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Japan aktuell: Alarm an Pumpe von Fukushima-Reaktor 2 und Suche nach Lecks in Kondensationskammern

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Fukushima: Luftschleuse am Zugang zum Sicherheitsbehälter am 10. Mai 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Luftschleuse am Zugang zum Sicherheitsbehälter am 10. Mai 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Luftschleuse am Zugang zum Sicherheitsbehälter am 10. Mai 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Luftschleuse am Zugang zum Sicherheitsbehälter am 10. Mai 2012 (Foto: TEPCO)

Erneut liefern die Zustände am AKW Fukushima aktuelle  Schlagzeilen. TEPCO meldete nun Probleme mit einer weiteren Pumpe des Kühlsystems, veröffentlicht jedoch auch Informationen über eine Inspektion von Kondensationskammern und Pläne zur Sicherung von Fukushima-Reaktor 4.

Auch bietet der Betreiber aus der Anlage von Fukushima aktuell neues Bildmaterial  zum monatlichen Fortschrittsbericht vom Mai 2012. Einzelheiten zu diesen Fukushima News, sowie weitere Neuigkeiten – etwa das Bekenntnis von Japans Premier zum Neustart des AKW Oi  jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 8. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Alarm an Pumpe von Fukushima-Reaktor 2
  • Such nach Lecks in Kondensationskammern von zwei Fukushima-Reaktoren
  • Schwere Stahlplatte soll Abklingbecken gegen Trümmer schützen
  • Befragung: Ex-TEPCO Präsident Shimizu muss heute aussagen
  • Wasseransammlung am Abfalllagergebäude nahe Fukushima-Reaktor 2
  • Neustart-Erklärung von Premier Noda von Protesten begleitet
  • Mitglied der Giftgas-Sekte hatte möglicherweise Zweitkonto
  • Giftgas-Sektenmitglied nutze realen Fremdnamen  und Bürgschaftsdienst

Alarm an Pumpe von Fukushima-Reaktor 2: Wie der Betreiber TEPCO mitteilt, wurde am heutigen Freitag kurzfristig die Hauptpumpe des alternativen Kühlsystems von Reaktor 2 am AKW Fukushima Daiichi manuell angehalten, nachdem dort ein Alarm auf niedrigen Saugdruck der Pumpe hingewiesen hatte. Die Wassertemperatur habe zu diesem Zeitpunkt 24,4 Grad Celsius betragen.

Da bei einer anschließenden Untersuchung weder ein Wasserleck, noch Probleme mit der Isolierung, oder eine Verstopfung des Ansaufgfilters festgestellt werden konnten, wurde die Pumpe um 11:32 Uhr neu gestartet und die Kühlung des Abklingbeckens fortgesetzt. Die Wassertemperatur zum Zeitpunkt des Neustarts betrug 24,5 Grad Celsius.

Als Ursache für den Alarm wird die kurzzeitige Änderungen der Wasserdurchflussrate und die zeitweise Abnahmen des Saugdrucks aufgrund von  Arbeiten am Ionenaustausch-Gerät des Abklingbeckens von Reaktor 2.

Such nach Lecks in Kondensationskammern von zwei Fukushima-Reaktoren: Einem Bericht des Konzerns TEPCO zufolge, betraten am Mittwoch erstmals seit dem Ausbruch der Fukushima-Krise Angestellte die Teile der Reaktoren 2 und 3 in denen sich die Kondensationskammern befinden. Ihre Aufgabe bestand daran, die genaue Quelle des radioaktiven Wassers, das aus den Kammern austritt, zu untersuchen. Diese Maßnahme verlief jedoch erfolglos.

Fukushima Reaktor 3: Blick in den Torus vom Nordwesteingang am 6. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima Reaktor 3: Blick in den Torus vom Nordwesteingang am 6. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Allerdings erfolgten von den Treppenaufgängen und vom Torus aus, Messungen der Wassertiefe.

Die Betreiberfirma erklärt, das radioaktiv kontaminierte Wasser habe sich im Fukushima-Reaktor 2 bis zu einer Höhe von 5,33 Metern angesammelt. In Reaktor 3 habe der Wasserspiegel bei 5,43 Metern gelegen. Damit habe das Wasser mehr als die Hälfte der Höhe der rettungsringartig geformten Kondensationskammern (Torus) mit einem Durchmesser von neun Metern, erreicht.

Dem Material von TEPCO zufolge waren die Arbeiter bei den Maßnahmen in Reaktor 2 und Reaktor 3 einer Gesamtbelastung bis maximal 6,49 Millisievert ausgesetzt.

Entsprechende Aufnahmen, die nach der Inspektion veröffentlicht worden waren, zeigten jedoch keine Hinweise auf mögliche schwerwiegende Schäden an der Konstruktion oder den Anlagen.

Das Auffinden von Lecks und Schäden an den Sicherheitsbehältern und Kondensationskammern und deren Reparatur ist eine Grundvoraussetzung, um bei der Stilllegung der Reaktoren den Sicherheitsbehälter mit Wasser auffüllen und dann die geschmolzenen Brennelemente entfernen zu können. Neben TEPCO berichtete auch die NHK über die Situation.

Schutzplatte für das Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 4 am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Schutzplatte für das Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 4 am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Schwere Stahlplatte soll Abklingbecken gegen Trümmer schützen: Um zu verhindern, dass bei den Demontagearbeiten im oberen Bereich von Reaktor 4 unabsichtlich Trümmerteile in das darunter liegende Abklingbecken stürzen und möglicherweise Schäden verursachen, hat TEPCO nun eine Schutzplattform aus Stahl für diesen Bereich vorgesehen. Bislang ist dort lediglich eine leichtere Abdeckung vorhanden.

Die neue Stahlplattform wird dagegen zunächst am Boden zusammenmontiert und die schützende Platte dann mit schwerem Gerät hinaufgehoben. Die Platte hat eine Länge von 11 Metern und eine Breite von 13,7 Metern. Das Gewicht des fertig montierten Stücks beträgt etwa 60 Tonnen. Eine kleine Plattform für schweres Gerät ist direkt neben der fraglichen Stelle bereits vorhanden.

Befragung: Ex-TEPCO Präsident Shimizu muss heute aussagen: Am heutigen Freitag begann die öffentliche Befragung des früheren TEPCO-Präsidenten Masataka Shimizu durch den Untersuchungsausschuss der Fukushima-Krise. Von besonderem Interesse dürften dabei die Angaben von Shimizu zu dem Verdacht sein, TEPCO habe zu Beginn der Akutphase beabsichtigt, alle Angestellten von dem Gelände der Anlage abzuziehen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Den bisherigen Anhörungen und sonstigen Ermittlung zufolge, habe der damalige Premierminister Naoto Kan den TEPCO-Präsidenten am 15. März 2011 am frühen Morgen  in sein Büro befohlen, damit dieser seine Absicht erkläre. Anschließend habe er sich auf den Weg zum Hauptsitz des Unternehmens gemacht und die Führung des Konzerns heftig beschimpft habe.

Wasseransammlung am Abfalllagergebäude nahe Fukushima-Reaktor 2: Am Mittwoch wurde gegen 14:30 Uhr bei einer Untersuchung der Behälter im zusätzlich eingerichteten unteridrischen Abfalllagergebäude von Reaktor 2 wurde eine Wasseransammlung am Aufbewahrungsbehälter für Schlamm und dem Behälter für  abgenutztes Kunstharz bestätigt. Die Gesamtmenge des angesammelten Wassers wird auf etwa 830 Kubikmeter geschätzt.

Wasseransammlung am Abgasrohrschacht am 6. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Wasseransammlung am Abgasrohrschacht am 6. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Die angesammelte Flüssigkeit ist nicht aus dem Gebäude herausgelangt und nach Betreiberangaben besteht hierfür auch keine Möglichkeit.  Die atmosphärische Dosisrate beträgt an der Oberseite des Behälters 0,03 Millisievert pro Stunde Da dieser Wert auch dem des  Untergrunds entspricht, geht man davon aus, dass die Ursache Regenwasser oder Grundwasser ist, das einfloss. Untersuchungen vor Ort würden ebenso durchgeführt, wie Arbeiten um den Wasserfluss anzuhalten.

Harz findet in Atomkraftwerken bei Kunstharz-Ionenaustauschern Verwendung.

Neustart-Erklärung von Premier Noda von Protesten begleitet: Auf der für den heutigen Freitag angekündigten Pressekonferenz die als Fernsehansprache erfolgte, rechtfertigte Japans Premierminister Yoshihiko Noda den geplanten Neustart und erklärte, er werde den Neustart veranlassen.

Wie zu erwarten, betonte er, dass die Anlage des Kernkraftwerks Oi sicher und dessen Elektrizität von entscheidender Bedeutung für Japans Wirtschaft ist.

Japans Premierminister Yoshihiko Noda (Foto: Leon E. Panetta cc-by)
Japans Premierminister Yoshihiko Noda (Foto: Leon E. Panetta cc-by)

Da bislang 30 Prozent von Japans Strombedarf durch Atomkraft gedeckt wurde, sei die japanische Gesellschaft  nicht überlebensfähig, wenn man alle Reaktoren dauerhaft ruhen liesse. Zudem könnten sich in diesem Fall einige Unternehmen dazu entschließen, ihre Produktion außerhalb Japans zu verlagern, was zu Arbeitslosigkeit führen würde.

Es ist meine Entscheidung, dass die Reaktoren 3 und 4 des AKW Oi neu gestartet werden sollen, um die Existenz der Bürger zu sichern

Issei Nishikawa, Gouverneur der Präfektur Fukui hatte zuvor  mehrere Vorbedingungen für sein Einverständnis in die Neustartpläne beim gestellt. Bei der direkten Erklärung des Premierministers gegenüber der Öffentlichkeit, hatte es sich um die letzte der Bedingungen gehandelt. Jetzt ist zu erwarten, dass auch der Fukui-Gouverneur frühestens nächster Woche zustimmen wird. Nationale und internationale Medien berichteten über den Entschluss.

Gegen die Atompolitik der Regierung versammelten sich zwischen 4.000 bis 5.000 Demonstranten vor der Residenz des Premierministers um ihrem Unmut über die Entscheidung des Premierministers Ausdruck zu verleihen.

Mitglied der Giftgas-Sekte hatte möglicherweise Zweitkonto: Wie die Nachrichtenagentur Kyodo heute unter Berufung auf Ermittlerkreise meldet, verfügte der Flüchtige Katsuya Takahashi offenbar über große Mengen an Geld, bei dem es sich möglicherweise um Zuwendung der Sekte Omu Shinrikyo handelt.

Takahashi wird im Zusammenhang mit dem Terroranschlag der fälschlicherweise Aum-Sekte genannten Gruppierung auf die U-Bahn von Tokyo 1995 gesucht. Bis vor wenigen Tagen hatte die Polizei 17 Jahre lang keine heisse Spur. Erst durch die Festnahme von Naoko Kikuchi war das frühere Sektenmitglied wieder in das Fadenkreuz der Ermittler gelangt (Spreadnews berichtete).

Es wird nun vermutet, dass Takahashi neben seinem Lohnkonto auch über ein zweites Konto verfügte, auf dem Gelder, die ihm von der Sekte zu Beginn seiner Flucht zur Verfügung gestellt worden waren. Nach seiner hastigen Flucht aus dem Wohnheim seines Arbeitgebers wird verstärkt nach ihm gefahndet.

Giftgas-Sektenmitglied nutze realen Fremdnamen  und Bürgschaftsdienst: Nachdem bekannt geworden war, dass Katsuya Takahashi sich in den Besitz von Dokumenten eines real existierenden „Shinya Sakurai“ gebracht und diesen als Tarnidentität missbraucht hatte, stellte sich nun heraus, dass auch der  Alias „Chizuko Sakurai“, der von Naoko Kikuchi genutzt worden war, ebenfalls einer real existierenden Person zuzuordnen ist. Das berichtet die Mainichi Shimbun. Keine der beiden Realpersonen steht in irgendeinem Zusammenhang zu der Endzeit-Sekte

Nach Aussage von Kikuchi begannen sie und Takahashi etwa ab 1997 diese Namen zu nutzen um ihre Identität zu verbergen. In dem 2001 abgeschlossenen Mietvertrag für die Wohnung in Kawasaki, wo sie bis zum Oktober 2011 lebten, benannte er einen 59 Jahre alten Mann als seinen Schwager und Bürgen benannt.

Öffentliches Telefon (公衆電話) in Japan (Foto: Taisyo cc-by)
Alibi-ya: Identitätsdienst verhalf Sektenmitglied zu Wohnung (Foto: Taisyo cc-by)

Wie sich herausstellte, betrieb der Mann bis 2004 einen der so genannten „Alibi-ya“ – einen Dienst bei dem er sich als  Bürge für Personen ohne Familien anbot, die sonst bei einigen Vertragsabschlüssen und ähnlichem benachteiligt wären. Auch Frauen im Rotlichtgewerbe greifen auf diese Dienste zurück, um eine gesellschaftlich akzeptierte Scheinidentität wahren zu können.

Zum polizeilich gesuchten Ex-Sektenmitglied befragt erklärte er, ihm sei nicht bekannt gewesen, dass es sich um Takahashi gehandelt habe. Außerdem habe er sein Bürgschaftsgeschäft 2004 aufgegeben, nachdem die Polizei ihm mitgeteilt habe, dass diese Angebote auch von Schwarzmarkt-Kredithändlern missbraucht werden.

Im Mietvertrag war das Geburtsjahr von Kikuchi mit 1973 angegeben und als früheren Wohnort die Anschrift eines alten, zweistöckigen Gebäudes genannt, in dessen Gegend keine der beiden Kultisten jemals gesehen wurde.

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