Start Aktuelles Japan aktuell: Atombehörde soll mehr Präfekturen über AKW-Stresstests informieren

Japan aktuell: Atombehörde soll mehr Präfekturen über AKW-Stresstests informieren

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Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)
Industrieministerium förderte nach Fukushima-Katastrophe die Atomenergie (Foto: BlackRiver cc-by)
Gebäude des METI in Tokyo (Foto: BlackRiver cc-by)
METI: Die Unterbehörde NISA soll genauer aufklären (Foto: BlackRiver cc-by)

Nachdem der gestern gemessene niedrige Wasserstand im Sicherheitsbehälter von Fukushima-Reaktor 2 nicht wie bislang geschätzt bei 3,4 bis 4 Metern, sondern lediglich 60 Zentimeter betragen hatte und der Austritt radioaktiven Wassers ins Meer aufgrund eines Leitungslecks für Aufregung gesorgt hatten, ist heute eine Kontamination auf dem Gelände des AKW Fukushima aktuell zu melden.

Doch neben den Fukushima News gibt es heute auch Berichte zu den Folgen des Tohoku-Erdbebens und weitere Informationen aus Japan.  Dies nun im heutigen Spreadnews Japan-Ticker vom 27. März 2012.

 

Unsere heutigen Themen:

  • NISA soll Stresstest-Nachbarpräfekturen informieren
  • Präfektur Shiga verschärft AKW-Katastrophenschutzrichtlinien
  • Bezirk in Tokyo entschuldigt sich für Fehlalarme
  • Stadt in Aichi akzeptiert Trümmer
  • Kontamination an Checkpoint des AKW Fukushima
  • Haftstrafe für Unterstützerin des Giftgas-Sektenmitglieds

NISA soll Stresstest-Nachbarpräfekturen informieren:  Vertreter der Atomsicherheitsbehörde NISA werden am Donnerstag die Leitung von zwei Präfekturen aufsuchen, um diese von der Sicherheit eines Kraftwerks nach dem von NISA und der NSC anerkannten Stresstests zu überzeugen, heisst es in einer Meldung der NHK.

Nachdem beide Instanzen die Stresstests für die Reaktoren 3 und 4 des AKW Oi in der Präfektur Fukui akzeptiert hatten, gibt es Widerstand aus den angrenzenden Präfekturen Shiga und Kyoto, die bei einem Unglück des Kraftwerks ebenfalls von den Auswirkungen betroffen wären.

Daher fordern diese Präfekturen ebenfalls Erklärungen zu den Stresstests und den Sicherheitsvorkehrungen der Nuklearanlage. Es ist das erste Mal, dass die NISA gegenüber Präfekturen die selber nicht über AKW auf ihrem Gebiet verfügen, entsprechende Ausführungen machen wird.

Die offizielle Entscheidung über einen möglichen Neustart liegt nach dem OK beider Kontrollinstanzen nun bei der japanischen Regierung. Die Führung in Tokyo hatte jedoch bereits angekündigt, zuvor das Verständnis und die Erlaubnis der betroffenen Verwaltungen einzuholen (zur Unklarheit dieser Regelung siehe den Spreadnews-Artikel vom gestrigen Montag).

Präfektur Shiga verschärft AKW-Katastrophenschutzrichtlinien: Als erste Präfektur Japans entschied sich die Leitung der Präfektur Shiga auf einem gemeinsamen Treffen mit Vertretern der Regierung in Tokyo und Repräsentanten der Selbstverteidigungsstreitkräfte für eine Änderung der bisherigen Katastrophenschutzrichtlinien.

Ausschlaggebend waren von der Präfektur durchgeführte Simulationen über die mögliche Ausbreitung radioaktiven Materials im Falle eines schweren Unglücks an einem Atomkraftwerk.

Die Gouverneurin der Präfektur, Yukiko Kada, erklärte, das Fukushima-Unglück habe gezeigt, dass man sich nicht auf die Regierung verlassen könne. Daher liege es nun in der Verantwortung der örtlichen Verwaltungen, Daten zusammenzutragen und selbst Katastrophenschutzsysteme zu entwerfen, um die möglichen Schäden zu minimieren.

Durch die neuen Richtlinien wird etwa der Radius der Sicherheitszone für Kraftwerke von der offiziellen Regierungsvorgabe von 30 Kilometern vergrößert – beim AKW Tsuruga in der benachbarten Präfektur Fukui sollen es somit 43 Kilometer werden.

Zudem wurde auch das Gebiet, in dem beim Eintritt eines Reaktorunglücks die Bewohner angewiesen werden, zum Schutz vor der Einlagerung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse als Sicherheitsmaßnahme Jodtabletten zu sich zu nehmen, von dem bisherigen 50 Kilometer Umkreis auf die gesamte Präfektur ausgedehnt. Das berichtet die NHK.

Bezirk in Tokyo entschuldigt sich für Fehlalarme: Bereits Erdbebenwarnungen über so genannte Apps für Mobilgeräte haben ihre Tücken – dies zeigte bereits die amüsante Schilderung einer unserer Kontakte in Tokyo, der berichtet hatte, erst nach einem Erdbeben hätten die Geräte Alarm gegeben (Spreadnews berichtete am 14. März 2012).

Nun hat sich nach Angaben der Mainichi Shimbun die Verwaltung des Bezirks Bunkyo für einige, auf kabellosem Wege übertragene Fehlalarme über schwere Erdbeben entschuldigt.

Zweimal hatte das System irrtümlich Alarm ausgelöst. Üblicherweise soll das System erst bei Erdbeben der Stärke 5 Minus (shindo go-jaku) auf Japans siebenstufiger Skala die Bürger warnen.

Der Tokyo Dome im Bezirk Bunkyo (Foto: pd)
Der Tokyo Dome im Bezirk Bunkyo (Foto: pd)

Zunächst hatte am 14. März 2012 gegen 20:00 Uhr ein Erdbeben mit Epizentrum vor der Küste der Präfektur Chiba eine kabellos übertragene Meldung ausgelöst, in der die Bürger mit einem Hinweis gebeten wurden, mit anderen gemeinsam zu handeln und Ruhe zu bewahren – obwohl das Beben den Tokyoter Bezirk nur mit Stärke 2 bis 3 betraf.

Bereits einen Tag später kam es trotz Anpassungen am System um 4:20 Uhr morgens aufgrund eines Erdbebens in der Präfektur Saitama auch zu einem Alarm in Tokyo Bunkyo – doch auch in diesem Fall war die Einschätzung falsch.

Als Ursache wurde eine falsche Signalübermittlung in den Bürocomputern ausgemacht. Die Reparaturen sollten nun jedoch abgeschlossen sein. Vor dem Tohoku-Erdbeben war der kritische Wert noch mit 5 Plus (shindo go-kyo) festgelegt worden. Da das Beben des 3/11 jedoch bereits mit einer Stärke von 5 Minus in dem Bezirk Schäden angerichtet hatte, wurde der Grenzwert für Erdbebenwarnungen herabgesetzt.

Stadt in Präfektur Aichi akzeptiert Trümmer: Die Stadt Toyota (Präf. Aichi) ist unter bestimmten Voraussetzungen bereit, Trümmer aus den Krisengebieten zu übernehmen. In einem, während einer Versammlung der Stadtverwaltung vorgelegtem Beschluss, sprach sich mit 43 von 46 Stimmen die Mehrheit der Mitglieder für den Beschluss aus. Gegenstimmen gab es lediglich von Mitgliedern der kommunistischen Partei Japans (KPJ).

Das Toyota Sangokan Gebäude (Foto: pd)
Das Toyota Sangokan Gebäude (Foto: pd)

Toshihiko Ota, Bürgermeister von Toyota akzeptierte den Beschluss und betonte die Wichtigkeit, dass die Regierung in Tokyo mit den Präfekturleitungen und anderen örtlichen Verwaltungen zusammenarbeiten müsse, so die Mainichi Shimbun.

Zu den in dem Beschluss geforderten Bedingungen gehört, dass die Trümmer erst nach genauer Überprüfung auf den Grad möglichen radioaktiven Materials als konventionelle Abfälle verarbeitet werden. Sowohl Regierung als auch Präfekturleitung wären zudem verpflichtet, alle Informationen über die Trümmerentsorgung öffentlich zu machen.

Kontamination an Checkpoint des AKW Fukushima: Am heutigen Dienstag um 12:42 Uhr entdeckte ein Mitarbeiter von TEPCO bei dem Transport von Wasserproben aus dem AKW Fukushima in das Dienstgebäude der Reaktoren 3 und 4, neben dem Monitor eines Checkpoints, an dem die Kontamination von Gegenständen der Arbeiter, die den so genannten Kontrollbereich verlassen überprüft wird, eine Belastung durch radioaktives Material.

Man untersuche nun die Ursache der Kontamination und habe den Tisch, sowie weitere Bereiche in denen eine Kontamination bestehen könnte, vom übrigen Raum abgeteilt und gesperrt, die Situation sei somit unter Kontrolle.

Haftstrafe für Unterstützerin des Giftgas-Sektenmitglieds: Am heutigen Dienstag sprach das Bezirksgericht Tokyo die 49 Jahre alte Akemi Saito zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten.

Saito hatte Makoto Hirata, einem führenden Mitglied der Sekte Omu Shinrikyo, Unterschlupf gewährt und ihn 17 Jahre lang vor der Polizei verborgen gehalten, obwohl ihr der Umstand, dass er polizeilich gesucht wurde, bekannt gewesen sei. Mit dem Urteil bleibt das Gericht unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von zwei Jahren Haft. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Gebäude des Bezirksgerichts und Obergerichts Tokyo (Foto: っ cc-by
Urteil gegen Fluchthelferin der Omu Shinrikyo (Foto: っ cc-by)

Nach Razzien der japanischen Polizei gegen die Endzeit-Sekte, die neben anderen Verbrechen auch für den Gas-Anschlag auf die U-Bahn von Tokyo im Jahr 1995 verantwortlich ist, war Hirata im Zusammenhang mit einem Todesfall während einer Entführung noch im selben Jahr zur Fahndung ausgeschrieben worden und daraufhin untergetaucht.

Zwei Monate später stieß Akemi Saito, ebenfalls Mitglied der Sekte zu ihm und gemeinsam wechselten sie in diesem mehrmals ihren Wohnsitz in der Region Tohoku, bevor sie sich ein Jahr später in der Präfektur Osaka niederliessen.

Saito arbeitete dort unter falscher Identität, während Hirata die meiste Zeit über im Haus verbracht habe. Bis zum Neujahr 2012, als Hirata sich dazu entschloss, sich den Behörden zu stellen, hatten beide zwischen Mai 1997 und dem 31. Dezember 2011 dort zusammengelebt.

Die Kläger hatten zwei Jahre gefordert, da sie einen gesuchten Kriminellen lange Zeit der Verhaftung entzogen und dadurch öffentliche Ängste geschürt hätte, während die Verteidigung ihr Geständnis und ihre Entschuldigung betonten und eine Bewährungsstrafe verlangt hatten.

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