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Japan aktuell: Angst vor Taifun Roke betrifft auch Fukushima

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Taifun Roke am 21. September 2011 (Foto: NASA)
Taifun Roke am 21. September 2011 (Foto: NASA)
Taifun Roke am 21. September 2011 (Foto: NASA)
Taifun Roke über Japan am 21. September 2011 (Foto: NASA/GSFC, Rapid Response.)

Auch außerhalb Japans wird der Weg des Taifuns Roke verfolgt, nicht zuletzt ist die Angst vor Schwierigkeiten am AKW Fukushima aktuell einer der Gründe weshalb man nun nach Japan blickt. Was dort in, an und um den Taifun Roke und das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi geschieht – nun samt Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. September 2011.

Opfer und Schäden durch Taifun Roke: In Japan ist die Zahl der Todesopfer, die durch den Taifun Roke ums Leben kamen auf insgesamt sechs gestiegen, melden japanische Medien. 55 Menschen wurden verletzt, sechs weitere offiziell vermisst. (Stand 15:42 MESZ)

Zu den Todesopfern zählen ein 71-jähriger Mann, der in der Präfektur Saga aus einem Fischerboot fiel, als er es festmachen wollte. Ein 79 Jahre alter Mann in der Präfektur Ehime, der von einem Fluss mitgerissen worden war und ein 50-60 Jahre alter Mann in der Stadt Nagoya. Auch er wurde offenbar von einem Fluss mitgerissen. In Nagoya starb auch ein 66-jähriger Mann, der bei Aufräumarbeiten vom Dach fiel.

Polizist rettete Frau: Bereits gestern verhinderte ein Polizeibeamter ein weiteres Opfer und rettete nachdem ein Notruf eingegangen war, eine 58-Jährige Frau aus dem durch den Taifun angeschwollenen Fluß Muko in der Präfektur Hyogo, indem er sich seiner Uniform entledigte und die Frau vor dem Ertrinken rettete, bevor seine Kollegen beide mit einem Seil herauszogen.

Doch auch in Japans Hauptstadt Tokyo sind die Flüsse bedrohlich angeschwollen, viele Menschen haben aus Angst die Stadt verlassen. Der Sturm war zuvor um 14:00 Uhr Ortszeit bei Hamamatsu (Präfektur Shizuoka) auf Land getroffen und zwischen 13:00 Uhr und 14:00 Uhr zu Niederschlägen von mehr als 45 Milimetern geführt . Ab 15:00 Uhr bewegte er sich mit Geschwindigkeit von 45 Kilometern und Windgeschwindigkeiten bis 216 Kilometern pro Stunde auf die Region Tohoku zu.

Der Konzern Toyota, der vor allem als Automobilhersteller bekannt ist, hat in mehreren seiner Werke aus Sicherheitsgründen vorerst den Betrieb eingestellt. In Kobe mussten 120 Passagiere eines Zuges aufgrund eines Erdrutsches aus dem Zug steigen und wurden, soweit bekannt unverletzt 500 Meter zum nächsten Bahnhof gebracht.

Besorgnis um AKW Fukushima: Besondere Besorgnis herrscht bei vielen, da auch die Präfektur Fukushima und damit auch das dortige Atomkraftwerk Fukushima Daiichi auf dem Weg liegt, den der Taifun vermutlich nehmen wird, nachdem er über Tokyo hinweg ist. Wie der Betreiber TEPCO mitteilte, wurde alle Arbeiten vor Ort eingestellt. Der Taifun sollte dort zunächst gegen 20:00 Uhr Ortszeit (JST) eintreffen, nun spricht man von 22:00 (15:00 MESZ).

Die Sicherungsarbeiten am AKW sollen zum Einen verhindern, dass der Wasserspiegel in den Reaktorgebäuden steigt, zum anderen soll die Ausbreitung von radioaktivem Material durch den Wind verhindert werden.

Großflächige Stromausfälle und Überschwemmungen: Mehr als 89.000 Haushalten in 13 Präfekturen waren nach Angaben der NHK zunächst ohne Stromversorgung, nun sollen es allein in Zentraljapan fast 260 000 Haushalte sein. Mittlerweilen sollen rund 536 000 Häusern in 17 Präfekturen betroffen sein (Stand 15:30 MESZ)

Die NHK meldete auch mindestens 1000 Häuser in 30 Präfekturen stünden unter Wasser. Evakuierungsbefehle oder Aufforderungen gelten bislang für etwa 450 000 Personen in etwa 177 000 Haushalten, die meisten davon in West- und Zentraljapan, hiess es von der NHK. Die Stadt Toyokawa (Präf. Aichi) soll vollständig unter Wasser stehen. Autobahnen wurden gesperrt,  als auch der Betrieb der Shinkansen örtlich eingestellt.

In Nagoya wurde die U-Bahn überschwemmt, eine Evakuierungsempfehlung für etwa 880 000 Menschen dort wurde jedoch mittlerweile wieder aufgehoben. Nicht nur in Shizuoka (Präf. Shizuoka) knickten Bäume, in Tokyo stürzte ein Baum auf ein Taxi, verletzt wurde dabei niemand. In mehreren Präfekturen sind Einheiten der Selbstverteidigungssstreitkräfte (SDF) im Einsatz,

Einschränkungen in Tokyo: Der Berufsverkehr in Tokyo ist behindert, auch an Großbahnhöfen der Stadt saßen zehntausende Pendler fest, da gleich mehrere der U-Bahnlinien ihren Verkehr einschränken mussten. Auch über 200 Flüge wurden gestrichen Allerdings versicherten sowohl Polizei als auch Rettungsdienste und Katastrophenschutz, man sei auf die Situation gut vorbereitet.

Die Wetterbehörde riefen zu höchster Vorsicht auf, es könne zu Erdrutschen, Überschwemmungen und hohen Wellen kommen, durch den Wind könnten auch gefährliche Gegenstände herumfliegen.

Noda will Neustart von AKW gegen Sommerengpässe: In einem heute herausgegebenen Interview von Japans Premierminister Yoshihiko Noda, dass er am Dienstag dem Wall Street Journal gegeben hatte, erklärte er seine Absicht, zu Anfang des Sommers kommenden Jahres bislang ruhende Kernkraftwerke in Japan wieder hochzufahren, um möglichen Stromengpässen zu begegnen. Gefragt, ob Japan den Engpass an Elektrizität auch ohne Neustart der AKW bewältigen könnte erklärte der Premier „Das ist absolut unmöglich“

Kostenlose Krebsuntersuchungen für Fukushima-Arbeiter: Das Gesundheitsministerium entschied heute, dass Arbeiter am AKW Fukushima Daiichi, die einer gesamten Strahlung von über 100 Millisievert ausgesetzt waren, ab kommendem Jahr jeweils eine kostenlose jährliche Krebsuntersuchung erhalten sollen.

Die Entscheidung fiel aufgrund eines vorläufigen Berichts der sich mit den Langzeitfolgen auf die Gesundheit der Fukushima-Arbeiter befasst. Bis zum 15 September waren insgesamt 99 Personen einer Belastung von über 100 Milisievert und 309  Personen zwischen 50-100 Milisievert ausgesetzt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Entschädigungszahlungen auf Rentenkosten: Der Energiekonzern TEPCO erwägt offenbar, die für die Begleichung der Entschädigungszahlungen benötigten Summen auch durch Kürzungen bei der Rentenzahlung an Angestellte und der Reduzierung von Arbeitskräften  zu erlangen. Das erklärte TEPCO-Präsident Toshio Nishizawa am gestrigen Dienstag gegenüber der Presse.

Foto by NASA/GFSC, Rapid Response

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