Start Aktuelles Japan aktuell: Ausbreitung von radioaktivem Fukushima-Grundwasser bestätigt

Japan aktuell: Ausbreitung von radioaktivem Fukushima-Grundwasser bestätigt

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Radioaktives Grundwasser breitet sich aus (Symbolfoto: TEPCO)

Auch unmittelbar vor dem Wochenende sind die Entwicklungen an den Lagertanks am AKW Fukushima aktuell immer noch Thema.

Weitere Meldungen zu Japans AKW, sowie ein Eingeständnis des Betreibers zeigen, dass die allgemeine Besorgnis angesichts der Anlage in Fukushima heute weiterhin berechtigt ist.

Mehr zu den Fukushima News und sonstige Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. September 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Fukushima-Betreiber bestätigt unterirdische Verbreitung radioaktiven Wassers
  • TEPCO ergreift Maßnahmen gegen geneigten Fukushima-Kran
  • Dampf am AKW Oi ausgetreten
  • Südkorea verbietet Fischimport aus Teilen Japans

Fukushima-Betreiber bestätigt unterirdische Verbreitung radioaktiven Wassers: Gestern meldete TEPCO den Nachweis von radioaktivem Material mit einer Strahlung von 650 Millisievert pro Stunden in Proben eines  Grundwasserkontrollpostens, der sich zehn Meter südlich von einem Wassertank im Bereich H4 entfernt befindet.

Das Problem dieses Lagertanks ist nicht neu – handelt es sich doch um jenen Behälter, aus dem nach Angaben vom 19. August 2013, bereits seit Juli etwa 300 Tonnen radioaktives Wasser ausgetreten waren. Damals war vermutet worden, dass sich die radioaktive Flüssigkeit mit dem Grundwasser in der Nähe des Wassertanks gemischt haben könnte.

Da sich der neue Fundort jedoch in einiger Distanz befindet, muss TEPCO zum ersten Mal offiziell einräumen, dass sich das radioaktive Material im Grundwasser des Geländes ausgebreitet hat. Dass die Konzentration in der Probe deutlich geringer ist als im Tank, wird auf die Verdünnung durch eingesickertes Regenwasser im Boden zurückgeführt.

Doch auch an anderer Stelle wurde erhöhte Radioaktivität nachgewiesen. So sei das Wasser vermutlich durch einen Abwassergraben teilweise auch ins Meer gelangt. Da an einem Abflussventil in der Nähe des Grundwasserkontrollpunkts eine Betastrahlung von 16 Millisievert pro Stunde gemessen wurden, geht TEPCO davon aus, dass an dieser Stelle das Wasser ausgetreten und in den Boden gelangt sei.

Als Reaktion auf die Entdeckung will das Unternehmen nun weitere Messposten bohren, um anhand dieser Kontrollpunkte die mögliche Ausbreitung des radioaktiven Grundwassers zu ermitteln.

Allerdings betonte TEPCO-Präsident  bereits gestern, dass die Messwerte vor der Küste bislang keinen Hinweis darauf geben würden, dass radioaktives Wasser in den Pazifik gelangt sei. Man gehe davon aus, dass sich mögliche Effekte auf den Bereich innerhalb der Hafenanlage beschränken. Hierüber berichteten neben dem Betreiber auch die Kyodo und Asahi Shimbun.

TEPCO ergreift Maßnahmen gegen geneigten Fukushima-Kran: Am gestrigen Donnerstag entdeckte ein Angestellter des Kraftwerksbetreibers gegen 9:15 Uhr, dass der Ausleger eines Krans, der zur Trümmerräumung aus dem Obergeschoss von Reaktor 3 eingesetzt wird, eine Abwärtskrümmung aufwies (Spreadnews berichtete am selben Tag).

AKW Fukushima: Verbindungsstück des genigten Krans am 5. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Verbindungsstück des geneigten Krans am 5. September 2013 (Foto: TEPCO)

Nachdem bei einer anschließenden Untersuchung ein beschädigtes Verbindungsstück entdeckt wurde, ergänzte TEPCO heute den bisherigen Bericht.

Um eine gefährliche Situation zu verhindern, wurde noch gestern in einer Aktion zwischen 20:30 Uhr und 23:55 Uhr der herabhängende Arm durch einen zweiten Kran angehoben und der beschädigte Kran in eine andere Richtung gedreht, so dass die beschädigten Teile nicht mehr über dem Reaktorgebäude positioniert sind.

Der geschwenkte Kranausleger und das Verbindungsteil können nun  westlich der Wasseraufbereitungsanlage von Reaktor 3, auf dem Boden abgelegt werden.

Über die Höhe der Strahlung, die potentiell zur schnelleren Ermüdung von Stahlstrukturen führen kann, machte TEPCO keine Angaben.

Südkorea verbietet Fischimport aus Teilen Japans: Die Regierung von Südkorea hat den Import von 15 Meeresprodukten aus acht japanischen Präfekturen untersagt. Die Maßnahmen stelle eine Reaktion auf die Besorgnis der Verbraucher dar und trete bereits am kommenden Montag in Kraft.

Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Hintergrund sind die Berichte über verstrahlte Abwässer aus dem AKW Fukushima Daiichi, die unkontrolliert in das Meer gelangt sind. Ab Montag sind somit Importe aus den Präfekturen Aomori, Chiba , Fukushima und Gunma, sowie Ibaraki, Iwate, Miyagi und Tochigi untersagt – unabhängig davon, ob sie tatsächlich radioaktiv belastet sind, oder nicht.

Allerdings verzichten die Fischereikooperativen der Präfektur Fukushima ohnehin auf kommerziellen Fischfang.

Bereits unmittelbar nach Ausbruch der Fukushima-Krise hatte Südkorea den Import japanischer Fischereiprodukte über einem bestimmten Grenzwert verboten.

Im aktuellen Fall werde Südkorea umgehend Testzertifikate anfordern, sobald auch nur die geringste Spur von Radioaktivität festgestellt würden. Dies beschränkt sich nicht nur auf Fisch, sondern umfasst auch Milchprodukte und alle anderen Lebensmittel aus allen Landesteilen Japans.

Die neue Regelung hat jedoch auch für Südkoreas Wirtschaft Konsequenzen. So ist das Land ein wichtiger Abnehmer japanischer Produkte.  Im vergangenen Jahr wurden 5.000 Tonnen an Fischereierzeugnissen aus den acht betroffenen Präfekturen importiert. Auch verzichten Südkoreaner mittlerweile aus Angst sogar auf Meeresprodukte der eigenen Fischereibetriebe.

Japans Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga erklärte auf einer Pressekonferenz nach bekannt werden des Importverbots, man hoffe, dass Südkorea besonnen und auf Basis wissenschaftlicher Beweise entscheiden werde. Während Suga die strikten Lebensmittelkontrollen seines Landes hervorhob, hatte die südkoreanische Führung einen Mangel an Informationen beklagt.

Über den Boykott, der zunächst unbeschränkt laufen soll, berichteten jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Dampf am AKW Oi ausgetreten: Ausgerechnet am einzig noch aktiven Kernkraftwerk Japans, kam es gestern zu einem Zwischenfall. In einem Turbinengebäude von Reaktor 3 kam es an sechs Bereichen zum Austritt von Dampf. Nach Angaben des Betreibers stieg der Dampf dort bis zu drei Meter hoch.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Oi: Dampfaustritt nahe kürzlich abgeschaltetem Reaktor (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Aus Sicherheitsgründen wurden 20 Kraftwerksangestellte, die in dem Gebäude beschäftigt waren, von dort evakuiert. Der Reaktor zu dem das Turbinengebäude gehört war erst am Dienstag heruntergefahren worden.

Wie sich herausstellte, war in dem Dampf kein radioaktives Material enthalten, so dass es weder zu Strahlungsproblemen, noch gesundheitlichen Beeinträchtigungen gab. Als Ursache wird davon ausgegangen, dass ein Arbeiter versehentlich ein falsches Ventil geöffnet hatte. Kurz darauf sei der Alarm ausgelöst worden. Nach Schließung des Ventils endete auch der Dampfaustritt.

Über den Zwischenfall an der Anlage, deren letzter Reaktor kommende Woche ebenfalls heruntergefahren werden soll, berichteten jiji und NHK.

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