Start Aktuelles Japan aktuell: AKW-Sicherheitskommission von Behörde unter Druck gesetzt

Japan aktuell: AKW-Sicherheitskommission von Behörde unter Druck gesetzt

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Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)
Industrieministerium förderte nach Fukushima-Katastrophe die Atomenergie (Foto: BlackRiver cc-by)
Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)
Industrieministerium mit Druck auf AKW-Kontrolle (Foto: BlackRiver cc-by)

Nach dem gestrigen Feiertag in Deutschland, gibt es nun zum Wochenende noch einmal interessante Meldungen zu den bisherigen Ermittlungen eines Untersuchungsausschusses zur Fukushima-Krise.

Diese zeigen, dass im Zusammenhang mit den Geschehnissen am AKW Fukushima aktuell immer mehr Sachverhalte bekannt werden, die von externen Stellen bereits vermutet worden waren.

Neben den Fukushima News finden sich unter anderem auch politischer Druck auf Kontrollorgane und Proteste von Atomkraftgegnern als Themen im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Mai 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Industrieministerium setzte Atomkommission unter Druck
  • Erdbeben der Stärke 4,8 erschüttert Kanto-Region
  • Heftige Proteste nach Entscheidung zum AKW Oi
  • Japaner sparen seit Tohoku-Erdbeben bereits Strom
  • Befragung: Früherer Industrieminister misstraute TEPCO
  • Befragung: Pressesprecher nach Nennung von Kernschmelze ersetzt
  • Schweres Mobilgerät zur Cäsium-Wasserfilterung entwickelt:

Industrieministerium setzte Atomkommission unter Druck: Nach Meldung der NHK hat Japans Industrieministerium vor sechs Jahren, als die Atomsicherheitskommission (NSC) an der Verschärfung ihrer Richtlinien zur Sicherheit von Atomkraftwerken arbeitete Druck ausgeübt, eine Beurteilung zu liefern, der zufolge alte Kernkraftanlagen auch nach strengeren Regelungen kein Sicherheitsrisiko darstellen.

Zum Zeitpunkt der Richtlinienverschärfung habe die Atomsicherheitsbehörde eine schriftliche Anfrage an die NSC gestellt, eine Darstellung zu veröffentlichen, dass bereits existierende Kraftwerke trotz der alten Richtlinien keine Probleme bei der Erdbebensicherheit hätten. Sollte man dieser Anfrage nicht entsprechen, würden sich daraus ernste Probleme, etwa durch schlechte Medienberichterstattungen, Kritik innerhalb der Regierung und Gerichtsverhandlungen über die Stilllegung ergeben, heisst es in dem Schreiben.

Offenbar beugte sich die Atomsicherheitskomission der Aufforderung der Regierung, da ihr Verfahrenshandbuch, in dem die neuen Regelungen enthalten sind behauptet, es bestehe keine Notwendigkeit zur Durchführung von Sicherheitsinspektionen von AKW die noch nach alten Richtlinien gebaut worden waren.

Zudem wurde klar, dass noch im selben Jahr, die Leitung der Regierungsbehörde versucht hatte, die NSC von der Überarbeitung der Richtlinien zur Verhinderung von Atomkatastrophen abzuhalten. Das berichtet die NHK.

Erdbeben der Stärke 4,8 erschüttert Kanto-Region: Wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet, ereignete sich am Freitag um 17:19 Uhr Ortszeit ein Erdbeben mit einer durchschnittlichen Stärke von 4,8 in der Region Kanto. Von dem Beben war auch der Großraum Tokyo betroffen, jedoch wurden in Japans Hauptstadt selbst nur vergleichbar niedrige Erschütterungen gemessen. Wie die Wetterbehörde mitteilte, befand sich das Epizentrum des Erdbebens im Süden der Präfektur Ibaraki. Eine Tsunamiwarnung wurde nicht ausgegeben.

Heftige Proteste nach Entscheidung zum AKW Oi: Japans Premierminister Yoshihiko Noda  gab am gestrigen Donnerstag zu verstehen, seine Regierung werde in Kürze die endgültige und finale Entscheidung über den Neustart der Reaktoren 3 und 4 am AKW Oi (Präf. Fukui) treffen. Bereits zu Beginn dieser Woche hatte die Gemeindeverwaltung von Oi dem Neustart zugestimmt. Shinobu Tokioka, Bürgermeister von Oi erklärte, nachdem ihm das Abstimmungsergebnis übermittelt worden war, er werde noch in diesem Monat entscheiden. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Unterdessen meldet die Mainichi Shimbun deutliche Proteste, nachdem die Gemeindeversammlung für den Neustart gestimmt hatte. Die ersten Proteste waren bereits am 14. April angelaufen, als Industrieminister Yukio Edano die Präfektur Fukui und die Ortsverwaltung von Oi um Zustimmung gebeten hatte.

Am Mittwoch, zwei Tage nach der Abstimmung, beläuft sich die Zahl der bei der Ortsverwaltung von Oi per Fax und E-Mail eingegangenen Schreiben, die meisten davon gegen die Entscheidung, auf etwa 300 Stück.

Auch die Zahl der telefonischen Proteste nahm zu. Allein am 14. Mai wurden etwa 40 Protestanrufe gezählt, die meisten von ihnen stammten von Einwohnern, die außerhalb der Präfektur Fukui leben. In einem Fall führte ein Anrufer ein insgesamt eine halbe Stunde dauerndes Telefongespräch. Als Reaktion hierauf hat die Gemeindeverwaltung neben anderen Maßnahmen auch das Personal der Nachtschichten verstärkt, um der großen Anzahl von Kontakten begegnen zu können.

Japaner sparen seit Tohoku-Erdbeben bereits Strom: Während die Regierung sich Ziele für die in diesem Sommer geplanten Stromsparmaßnahmen erarbeitet, haben offenbar viele Japaner seit dem Tohoku-Erdbeben und Tsunami 2011 die Energiesparmaßnahmen fortgeführt. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 1.900 Personen zwischen 20 und 50 Jahren im Großraum Tokyo und dem Kansai-Gebiet, die vom Forschungsinstitut zur Verbesserung von Lebensstandards, der  Expertenkommission der RENGO (Japanese Trade Union Confederation) im April durchgeführt worden war.

Den am Freitag vorgestellten Ergebnissen zufolge, führen 52 Prozent der Befragten seit den Naturkatastrophen 2011 die Stromsparmaßnahmen unverändert weiter. Insgesamt 24 Prozent gaben an, zum Zeitpunkt der Krise den Stromsparaufforderungen gefolgt zu sein, jedoch jetzt wieder Normalverbrauch zu betreiben. Lediglich 19 Prozent gaben an, selbst nach den Katastrophen keine Elektrizität eingespart zu haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Banri-Kaieda: Japans früherer Minister für Industrie Handel und Wirtschaft. Foto: TEPCO
Banri Kaieda misstraute TEPCO während der Krise. Foto: TEPCO

Befragung: Früherer Industrieminister misstraute TEPCO: Gegenüber eines vom Parlament berufenen Untersuchungsausschusses erklärte der frühere Industrieminister Banri Kaieda am gestrigen Donnerstag, bereits im Verlauf der Fukushima-Krise habe es Momente gegeben, in denen ihm das Verhalten der Betreiberfirma TEPCO verdächtig vorgekommen sei.

Es handelt sich bei ihm um den ersten Politiker der im Rahmen der öffentlichen Anhörungen eine Aussage macht.

Kaieda erklärte, er habe daran gedacht, dass der Betreiber versuchen könnte, die Krise als „weniger ernst“ darzustellen, als dies der Wahrheit entsprach, da es zu Verzögerungen bei der Entlüftung zum Druckabbau eines Reaktors gekommen war.

Befragung: Pressesprecher nach Nennung von Kernschmelze ersetzt: Bereits am Mittwoch erklärte der frühere stellvertretende Industrieminister Kazuo Matsunaga bei einer Anhörung durch einen Parlamentsausschuss, der sich mit Ermittlungen zur Fukushima-Krise befasst, er habe die Auswechselung des Ministeriumssprechers Koichiro Nakamura vorgeschlagen, nachdem dieser einen Tag nach dem Ausbruch der Krise  in einer Pressekonferenz die Möglichkeit einer Kernschmelze erwähnt hatte.

Matsunaga erklärte gegenüber dem Untersuchungsausschuss, er habe den Vorschlag eingebracht, da er der Ansicht gewesen sei, die Nennung einer Kernschmelze sei unangebracht. Er bestritt bei der Anhörung jedoch, dass die Ersetzung des Sprechers auf Anweisung des Büros des Premierministers erfolgt sei.

Im Zwischenbericht eines anderen Regierungsausschusses zur Fukushima-Krise heisst es, Ministeriumssprecher Nakamura habe seinen freiwilligen Rücktritt angeboten, nachdem der Leiter der Atomaufsicht NISA von Bedenken im Büro des Premierministers über die Verwendung des Begriffes „Kernschmelze“ erfahren habe.

Hidehiko Nishiyama, Nachfolger von Nakamura in der Rolle des Sprechers, nutzte Umschreibungen wie „Schäden am Reaktor“ anstatt den, als problematisch angesehenen Begriff zu verwenden. Das berichtete die jiji.

Schweres Mobilgerät zur Cäsium-Wasserfilterung entwickelt: Die Lagerung von radioaktiv kontaminiertem Wasser aus dem AKW Fukushima Daiichi, bestehend aus eingeleitetem Kühlwasser und eingedrungenem Grundwasser war lange Zeit das in den Medien präsente Hauptproblem des Enerkonzerns TEPCO und erst mit der Errichtung eines Kühlkreislaufs, konnte diesem Hindernis einigermaßen angemessen begegnet werden.

Froh wäre man wahrscheinlich über die aktuelle Entwicklung die heute vom Tokyo Institute of Technology vorgestellt wurde. Bei der Erfindung handelt es sich um ein mobil einsetzbares Gerät, das in der Lage ist, radioaktives Cäsium aus kontaminiertem Wasser zu entfernen. Nach Angaben der Wissenschaftler, ist die Maschine in der Lage, die Belastung an radioaktivem Cäsium von 1.000 Becquerel pro Liter auf 10 Becquerel, oder niedriger zu senken, so eine Meldung der Nachrichtenagentur jiji.

Am 11. Juni 2012 will das Insitut in Minamisoma (Präf. Fukushima) einen Praxistest demonstrieren. Das Gerät, das auf einem vier Tonnen-LKW montiert ist und aus Filtereinheit und Stromgenerator besteht wurde entwickelt, um das am AKW Fukushima austretende Wasser zu  verarbeiten und kann zwei Tonnen Wasser pro Stunde aufbereiten. Eine weitere Einheit auf einem zwei Tonnen-LKW schafft 0,6 Tonnen pro Stunde.

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