Start Aktuelles Japan aktuell: AKW Onagawa mit ungewöhnlichem Schaden

Japan aktuell: AKW Onagawa mit ungewöhnlichem Schaden

1807
0
TEILEN
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Onagawa mit ungewöhnlichen Schäden (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Nachdem bislang die Situation am AKW Fukushima aktuell bestimmendes Thema war, gibt es nun Berichte über Beschädigungen am Atomkraftwerk Onagawa. Auch wenn diese zunächst weniger gravierenden wirken, als die massiven Zerstörungen in Fukushima, weisen sie doch eine Besonderheit auf, die berichtenswert ist.

Erdbeben bleiben nicht nur im Zusammenhang mit Kernkraft in Japan von Bedeutung, so dass auch sie wieder Teil der Berichterstattung sind. Mehr Einzelheiten zu diesen sowie weiteren Themen jetzt wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 10. Juli 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Ungewöhnlicher Schaden am AKW Onagawa
  • Erdbeben-Sondereinheit für Polizei von Tokyo geplant
  • Erdbeben erschüttert Zentraljapan
  • Sommer-Jackpot lockt Japaner zu Losen
  • Gespräche über Wald-Dekontamination begonnen

Ungewöhnlicher Schaden am AKW Onagawa: Die Anlage Fukushima Daiichi bleibt im Bezug auf Atomenergie nicht die einzige Gefahrenquelle in Japan, wie ein Zwischenfall am AKW Onagawa (Präf. Miyagi) zeigt. Dessen Betreiber Tohoku Electric meldet die Entdeckung von Schäden an Behältern für Brennstäbe am Reaktor 3 der Anlage.

Japans Atomsicherheitsbehörde wies die Betreiberfirma an, den Sachverhalt weiter zu überprüfen und zu ermitteln, ob die Schäden durch das Tohoku-Erdbeben vom März 2011 entstanden waren.

Das Unternehmen hatte zuletzt eine Unterwasserkamera genutzt, um die 4,5 Meter langen Metallbehälter in einem Aufbewahrungsbecken für Brennstäbe zu überprüfen. Dabei war eine etwa zwei Zentimeter und mehrere Millimeter breite Abplatzung an einem der Behälter festgestellt worden. Auch an mehr als 12 Stellen an anderen Behältern fehlten kleinere Teile.

Noch nie zuvor war ein derartiger Schaden an einem japanischen Atomkraftwerk gemeldet worden, berichtet die NHK.

Der Betreiber Tohoku Electric erklärte, die Brennstäbe selbst seien intakt. Es bestehe kein Grund für Sicherheitsbedenken, da der Reaktor heruntergefahren sei. Dennoch werde man sowohl den festgestellten Schaden genauer untersuchen und vorsichtshalber auch die Behälter an den Reaktoren 1 und 2 kontrollieren.

Erdbeben-Sondereinheit für Polizei von Tokyo geplant: Unter Berufung auf informierte Quellen berichtet die jiji heute von den Plänen der Polizeibehörde für den Großraum Tokyo, aus Bereitschaftspolizisten mit Erfahrung und fortgeschrittenen Kenntnissen über Rettungsmaßnahmen eine Sondereinheit zu gründen.

Diese Eingreiftruppe soll im Fall von Katastrophen, wie etwa zusammengestürzten Gebäuden oder Explosionen, unmittelbar Maßnahmen ergreifen können und gilt als Vorbereitung auf ein Großbeben mit Epizentrum in Großraum Tokyo.

Anlässlich des Katastrophenschutztags am 1. September soll die Einheit ihren Dienst aufnehmen können. Bei dem Team, in dem etwa 35 Polizeibeamte mit Erfahrung in Luftrettung und dem Führen schwerer Maschinen tätig sein werden, handelt es sich um Japans erste polizeiliche Elite-Einheit zum Katastrophenschutz.

Die Einheit wird in Tachikawa, im Westen von Tokyo stationiert und kontinuierlich weitergebildet sowie trainiert. Im Fall eines Unglücks können die Beamten auch in Gebieten tätig werden, die für den durchschnittlichen Polizeibeamten nur schwierig handzuhaben wären.

TEPCO veröffentlicht weitere Tsunami-Bilder: Wie bereits gestern von uns gemeldet, hat der Elektrizitätskonzern TEPCO mehrere Fotos veröffentlicht, auf denen die Auswirkungen des Tsunami auf der Anlage des AKW Fukushima Daiichi am 11. März 2011 deutlich zu sehen sind.  Manch einer mag sich fragen, weshalb das Unternehmen diese zusätzlichen Aufnahmen mit derartiger Verspätung veröffentlicht.

Fukushima-Tsunami: Arbeiter blicken vom Dach (Foto: TEPCO)
Fukushima-Tsunami: Arbeiter blicken vom Dach (Foto: TEPCO)

Grund für die jetzige Veröffentlichung ist nach Angaben der NHK eine Rüge des parlamentarischen Untersuchungskomitees. Diese kritisierte, dass TEPCO einen Monat nach der Krise lediglich 17 Aufnahmen veröffentlicht hatte.

Der Kraftwerksbetreiber entschuldigte sich für diese Informationsknappheit. Man habe damals jene Fotos veröffentlicht, die am Besten einen Eindruck vom nahenden Tsunami vermittelt hatten.

Auf den nun nachgereichten 33 Fotografien sind unter anderem die schlammigen Fluten auf der Anlage die Gegenstände mit sich reissen zu sehen. Nebenstehend eine Aufnahme bei der die in blau gekleideten Angestellten von TEPCO von einem Dach aus die eindringenden Wassermassen beobachten.

Über die Rüge und die nachträgliche Veröffentlichung berichteten NHK und Asahi Shimbun

Erdbeben erschüttert Zentraljapan: Nach Angaben der japanischen Wetterbehörde ereignete sich um 12:49 Uhr Ortszeit im nördlichen Teil der Präfektur Nagano ein Erdbeben der Stärke 5,2. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgerufen.

Das Beben, dessen Epizenztrum sich in neun Kilometern Tiefe befand, erschütterte die Präfektur Nagano, sowie angrenzende Gebiete in der benachbarten Präfektur Niigata.

Vom TEPCO-Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Niigata wurden keine Störungen gemeldet, auch Angaben über Verletzte oder Schäden lagen nach Angaben der Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji nicht vor.

Zwischen zwei Stationen der Joetsu-Linie des Schnellzugs Shinkansen kam es zu einem fünf Minuten dauernden Ausfall. Die Ursache des Fehlers, welcher die Strecke zwischen Jomo-Kogen und Echigo-Yuzawa betraf, sei nach Angabe des Betreibers JR East ein Problem der Stromversorgung gewesen.

Sommer-Jackpot lockt zu Losen: Nicht alleine Personen, die durch das Tohoku-Erdbeben praktisch alles verloren haben und finanzielle Zuwendungen benötigen, sondern auch der Traum von Luxus und Privilegien, zog am Montag die Glücksuchenden zu den Lotterien.

Losbude in Tokyo (Foto: KJ)
Losbude in Tokyo (Foto: KJ)

So bildeten sich etwa lange Schlangen von etwa 800 Personen vor dem „Nishi-Ginza Chance Center“, die ihr Glück bei der diesjährigen Summer Jumbo Takarakuji Lottery probieren mächten. Deren Jackpot ist auf eine Rekordsumme von 400 MillionenYen gestiegen. Möglich wurde dies durch eine Änderung eines Gesetzes im April diesen Jahres.

Auch Losscheine für eine weitere Sommerlotterie über 20 Millionen Yen fanden entsprechenden Absatz bei den Käufern..

Glück muss man jedoch auch hier haben, sind doch nur 450 Gewinnerlose im Umlauf. Hierüber berichtete die Yomiuri Shimbun.

Gespräche über Wald-Dekontamination begonnen: Am gestrigen Montag begann das Umweltministerium mit Beratungen, wie ganze Wälder von der radioaktiven Kontamination durch die Fukushima-Katastrophe befreit werden können.

Geeignete Pläne zu erarbeiten ist dabei besonders wichtig, da es sich bei 70 Prozent der Sonderzonen, die von Regierungsstellen dekontaminiert werden müssen, um Waldgebiete handelt.

Während bei den Dekontaminationsarbeiten an 11 Gemeinden in der Präfektur Fukushima ein Abschluss für Ende März 2014 vorgesehen ist, gibt es noch keine Dekontaminationspläne für Wälder abseits bewohnter Gebiete. Entsprechende Richtlinien werden frühestens im Herbst diesen Jahres erwartet. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Giftgas-Sektenmitglied nutzte fremde Krankenversicherungskarte: Naoko Kikuchi, Mitglied des Endzeit-Kults Omu Shinrikyo machte Aussagen zu ihrer 17 Jahre dauernden Flucht vor den Strafverfolgungsbehörden.

Da das Erlangen von beruflichen Anstellungen und Krankenversicherungen eines der Hauptprobleme für flüchtige Kriminelle darstellt, war es Naoko Kikuchi und ihrem damaligen Partner Katsuya Takahashi vermutlich nur deshalb möglich so lange unterzutauchen, da sie Zugang zu beidem hatten.

Als Kikuchi im Mai 2002 während des Aufenthalts in der gemeinsamen Wohnung in Kawasaki erkrankte, gestand sie gegenüber der Ehefrau eines mittlerweile befreundeten Arbeitskollegen von Takahashi über keine Krankenversicherung zu verfügen. Daraufhin verlieh diese ihre persönliche Krankenkassenkarte.

Neben der dann durchgeführten gynäkologischen Untersuchung an einer Klinik in Tokyo, suchte sie in den kommenden drei Jahren das Krankenhaus mehrmals auf und nutzte die Versicherungskarte auch für eine Zahnbehandlung im Jahr 2003.

Jetzt von der Polizei befragt gab die Frau an, sie habe Kikuchi aus Mitgefühl die Karte überlasssen. Zudem habe sie diese stets umgehend wieder zurückgebracht. Was die Frau nicht wusste war, dass Kikuchi auch ihre Wohnsitzbescheinigung nutze – und einen  kontrollierenden Polizeibeamten davon  überzeugte, bei ihr handele es sich um die ahnungslose Frau.

Takahashi dagegen galt bei seiner Anstellung bei einem Bauunternehmen als fleißiger Arbeiter und erwarb auf Anraten des Arbeitgebers im April 1997 nach Abschluss einer Weiterbildung ein Zertifikat als Gasschweißer und im April 1999 weitere Qualifikationen als Schweißer. Zu keinem Zeitpunkt musste er sich dabei ausweisen.

Diese beruflichen Tätigkeiten ermöglichten es Takahashi, nachdem er 2004 das Bauunternehmen verlassen hatte, aufgrund seiner Qualifikation schnell wieder von einer anderen Firma eingestellt zu werden.

Ohne die Krankenversicherungskarte und die beruflichen Vorteile wäre die Flucht der beiden Sektenmitglied wahrscheinlich deutlich kürzer ausgefallen – so dass Fazit der Polizei laut Yomiuri Shimbun.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here