Start Aktuelles Japan aktuell: Atomausstieg nach Fukushima keine offizielle Regierungslinie

Japan aktuell: Atomausstieg nach Fukushima keine offizielle Regierungslinie

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Kantei: Sitz von Japans Premierminister in Tokyo Foto: kobakou (cc-by)
Widersprüchliches aus dem Büro des Premierministers Foto: kobakou (cc-by)
Kantei: Sitz von Japans Premierminister in Tokyo Foto: kobakou (cc-by)
Widersprüchliches aus dem Büro des Premierministers Foto: kobakou (cc-by)

Während der japanische Kronprinz klare Worte fand und den zahlreichen Blutspendern dankte, die den Opfern des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami durch ihren Spenden halfen, sorgten die Formulierungen von Premierminister Naoto Kan für Verwirrung – stellten sich seine Äußerungen zum Atomausstieg, der nach den Ereignissen von Fukushima aktuell diskutiert wird, doch als offenbar missverständlich heraus.

Klarere Meldungen zur Lage in Japan nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Juli 2011.

Japanische Regierung plant offiziell keinen Atomausstieg: Japans Premierminister Naoto Kan hat durch gestrige Äußerungen signalisiert, Japan strebe den Atomausstieg an und erklärte, Japan wolle systematisch und in Etappen aus der Kernenergie aussteigen  – diese Aussage wurde nun von Regierungssprecher Yukio Edano relativiert. Die gemachten Aussagen seien keine Anordnung und stellten auch nicht die offizielle Linie der Regierung dar.

Mit den Äußerungen zum Atomausstieg sorgt der Premierminister bereits zum zweiten Mal in der Atomkrise für Verwirrung – bereits die Anordnung der Stresstests und Belastungsproben für japanische Reaktoren war überraschend gekommen.

Die Nachrichtenagentur Jiji berichtete zuvor am Mittwoch, Kan habe davon gesprochen, Japan solle die Atomenergie aufgeben. Die Yomiuri Shimbun nannte als Grund hierfür seine Ansicht, dass „Unfälle nicht mit herkömmlichen Maßnahmen vollständig verhindert werden können„. Die Asahi Shimbun zitierte ihn mit der Aussage Japan müsse „eine Gesellschaft anstreben die nicht von Kernenergie abhängig“ sei.

Vollständige Dekontamination der Stadt Fukushima geplant: Nicht zuletzt als Mittel gegen die Angst der Bewohner vor einer radioaktiven Verstrahlung, plant die Stadtverwaltung, das gesamte Stadtgebiet zu dekontaminieren, so ein Bericht der Yomiuri Shimbun. Primäres Ziel der Maßnahmen, die nach Schätzungen bis zu 20 Jahre dauern werden und in Gebieten mit hohen Messwerten von Radioaktivität beginnen sollen, sind  öffentliche Einrichtungen sowie Landschaftsbereiche wie Flüsse und Berge.

Damit handelt es sich bei Fukushima nach der Stadt Date um die zweite Gemeinde, die ihr Gebiet zur Gänze dekontaminieren will.

Ein Viertel des belasteten Fleisches verzehrt: Angaben der Präfekturalführung Tokyo zufolge ist etwa ein Viertel des Rindfleisches, das durch radioaktiv belastetes Futtermittel mit teils hohen Dosen von Cäsium kontaminiert wurde, bereits verzehrt worden. Dabei sei die Lieferroute von inneren Organen der sechs schwer belasteten Rinder besonders schwierig zu verfolgen, da für diese Produkte keine rechtliche Verpflichtung zur Nachverfolgbarkeit besteht. Das meldet die Asahi Shimbun.

Das laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Jiji in der Stadt Osaka gefundene Rindfleisch aus dem Betrieb in der Präfektur Fukushima habe Cäsiumwerte von 3710 bis 4350 Becquerel pro Kilogramm Fleisch aufgewiesen. Der gesetzlich zugelassene Höchstwert beträgt 500 bq/kg

Geothermie-Kraftwerk in Iwate geplant: Bereits 2015 will die Präfektur Iwate eine geothermische Anlage starten um so in der Stromerzeugung unabhängiger von Kernkraft zu werden, berichtet die Mainichi Shimbun. Bislang sind Erdwärme-Anlagen in Japan eher unpopulär, befürchten doch die Betreiber der populären Onsen-Bäder, die einen wichtigen Tourismusfaktor in Japan darstellen, die dort genutzten natürlichen Heisswasserquellen könnten durch die Nutzung der Erdwärme austrocknen.

Dennoch könnte der Bau des Erdwärme-Kraftwerks in einem früheren Wintersportgebiet unweit der Stadt Hachimantai, einen Impuls zur Nutzung alternative Energien geben.

Grabsuche in Japan: Auch wenn im August das Obon, ein buddhistischer Feiertag in Japan, der den Verstorbenen gewidmet ist ansteht, ist es vielen Japanern nicht möglich die Gräber ihrer Ahnen aufsuchen zu können, oder verstorbene Angehörige zu bestatten, meldet die Yomiuri Shimbun.

Während in einigen Präfekturen die Grabsteine von Tsunami mitgerissen worden, dürfen einige intakte Friedhöfe nicht zur Bestattung aufgesucht werden, da sie sich in der Sperrzone um das AKW Fukushima befinden. Vielerorts wurden die Verbrennungsöfen der Krematorien beschädigt, was in Japan, einem Land in dem die Feuerbestattung üblich ist, vermehrt zu Problemen führt.

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