Start Aktuelles Japan aktuell: Atomkontrolle nutzte alte Handbücher von AKW-Herstellern als Richtlinie für Überprüfungen

Japan aktuell: Atomkontrolle nutzte alte Handbücher von AKW-Herstellern als Richtlinie für Überprüfungen

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Das AKW Shimane (Foto: KEI cc-by)
Reaktorbau am AKW Shimane wird fortgesetzt (Foto: KEI cc-by)
Das AKW Shimane (Foto: KEI cc-by)
Das AKW Shimane (Foto: KEI cc-by)

Während der Chinese Li Guolin, der am Mittwoch aus einem Gefängnis in Hiroshima geflohen war, bereits wieder gefasst wurde, tut man sich im Bezug auf das AKW Fukushima aktuell mit Kontrolle wieder einmal schwer. Zwar wurde durch eine Kontrolle auf dem Gelände des Atomkraftwerks ein weiterer gefluteter Tunnel entdeckt – bei den Instanzen die eigentlich die Atomindustrie überwachen und kontrollieren sollen, wurden stattdessen wieder Mängel aufgedeckt. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Januar 2012.

Atomkontrolle hatte keinen eigenen Leitfaden: Die Unabhängigkeit von Kontrollinstanzen ist in Japan problematisch, wie etwa der Umstand dass Behörden zur Überwachung der Sicherheit von Atomkraftanlagen wie die NISA dem Industrieministerium (MEXT) unterstellt sind. Zwar will man diesen Zustand durch die Schaffung einer neuen Kontrollinstanz ändern – doch wie im November vergangenen Jahres bekannt wurde, ging der Einfluss der Atomindustrie noch weiter.

So hat die japanische Nuklearsicherheitsorganisation (JNES)  seit ihrer Gründung im Oktober 2003 ihre Überprüfungen auf Basis eines Handbuchs und Richtlinien durchgeführt, das von Herstellern und Betreibern von Atomkraftwerken stammt und ohne Änderungen kopiert wurde.

Ein fünfköpfiges Expertenteam führte eine entsprechende Untersuchung durch, bei der durch Befragungen aufgedeckt wurde, dass die JNES seit Beginn ihrer Arbeit den Atombrennstäbe-Hersteller Global Nuclear Fuel-Japan Co. (JNF-J) systematisch gebeten hatte, entsprechende Richtlinien zu entwerfen. Letztlich sei der Inhalt unverändert übernommen und lediglich das Buchcover geändert worden. Anhand der vom Hersteller selbst verfassten Richtlinie wurden dann die eigenen Anlagen kontrolliert. Dies berichtete die Mainichi Shimbun am Mittwoch.

Heute nun wurde die JNES angewiesen, ein eigenes Handbuch mit eigenen Richtlinien zum Vorgehen bei der Prüfung von Kernkraftanlagen zu entwerfen. Das Expertenteam fordert neben 12 weiteren Schritten vor allem eine bessere Schulung der Mitarbeiter, da das bislang genutzte System nicht detailliert genug sei und es im Vergleich zu den Vorgaben der U.S. Nuclear Regulatory Commission an Systematik mangeln lasse.

Japan schützt für Atomwaffen geeignetes Material ungenügend: Die Nuclear Thread Initiative, eine Organisation die sich für den Abbau von Massenvernichtungswaffen einsetzt hat einen Bericht über die Sicherheitsbedingungen unter denen waffenfähiges Material gelagert wird, veröffentlicht. Insgesamt wurden 32 Staaten, die über ein Kilo oder mehr dieser radioaktiven Substanzen verfügen beurteilt – und Japan wurde mit 68 von 100 möglichen Punkten in Sachen Atomwaffensicherheit lediglich 23er.

Damit ist waffenfähiges Material in Japan sogar schlechter geschützt als in Südafrika (73/100 Punkten) und Kasachstan (71/100 Punkten). Im Vergleich von sieben großen Staaten wurde Japan somit letzter, da hier das Risiko, dass derartige Substanzen gestohlen würden deutlich höher sei. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Weiterer Tunnel mit 300 Tonnen radioaktivem Wasser überflutet: Nachdem am 18. Dezember 2011 ein Tunnel mit 220 Tonnen radioaktiv kontaminiertem Wasser entdeckt worden war, begannen am Mittwoch weitere Kontrollgänge – und erneut wurde ein Mitarbeiter bei der Suche nach Wasserlachen in derartigen Tunneln  fündig (Spreadnews berichtete).

Wie TEPCO gestern mitteilte, wurde jetzt sogar ein weiterer Tunnel der mit Wasser geflutet war, entedeckt, berichtet heute die Nachrichtenagentur Kyodo. Es handelt sich offenbar um einen Tunnel der als großer Kabelschacht zum Verlegen elektrischer Leitungen dient. Er befindet sich in der Nähe von Reaktor 300. Es soll sich um etwa 300 Tonnen Wasser, die mit relativ hohen Mengen an radioaktivem Material belastet sind handeln.

Der Betreiber beziffert die Belastung durch radioaktives Cäsium auf zwischen 49 bis 69 Becquerel pro Kubikzentimeter. Noch sei unklar wie sich das kontaminierte Wasser dort ansammeln konnte –  man untersuche die Herkunft. Wasser mit einer niedrigeren Konzerntration sei auch in einem Tunnel in der Nähe von Reaktor 1 entdeckt worden.

Katastrophenübung für Ausländer in Tokyo: Am heutigen Freitag führte die Präfekturpolizei Tokyo eine Katastrophenübung für die dort lebenden Ausländer in der Tokyo Taiikukan (Sporthalle der Präfektur Tokyo) durch. Neben dem Auffrischen der Kenntnisse von Notrufnummern (Polizei: 11o Feuerwehr/Rettung: 119), gehörte auch der richtige Umgang mit dem Feuerlöscher und das Verhalten bei Erdbeben und Rauchentwicklung zum Programm.

Tokyo Taiikukan: Präfektursporthalle Tokyo (Foto: pd)
Katastrophenübung in der Präfektursporthalle Tokyo (Foto: pd)

Neben etwa 150 Personen aus 40 Nationen, darunter auch Botschaftsangestellte, nahmen auch ehrenamtliche Übersetzer und Feuerwehrleute, sowie Behördenangestellte an der Maßnahme teil. Zwar werden derartige Übungen bereits seit 2007, erstmals wurde jedoch auch praktisches Evakuierungstraining absolviert, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Insgesamt leben etwa 400.000 registrierte Ausländer in Japans Hauptstadt.

Auch U-Bahnhöfe in Tokyo rüsteten für mögliche Katastrophen auf. Nach Angaben der Yomiuri Shimbun stattete die Tokyo Metro Corporation alle ihre 170 Bahnhöfe mit genug Wasser in Flaschen sowie warme Decken für insgesamt 100.000 Personen aus.

Besonders seit dem Tohoku-Erdbeben und der von der Asahi Shimbun Anfang des Jahres veröffentlichten Prognose, es bestehe eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent, dass sich in den nächsten 30 Jahren das erwartete große Erdbeben  der Stärke 9 ereignen wird, sind die Maßnahmen zum Katastrophenschutz von verstärktem Interesse.

Walfanggegner an Australien ausgeliefert: Wie die japanische Fischereibehörde mitteilte, wurden am heutigen Freitag die drei Aktivisten, die ein japanisches Begleitschiff der Walfangflotte geentert und daraufhin an Bord festgehalten worden waren den australischen Behörden übergeben. Da es keine Verletzten oder Sachschäden gegeben habe, wurden diese nicht nach Japan gebracht und dort angeklagt, sondern von nun einem australischen Schiff abgeholt. Hierüber berichteten die Nachrichtenagentur jiji und die Mainichi Shimbun.

Giftgas-Sektenmitglieder mit großen Mengen Bargeld:
Akemi Saito (49), einst Mitglied der Sekte Ōmu Shinrikyō, die für eine Reihe von Verbrechen, darunter auch für den Sarin-Gasanschlag auf die U-Bahn von Tokyo im Jahr 1995 verantwortlich ist, stellte sich jüngst der Polizei. Nun ermittelt die Polizei die Umstände unter denen sie sich gemeinsam mit Makoto Hirata (46), ebenfalls früheres Sektenmitglied, über fast 17 Jahre hinweg verbergen konnte.

Während Hirata im Frühling 1995 bereits 10 Millionen Yen von einem Sektenmitglied erhalten hatte, um damit seine Flucht zu finanzieren, wurden nun auch bei Saito insgesamt acht Millionen Yen in Bargeld sichergestellt, die sie bei ihrer Verhaftung der Polizei ebenso aushändigte wie ihr Mobiltelefon und Hiratas abgelaufenen Führerschein.

Straße in Higashi-Osaka (Foto: docadoca cc-by)
Straße in Higashi-Osaka (Symbolbild: docadoca cc-by)

Die Herkunft der Summe wird bislang untersucht, die Frau gibt jedoch an, das Geld in ihrer gemeinsamen Wohnung in Higashi-Osaka aufbewahrt zu haben – obwohl sie unter dem Falschnamen Shoko Yoshikawa sowohl arbeitete, als auch ein Bankkonto eröffnet und einen Plan zur Altersversorgung angelegt hatte, berichtet die Mainichi Shimbun.

Dagegen geht die Asahi Shimbun auf die psychologische Komponente ihrer Aliasnamen ein und erklärt, zum Zeitpunkt ihrer Geburt sei „Akemi“ ein sehr beliebter Vorname für Frauen gewesen.

Dass sie sowohl bei ihrer Arbeit in einem Restaurant in Sendai, als auch später in der osteopathischen Klinik stattdessen jeweils Vornamen wählte, die auf die Silbe „ko“ enden und damit der Mehrzahl weiblicher Frauennamen entsprechen, zeige ihren Wunsch, in der Masse der Normalbürger unerkannt unterzugehen.

Von besonderer Bedeutung sieht die Zeitung daher auch ihr Verhalten unmittelbar bevor sie sich auf Rat des Anwalts Takimoto stellte und kurz nach der Verhaftung durch die Polizei an.

Der Umstand, dass sie zuvor ihre Eltern in der Präfektur Fukushima anrief um sich zu entschuldigen, dass sie ihr Leben nicht nach der Bedeutung ihres Namens geführt habe (Die Schriftzeichen bedeuten „strahlend“ und „schön“) und ihr geschriebenes Geständnis, dass sie bei der Verhaftung ablieferte mit den Worten begann „Heute benutze ich zum ersten mal seit 17 Jahren meinen wahren Namen, mein Leben der Lügen ist vorbei“ hat nach Ansicht des Blattes schon kitschige Qualität.

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