Strahlungswerte im Steinbruch: Nachdem radioaktives Gesteinsmaterial aus einer Kiesgrube  in Namie in Form von Zement beim Bau eines Wohnkomplexes in Nihonmatsu verwendet worden war und mittlerweile neun der zwölf Haushalte ausziehen wollen, hat Industrieminister Yukio Edano in einem Gespräch mit dem dortigen Bürgermeister Keiichi Miho zugesagt, den Energiekonzern TEPCO dazu aufzufordern, so schnell wie möglich Entschädigungszahlungen zu leisten.

Doch wesentlich interessanter als dieses Versprechen, sind die Untersuchungen im Steinbruch in der Ortschaft Namie, 26 Kilometer nordwestlich des AKW Fukushima Daiichi, die am heutigen Freitagmorgen dort von zehn Beamten des Umweltministeriums und der japanischen Atomenergiebehörde in Begleitung der örtlichen Präfekturbehörde durchgeführt werden.

Messungen des Strahlungsniveaus in einem Abstand von einem Zentimeter zu einem Stein in dem Gelände, das 26 Kilometer nordwestlich des Kraftwerks liegt, ergaben Werte von bis zu 4 Mikrosievert pro Stunde. Bei dem Gang über das Gelände wurde Schutzkleidung getragen und mehrere Steine als Proben zur genaueren Untersuchung  mitgenommen.Nach Angaben der Mainichi Shimbun überstieg bei einem Messgerät, das von einem begleitenden Journalisten mitgeführt worden war, die gemessene Strahlung den vom Gerät maximal anzeigbaren Wert von 20 Mikrosievert pro Stunde.

Japan erforscht Menge von Cäsium in Zedernpollen: Am 27. Dezember 2011 legte die japanische Forstagentur Ergebnisse zur Belastung von Zedernpollen mit radioaktivem Cäsium vor, denen zufolge selbst die so aufgenommene maximale Strahlungsdosis für Erwachsenen unbedenklich sei (Spreadnews berichtete).

Jetzt will ein Forscherteam der  „Japan Geoscience Union“ in Zusammenarbeit mit der „Geochemical Society of Japan“ und der „Japan Society of Nuclear and Radiochemical Sciences“ die Menge an Zedernpollen und die darin enthaltene Strahlungslevel an 11 Stellen innerhalb der Präfektur Fukushima und anderen Orten untersuchen.

Ziel der Untersuchung ist es eine Einschätzung, welche Menge der durch die Fukushima-Katastrophe freigesetzten radioaktiven Substanzen über die Zedernpollen verbreitet wird, abliefern zu können. Die Untersuchung soll bis Ende April auch die Regionen Tohoku und Kanto im Nordosten und Osten der Hauptinsel Honshu umfassen. Unterstützt werden sie dabei von  der NTT DoCoMo, dem größten Mobilfunkanbieter Japans, der auch ein Netzwerk von Umweltsensoren betreibt.

Anklage gegen Mitglied der Giftgas-Sekte bekannt gegeben: Die Staatsanwaltschaft in Tokyo hat heute offiziell Anklage gegen Makoto Hirata, früheres Mitglied der religiösen Bewegung Omu Shinrikyo, erhoben. Ihm wird vorgeworfen, bei der Entführung und Freiheitsberaubung eines Notars am 28. Februar 1995 als Teil einer Verschwörung des Sektenoberhaupts Chizuo Matsumoto, beteiligt gewesen zu sein. Nach Angaben der Präfekturpolizei Tokyo räumte Hirata die ihm zur Last gelegten Taten begangen zu haben, berichten NHK, Kyodo und jiji übereinstimmend.
Der Vorwurf der Freiheitsberaubung mit Todesfolge wurde dagegen fallen gelassen, da sich nicht ausreichend nachweisen liess, in welchen Umfang Hirata an der tödlichen Injektion von Natriumpentothal (Handelsname in Deutschland: Trapanal) bei dem Rechtsanwalts beteiligt gewesen war. Er selbst behauptet, nur Fluchtwagenfahrer gewesen zu sein. Weitere Anklagen wegen des Verdachts von Sprengstoffanschlägen werden dagegen erwartet.

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