Start Aktuelles Japan aktuell: Aussetzer an Notkühlung des Abklingbeckens von Fukushima-Reaktor 4

Japan aktuell: Aussetzer an Notkühlung des Abklingbeckens von Fukushima-Reaktor 4

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Fukushima Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima: Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)
Fukushima: Abklingbecken von Reaktor 4 im Juni 2011, (Foto: TEPCO)

„Saikado Hantai!“ Mit diesem Protestruf gegen den Neustart des AKW Oi lässt sich das für die dortigen Menschen vermutlich wichtigste Ereignis dieses Wochenendes zusammenfassen.

Doch bereits am Freitag begannen Wochenende und neuer Monat nicht unter guten Vorzeichen und so verliefen die folgenden Tage mit Alarmen an zwei Atomkraftwerken in Japan alles andere als ruhig.

Der Neustart des AKW Oi wurde von Blockaden und Demonstrationen unmittelbar vor dem Gelände begleitet. Mit dem erfolgten Neustart der Reaktoren gibt es somit neben der Lage am AKW Fukushima aktuell auch ein weiteres Thema, das bei der Bevölkerung für Unruhe sorgt.

Einzelheiten zu den Fukushima News sowie den anderen Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 02. Juli 2012.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Aussetzer an Kühlsystem des Abklingbeckens von Fukushima-Reaktor 4
  • Erneuter Doppelalarm vor Neustart des AKW Oi
  • Atomkraftgegner blockieren Straße zum AKW Oi
  • Neustart von Reaktor 3 am AKW Oi erfolgreich
  • Nächtliche Proteste am AKW Oi

Aussetzer an Kühlsystem des Abklingbeckens von Fukushima-Reaktor 4: Am Samstagmorgen kam es um 6:25 Uhr (Ortszeit) zu einem Alarm, der zum automatischen Halt des Kühlsystems für das Abklingbecken von Reaktor 4 führte. Nach Angaben der Betreiberfirma TEPCO betrug die Wassertemperatur zum Zeit des Alarms 31°Celsius.

Eine Freisetzung von radioaktiv kontaminiertem Wasser sei nicht aufgetreten – allerdings habe man ein Backup-Kühlsystem nicht starten können. Dennoch wurde die Möglichkeit eines raschen Temperaturanstiegs im Becken als“unwahrscheinlich“ beurteilt.

Als Ursache vermutete man bei TEPCO, dass ein Teil der Elektrizitätseinheit des Wärmetauschers für das Problem verantwortlich ist. Am Sonntag erfolgte dann ein erneuter Versuch, das System wieder zu starten.

Nach Angaben der Betreiberfirma TEPCO verliefen die Reparaturarbeiten erfolgreich, so dass die Kühlung des Abklingbeckens am Sonntag nach 15:00 Uhr wieder aufgenommen werde konnte.

Der Temperaturanstieg von 33,3°Celsius beim Ausfall des Systems am Samstag hatte sich bis zum Neustart um 9,6°Celsius  auf 42,9°Celsius erhöht. Zuvor war bereits befürchtet worden, der Wert von 65°Celsius könnte überschritten werden und so eine Verletzung der Sicherheitsrichtlinien zustande kommen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

In dem Abklingbecken werden 1.535 Brennelemente gelagert, die beständiger Kühlung bedürfen, um eine Überhitzung und mögliches Schmelzen zu verhindern.

Erneuter Doppelalarm vor Neustart des AKW Oi: Noch vor dem Neustart des ersten Reaktors am AKW Oi, der für Sonntagabend vorgesehen ist, kam es am Freitag zu weiteren Fehlalarmen am Kernkraftwerk.  Um 15:45 Uhr ertönte zweimal ein Alarm an einem Belüftungssystem in der Nähe des Sicherheitsbehälters von Reaktor 3.

Als Ursache gab das automatische System an, die Menge an Luft die in dem System verarbeitet wird, habe den voreingestellten Wert von 2,5 Kubikmeter pro Stunde überschritten. Das teilte die Atomaufsichtsbehörde NISA mit.

Nach Angaben der NISA sei jedoch keine Zunahme der Dichte radioaktiven Materials in der Luft festgestellt worden. Somit handelt es sich erneut um einen der Fehlalarme, die in den vergangenen Tagen an der Anlage bekannt wurden.  Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Atomkraftgegner blockieren Straße zum AKW Oi: Bereits am Samstag lief der Protest vor dem AKW an. Etwa 50 Protestler hätten sich demnach an den Metallzaun, der dem Schutz der Anlage dient, festgekettet. Als Teil einer Gruppe von 650 Personen blockierten nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo insgesamt 100 Aktivisten die Straße vor dem  Haupttor des Atomkraftwerks.

Dabei versuchen sie mit mehr als einem Dutzend geparkter Fahrzeuge die Angestellten daran zu hindern, auf das Gelände zu gelangen. Auch auf den per Lautsprecher vorgebrachten Hinweis der Polizei, dass es sich um einen Verstoß gegen Verkehrsgesetze handelte, reagierte man von Seiten der Demonstranten lediglich mit Gegenrufen. Bereitschaftspolizei und Protestler standen sich Auge in Auge gegenüber.

Der Protest vor dem Tor, bei dem Spruchbanner und Sprechchöre sowie Trommeln eingesetzt wurden,  solle nach Angaben der Organisatoren bis Sonntagnacht andauern – eine Ankündigung die eingehalten wurde.

Die Betreiberfirma Kansai Electric (KEPCO) erklärte später, die Proteste hätten zwar den Zutritt behindert, jedoch keinen Einfluss auf den Verlauf des Neustarts.

Zuvor hatten die 650 Protestler am Vormittag eine Petition an den leitenden Vize-Industrieminister Seishu Makino vorgelegt, die einen sofortigen Stopp des Neustarts forderte. Vizeminister Makinoo wird vermutlich etwa eine Woche lang in der Nähe des Kraftwerks bleiben, um den Neustartvorgang bis zum erreichen der vollen Leistung zu beobachten.

Über die Protestaktionen während des Tages berichteten am Sonntag neben der Kyodo auch die NHK. Nach Angaben der Mainichi Shimbun waren zwischen 300 und 400 Menschen an den Protesten vor dem AKW beteiligt.

Die Proteste am AKW Oi, die im Laufe des Tages stattfanden und die sich in japanischen Medien finden, sollen nach Twitter-Meldungen von etwa  3.000 Teilnehmern einer Demonstration im Tokyoter Stadtteil Shinjuku unterstützt worden sein.

Neustart von Reaktor 3 am AKW Oi erfolgreich:  Am Sonntag um  21:00 Uhr wurden die Kontrollstäbe im Reaktor  3 nach oben gezogen und die Kettenreaktion im Inneren der Anlage gestartet. Bis zum Montagmorgen will man den normalen Betriebszustand erreichen und ab Mittwoch die Energiegewinnung aufnehmen. Mit dem vollständigen Betrieb wird mit einem Zeitrum um den 8. Juli gerechnet.

Anhaltende nächtliche Proteste am AKW Oi: Obwohl Reaktor 3 am AKW Oi um 21:00 Uhr für „neu gestartet“ erklärt wurde , dauerte die Demonstration weiter an. Im weiteren Verlauf rückte die Bereitschaftspolizei, die den Platz abgeriegelt hatte vor und trieb die Demonstranten stellenweise auseinander (gegen 21:37 Uhr). Dabei ging es recht ruppig zu. Man hatte den Eindruck, der Proteste sollte gewaltsam aufgelöst werden.

Japanische Bereitschaftspolizei (Foto: pd)
Großaufgebot bei Protesten am AKW Oi (Abb. symbolisch, Foto: pd)

Gegen 21:45 Uhr hatte sich die Polizei wieder zu einer Sperre geformt. Sollten die Koordinatoren des Einsatzes nun möglicherweise darauf gewartet haben, dass die verbliebenen Protestler rund um die Trommlergruppe herum müde würden, so ging dieser Plan nicht auf.

Die gesamte Nacht über tanzten vornehmlich junge Demonstranten zu den ohrenbetäubenden Klängen der Trommeln und skandierten Parolen, angefeuert durch Aufrufe über Megaphone.

Kurz vor 1:00 Uhr Nachts kam das große Trommelgewitter zu einem Ende – um dann nur wenige Minuten später, nachdem sich die zuvor tanzenden Masse wieder zum Protest aufgestellt hatte, in Sprechchöre überzugehen.

Eine kurze Rede unterbrach diese –  gegen halb zwei wurden Trommeln und Sprechchöre wieder aufgenommen, jedoch eher im sitzenden Protest. Wie weit der Widerstand der Japaner gehen wird, bleibt abzuwarten.

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