Start Aktuelles Japan aktuell: Berechnungsfehler bei Strahlungsausbreitung nach AKW-Katastrophen gefunden

Japan aktuell: Berechnungsfehler bei Strahlungsausbreitung nach AKW-Katastrophen gefunden

863
0
TEILEN
Das AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)
Monatelange Verzögerungen am AKW Kashiwazaki-Kariwa erwartet (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)
Das AKW Kashiwazaki-kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)
Das AKW Kashiwazaki-Kariwa (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)

Nachdem es vom AKW Fukushima heute keine Meldungen über Schäden oder Pannen gibt, versucht man sich nun offenbar auch im Fall der falsch kalkulierten Verbreitung von radioaktivem Material bei Reaktorkatastrophen in ganz Japan in Schadensbegrenzung. Tatsächlich scheint der Fehler bereits gefunden – dennoch gibt es Kritik.

Daneben bemüht man sich trotz der Gesundheitsgefahr durch Radioaktivität um Normalität und Wiederaufbau, wie ein Fall aus der Präfektur Fukushima aktuell zeigt. Neben den Fukushima News sind auch die Streitigkeiten um die Senkaku-Inseln heute Thema. Weitere Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. Oktober 2012

Unsere heutigen Themen:

  • NRA klärt Berechnungsfehler auf
  • Kritik an NRA-Berechnungen
  • Heißquellen-Bad in Präfektur Fukushima öffnet wieder
  • Erneut Grenzverletzung im Senkaku-Streit
    • Chinas Schiffe wiederholt in Japans Hoheitsgebiet
    • Chinesisches Schiff warnt Japans Küstenwache
    • Japan protestiert gegen chinesische Aktion
    • Schiffe verlassen Hoheitsgebiet

NRA klärt Berechnungsfehler auf: Nach den peinlichen Berechnungsfehlern über die Verbreitung radioaktiven Materials im Fall von schweren Katastrophen an Japans Atomkraftwerken, versprach die Atomaufsichtsbehörde NRA, nun innerhalb von zwei Wochen die Ursache der Fehler in den Einschätzungen zu ermitteln – und hat offenbar bereits Erfolg.

Wie am heutigen Dienstag auf einer Pressekonferenz mitgeteilt wurde, werde man innerhalb des gleichen Zeitrahmens auch Maßnahmen zur Verhinderung einer Wiederholung erarbeiten. Nach aktuellem Kenntnisstand sind die jetzt festgestellten Fehler offenbar auf die Verbreitungskarten von sechs Kernkraftwerken zurückzuführen

  • AKW Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata)
  • AKW Tokai Daini (Präf. Iaraki)
  • AKW Shika (Präf. Ishikawa)
  • AKW Tsuruga (Präf. Fukui)
  • AKW Genkai (Präf. Saga)
  • AKW Sendai (Präf. Kagoshima)

Nach Angaben der NRA gab es offenbar Schwierigkeiten bei der Nutzung der Karten mit den meteorologischen Daten, wie Windrichtung und Regenfall, die von den Betreibern der sechs Kernkraftwerke zur Verfügung gestellt wurden.

Da die Betreiber unterschiedliche Systeme zur Wiedergabe der 16 Windrichtungen nutzten – ein Betreiber erfasst etwa die Richtung „Norden“ als „1“, wähend ein anderes Unternehmen sie als „16“ bezeichnet – sei bei der Umrechnung der Zahlen zu Verdrehungen im bzw. entgegen dem Uhrzeigersinn gekommen. Auch Distanzen seien fehlberechnet worden.

Während die japanischen Atomenergiesicherheitsorganisation (JNES), die an den Berechnungen beteiligt gewesen war, bereits gestern eingeräumt hatte, zwar für die Fehler an sich verantwortlich zu sein, liege die Schuld aufgrund der unzureichenden Prüfung bei der Atomaufsicht NRA.

Die Fehler waren durch Journalisten entdeckt worden, die in der Liste der Gemeinden, in denen eine Strahlungshöhe von 100 Millisievert zu Evakuierungen führen würde, einige Ungereimtheiten entdeckt und die NRA auf die Inkonsistenzen aufmerksam gemacht hatten. Über den Fall berichteten unter anderem Yomiuri Shimbun, jiji und Asahi Shimbun.

Kritik an NRA-Berechnungen: Einige Präfekturleitungen und die Verwaltungen von Städten kritisieren die Berechnungen zur Verbreitung von radioaktivem Material für methodische Mängel. Da bei der Erstellung lediglich Daten genutzt worden seien, ohne geographische Besonderheiten wie Gebirge oder Bewaldungen zu berücksichtigen, hätten die Karten wenig Aussagekraft.

Letztlich würden derartige Veröffentlichungen nur zur Beunruhigung der Bevölkerung beitragen, ohne für die Evakuierungsplanung von Nutzen zu sein, heisst es etwa von der Verwaltung der Präfektur Fukui und der Ortschaft Oi, wo sich Japans derzeit einzig aktives Kernkraftwerk befindet.

Heißquellen-Bad in Präfektur Fukushima öffnet wieder: Die Onsen-Heissquellen sind ein wichtiger Bestandteil japanischer Badekultur – und so leidet mit dem Onsen-Tourismus auch ein ganzer Wirtschaftszweig unter den Folgen der Katastrophen vom 11. März 2011. Doch zumindest in Naraha (Präf. Fukushima) gibt es einen ersten Schritt zurück zur Normalität.

Das von der Stadt verwaltete Badehaus Shiokaze-so, das malerisch den Pazifik überblickt und unter anderem auch die Möglichkeit bietet, unter freiem Himmel zu baden (rotenburo) hatte zu Bestzeiten bis zu 150.000 Besucher pro Jahr. Bauliche Schäden durch das Erdbeben, sowie die Strahlung nach dem Reaktorunglück machten eine Schließung notwendig.

Dann nahm das Bad am gestrigen Montag wieder den Betrieb auf, nachdem die Stadt als Maßnahme, frühere Einwohner und Touristen zurückzubringen, insgesamt 12 Millionen Yen aufgebracht hatte, um Leitungen und Innenräume zu reparieren. Der Schritt war erfolgt, nachdem die zuvor im Sperrgebiet gelegene Gemeinde, eine Neubeurteilung erfahren hatte.

Gänzlich ohne Folgen bleibt die Fukushima-Katastrophe jedoch nicht, sind doch aus Gründen des Strahlungsschutzes bis auf weiteres keine Badegänge unter freiem Himmel gestattet. Über das Wiederaufleben des Onsen-Angebots berichteten Yomiuri Shimbun und Asahi Shimbun.

Erneut Grenzverletzung im Senkaku-Streit: Erst am Wochenende hatte China die Grenzen japanischer Gewässer verletzt, nun drangen sie erneut in die Hoheitsgewässer vor – nicht ohne von Japan eine diplomatische Lösung des Konflikts zu fordern. Die neusten Meldungen zum Inselstreit nun zusammengefasst

Chinas Schiffe wiederholt in Japans Hoheitsgebiet: Nach der Aktion vom Sonntag drangen auch heute gegen 10:00 oder 11:00 Uhr Ortszeit vier Schiffe – Haijian 15, 26, 27 und 50 – trotz Warnung in japanische Gewässer ein.  Es ist das achte Mal seit dem Aufkauf dreier Inseln durch Japan, dass China derartige Grenzverletzungen begeht.

Chinesisches Schiff warnt Japans Küstenwache: Eines der Schiffe, die Hajian 50, führte eine elektronische Anzeigetafel mit, auf der in chinesischer und japanischer Sprache die Küstenwache aufgefordert wurde umgehend umzukehren, da sie chinesische Territorialgewässer verletzt hätten. Chinas Behörden sprachen von der „Durchführung von Vertreibungsmaßnahmen“.

Japan protestiert gegen chinesische Aktion: Wie zuvor auch, protestierte Shinsuke Sugiyama, Generaldirektor des Büros für asiatische Angelegenheiten des Außenministeriums, telefonisch Protest bei Minister Han Zhiqiang von der chinesischen Botschaft in Tokyo ein und forderte den Rückzug.

Schiffe verlassen Hoheitsgebiet: Gegen 13:00 Uhr verliessen die vier chinesischen Schiffe das Gebiet. Allerdings befinden sich immer noch mindestens sechs chinesische Schiffe im Grenzgebiet.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here