Start Aktuelles Japan aktuell: Atomaufsicht muss weitere Fehler bei Strahlungskarten zugeben

Japan aktuell: Atomaufsicht muss weitere Fehler bei Strahlungskarten zugeben

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Karte der Atomkraftwerke in Japan (Foto: pd)
Karte der Atomkraftwerke in Japan (Foto: pd)
Karte der Atomkraftwerke in Japan (Foto: pd)
Karte der Atomkraftwerke in Japan (Foto: pd)

Mit dem nahenden Wochenende sollte eigentlich alle Arbeit vom Tisch sein, doch für Japans  Atomaufsicht zeichnet sich neue und wenig angenehme Arbeit ab.

Auch wenn  dagegen vom Kernkraftwerk in Fukushima heute keine Störungen gemeldet werden, so ist das Thema Atomenergie nicht nur aufgrund des jüngsten Patzers im Material der Aufsichtsbehörde weiterhin von Interesse.

Die politischen und rechtlichen Auswirkungen die mit den Ereignissen von Fukushima aktuell verbunden sind, finden sich daher ebenso in den heutigen Fukushima News, wie weitere Neuigkeiten – wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. November 2012.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • NRA räumt weitere Kartenfehler ein
  • Japan übernimmt IAEA-Vorgaben zum Jodschutz
  • „Wunderhund“ überlebt in verstrahlter Zone
  • Politische Geiselnahme beendet

NRA räumt weitere Kartenfehler ein: Erneut muss Japans Atomaufsicht NRA einräumen, dass die Karten zur Strahlungsausbreitung bei schweren Störfällen an Japans AKW immer noch fehlerhaft sind. Bereits zuvor hatten Interpretationsfehler der Windrichtung, sowie Messfehler bei beauftragten Unternehmen zu Kritik an den Karten geführt (Spreadnews berichtete).

Im aktuellen Fall hatte Tohoku Electric, Betreiber des AKW Onagawa, am gestrigen Tag darauf aufmerksam gemacht, dass die an die japanische Atomsicherheitsorganisation (JNES) übertragenen, zehnstufig gegliederten Werte zur „atmosphärischen Stabilität“  über den Kernkraftwerke, Onagawa (Präf. Mioyagi) und AKW Higashidori (Präf. Aomori) Fehler aufweisen.

Der Fehler war durch eine Eigenkontrolle des Elektrizitätsanbieters aufgefallen, zu er man sich nach den vorangangenen Fehlern bei der NRA entschlossen hatte

Insgesamt seien 177 der 17.520 Wetter-Einträge für den Zeitraum eines Jahres fehlerhaft. Dabei entfallen 108 Fehler auf die Daten zum AKW Onagawa und 69 auf das AKW Higashidori. Das zehnstufige System gliedert die atmosphärische Stabilität auf und unterscheidet dabei nach Windgeschwindkeit und Strahlungseinwirkung der Sonne.

Nach Angaben von Tohoku Electric waren die Daten durch ein angeschlossenes Unternehmen bei der Entwicklung einer Software zur Gliederung atmosphärischer Stabilität falsch eingegeben worden. Die NRA geht davon aus, dass die aktuell entdeckten Fehler nur geringe Auswirkungen haben, da sie nur einen kleinen Teil, aller für diese Standorte erfassten Daten ausmachten.

Dennoch kündigte die Atomaufsicht die Veröffentlichung des noch einmal nachgeprüften Kartenmaterials im weiteren Verlauf dieses Monats an, berichtet die Asahi Shimbun.

Japan übernimmt IAEA-Vorgaben zum Jodschutz: Am gestrigen Tag stimmte die Atomaufsicht NRA dafür, die Regelungen die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) für die Nutzung von Jodtabletten zum Schutz vor Kehlkopfkrebs durch radioaktive Belastung, in die eigenen Bestimmungen einzubeziehen.

Kaliumiodid: Grundlage der Jodtabletten (Foto: pd)
Kaliumiodid: Grundlage der Jodtabletten (Foto: pd)

Neben der Adaption der Regelungen, die eine Ausgabe von Jodpräparaten vorsieht, wenn die Strahlungsbelastung einer Person in der ersten Woche nach Ausbruch der Krise über 50 Millisievert liegt, einigte sich die NRA auch auf ein dreistufiges Modell zum Katastrophenmanagement, das sich in die Zonenregelung einfügt.

Diese drei Schritte bestehen aus der Sammlung von Informationen, Vorbereitung zur Aufforderung der Bevölkerung in geschlossenen Gebäuden zu bleiben und der Anordnung an die Bevölkerung, so die Nachrichtenagentur jiji.

Zusätzliche Themen der Gespräche sind Richtlinien zur Reaktoreinschätzung für Betreiber und die Klärung der Zuständigkeiten der Regierung in Tokyo, sowie der örtlichen Verwaltungen im Fall einer Reaktorkatastrophe. Unklarheiten über die Rollenverteilung der Instanzen hatte die Koordination während der Fukushima-Krise behindert.

„Wunderhund“ überlebt in verstrahlter Zone: Die Nachrichtenagentur Kyodo greift heute einen Bericht vom August 2012 auf, wenn sie nun von einem Hund mit dem Namen Kiseki („Wunder“) berichtet, der offenbar durch das Fressen von verendeten Rindern in Tomioka, das nur 12 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt liegt, überlebt hat.

Gesichtet wurde das Tier von Naoto Matsumura, dem einzigen Bewohner, der die Ortschaft nicht verlassen hat, sondern ohne Elektrizität als „Beschützer der Tiere von Fukushima“ bekannt wurde und für dessen Arbeit mitlerweile auch Spenden eingehen.

Jenseits der Kyodo gibt es von anderer Stelle  jedoch die unbelegte Behauptung, Matsumura arbeite mit einem Unternehmen Namens SoseiWorld Co. Ltd., offenbar Entwickler eines pseudowissenschaftlichen „basischen Wassers“ zusammen. Die Firma soll angeblich Tiere ohne jede Ernährung für Dekotaminations-Strahlungsstudien auf der Rinderfarm von Matsumura halten.

Politische Geiselnahme beendet: Die gestrige Geiselnahme in einer Filiale der Shinkin-Bank in Toyokawa ist in der Nacht unblutig zu Ende gegangen. Die Polizei nahm den 32 Jahre alten Koji Nagakubo fest, nachdem sie sich durch ein Fenster Zutritt zu dem Gebäude verschafft und den auf einem Stuhl schlafenden Geiselnehmer festgenommen hatte.

Wagen der japanischen Polizei (Foto: pd)
Geiselnahme mit politischem Hintergrund beendet (Abb. symbolisch Foto: pd)

Der mit einem Messer bewaffnete Mann hatte am gestrigen Nachmittag fünf Geiseln genommen, jedoch im Austausch gegen Lebensmittel bereits um 21:33 Uhr eine Bankkundin (48) wieder frei gelassen. Die gesamte Geiselnahme dauerte insgesamt 12 Stunden. Neben Lebensmitteln, Getränken und Pressekontakt hatte Nagakubo den Rücktritt der amtierenden Regierung gefordert.

Eine Geisel (19) trug einige Wunden an einem Arm davon, die möglicherweise auf die Fesselung zurückzuführen sind, mit der sie an den Täter gefesselt war. Die übrigen drei geretteten Personen – der stellvertretende Filialleiter (41), eine Angestellte (27) und eine Teilzeitangestellte (55) blieben unverletzt. Hierüber berichteten japanische Medien, wie etwa Kyodo und jiji.

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