Start Aktuelles Japan aktuell: Bergungsversuch für Fukushima-Brennstäbe angelaufen

Japan aktuell: Bergungsversuch für Fukushima-Brennstäbe angelaufen

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Übungsbergung von Brennstäben durchgeführt (Foto: TEPCO)

Für Mitte des Monats angekündigt, wurde am AKW Fukushima aktuell mit der Bergung von Brennstäben begonnen. Ebenfalls begonnen hat auch der Neustart des einzig aktiven Atomkraftwerks in Japan – ungeachtet der Experten, die eine Prüfung des Gebiets auf aktive Verwerfungen anraten.

Die Fukushima News umfassen nicht nur das Kernkraftwerk selbst, sondern auch Auswirkungen und Folgen. So berichten wir heute auch über Forderungen des Untersuchungsausschusses und die Teilung einer Gemeinde. Einzelheiten wie üblich jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Juli 2012.

Unsere heutigen Meldungen:

  • Versuch zur Entfernung von Fukushima-Brennstäben begonnen
  • Neustart des zweiten Reaktors am AKW Oi
  • Fukushima-Untersuchungsausschuss verlangt Stellungnahme
  • Fukushima-Gemeinde Iitate in Zonen aufgeteilt
  • Verbot von Atomlobbyisten bei Meinungsveranstaltungen
  • Katastrophenübung am AKW Hamaoka

Versuch zur Entfernung von Fukushima-Brennstäben begonnen: Der erste Test zur Entfernung von Brennelementen aus dem Abklingbecken von Fukushima-Reaktor 4 hat am heutigen Mittwoch begonnen. Die Atomaufsichtsbehörde NISA gab gestern grünes Licht für die Änderung von Sicherheitsbestimmungen die notwendig sind, um die beiden ungenutzten Brennelemente zu bergen.

TEPCO hatte diese Anpassung beantragt und angekündigt, die testweise Bergung Mitte Juli durchzuführen. Aus Sicherheitsgründen wurde jedoch kein Datum genannt. Nun soll heute der erste und morgen der zweite Brennstab gehoben werden.

Die Entfernung der beiden ungenutzten Brennstäbe soll vergleichsweise ungefährlich sein, da sie keine Hitze aufgrund von Kernschmelze entwickeln. In den Abklingbecken befinden sich insgesamt 1.535 der Reaktorbrennelemente, darunter 204 ungenutzte.

Arbeiter überwachen die Strahlung und die Lage der Brennstäbe mit Unterwasserkameras um sicherzustellen, dass nicht irrtümlich stark radioaktive Exemplare aus dem Becken gehoben werden.

Nach der Entfernung der beiden Elemente soll Ende August geprüft werden, ob sie Schäden durch das Tohoku-Erdbeben 2011 aufweisen und ob es zu Korrosion an den Metallbehältern gekommen war, in dem die Brennstäbe gelagert werden.

Sollte der Versuch erfolgreich verlaufen, so könne man hieraus Erkenntnisse für die zukünftiger Bergung aller Brennelemente ziehen. Die Entsorgung des radioaktiven Materials ist Grundvoraussetzung für die angestrebte vollständige Stilllegung der Anlage. Diese Arbeiten sollen jedoch erst im Dezember 2013 beginnen.

Die Nachrichtenagentur jiji spricht davon, dass der Transfer von dem bisherigen Abklingbecken in ein anderes Lagerbecken auf der Anlage des AKW-Fukushima erst im Dezember 2014 erfolgen soll.

Ersten Berichten zufolge, sei der erste der beiden Brennstäbe bereits gehoben. Der zweite Brennstab soll wie geplant morgen geborgen werden. Über die Aktion berichteten NHK, Asahi Shimbun, Kyodo und jiji.

Neustart des zweiten Reaktors am AKW Oi: Wie angekündigt hat die Betreiberfirma Kansai Electric Power den zweiten Reaktor am AKW Oi (Präf. Fukui) gestartet. Um 21:00 Uhr wurden die Kontrollstäbe an Reaktor 4 gehoben, um die Kettenreaktion in Gang zu bringen. Vize-Industrieminister Seishu Makino war bei dem Neustart, der Betreiber und Regierung nach wie vor Kritik einbringt, anwesend.

Verläuft alles wie geplant, so wird die Kettenreaktion am Donnerstagmorgen einsetzen. Frühestens Sonntag wird die Anlage Elektrizität produzieren und Mitte kommender Woche auf volle Betriebsleistung gehen, berichten japanische Medien.

Noch am Sonntagabend hatte es der Kyodo zufolge gegen 18:20 Uhr einen Alarm an der Anlage gegeben, der auf einen Druckanstieg in einem Behälter des Hauptkühlsystems hingewiesen hatte – gefolgt von einem weiteren Alarm am Montagmorgen  um 1:20 Uhr. Diesmal war der Hilfsmotor des Notfall-Dieselgenerators defekt.

Beide Ereignisse hatten jedoch nicht zu einer Verzögerung des Starts geführt, da der Druckanstieg geringfügig sei und der Notfallgenerator trotz Funktionsunfähigkeit des Hilfsmotors normal funktioniere.

Fukushima-Untersuchungsausschuss verlangt Stellungnahme: Bei einem Treffen kritisierte Shuya Nomura, Professor an der Hochschule der juristischen Fakultät der Chuo Universität, die fehlende Reaktion der Atomsicherheitskommission (NSC) der Regierung auf den Bericht des vom Parlament eingesetzten Untersuchungsausschusses zur Fukushima-Krise.

Dieser war um 5. Juli veröffentlicht worden und kam zu dem Schluss, dass die Nuklearkatastrophe von Fukushima ein durch menschliches Versagen ausgelöstes Ereignis gewesen sei. Nomura erklärte, wenn die NSC den Bericht aufrichtig akzeptiere, wolle man innerhalb eines Monats eine schriftliche Stellungnahme der Regierungsbehörde.

Als Begründung führte Nomura den Umstand an, dass die Regierung den Ratschlägen von Shunsuke Kondo, Leiter der Kommission, der unmittelbar nach Beginn der Katastrophe aktiv die Meinung ausländischer Experten eingeholt hatte, wie eine Verschlimmerung der Situation verhinderten werden könnte, keine Aufmerksamkeit geschenkt habe. Das berichtetet die jiji am gestrigen Dienstag.

Fukushima-Gemeinde Iitate in Zonen aufgeteilt: Die Ortschaft Iitate in der Präfektur Fukushima wurde am Dienstag offiziell in drei Zonen aufgeteilt. Die Gliederung erfolgt dabei nach dem Ausmaß der radioaktiven Belastung und beziehen sich auf die durchschnittliche Strahlungsbelastung pro Jahr.

Die Zonen sind wie folgt gegliedert:

  • Zone eins: Jährliche Belastung bis zu 20 Millisievert
  • Zone zwei: Jährliche Belastung von 20 bis 50 Millisievert
  • Zone drei: Jährliche Belastung über 50 Millisievert
Rathaus der Ortschaft Iitate in der Präfektur Fukushima (Foto: Townphoto cc-by)
Rathaus von Iitate (Foto: Townphoto cc-by)

Den Bewohnern der Gemeinde, die außerhalb des 20 Kilometer messenden Sperrgebiets liegt und einst eine Einwohnerzahl von 6.300 hatte, ist es gestattet die zwei niedriger belasteten Gebieten zu besuchen, ohne dass hierfür eine offizielle Erlaubnis durch die Regierung erforderlich ist.

Eine Übernachtung ist allerdings in keinem der Gebiete zugelassen.

Für das Gebiet mit der niedrigsten Belastung, das etwa 30 Prozent der gesamten Ortschaft ausmacht, ist bereits die Wiederaufnahme von Betrieben und Geschäften möglich. Für die nahe Zukunft erwägt die Regierung sogar eine gänzliche Aufhebung der Evakuierungsbestimmung.

Die Asahi Shimbun nennt für den Abschluss der Dekontaminationsarbeiten dort das Jahr 2014. Dies würde die baldige dauerhafte Rückkehr für 800 Personen in 210 Haushalten bedeuten.

Das zweite Areal, die „Zone mit eingeschränkter Bewohnbarkeit“  umfasst den Großteil von Iitate, etwa den Ortsteil Kusano. Hier lebten  5.260 Personen in 1.660 Haushalten.

Der am stärksten belastete Bereich, ist der Ortsteil Nagadoro, in dem vor der Fukushima-Katastrophe etwa 270 Einwohner in 70 Haushalten lebten. Hier wird eine Umgebungsradioaktivität der Luft von fast fünf Mikrosievert pro Stunde gemessen.. Der Zugang zu diesem Gebiet ist mit Metallgittern abgesperrt, ein Betreten während eines Zeitraums von mindestens fünf Jahren verboten.

Über die Aufteilung von Iitate berichteten Yomiuri Shimbun und die Asahi Shimbun, sowie die NHK,  Kyodo und jiji

Verbot von Atomlobbyisten bei Meinungsveranstaltungen: Nachdem bei öffentlichen Veranstaltungen, auf denen Bürger ihre Meinung zur Atomenergie im Jahr 2030 abgeben und für drei mögliche Szenarien zur Atomenergienutzung wählen können, teils anonym Vertreter von Elektrizitätskonzernen und der japanischen Atomforschung als Redner aufgetreten waren, reagierte die Politik verärgert.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Verbot von Atomlobbyisten bei Bürgerbefragung (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Japans Minister für Nationale Strategie, Motohisa Furukawa drückte am Dienstag starkes Missfallen über die Ereignisse. Dies sei bedauerlich, da es von der eigentlichen Aufgabe der Versammlungen ablenke. Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura erklärte sein Bedauern darüber, dass Angestellten der Atomindustrie erlaubt gewesen sei, sich zu ihren Arbeitgebern zu äußern.

Industrieminister Yukio Edano drückte seine Absicht aus zu überprüfen, ob die Atomunternehmen womöglich systematisch Bewerbungen als Sprecher abgegeben hatten.

Die Vorwürfe der Manipulation und die Unzufriedenheit der Minister haben nun auch zu Taten geführt. Zum einen wird die japanische Regierung keine Angestellten von Elektrizitätskonzernen mehr als Sprecher auf Veranstaltungen akzeptieren, die dazu dienten, die Meinung der allgemeinen Bevölkerung einzuholen. Bei den Anhörungen wurden bislang drei Vertreter von drei Zukunftsszenarien für Japans Atomenergie zugelassen.

  • Atomenergienutzung von null Prozent – keine Nutzung von Atomenergie
  • Atomenergienutzung von 15 Prozent
  • Atomenergienutzung von 20-25 Prozent

Nun soll zum anderen die Zahl der zugelassenen Sprecher von bislang neun auf 12 erhöht werden. Die drei zusätzlichen Sprecher sollen dabei unter Atomkraftgegnern gewählt werden, die keine weitere Nutzung der Atomenergie nutzen. Hierüber berichtete die Nachrichtenagentur jiji.

Angestellte von Elektrizitätskonzernen sind künftig allgemein ausgeschlossen, da die Unternehmen über genug eigene Mittel verfügten ihre Meinung publik zu machen, während es in diesem Fall um die Belange der Bürger ginge.

Katastrophenübung am AKW Hamaoka: Am heutigen Mittwoch führte Chubu Electric, Betreiber des AKW Hamaoka (Präf. Omaezaki) eine Katastrophenübung durch. Insgesamt 1.040 Angestellte von Chubu Electrics und Vertragspartner nahmen an der Übung um 9:45 Uhr teil, so die Berichterstattung der jiji.

Teil des Szenarios war der Ausfall der Stromversorgung am Atomkraftwerk Hamaoka in Folge eines Tsunami, der durch mehrere gleichzeitige Erdbeben ausgelöst wurde, die vor allem den Südwesten und Zentraljapan betrafen.

Atomkraftwerk Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Das AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)

Zweck der Übung war nach Betreiberangaben, eine bessere Vorbereitung der Arbeiter auf die Situation, die sich durch gleichzeitige Erdbeben der Bereich Tokai, Tonankai und Nankai ergeben würden. Als zusätzliche Maßname wurde eine Einsatzmannschaft in einem Gebäude eingerichtet, das sich aus Sicherheitsgründen sowohl 100 Meter von der Anlage entfernt und 25 Metern über dem Meeresspiegel befindet.

Auch Strahlungsmessungen an Angestellten als Vorbereitung zur Dekontamination waren Teil der Katastrophenübung.

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