Start Aktuelles Japan aktuell: Anhaltende Kontamination vor Fukushima-Küste bislang ungeklärt

Japan aktuell: Anhaltende Kontamination vor Fukushima-Küste bislang ungeklärt

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Kontamination vor Fukushima-Küste gibt Rätsel auf (Foto: TEPCO)

Langfristiger Schutz und Sicherheit sind Themen, die Japans Behörden unter Hinsicht auf die Katastrophe von Fukushima aktuell beschäftigen und tatsächlich zeigen etwa die ungeklärten Umstände einer dauerhaften Kontamination und die ungelöste Frage nach der Lagerung von kontaminierten Abfällen, dass noch viel zu tun ist, will man die Krise als bewältigt bezeichnen.

Neben den Fukushima News gibt es zum Wochenende auch weitere Neuigkeiten, so dass die Lage in Fukushima heute nicht einziges Thema ist. Weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Oktober 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • NRA plant umfangreichere Sicherheitsrisiken einzubeziehen
  • Lagerungsalternative für kontaminierte Abfälle entwickelt
  • Cäsium-Belastung von Meereslebewesen vor Fukushima nimmt nicht ab
  • China und Südkorea mit weiteren Aktionen um Senkaku und Takeshima
    • Vier weitere Schiffe in Grenzgewässern
    • Südkorea feiert Dokdo-Tag
    • China verlangt mehr Bemühungen Japans

NRA plant umfangreichere Sicherheitsrisiken einzubeziehen: Japans Atomsicherheitsaufsicht NRA will , anders als in den bisherigen Regelungen, die im Wesentlichen nur Erdbeben und Tsunami umfassen, in der Neufassung der Sicherheitsbestimmungen eine größere Bandbreite möglicher Gefährdungen von Atomkraftanlagen berücksichtigen.

Am gestrigen Donnertag begann ein Expertentreffen, um die bislang geltenden Standards zu prüfen. Zu den Bedrohungsszenarien für Kernkraftwerke die berücksichtigt werden sollen, zählen Faktoren wie Flugzeugabstürze und terroristische Anschläge ebenso, wie vulkanische Aktivität, Giftgase und der Kühlungsausfall aufgrund einer Verstopfung durch Quallen.

Die aktuellen Diskussionen basieren nach Angaben der NRA auf internationalen Standards. Ziel soll es sein, die Betreiberfirmen zur Einhaltung der neusten Sicherheitsstandards zu verpflichten. Von der Einhaltung der Richtlinien werden dann mögliche Genehmigungen zum Neustart bislang heruntergefahrener Anlagen abhängen.

Lagerungsalternative für kontaminierte Abfälle entwickelt: Die sichere Lagerung großer Mengen radioaktiv kontaminierter Abfälle ist ein bislang ungelöstes Problem. Doch nun behaupten Wissenschaftler eine sichere und kostengünstige Methode entwickelt zu haben, mit der selbst stark belastetes Material sicher gelagert werden kann.

Die Forschergruppe nutzt für ihre Methode konventionelles Baumaterial aus Polyethylen, das in 15 Zentimeter hohe Fächer ausgeformt wird. Diese werden mit Erde und Sand gefüllt, bevor sie dann um den radioaktiven Abfall herum aufgeschichtet werden. An Ober und Unterseite wird dann strahlungsdämmendes Material befestigt.

Die Kosten der Methode, deren Umhüllung sich je nach Menge des Abfalls anpassen lässt, liegt schätzungsweise bei 190.- US-Dollar pro Kubikmeter radioaktiven Abfalls. Nach Angaben der Wissenschaftler können die Stoffe so bis zu 50 Jahre lang sicher gelagert werden.

In Tests wurde Erdreich mit einer Belastung von 46,000 Becquerel pro Kilogramm in einem drei Meter hohen Behälter gelagert, was mehr als 97 Prozent der Strahlung erfolgreich geblockt habe. Nach Angaben der NHK plant das Umweltministerium nun einen Test in der Präfektur Fukushima, um die Brauchbarkeit der Methode zu testen.

Sowohl Wirksamkeit als auch Wirtschaftlichkeit der Methode werde man prüfen, heisst es.

Cäsium-Belastung von Meereslebewesen vor Fukushima nimmt nicht ab: TEPCO, Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, hatte in der Vergangenheit mehrfach zugeben müssen, dass bei der Kühlung des Reaktoren genutztes und daher radioaktiv kontaminiertes Wasser in das Meer gelangt war.

Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)
Fukushima-Fisch: Radioaktive Belastung nimmt nicht ab (Foto vom 1. August, TEPCO)

Nachdem dies offiziell nicht mehr der Fall ist, sollte es eigentlich zu einer Verdünnung im Meer kommen – doch der bei Meerestieren gemessene Cäsiumgehalt scheint eine andere Sprache zu sprechen. So jedenfallls die Einschätzung von Ken Buesseler, Meereschemiker am Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts (USA).

In einem Artikel, der in der Zeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde, befasst er sich mit der Tatsache, dass der Gehalt an radioaktivem Cäsium in Fischen, die vor der Küste von Fukushima gefangen wurden, praktisch nicht abgenommen hat. Buesseler war 2011 Teil eines internationalen Teams das die Verbreitung von Radionukliden untersucht hatte.

Auch wenn die meisten Fischproben unter den Grenzwerten liegen, zeigen die von ihm ausgewerteten Daten der Fischereibehörde, das 40 Prozenzt der am Meeresboden lebenden Tiere, wie etwa Flunder und Heilbutt, die Werte überschreiten, berichtet die Asahi Shimbun.

Selbst mehr als ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe nehme der Gehalt in fast allen Fischen nicht ab, was nach Ansicht des Wissenschaftlers dafür spricht, dass entweder vom Meeresboden oder einem Reaktorleck über das Grundwasser weiterhin eine starke Kontamination ausgeht.

Zumindest in Einzelfällen wurde in der Vergangenheit auch eine sehr starke Belastung nachgewiesen – im August war in Grünlingen ein Wert von mehr als 25.000 Becquerel nachgewiesen worden (Spreadnews berichtete am 21. August 2012).

In Anbetracht einer Halbwertszeit von 30 Jahren bei Cäsium-137 werden, selbst wenn die genaue Ursache ermittelt und tatsächlich ausgeschaltet werden kann, die Ablagerungen im Meeresboden noch Jahrzehnte weiter bestehen. Eine langfristige Überwachung der Daten von Fischen, Wasser und Meeresboden sei erforderlich um mögliche Ausbreitung und die Dauer bis zur Erholung des Ökosystems ermitteln zu können.

China kreuzt weiter vor Senkaku-Grenzzone: Auch nachdem sie japanische Gewässer verlassen haben, sind die chinesischen Schiffe weit davon entfernt, sich gänzlich aus dem Bereich der Inseln zurückzuziehen und Südkorea setzt auf „Brot und Spiele“. Aktuelle Meldungen zum Inselstreit jetzt im Überblick:

Japan und Korea im Disput um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Korea mit Propaganda-Veranstaltung zum Takeshima-Disput (Grafik: spreadnews.de)

Vier weitere Schiffe in Grenzgewässern: Zwischen 6:20 Uhr und 6:40 Uhr, gelangten vier Schiffe der chinesischen Meeresbehörde – die Haijian 15, 26, 49 und 50 – in die Grenzzone, nord-nordöstlich der Insel Kubajima, vor.

Zwischenzeitlich haben zwei Schiffe der Fischereibehörde – die Yuzheng 202 and 44061 – die Donnerstag im Gebiet gesichtet worden waren, die Zone am selben Tag kurz nach 20:00 Uhr verlassen.

Südkorea feiert Dokdo-Tag: Am gestrigen Donnerstag fanden an mehreren Orten Südkoreas diverse Festivitäten statt, bei denen es sich letztlich um Propaganda-Veranstaltungen für koreanische Hoheitsansprüche auf die Inselkette Takeshima (korean. Dokdo) handelt.  Das Tragen von T-Shirts und das gemeinsame Singen von etwa 300 Universitätsstudenten gehörte ebenso zu den Aktionen, wie die Reden mehrerer Politiker.

China verlangt mehr Bemühungen Japans: Yang Yu, Sprecher der chinesischen Botschaft in Tokyo, warf Japan vor, für die verschlechterten Beziehungen beider Staaten verantwortlich zu sein und müsse mehr tun, um diese wieder zu verbessern. Es handele sich um die bislang schwerste diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern.

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