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Japan aktuell: Weitere ALPS-Einheit am AKW Fukushima wieder in Testbetrieb

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AKW Fukushima: Adsorptionsturm der Multinuklid-Filteranlage ALPS am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Adsorptionsturm der Multinuklid-Filteranlage ALPS am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)

Nachdem der Taifun „Francisco“ nicht zur großen Katastrophe führte, die von vielen Weltuntergangsjüngern erwartet wurde, ist für den Betreiber des AKW Fukushima heute vor allem der zweite Start einer ALPS-Einheit von Bedeutung.

Auch im Bezug auf Arbeiter am Kraftwerk gibt aus aus Fukushima aktuell neue Meldungen.

Einzelheiten zu den Fukushima News sowie weitere Meldungen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Oktober 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • ALPS am AKW Fukushima wieder in Testbetrieb
  • TEPCO will Arbeiterzahl am AKW Fukushima erhöhen
  • Nach Wrackdemontage nun Suche nach Tsunami-Opfern
  • Taifun Francisco und die Folgen
    • AKW Fukushima und die Regenfälle am Samstag:
    • Stromausfall in Tokyo durch TEPCO
    • Regenfälle führen zu Verspätungen bei Shinkansen
    • Geländeuntersuchungen auf Izu-Oshima
    • Auswirkungen der Evakuierung
    • Schäden durch Regenfälle

ALPS am AKW Fukushima wieder in Testbetrieb: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO am heutigen Montag mitteilte, wurde nach einer dreimonatigen Unterbrechung aufgrund von Korrosion an einigen Teilen des Systems auch der Testbetrieb einer weiteren Einheit der Multinuklid-Filteranlagen ALPS wieder aufgenommen.

AKW Fukushima: Bedienung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Bedienung des ALPS-Filtersystems am 4. April 2013

Nach Angaben des Unternehmens begann der Testbetrieb von ALPS-Einheit A um 10:08 Uhr Ortszeit.

Das ALPS-Filtersystem war erstmals im März gestartet, jedoch im Juni wieder abgestellt worden, nachdem man festgestellt hatte, dass unverarbeitetes radioaktives Wasser ausgelaufen und der Schaden durch Korrosion entstanden war (Spreadnews berichtete am 17. Juni, sowie am 3. und 26. Juli 2013).

Nachdem ein Rostschutzmittel im Filtersystem-Tank aufgetragen wurde, nahm man den Testbetrieb an einer ALPS-Einheit im September wieder auf.

Dann jedoch störten Matten, die bei Arbeiten im Tank irrtümlich dort verblieben waren den Betrieb (Spreadnews berichtete am 30. September 2013). Nach Beseitigung läuft diese erste ALPS-Einheit bislang problemlos.

Sollte es keine Störungen geben, so hofft das Unternehmen das verbleibende Multinuklid-Filtersystem bereits Mitte November wieder in Betrieb nehmen zu können.

Diese Anlagen gelten als entscheidender Schlüssel zur Bewältigung des Problems zur Wasserlagerung in leckgefährdeten Großbehältern.

Nicht nur, dass die Kapazität der Wasseraufbereitung von täglich 500 Tonnen durch das ALPS pro Einheit um 250 Tonnen erweitert werden würde – durch die Filterung von 62 radioaktiven Nukliden hofft man, dieses Wasser auch in großem Maßstab verklappen zu dürfen.

Verläuft alles nach Plan, so will TEPCO bis März 2015 das gesamte eingelagerte Wasser vollständig dekontaminiert haben. Über den Neustart berichteten jiji und NHK.

TEPCO will Arbeiterzahl am AKW Fukushima erhöhen: In einem deutlichen Gespräch zwischen Shunichi Tanaka, Vorsitzendem der NRA, sowie TEPCO-Präsident Naomi Hirose versicherte dieser, das Unternehmen werde noch mehr Arbeiter von anderen Anlagen zum Kraftwerk Fukushima Daiichi verlegen.

Fukushima-Reaktor 1: Strahlungsmessungen am 5. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
Arbeiter bei Strahlungsmessungen in Reaktor 1 am 5. Mai 2011 (Foto: TEPCO)

Diese Ankündigung ist eine Reaktion auf die Kritik der NRA an der steigenden Zahl von Zwischenfällen, die auf menschliches Versagen zurückzuführen sind.

Bereits zuvor war TEPCO von der NRA zu dieser Maßnahme aufgefordert worden (Spreadnews berichtete am 4. Oktober 2013) und hatte daher in einem Bericht vom 15. Oktober gemeldet, zu den Schutzmaßnahmen gegen weitere Lecks gehöre auch die Entsendung von 20 Angestellten des AKW Kashiwazaki-Kariwa zur Anlage Fukushima Daiichi.

Hirose erklärte nun , es werde zunehmend schwieriger, ausreichend Arbeitskräfte am Kraftwerk einzusetzen. Zudem sehe man sich mit bislang noch nicht gekannten Schwierigkeiten konfrontiert. Bereits die Kommunikation der Arbeiter untereinander sei durch das Tragen der Atemschutzmasken deutlich erschwert.

Unter den zu mobilisierenden Angestellten anderer Anlagen gehören auch Arbeiter, die bislang nicht an Kernkraftwerken, sondern an Wasser- und Wärmekraftanlagen beschäftigt waren.

NRA-Vorsitzender Tanaka rief dazu auf, geeignete Maßnahmen zu treffen, um Arbeiter sowohl vor hoher Strahlung zu schützen, als auch die Arbeitsabläufe für Angestellte so zu strukturieren, dass sie sowohl effizient, als auch fehlerunanfällig sind. Durch die Senkung der Strahlung könnte auch das Tragen von Atemschutzmasken verringert und die Kommunikation verbessert werden.

Außerhalb des Treffens räumte Hirose anschließend gegenüber Reportern ein, die Einwände der NRA seien korrekt. Es gebe nach wie vor viele Bereiche, in denen das Tragen der Atemschutzmasken erforderlich sei.

Für TEPCO besonders wichtig war der Hinweis der NRA, ob tatsächlich die für einen Neustart erforderlichen Sicherheitskontrollen an anderen TEPCO-AKW durchgeführt würden, werde man von den Maßnahmen abhängig machen, die das Unternehmen für das AKW Fukushima Daiichi treffe. Der Elektrizitätskonzern hofft auf einen Neustart des AKW Kashiwazaki-Kariwa.

Über dieses Treffen, bei dem es sich um das erste Gespräch unter vier Augen handelt und bis auf die ersten Minuten nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war, berichteten Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Es gilt als äußerst ungewöhnlich, dass sich der Leiter einer Kontrollbehörde mit dem Verantwortlichen eines Atomkraftwerkbetreibers trifft. Nach Darstellung der NRA sei das Treffen hinter verschlossenen Türen jedoch erforderlich gewesen, um Klartext sprechen zu können.

Nach Wrackdemontage nun Suche nach Tsunami-Opfern: Nachdem die Arbeiten zur Demontage des an Land geworfenen 330-Tonnen-Schiffs Kyotoku Maru Nr. 18 am 24. Oktober abgeschlossen wurden, führten Polizeikräfte in Kesennuma eine Suchaktion durch.

Kesennuma (Präf. Miyagi): Wrack der Kyotoku Maru Nr. 18 am 20. August 2013 (Foto: jetalone cc-by
Kesennuma (Präf. Miyagi): Wrack der Kyotoku Maru Nr. 18 am 20. August 2013 (Foto: jetalone cc-by

Ziel der Aktion war es, die Bereiche, die zuvor vom Schiffswrack bedeckt waren, nach den Vermissten des Tohoku-Erdbebens 2011 abzusuchen. Insgesamt 30 der insgesamt 237 Personen, die offiziell noch als vermisst gelten, sollen sich zum Zeitpunkt des Tsunami in diesem Gebiet aufgehalten haben – der einzige Bereich der Stadt, der bislang nicht durchsucht wurde.

Über die Suche nach den Spuren der Vermissten berichtete die Mainichi Shimbun.

Taifun Francisco und die Folgen: Nachdem das von Weltuntergangspropheten prognostizierte Unglück sowohl beim Taifun „Wipha“, als auch beim Taifun „Francisco“ ausblieb, gibt es, wie erwartet, lediglich Fakten zu den Entwicklungen am Wochenende zu berichten. An dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung einiger Ereignisse.

AKW Fukushima: Arbeiter bei Vorbereitungen auf Taifun Francisco am 25. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Arbeiter bei Vorbereitungen auf Taifun Francisco am 25. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)

AKW Fukushima und die Regenfälle am Samstag: In seinen Berichten vom Samstag listet der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi die Maßnahmen auf, die bislang getroffen wurden, um einen gefährlichen Anstieg der Wasserpegel durch die Regenfälle an der Anlage zu verhindern.

Dabei nennt er sowohl die Einsatzdauer der einzelnen Pumpen, als auch der Feuerwehrfahrzeuge, die das anfallende Regenwasser in die unterirdischen Behälter Nr. 4 (aus den Barrieren der Lagertanks in den Bereichen H2 bis H4) und Nr. 7 (aus Lagertanks in den Barrieren in den Bereichen H5 bis H6) abpumpen.

Nachdem die Wasserproben aus den Bereich G6 (Nord) und G4 (Süd) den Grenzwert nicht überschritten, wurde dort sich ansammelndes Regenwasser durch Öffnung der Ventile in die Umwelt entlassen. Bei Messungen vom Freitag lagen Cäsium-134 und Cäsium137 unter dem Nachweiswert. Für Strontium-90 wurden 9,5 (G6) bzw. 2,7 (G4) Becquerel pro Liter nachgewiesen.

Stromausfall in Tokyo durch TEPCO: Am Samstag kam es im Tokyoter Bezirk Suginami, der von TEPCO mit Elektrizität versorgt wird, in 700 Haushalten zu Stromausfällen. Diese dauerten von 7:00 bis 7:45 Uhr an. Ob ein Zusammenhang mit dem Taifun Francisco besteht ist unklar. Tepco erklärte, man werde die Ursache ermitteln. Das berichtete die NHK.

Regenfälle führen zu Verspätungen bei Shinkansen: Der Schnellzug Tokaido-Shinkansen musste am Samstag auf seiner Strecke teilweise die Geschwindigkeit aufgrund der Regenfälle herabsetzen. Daher kam es auch zu Verspätungen von zehn Minuten auf der Strecke.

Geländeuntersuchungen auf Izu-Oshima: Nach den schweren Regenfällen auf der Insel Izu-Oshima und einer damit verbundenen Wetterwarnung, untersuchte am Samstag ein Team von 30 Experten des Ministeriums für Land, Infrastruktur und Transport (MLIT) besonders gefährdete Gebiete.

Hafen Okada auf Izu-Oshima (Foto: tsu cc-by)
Hafen Okada auf Izu-Oshima (Foto: tsu cc-by)

Es bestehe in den Gebieten immer noch eine gefährliche Situation, jedoch habe sich die Gefahr durch den Zustand des Geländes nach den jüngsten Regenfällen nicht erhöht. Dies sei auch nicht zu erwarten, da der Regen geringer ausgefallen war als beim Taifun „Wipha“.

Die am Freitag erlassene Evakuierungsanordnung wurde dann am Samstagnachmittag aufgehoben, die Warnung vor Erdrutschen blieb jedoch in Kraft. Zuvor waren alle 8.300 Bewohner angewiesen worden, sich vor dem nahenden Sturm in Sicherheit zu bringen. Insgesamt verbrachten mehr als 1.300 von ihnen die Nacht in Notunterkünften.

Über die Entwicklungen berichtete die Wetterbehörde, sowie die NHK. Die Wetterbehörde prognostizierte für Sonntag verbesserte Verhältnisse und Sonnenschein für Tokyo und die Inselgruppe, die sich nur 120 Kilometer südlich der Hauptstadt befindet.

Bereits am Sonntag kehrten nach Angaben der Mainichi Shimbun die ersten Einwohner wieder auf die Insel zurück.

Auswirkungen der Evakuierung: Welche Auswirkungen die Katastrophenwarnungen nach dem Erdbeben vom Samstagmorgen hatten, zeigt beispielsweise die Kleinstadt Higashi-Matsushima (39.922 Einwohner). Alleine dort waren 1.854 Personen aus 668 Haushalten in Küstennähe evakuiert worden.

In Hokota (Präf. Ibaraki) waren 760 Personen aus 293 Haushalten evakuiert worden, da sie in Gebieten wohnen, in denen Erdrutschgefahr bestand. Sie kehrten erst um 7:00 Uhr nach Aufhebung des Evakuierungsstatus zurück.

In Hamamatsu (Präf. Shizuoka) wurden 175.000 Personen angewiesen, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten, nachdem ein nahe gelegener Fluss durch die Regenfälle angeschwollen war.

Schäden durch Regenfälle: In Iwata (Präf. Shizuoka) wurden 17 Häuser überflutet und in Fukuchiyama (Präf. Kyoto) kam es zu Schäden an einer Betonbrücke. Ein 65 Meter langes Teilstück der Konstruktion wurde fortgespült.

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