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Japan aktuell: AKW Oi technisch bereit zum Neustart

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Oi technisch zum Neustart bereit (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Das Wochenende naht, doch das tut der Meldungen die rund um das AKW Fukushima aktuell immer noch erfolgen, keinen Abbruch – auch wenn TEPCO heute eine positive Einschätzung und klare Ziele für kommende Wochen vorweisen kann. Doch Atomenergie in Japan ist mehr, als nur die Situation am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, denn die Zukunft vieler Reaktoren die aus Wartungsgründen oder aufgrund von Sicherheitsanordnungen heruntergefahren sind, ist bislang ungeklärt. Dabei ist die Erdbebensicherheit auch nur einer von vielen Faktoren. Aktuelle Informationen zu diesem Thema, sowie die Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. März 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Keine technischen Hindernisse für Neustart des AKW Oi
  • Brennstäbe-Entfernung aus Reaktor 4 vermutlich wenig problematisch
  • Demontage des AKW Fugen um fünf Jahre verschoben
  • Rettungswagen für Tiere in Präfektur Iwate vorgestellt
  • 60 Prozent der Erdbebenwarnungen waren Fehlalarme

Keine technischen Hindernisse für Neustart des AKW Oi: Mit der erwarteten Anerkennung der Stresstests der Betreiberfirma KEPCO und der Einschätzung Atomsicherheitsbehörde (NISA), hat am heutigen Freitag die Atomsicherheitskommission (NSC) erstmals die Ergebnisse eines Stresstest zugelassen und die Eignung der Sicherheitsmaßnahmen für zwei Reaktoren am AKW Oi (Präf. Fukui) anerkannt . Damit sind die technischen Hürden für einen Neustart der Anlage praktisch vom Tisch.

Die Entscheidung der NSC fiel bei einem außerordentlichen Treffen am heutigen Freitag. Die innerhalb von fünf Minuten von den fünf Kommissionsmitglieder formal entschiedene Anerkennung in Form eines Endberichts führte bei einigen der etwa 30 anwesenden Beobachtern zu lautstarken Protesten.

Während die NSC die Tests als wichtigen Schritt  begrüßte, betonte die Kommission, die NSC befinde sich nicht in einer Position zu entscheiden, ob die Reaktoren wieder hochgefahren werden sollten. Man habe die durch die NISA erfolgte Bewertung der am Computer simulierten Stresstests inkl. der geschilderten Sicherheitsmaßnahmen untersucht und technisch für ausreichend befunden.

Dennoch müsse die Sicherheit durch stetige Weiterentwicklung und unter Einbeziehung der neusten internationalen Erkenntnisse sichergestellt und diese sofort umgesetzt werden.

Zudem sei die Einführung einer zweistufigen Stresstets erforderlich um die Sicherheit der Reaktoren umfassend ermitteln zu können. Diese würden etwa zeigen, ob Reaktoren ausreichend gegen die massenhafte Freisetzung von Radioaktivirär ausgestattet seien.

Die einstufigen Stresstets alleine seien unzureichend, erklärte Haruki Madarame, Sprecher der NSC. Bei der Entscheidung über einen möglichen Neustart wird sich die Regierung jedoch lediglich auf die jetzt anerkannten einstufigen Stresstest stützen, heisst es von der NHK.

Nun obliegt es somit Premierminister Yoshihiko Noda und drei Minstern – dem Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura, dem Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie Yukio Edano, sowie dem Minister für Krisenmanagement, Goshi Hosono, in Gesprächen die in der zweiten Hälfte der kommenden Woche oder später erfolgen sollen, zu entscheiden, ob man die Sicherheit des AKW Oi anerkenne. Für den Neustart wolle man die Zustimmungen der  örtlichen Behörden einholen.

Dies könnte jedoch, trotz der für April angesetzten Sympathie-Tour von Yukio Edano in  die Präfektur Fukui schwierig werden  und möglicherweise sogar weitere Tests erforderlich machen, um diese zu überzeugen. Bereits am 19. Februar 2012 hatte sich die Stadtversammlung von Echizen (Präf. Fukui) einstimmig und als erste Verwaltung überhaupt in der Präfektur eine Widerspruchserklärung gegen den Neustart bekannt gegeben.

Nach der Zustimmung der örtlichen Gemeinden soll dann ein Ministertreffen stattfinden, um eine finale Entscheidung über den Neustart zu treffen. Die Entscheidung der NSC war Thema mehrerer japanischer Medien, darunter der NHK, der Asahi Shimbun, sowie die Nachrichtenagenturen jiji und Kyodo.

Pläne für Kamera in Reaktor 2, Brennstäbe-Entfernung aus Reaktor 4 unkompliziert: Nach einer Analyse der jüngsten Kameraufnahmen aus dem mit Wasser gefüllten Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 4 kommt die Betreiberfirma TEPCO zu dem Schluss, die festgestellten Objekte wie Steine und Schutt auf dem Lagergestell der Brennelemente stellten kein wesentliches Hindernis zur künftigen Entfernung der Brennelemente dar und seien mit konventionellen Mitteln wie etwa einem Unterwasser-Sauger zu entfernen.

Sollte alles nach Plan verlaufen, so soll mit der Entfernung  der Brennelemente Ende 2013 begonnen werden. Man erwarte gegenwärtige keine besonderen Hindernisse, zitiert die Kyodo den TEPCO-Sprecher Junichi Matsumoto.

Interessanter dürfte die Ankündigung sein, man plane für kommenden Montag und Dienstag, ein Endoskop in den Reaktor 2 einzuführen, um Wasserstand und Temperatur innerhalb des Sicherheitsbehälters zu überprüfen. Eine vergleichbare Aktion am 19. Januar 2012 hatte nicht die notwendige Tiefe erreicht, so dass nun ein 20 Meter langes Endoskop zum Einsatz kommen soll. Das Ergebnis vom Januar hatte Zweifel an der bisher vermuteten Höhe des Wasserspiegels aufkommen lassen.

Demontage des AKW Fugen um fünf Jahre verschoben:  Wie die japanische Atomenergiebehörde JAEA am gestrigen Donnerstag bekannt gab, wird die Fertigstellung der Demontage des bereits stillgelegten AKW Fugen in Tsuruga (Präf. Fukui), bei dem es sich um ein Prototypen-Ṕrojekt handelte, bis zum Fiskaljahr 2033 verschoben werden.

Als Grund hierfür gab die Behörde an, es sei bislang noch nicht möglich gewesen, die abgebrannten Brennelemente vom regierungsbetriebenen AKW Fugen zur Wiederaufbereitungsanlage in Tokai (Präf. Ibaraki) zu transportieren. Ursächlich sind die im Juni 2008 begonnenen Arbeiten zur stärkeren Erdbebensicherung der Anlage, die somit die Fertigstellung des Transports um fünf Jahre, bis zum Fiskaljahr 2017 verzögern

Insgesamt wird die gesamte Demontage der Anlage bis zum Fiskaljahr 2033  andauern, nachdem das Kraftwerk 2003 bereits heruntergefahren und stillgelegt worden war. Sobald mit fünfjähriger Verspätung 2017 dann die Brennelemente entfernt und abtransportiert wurden, sollen über einen Zeitraum von 16 Jahren der Reaktor, weitere Teile sowie die Reaktorgebäude demontiert werden. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Rettungswagen für Tiere in Präfektur Iwate vorgestellt: Zu den Opfern des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami gehören nicht nur Menschen, denn auch Tiere sind vielfach verletzt worden und hatten bislang eine schlechte gesundheitliche Versorgung, waren doch neben Kliniken für menschliche Patienten auch Veterinärstationen zerstört worden.

Doch mit dem Rettungswagen, der in einem gemeinsamen Projekt der Universität Iwate und einem Hersteller von Haustier-Futtermitteln entwickelt worden war, steht jetzt Japans erster mobiler Tierrettungswagen zur Verfügung.  In dem umgebauten Kleinbus findet sich nicht nur Röntgen- und Ultraschallgeräte, auch Operationen sind in Notfällen möglich, berichtet die NHK.

Alleine in der Präfektur Iwate waren aufgrund der Natukatastrophen vergangenen Jahres mehr als 450 Hunde, Katzen und andere Tiere verletzt worden, oder erkrankten in Folge. Viele von ihnen hätten über lange Zeit keine Behandlung erhalten können, so die Leitung der Präfektur Iwate.

60 Prozent der Erdbebenwarnungen waren Fehlalarme: Wie die japanische Meteorologiebehörde mitteilte, handelte es sich bei 61 Prozent der von ihr seit dem Tohoku-Erdbeben ausgesprochenen Erdbebenwarnungen um nicht angebrachte Meldungen, da das Computersystem unter anderem die Werte mehrerer kleinerer Beben die sich annährend zeitgleich ereignet hatten, summierte und als Erschütterungen eines einzigen Erdbebens interpretierte. 

Insgesamt habe man im vergangenen Jahr 104 Frühwarnungen vor potentiell großen Erdbeben herausgegeben, von denen sich 63 als unbegründet erwiesen hatten. Nachdem die Software am 11. August verbessert worden war, hätten sich sieben von 17 Meldungen als unangemessen herausgestellt. Die Häufigkeit überzogener Warnungen sei seitdem jedoch auf knapp über 40 Prozent gesunken.

Trotz dieser fehlerhaften Warnung gab eine Befragung von 817 Einwohnern der Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi, die besonders schwere Erdbeben erlitten hatten, dass 90 Prozent von ihnen derartige Frühwarnungen als nützlich empfanden, so ein Bericht japanischer Medien.

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