Start Aktuelles Japan aktuell: Austritt von radioaktivem Wasser an Reaktor 4 des AKW Fukushima

Japan aktuell: Austritt von radioaktivem Wasser an Reaktor 4 des AKW Fukushima

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Rohrschaden in Reaktor 4 (1. Stock) am 1. Februar 2012
Rohrschaden in Fukushima-Reaktor 4 am 1. Februar 2012
Rohrschaden in Reaktor 4 (1. Stock) am 1. Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Rohrschaden in Fukushima-Reaktor 4 am 1. Februar 2012 (Foto: TEPCO)

Japan hat es in mehrfacher Hinsicht eiskalt erwischt. Die Rede ist dabei nicht nur von den gestern gemeldeten 53 Toten. Mehr als 547 Verletzten und dem Zusammenbruch einer Brücke durch heftigen Winter mit starkem Schneefall, veranlasste die Bürger, sich zu beschweren. Die Kipper würden alle in den Erdbebengebieten eingesetzt –  für das Wegschaffen der Schneelast wären deswegen keine Fahrzeuge verfügbar.

Tatsächlich war es praktisch eine Frage der Zeit, bis es nach den Lecks der letzten Zeit, bei denen nur sauberes, oder bereits dekontaminiertes Wasser ausgetreten sein soll, nun auch zum Austritt von radioaktiv belastetem Wasser kam.

Da ist es wenig verwunderlich, dass die IAEA laut Mainichi Shimbun betont, ihre Anerkennung japanischer Stresstests sei aufgrund der fehlenden Prüfung jedes Einzelfalls, keine Empfehlung zum Neustart zur Zeit ruhender Kraftwerke. Mehr Informationen im Spreadnews Japan-Ticker vom 01. Februar 2012.

Austritt von radioaktivem Wasser an Fukushima-Reaktor: Wie die Betreiberfirma TEPCO berichtet, sind aus einem verschobenen Rohr, das eine Verbindung zum Fukushima Reaktor 4 hat, insgesamt sechs Liter an radioaktivem Wasser ausgetreten. Die gemessene Strahlung belaufe sich auf 35,5 Becquerel pro Kubikzentimeter. Die Belastung des Wassers erklärt sich durch die Vermischung mit Wasser aus dem Inneren des Reaktors, das dort direkten Kontakt mit den abgebrannten Brennstäben im Abklingbecken hat.

Das Leck war am Dienstagabend um 22:30 Uhr entdeckt und um 10:43 Uhr durch schließen eines Ventils gestoppt worden. Die genaue Ursache ist noch unklar, man vermutet jedoch entweder einen Zusammenhang mit den Minustemperaturen der letzten Tage, oder aber mit Schäden durch die Explosion zu Beginn der Krise.

Regierung führte über 17 Jahre keine Krisenprotokolle: Nach einer Meldung der Yomiuri Shimbun vom gestrigen Dienstag, hat offenbar keiner der Krisenstäbe der Regierung bei den Sitzungen zu insgesamt acht Naturkatastrophen entsprechende Protokolle angelegt –  seit dem großen Hanshin-Erdbeben von Kobe im Jahr 1995 bei dem über sechstausend Menschen starben. Diese Treffen waren von der Regierung jeweils in Folge der jeweiligen Katastrophe anberaumt worden.

Zu den Naturkatastrophen bei denen Sitzungsprotokolle fehlen, gehören der Vulkanausbruch des Usu auf der nördlichsten Hauptinsel Hokkaido (2000), eine Explosion auf der Vulkaninsel Miyakejima in der Präf. Tokyo (2000) und das Chuetsu-Erdbeben in der Präf. Niigata (2004)

Datenübertragung auch bei weiteren AKW vernachlässigt: Der Umstand, dass während der akuten Krisenphase am AKW Fukushima Daiichi offenbar Geräte, die Daten über den aktuellen Zustand des Reaktors an das Notfalleinsatzssystems senden sollten, nach Umbauarbeiten nicht mehr angeschlossen worden waren und auch über keine Notstromversorgung verfügten, sorgte bereits für Unverständnis. Nun wurde bekannt, dass zum selben Zeitpunkt auch drei weitere Atomkraftwerke diesen Mangel aufwiesen.

Dem Bericht der Nachrichtenagentur jiji zufolge  wurden auch am AKW Onagawa (Präf. Miyagi), dem 2. Block des AKW Tokai (Präf. Ibaraki) und dem AKW Higashidori (Präf. Aomori) Mängel beim Datenübertragunssystem festgestellt. Die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA wies die Atomenergiesicherheitsorganisation JNES, die für das Notfallsystem der Regierung verantwortlich ist, bis Ende März Präventivmaßnahmen zu treffen.

Neue Katastrophenalarmübungen für Schulen: Das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie will mit bestimmten Modellen für Katastrophenübungen an Grundschulen und Mittelstufe, sowie Richtlinien für Lehrer, die Sicherheit an den Schulen erhöhen. Die Modellszenarien sollen dabei Vorlage für die individuellen Notfallsituationen sein.

Teil der neuen Richtlinien ist auch die Durchführung von überraschenden Alarmen, um den Schülern beizubringen, sich unabhängig von ihrem derzeitigen Standort oder ihrer Tätigkeit richtig zu verhalten, wenn ein Alarm ertönt oder eine Sirene zu hören ist.

Von besonderer Wichtigkeit sei dabei auch die Anpassung an örtlichen Gegebenheiten. So ist etwa in Küstenregionen die Rettung in höher gelegene Bereiche wichtig. Mit dieser neuen Art von Übung will man von den bislang üblichen Generalübungen, etwa sich bei einem Erdbeben unter den Tisch zu ducken, abrücken. Das berichtet die Yomiuri Shimbun.

Verband will Milch für Schulmahlzeiten testen: Da die Besorgnis über die Sicherheit von Milch besonders beim gemeinsamen Mittagessen in Schulen steigt, hat ein Verband der Milchprodukteindustrie, die „Japan Dairy Industry Association“ am heutigen Mittwoch für Februar angekündigt, alle Unternehmen die dem Verband angehören, werden Untersuchungen der Produkte auf eine mögliche Belastung mit radioaktivem Cäsium durchzuführen. Das berichtet die Nachrichteagentur jiji.

Betroffen von der Kontrolle ist Milch, die in Fabriken in 17 Präfekturen gewonnen und verarbeitet wird, darunter die Präfektur Fukushima, die nahe gelegene Präfektur Miyagi, sowie Tokyo. Getestet werden Milchprodukte für Schulmahlzeiten, örtliche Behörden führen alle zwei Wochen Tests bei Rohmilch durch.

Schwierigkeiten an Wiederaufbereitungsanlage:  Yoshihiko Kawai, Präsident des Betreibers Japan Nuclear Fuel Ltd. (JNFL) gab auf einer Pressekonferenz am Montag bekannt, dass es bei einem Brennofen der Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho (Präf. Aomori) zu Problemen gekommen war, die einen Abbruch der Vorbereitungen für einen Test an der Anlage, der eigentlich die Betriebsfähigkeit zeigen sollte, erforderlich machten.

Die Ursache ist noch unklar, es besteht somit jedoch keine Aussicht darauf, diese Anlage in naher Zukunft wieder betriebsfähig zu machen. Bereits seit Dezember 2008 hatte ein kompletter Testlauf aufgrund einer Serie von Schwierigkeiten mehrfach verschoben werden müssen. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Das Problem am Ofen, der dem  Zusammenschmelzen von hochgradig radioaktivem flüssigen Atommüll mit geschmolzenem Glas dient, könnte Auswirkungen auf die Zukunft der Atomindustrie haben. Werden doch die so genannten MOX-Brennelemente, ein Mischoxid aus Uran und Plutonium, dass aus abgebrannten Brennelementen von Atomreaktoren gewonnen wird, als Grundlage für moderne Reaktortechnik betrachtet.

Ende des Vormonats hatten bereits die Einwohner von Oma, das ebenfalls in der Präfektur Aomori liegt, für seinen Thunfisch berühmt ist und tatsächlich auch der erste Lieferant von Thunfisch auf dem Tsukiji-Fischmarkt in Tokyo nach dessen Wiedereröffnung war, erneute ihre Besorgnis über den 2008 begonnenen Bau eines Atomreaktors durch J-Power geäußert. Dieser soll als weltweit erster Leichtwasser-Reaktor der ausschließlich MOX als Brennstoff verwendet gebaut werden.

Tenno unterzieht sich Heruntersuchung: Wie das kaiserliche Hofamt am heutigen Mittwoch mitteilte, wird sich der Tenno am 2. Februar einer Untersuchung der Koronaraterie unterziehen, nachdem ein EKG bei leichter körperlicher Belastung, Anzeichen einer geringen Durchblutungsstörung gezeigt habe. Seit die Ärzte im vergangenen Jahr eine Arteriosklerose diagnostizierten, wurden gelegentliche Untersuchungen und EKG-Messungen vorgenommen. Dieses mögliche Anzeichen einer Durchblutungsstörung des Herzens war zuvor offenbar nicht aufgetreten. Eine Änderung seiner Pläne und Pflichten bestehe jedoch nicht, so das Amt.

Probleme an US-AKW: Eine Unterbrechung der Stromversorgung an einem AKW, das eine Notabschaltung durchführte, so dass die Kühlung anschliessend durch Dieselgeneratoren durchgeführt wird, das Ablassen von Dampf um den Druck zu reduzieren – was für Laien ähnlich wie eine Fukushima-Übung klingen mag, ist tatsächlich eine Störung am AKW Byron im US-Bundesstaat Illinois, die gestern von der NHK gemeldet wurde.

Der Betreiber des Kernkraftwerks, dass sich 150 Kilometer nordwestlich von Chicago befindet, sprach von einem Problem der Trafostation. Der abgelassene Dampf sei nur schwach radioaktiv, da er nicht aus dem Inneren des Druckwasserreaktors stamme und auch die US Nuclear Regulatory Commission, stuft den Zwischenfall lediglich als „ungewöhnliches Ereignis“ und damit als niedrigste der vier Gefahrenstufen ein. Eine Gefährdung für die Allgemeinheit bestehe nicht.

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