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Japan aktuell: Auffälligkeiten an Reaktor 4 des AKW Fukushima

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Fukushima Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima: Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima: Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)

Mit Akira Iwanaga starb gestern im Alter von 91 Jahren ein Überlebender beider Atombombenabwürfe auf die Städte Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945. Unterdessen ist die Präfektur Fukushima aktuell nicht das einzige Gebiet in Japan, in dem Menschen um ein Leben wie vor den Katastrophen im März vergangenen Jahres kämpfen.
Auch Kraftwerksbetreiber TEPCO hat sich einiges für das angebrochene Jahr vorgenommen, doch ein schneller Durchbruch ist auch am AKW Fukushima aktuell nicht zu erwarten.

Mehr Fukushima News und Informationen aus Japan nun aktuell im heutigen Spreadnews Japan-Ticker vom 03. Januar 2012.

Neujahrsbeben liess Wasserstand in Fukushima-Ausgleichsbehälter sinken: Möglicherweise hatte das Erdbeben zu Beginn des neuen Jahres zumindest teilweise Auswirkungen auf die Anlage des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi. Die Betreiberfirma TEPCO berichtet, es sei in einem Wassertank am Reaktor 4 zu einem langsamen Sinken des Wasserstands gekommen, der von ihnen als „nicht normal“ eingestuft wurde.

Offenbar wurde die Wasserleitung zwischen einem Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe in Reaktor 4 und einem Überlauf- und Ausgleichsbehälter für das radioaktiv belastete Wasser unterbrochen, als das Wasser stattdessen zurück und möglicherweise in Reaktorbehälter geflossen sei. Darauf deute der ähnlich starke Abfall (im Ausgleichsbehälter) und Anstieg (im Reaktorbehälter) des Wasserstands hin. Der Wasserstand im Reaktorbehälter ist nach Angaben von TEPCO niedriger als der des Abklingbeckens.

Normalerweise wird das Wasser aus dem Ausgleichsbehälter nach der Passage eines Durchlauferhitzers und der Reinigung durch mehrere Filter, der Entsalzung usw. wieder dem Abklingbecken zugeführt, um auf diese Weise die Temperatur des Wassers zu senken und Fremdstoffe zu entfernen.

Eine (leicht veraltete) Grafik illustriert das Prinzip des Kühlkreislaufs:

Kühlsystem an Reaktor 4 (Grafik: TEPCO am 16. August 2011)
Zirkulationskühlsystem am Fukushima-Reaktor 4 (Grafik: TEPCO am 16. August 2011)

Der Wasserabfall  von acht bis neun Zentimetern pro Stunde liegt deutlich über der sonstigen natürlichen Schwankung von 1,6 Zentimetern pro Stunde, aufgrund von Verdunstung. Dennoch bestehe kein Risiko für die Kühlung des Abklingbeckens. Die Ursache des weiter andauernden Wasserabfalls werde untersucht, erste Kontrollen hätten keine Lecks ausfindig gemacht. Als erste Maßnahme habe man Wasser in den Behälter eingespeist.

Herausforderungen warten am AKW Fukushima Daiichi:  Zu sagen, auf TEPCO kämen in diesem Jahre viele Aufgaben zu, wäre nur teilweise richtig, denn neben der Bewältigung neuer Herausforderungen, sind es vor allem die Arbeiten des vergangenen Jahres, die fortgeführt werden müssen. Für die vollständige Stilllegung wurde ein Zeitraum von 40 Jahren gesteckt, in dem etwa der weitere Erhalt eines stabilen Zustands und beständiger Kühlung notwendig ist um weitere Arbeiten durchführen zu können.

Als Teil des Planes der in diesem Jahr umgesetzt werden soll, wird die Entfernung von Schutt und Trümmern am Reaktor 4 angestrebt, um dann tatsächlich die Entfernung der Brennstäbe einleiten zu können, so die NHK. Zudem will der Energiekonzern die Forschung und Entwicklung von Technologie zur Dekontamination des Inneren der Reaktorgebäude angehen und die Druckbehälter reparieren.

Am Kraftwerk soll dagegen die Länge der vier Kilometer langen Rohre zur Kühlung und Dekontamination halbiert werden und eine neue Einheit genutzt werden, mit der sich auch radioaktives Strontium aus dem belasteten Wasser entfernen lässt.

Die NHK zitiert hierzu Professor Hisashi Ninokata vom Tokyo Institute of Technology, der vor dem beständigen Risiko von Lecks in den Rohren, durch die radioaktiv kontaminiertes  Wasser herausgelangen könnte warnt und dem Betreiber empfoehlt, die Bedrohung dadurch zu verringern, dass das Eindringen von Grundwasser in Gebäude verhindert werden und das Filtersystem dichter und kompakter gestaltet werden sollte.

Bereitschaftspolizei immer noch im Fukushima-Einsatz: Seit dem Tohoku-Erdbeben sind bislang 130.000 Polizeibeamte in wechselnden Schichten in den Katastrophengebieten tätig. Die Bereitschaftspolizei der Präfekturpolizei Tokyo, die größte Bereitschaftspolizei des Landes ist mit 3.000 Beamten im Einsatz. In der Yomiuri Shimbun findet sich ein Artikel über die Tätigkeit in den zerstörten Gebieten.

So besuchten etwa die Beamten in der Präfektur Miyagi jeden einzelnen Haushalt der Übergangshaus-Siedlungen dort und berichteten über den positiven Effekt, den diese hätten. Neben Gesprächen mit älteren Bewohnern unterhielten sie auch die dortigen Kinder, indem sie etwa in Polizeiwagen sitzen durften.

Ein eher unangenehmer Einsatzort für 270 Beamte ist die Patrouille durch das menschenleere Gebiet der 20-Kilometer-Zone um das Kraftwerk Fukushima Daiichi. Dennoch will die Präfekturpolizei Tokyo,das „Metropolitan Police Department“ bis auf weiteres ihren Einsatz in den Krisengebieten fortführen.

Giftgas-Sektenmitglied von Polizeibeamten weggeschick: Es mutet ein wenig wie ein schlechter Scherz an, doch tatsächlich wurde Makoto Hirata, Mitglied der Endzeit-Sekte Omu Shinrikyo, die zu den so genannten „neuen Religionen“ (Shinshukyo) in Japan zählt, von einem Polizeibeamten nicht ernst genommen, als sich dieser in der Zentrale derPräfekturpolizei Tokyo der Justiz stellen wollte.

Da sich sein Aussehen von dem auf dem Fahndungsfoto unterschied, hielt der diensthabende Beamte ihn für einen Witzbold und verwies ihn, trotz zweimaliger Beteuerung von Hirata, bei ihm handele es sich um die gesuchte Person auf der Fahndungsliste, an das nahegelegene Polizeipräsidium Marunouchi.

Dieses nahm dann die Behauptung ernster und identifizierte ihn durch den Abgleich von  Fingerabdrücken. Die Präfekturpolizei Tokyo, die unter dem Namen „Keishi-cho“ bekannt ist und bei der es sich um die größte Behörde dieser Art handelt, kündigte an, den Vorfall zu untersuchen, bevor man Stellung beziehe, so ein Artikel der Mainichi Shimbun.

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