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Japan aktuell: Behörden ignorierten monatelang Hinweise auf illegale Fukushima-Abfallentsorgung

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Atomabfallfässer (Foto: Iwan Gabovitch cc-by)
Lügen in Berichten zum Fukushima-Umweltskandal (Symbolbid: Iwan Gabovitch cc-by)
Atomabfallfässer (Foto: Iwan Gabovitch cc-by)
Illegale Entsorgung war lange üblich (Symbolbid: Iwan Gabovitch cc-by)

Während der Rekordpreis für einen Blauflossenthunfisch es fast auf die Titelblätter unserer Zeitungen schaffte, blieben die jüngsten Entwicklungen in Japan praktisch unerwähnt.

Dabei gibt es aus Fukushima aktuell einiges zu berichten, etwa über die Behauptung, hohe Pilzbelastungen seien nicht auf die Nuklearkatastrophe zurückzuführen.

TEPCO hat unterdessen am Sonntag erstmals wieder Meldungen vom AKW Fukushima Daiichi geliefert, allerdings ging es wieder einmal lediglich um die Anpassung der Wasserdurchflussraten. Doch bereits morgen könnte es interessant werden.

Nach den jüngsten Geschehnissen vom Wochenende befassen sich daher auch die heutigen Fukushima News unter anderem mit den Folgen der Reaktorkatastrophe, doch natürlich gibt es neben den Entwicklungen in Fukushima heute auch weitere Meldungen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. Januar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Illegale Entsorgung soll Standard gewesen sein
    • Illegale Ablage und Verklappung statt Lagerung
    • Regierung ging schlampig mit Beschwerden um
  • Cäsium-Belastung von Pilzen angeblich keine Fukushima-Folge
  • Dekontaminations-Arbeiter mussten Daten hinterlegen
  • Stromausfall-Katastrophenübung in Wolkenkratzer
  • Regierung will Gebäudearbeiten bezuschussen
  • Senkaku-Konflikt wirkt sich aus
    • Erneut chinesisches Flugzeug nahe Senkaku
    • Mutmaßlicher Senkaku-Brandstifter nach China ausgereist
    • Festnahme nach Rauchanschlag auf Konsulat

Illegale Entsorgung soll Standard gewesen sein: Die Aufdeckung der illegalen Entsorgung von Dekontaminationsmaterial wie Erdreich, Laub und Wasser führte zu Ermittlungen des Umweltministeriums, dass die Unternehmen beauftragt hatte (Spreadnews berichtete).Nun heisst es, ein derartiges Vorgehen  sei allgemein üblich gewesen.

Wälder der Präfektur Fukushima sollen als Lager herhalten (Foto: Higurashi-Wasserfall, Juyoh Tanaka, cc-by)
Wälder der Präfektur Fukushima mussten als illegales Lager herhalten (Foto: Higurashi-Wasserfall, Juyoh Tanaka, cc-by)

Die Mainichi Shimbun bezieht sich auf Angaben eines Arbeiters, der bis vergangenen Herbst an mehreren Stellen der Präfektur zur Kontrolle der Strahlungshöhe während der Dekontaminationsarbeiten eingeteilt worden war.

Dabei wurden die Aufträge vom Hauptvertragspartner bis hin zu Sub-Subunternehmen weitergeleitet, die für einzelne Gebiete zuständig waren.

Illegale Ablage und Verklappung statt Lagerung: Der Arbeiter berichtet, da es keinen ausreichenden Platz für temporäre Lagerplätze für die eingesammelten Äste und Zweige gegeben habe – die eigentlich in speziellen Säcken gelagert werden müssen – habe man das eingesammelte Material einfach dort belassen.

In Ermangelung von Alternativen sei dies die „allgemein übliche Praxis„.

Lediglich in Modellzonen, die unmittelbar des Umweltministerium unterständen, würde man nach Vorschrift vorgehen, da es dort Kontrollen gäbe.

In allen anderen Fällen würde etwa Wasser, mit dem Oberflächen abgespritzt werden, keineswegs durch das Auslegen von Plastikplanen aufgehalten und in Behältern zur Dekontaminationsanlage gebracht.

Diese vorgeschriebenen Maßnahmen nicht durchzuführen sei „ebenfalls üblich“.

Fluss Abukuma in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Präfektur Fukushima: Kontaminiertes Material in Flüssen entsorgt (Symbolfoto: pd)

In Gebieten die nicht kontrolliert werden, würden die Dekontaminations-Teams das Wasser einfach dort belassen, wo es ist. Auch an den Straßenrändern geschnittenes Gras würde gelegentlich einfach liegengelassen.

Da verwundert es nicht, dass sich die Strahlungswerte vor Ort praktisch niemals änderten. Nach Ansicht des Arbeiters sei die Dekontamination höchst ineffektiv. Letztlich handele es sich bei der Dekontamination um die Verschwendung von Steuergeldern.

Für die Hauptvertragspartner der Regierung stellen die Dekontaminationsverträge jedoch ein einträgliches Geschäft dar.

Regierung ging schlampig mit Beschwerden um: Obwohl praktisch unmittelbar nach Beginn der Arbeiten telefonische Beschwerden über die mangelnde Entsorgung von Gras und Wasser beim Umweltministerium eingingen, die ganz klar auf Verletzung der Vorschriften hinwiesen, wurde nichts unternommen.

Tokyo Regierungsgebäude Nummer 5: Ministerien für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Umwelt
Umweltskandal: Umweltministerium wurde nicht informiert (Foto: pd)

Offenbar aufgrund von Personalmangel wurden die Angelegenheiten jedoch nicht weiter verfolgt und weder die Anzahl noch die Einzelheiten der Beschwerden, wie Unternehmensnamen, dokumentiert. Die Zahl der Protestanrufe wurde zu groß um alle aufzunehmen.

Als Reaktion auf die Beschwerden wurden die Unternehmen offenbar lediglich daran erinnert, sich an die Vertragsbedingungen zu halten. Da nicht ermittelt werden konnte, über welches Dekontaminationsunternehmen besonders viel Beschwerden eingingen, konnten auch keine gezielten Maßnahmen ergriffen werden.

Die Beschwerden gelangten offenbar nicht einmal an die Spitze des Umweltministeriums in Tokyo, selbst die große Anzahl von Beschwerden sei nicht bekannt gewesen.

Schließlich rief sogar einer der Arbeiter im Umweltministerium an und gestand, gerodete Pflanzen in Naraha einfach einen Abhang hinterbugsiert zu haben. Trotz der Antwort, man werde die Information weiterleiten, liefen die Arbeiten bis zur Fertigstellung noch mehr als einen Monat lang weiter.

Cäsium-Belastung von Pilzen angeblich keine Fukushima-Folge: Nachdem sogar auf Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido teils schwere radioaktive Belastungen von wild wachsenden Pilzen festgestellt worden war, verhängte die Regierung ein Handelsverbot für zehn Präfekturen, darunter auch zwei auf Hokkaido – Aomori und Nagano.

Chichitake: Brätling, Lactarius-volemus (Foto: pd)
Pilze angeblich nicht durch Fukushima belastet (Foto: pd)

Manchem scheint schwer vorstellbar, wie radioaktives Material teilweise über 350 Kilometer nach Norden gelangen konnte.

Nun hat Professor Yasuyuki Muramatsu, ein Experte auf dem Gebiet der Radio-Ökologie, der sich mit der Auswirkung von Strahlung auf die Umwelt befasst, eine überraschende Antwort:

Die Belastung der Pilze rührt überhaupt nicht von der Fukushima-Katastrophe, sondern sei bereits weit früher erfolgt. Als Beleg führt er den fehlenden Nachweis eines radioaktiven Elements an.

Wären etwa Wildwuchs-Pilze vom Typ „Chichitake“ tatsächlich durch die Fukushima-Katastrophe kontaminiert worden, müssten sowohl radioaktives Cäsium-134 als auch Cäsium-137 in etwa gleicher Menge nachweisbar sein.

  • Tatsächlich konnte jedoch lediglich Cäsium-137, das über eine Halbwertszeit von 30 Jahren verfügt, in Höhe von 120 Becquerel nachgewiesen werden. Cäsium-134, das eine Halbwertszeit von zwei Jahren hat, wurde nicht gemessen.

Auch bei einer anderen Pilzart wurde zwar Cäsium-137 mit einem Wert von 107 Becquerel nachgewiesen – jedoch kaum Cäsium-134. Als tatsächliche Ursache für die hohe Belastung verweist Professor Muramatsu auf die Arbeit seines Forschungsteams in den 1990er Jahren, nach der Katastrophe von Tschernobyl.

Demnach ist die radioaktive Belastung der Pilze auf Hokkaido eine Folge der Kernwaffentests der früheren Sowjetunion und der Volksrepublik China zwischen Ende der 1940er und 1960er Jahre, sowie des Reaktorunglücks von Tschernobyl 1986.

  • Bei ihren damaligen Untersuchungen entdeckten sie in Pilzen auf Hokkaido teilweise Belastungen über 1.000 Becquerel. In getrocknetem Zustand, wurden sogar übrt 10.000 Becquerel gemessen. Einschränkungen des Vertriebs gab es damals jedoch keine.

Muramatsu erklärte nach Angaben der Asahi Shimbun, die Studien des Gesundheitsministeriums zur Belastung wild wachsender Pilze, die sowohl Werte innerhalb der Grenzwerte, als auch Belastungen über 10.000 Becquerel aufwiesen seien korrekt, zumindest in einigen Fällen dürften jedoch bereits Vorbelastungen durch Atomtests bestanden haben.

Verbraucher können nach Ansicht des Experten durchaus strahlungskontrollierte Pilze essen, sollten sich jedoch beim Verzehr selbst gesammelter Pilze zurückhalten, da dort eine mögliche Vorbelastung bestehen könnte. Das Gesundheitsministerium erklärte der Zeitung zufolge, man werde die Angelegenheit langfristig beobachten.

Dekontaminations-Arbeiter mussten Daten hinterlegen: Personen die als Arbeiter bei der Dekontamination in Kawamata angeworben waren, mussten der Verwaltung zuvor Daten, darunter Namen, Blutgruppe und ein Foto, aushändigen, damit diese Informationen, falls notwendig, an die Polizei weitergegeben werden könnten.

Nach Angaben der Mainichi Shimbun drängte die Gemeindeverwaltung alle fünf Vertragsfirmen ihre Angestellte, das Ende Oktober verfasste Dokument unterschreiben zu lassen. Als Grund wurde die leichtere Strafverfolgung genannt, da es in der Vergangenheit zu Einbrüchen und Diebstählen in evakuierten Gebäuden gekommen sei.

Kritiker sehen Datenschutzprobleme.

Stromausfall-Katastrophenübung in Tokyo-Wolkenkratzer: Am Sonntag fand in einem 43 Stockwerke umfassenden Hochhaus im Tokyoter Bezirk Shinjuku eine Übung statt, bei der ein kompletter Ausfall der Stromversorgung simuliert wurde. Dabei ging es vor allem darum, die Funktionsfähigkeit eines Notfallgenerators zu testen.

Symbol: Hochspannung (Grafik: pd)
Stromausfallübung in Tokyo (Grafik: pd)

Die Übung beeinträchtigte nach Angaben der NHK den normalen Betrieb nicht, da die Beschäftigten nach Neujahr noch nicht dort arbeiteten.

Neben der Kontrolle, ob der Generator automatisch aktiv wird, wurde auch die Identifikation und Versorgung von verletzten Personen bei Notbeleuchtung geübt. Man erhofft sich einen Trainingseffekt.

Während eines normalen Werktags halten sich etwa 5.000 Personen in dem Gebäude auf, das unter anderem mehrere Büros umfasst.

Regierung will Gebäudearbeiten bezuschussen:  Wie Yoshitaka Shindo, Minister für innere Angelegenheiten am Sonntag mitteilte, werde die japanische Regierung für den Neubau, oder die Verlegung von Häusern, die von den Folgen der Tohoku-Katastrophen betroffen sind, finanzielle Hilfen zur Verfügung stellen.

Insgesamt sollen etwa 100 Milliarden Yen an Steuermitteln für diesen Zweck vorsehen und über die örtlichen Verwaltungen voraussichtlich etwa Kosten von 40.000 Häusern abdecken, berichtet die jiji.

Die Regierung hat sich zudem zur Schaffung eines gemeinsamen Fonds mit privaten Finanzinstituten entschlossen, mit dessen Mitteln Gebäudesanierungsprojekte finanziell bezuschusst werden sollen, entschieden.

Der Fond soll nach Angaben der NHK daher sowohl den Neubau von Gebäuden, als auch den Umbau alter Gebäude subventionieren, um diese erdbebensicherer zu machen und eine bessere Energieeffizienz zu ermöglichen.

Man erhofft sich dadurch aber auch mehr Investitionen im Immobilienbereich.  Eine derartige direkte Förderung des privaten Immobilienhandels durch die Regierung ist selten, soll jetzt jedoch die Deflation bekämpfen.

Senkaku-Konflikt wirkt sich aus: Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass die Aktionen der chinesischen Regierung nicht nur diplomatische Dimension besitzen, sondern auch ganz konkrete Auswirkungen haben. Die aktuellen Neuigkeiten jetzt zusammengefasst:

F-15-Kampfjets der japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte (Foto: pd)
F-15-Kampfjets der japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte (Foto: pd)

Chinesische Schiffe auch 2013 in Japans Gewässer: Erstmals seit Jahresbeginn sind chinesische Schiffe in japanische Gewässer eingedrungen. Am heutigen Montag drangen vier Schiffe kurz vor Mittag in Japans Hoheitsgewässer ein.

Die Küstenwache forderte sie zum Verlassen des Gebiets auf und die Regierung in Toko legte umgehend Protest ein – der jedoch nicht akzeptiert, sondern lediglich zur Kenntnisnahme nach Peking geleitet wurde.

Erneut chinesisches Flugzeug nahe Senkaku: Bereits am Samstag war zum sechsten Mal eine Propellermaschine der Meeresverwaltung in der Nähe der Senkaku-Inseln gesichtet worden. Japanische Kampfjets vom Typ F-15 wurden entsandt, um das Flugzeug vom Eindringen in japanischen Luftraum abzuhalten.

Das chinesische Flugzeug näherte sich bis auf 120 Kilometer den Inseln, drang jedoch nicht in den japanischen Luftraum ein und drehte wieder ab.

Mutmaßlicher Senkaku-Brandstifter nach China ausgereist: Der chinesische Staatsbürger Liu Qiang, dem eine Brandstiftung am Yasukuni-Schrein vorgeworfen wird, wurde am Wochenende als illegaler Immigrant nach China ausgewiesen. Ein Auslieferungsantrag Japans war zuvor von einem südkoreanischen Gericht abgelehnt worden (Spreadnews berichtete).

Haupttor des Yasukuni-Schreins (Foto: Eryn Vorn, CC-by)
Yasukuni-Haupttor: Hier erfolgte ein Brandanschlag (Foto: Eryn Vorn, cc-by)

Zwischen Südkorea und Japan besteht ein Abkommen zur Auslieferung von Straftätern, im Fall von politisch Verfolgten, gelte dieses jedoch nicht. Liu saß zuvor zehn Monate wegen des Werfens von Brandsätzen auf Japans Botschaft in Seoul in Haft.

Festnahme nach Rauchanschlag auf Konsulat: Die japanische Polizei nahm am Freitag den 40 Jahre alten arbeitslosen Masao Jitsui fest. Er gestand, um 21.55 Uhr einen Rauchkanister auf das südkoreanische Generalkonsulat in Kobe geschleudert zu haben.

Nach der Festnahme gab er als Motiv Verärgerung über das Urteil gegen  „Yasukuni-Brandstifter“ an.

 

Chinesen boykottieren japanische Waren: Eine Umfrage die zwischen November und Dezember 2012 durchgeführt und bei der 1.000 Personen ab 20 Jahren befragt worden waren ergab, das etwa 95 Prozent japanische Produkte boykottieren.

Umfragen in beiden Ländern ermittelten ein starkes Misstrauen und die Ablehnung, das jeweils andere Land zu besuchen.

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