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Japan aktuell: Ausfall der Kühlung an Fukushima-Reaktor 6 während Notstromtests

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Symbol: Hochspannung (Grafik: pd)
AKW Fukushima: Erneut Alarm an Stromversorgung (Grafik: pd)
Symbol: Hochspannung (Grafik: pd)
Fukushima-Reaktor 6: Ausfall an Kühlsystem (Grafik: pd)

Notsysteme sollen im Allgemeinen mögliche Gefahren abwenden. Dennoch war es am AKW Fukushima heute genau solch ein Notsystem, das zu einem Zwischenfall an Reaktor 6 führte.

Zu den übrigen Fukushima News zählen unter anderem ein Arbeitsunfall und Gesetzesverstöße.

Mehr zu dem, was im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell sonst noch geschieht, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Juli 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Kühlungsausfall an Fukushima-Reaktor 6 während Notstromtests
  • Fukushima-Arbeiter stürzt in Hafenbecken
  • Verstöße gegen das Arbeitsrecht bei Dekontamination sind die Regel
  • TEPCO und Hinterbliebene einigen sich

Kühlungsausfall an Fukushima-Reaktor während Notstromtests: Am heutigen Donnerstag kam es im Verlauf einer Sicherheitsübung beim automatischen Start der Notstrom-Dieselgeneratoren zu einem Halt des Nachwärmeabfuhrsystems B. Das System dient der Kühlung von Fukushima-Reaktor 6.

Als gegen 10:16 Uhr am 6,9 kV Netzschaltfeld C die Stromversorgung unterbrochen wurde, um den automatischen Start der Notfallgeneratoren zu testen, setzte das oben genannte Kühlsystem an Reaktor 6 aus. TEPCO meldete daraufhin den Status der unterschiedlichen Teile der Kraftwerksanlage.

So sei zwar die Lüftung des Reaktorgebäudes zunächst ausgefallen, allerdings habe das Notsystem wie vorgesehen die Lüftung eingestellt, um den Unterdruck im Gebäude zu erhalten. Durch die Filter des Systems würde in einem schweren Zwischenfall der Austritt von radioaktiven Partikeln gebremst. Das Kühlsystem das Abklingbeckens habe weiterhin funktioniert.

TEPCO kündigte zunächst an, der Neustart des Nachwärmeabfuhrsystems werde etwa eine Stunde benötigen. Tatsächlich lief das System jedoch erst um 12:06 Uhr wieder. Die Wassertemperatur des Reaktors stieg auch nach dem erfolgreichen Start zunächst weiter an:

  • 10:43 Uhr:  27,1 Grad
  • 12:06 Uhr: 27,6 Grad (Neustart des Kühlsystems)
  • 13:00 Uhr: 28,0 Grad (von TEPCO „stabil“ genannt)

Als Ursache für den Zwischenfall nannte der Kraftwerksbetreiber menschliches Versagen – Angestellte hätten sich nicht an den standardisierten Vorgang gehalten und deshalb keine hinreichenden Maßnahmen getroffen, die den Kühlungsausfall beim automatischen Start der Notstromversorgung verhindert hätten.

Fukushima-Arbeiter stürzt in Hafenbecken: Am gestrigen Mittwoch stürzte ein Kraftwerksarbeiter beim Ziehen eines Seils an der Ölbarriere, südlich von Reaktor 5 in das Hafenbecken der Anlage. Der Arbeiter blieb offenbar unverletzt und konnte aus eigener Kraft wieder heraus klettern.

Es war zunächst nicht klar, ob es sich um einen TEPCO-Angestellten, oder den Mitarbeiter eines Partnerunternehmens handelte. Nach Angaben von TEPCO ergab eine Untersuchung weder eine externe noch eine inkorporierte Strahlungsbelastung durch den Zwischenfall.

Verstöße gegen das Arbeitsrecht bei Dekontamination sind die Regel: Nach Angaben des Arbeitsamts Fukushima wurde bei 264 der insgesamt 388 Unternehmen, die mit Dekontaminationsarbeiten in der Präfektur beauftragt sind, Verstöße gegen geltende Arbeitsrechte festgestellt.

Fukushima: Dekontamination von Bäumen mit Hochdruckreinigern im  Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Dekontamination von Bäumen mit Hochdruckreinigern im Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Das bedeutet konkret, dass mit 68 Prozent der Vertragsfirmen die Mehrheit dieser Unternehmen schon gegen Gesetze verstoßen hat. Insgesamt wurden, mit Stand vom gestrigen Mittwoch, bislang 684 Fälle dieser Art gemeldet.

Bei den zwischen Januar bis Juni durchgeführten Überraschungskontrollen vor Ort wurden unterschiedliche Vergehen festgestellt.

Dazu gehörten vor allem die nicht ausreichend genauen Erläuterungen der Arbeitsumstände und der Entlohnung. Auch mangelnde Einweisung in notwendige Sicherheitsmaßnahmen wurde nachgewiesen.

Bereits im März hatte die Asahi Shimbun aufgedeckt, dass einige Unternehmen ihren Beschäftigten die Gefahrenzulage nicht auszahlten und sie anwiesen, dies gegenüber den Kontrollbeamten zu verheimlichen. In mindestens einem Fall in Tomioka war eine Firma über die Kontrollen vorab informiert worden – offiziell, damit diese Dokumente heraussuchen konnten. Dieses Vorgehen müsse nun geändert werden.

TEPCO und Hinterbliebene einigen sich: Der Elektrizitätskonzern und die Hinterbliebenen von 137 Personen in der Ortschaft Namie haben sich auf Entschädigungszahlungen verständigen können.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
TEPCO und Hinterbliebene einigen sich auf Entschädigung (Symbolfoto: pd)

Im Rahmen der getroffenen Vereinbarung, wird TEPCO nicht wie ursprünglich verlangt eine Summe von elf Millionen Yen, sondern eine Maximalsumme von etwas mehr als 601.000 Yen pro Opfer zahlen.

Wie die NHK berichtet, stützen sich die Familien bei ihren Forderungen auf den Umstand, dass sie ein Trauma erlitten hatten, nachdem es ihnen aufgrund der AKW-Katastrophe mehr als einen Monat lang nicht möglich gewesen war, nach ihren Angehörigen zu suchen.

Die Hinterbliebenen sind unzufrieden, sahen jedoch keine andere Möglichkeit, als die nun ausgehandelte Zahlung zu akzeptieren.

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