Start Aktuelles Japan aktuell: Bleiplatte im Inneren von Fukushima-Sicherheitsbehälter fehlt

Japan aktuell: Bleiplatte im Inneren von Fukushima-Sicherheitsbehälter fehlt

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Fukushima-Reaktor 1: Aufnahme durch Öffnung des Sicherheitsbehälters am 27. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Aufnahme durch Öffnung des Sicherheitsbehälters am 27. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Aufnahme durch Öffnung des Sicherheitsbehälters am 27. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Aufnahme durch Öffnung des Sicherheitsbehälters am 27. September 2012 (Foto: TEPCO)

Die vom AKW Fukushima heute bei uns zu findenden Meldungen, knüpfen an die gestern veröffentlichten Informationen zu Untersuchungen am Kernkraftwerk an. Ebenfalls weiterhin präsent sind Maßnahmen zum Katastrophenschutz – ist das erwartete Nankai-Erdbeben doch neben den Folgen der Katastrophe von Fukushima aktuell eines der großen Krisenthemen.

Somit gibt es zum Wochenende neben den Fukushima-News auch heute wieder interessante Informationen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. September 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Bleiplatte im Inneren von Fukushima-Sicherheitsbehälter fehlt offenbar
  • Japan hamstert für Katastrophenfall tonnenweise Reis
  • Plan zur Ansiedlung von Einwohnern außerhalb von Namie
  • Taifun Jelawat nähert sich Okinawa
  • Diebstahlsvorwürfe und Invasionsvergleich im Senkaku-Konflikt:
    • China wirft Japan Diebstahl der Inseln vor
    • Japans UN Vize-Botschafter wehrt ab
    • Chinas UN-Botschafter mit Geldwäschevergleich
    • Japan weist Diebstahlsvorwürfe zurück
    • Korea nennt Inselanspruch eine japanische Invasion
    • Ganzseitige Propaganda-Anzeige in der New York Times
    • Kugel an chinesische Botschaft versandt

Bleiplatte im Inneren von Fukushima-Sicherheitsbehälter fehlt offenbar: TEPCO hat in dem jüngsten Schritt, mehr über den Zustand des Reaktors zu erfahren, eine Zugangsöffnung für Endoskopien und weitere Untersuchungen  in den Sicherheitsbehälter von Fukushima Reaktor 1 gerammt (Spreadnews berichtete gestern).

Jetzt meldet die Yomiuri Shimbun, dass bei den Untersuchungen um das Rohr herum, eine auf der anderen Seite erwartete Bleiplatte von 7,6 Zentimetern Dicke nicht gefunden werden konnte.Die Bleiplatte, die aus insgesamt drei Einzelplatten von je 2,54 Zentimetern Dicke besteht und sich an der Innenseite des Sicherheitsbehälters befinden sollte, fehlt dort.

Die Zeitung spekuliert nun, ob die Platte möglicherweise drei Tage nach der Wasserstoffexplosion, als die Temperatur im Inneren des Sicherheitsbehälters bis zu 700 Grad Celsius gestiegen war, einfach geschmolzen ist. Die Schmelztemperatur einer derartigen Bleiplatte liege bei etwa 327 Grad Celsius.

Japan hamstert für Katastrophenfall tonnenweise Reis: Nachdem man beim Tohoku-Erdbeben im vergangenen Jahr nicht darauf vorbereitet war, das Grundnahrungsmittel Reis als Hilfsgut liefern zu müssen,  hat man nun im Fall des erwarteten großen Nankai-Erdbebens vorgesorgt.

Eine Reis-Rispe
Japans Regierung lagert Reis für Katastrophenhilfe (Foto: pd)

Das Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (MAFF) beschloss am heutigen Freitag, ab Januar kommenden Jahres zusätzlich zu den bereits bestehenden und eine Tonne umfassenden Vorräten an braunem Reis, 500 Tonnen an poliertem Reis einzulagern.

Damit zieht man eine Lehre aus den Naturkatastrophen vom März 2011, als Japan gezwungen war, polierten Reis von Unternehmen aufkaufen zu müssen, um die Überlebenden versorgen zu können und es durch den Aufkauf zu einer Reisknappheit im Großraum von Japans Hauptstadt kam, da die Kunden dort säckeweise Reis kauften.

Mit der nun anvisierten großen Notration können nach Angaben des Ministeriums etwa acht Millionen Mahlzeiten zubereitet werden.

Die Lagerung von bereits poliertem Reis wird vom MAFF angestrebt, um Problemen bei der Verarbeitung von braunem Reis durch Stromausfälle oder durch Überschreitung von Fabrikkapazitäten vorzubeugen.

Doch während brauner Reis unter kühlen Bedingungen mehr als fünf Jahre lang gelagert werden kann, sind nach Angaben des Ministeriums, bei der langfristigen Lagerung von bereits poliertem Reis entsprechende Qualitätskontrollen erforderlich, die alle paar Monate durchgeführt werden müssen, da man keine Erfahrung mit dessen Lagerung habe.

Um eine gleichbleibende Qualität gewährleisten zu können, will man die Bestände jährlich wieder verkaufen und so stets möglichst frischen Reis im Lager zu haben, berichtet die Mainichi Shimbun.

Plan zur Ansiedlung von Einwohnern außerhalb von Namie: Ein Ausschuss aus Experten und Einwohnern der Ortschaft Namie (Präf. Fukushima) beabsichtigt, aufgrund der langen Dauer eines Wiederaufbaus, die Einwohner in Gemeinden außerhalb des ursprünglichen Ortes anzusiedeln.

Ortsschild von Namie (Foto: VOA, Steve Herman, pd)
Ortsschild von Namie (Foto: VOA, Steve Herman, pd)

Nach Expertenmeinung werde der eigentliche Aufbau von Namie etwa fünf Jahre in Anspruch nehmen, dabei solle besonderes Gewicht auf die Schaffung neuer Infrastruktur gelegt werden. Der Ausschuss legte dem Bürgermeister von Namie, Tamotsu Baba, einen entsprechenden Plan vor.

Alle 20.000 Einwohner leben bereits in anderen Teilen des Landes, nachdem die Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi den Ort zur Sperrzone und Evakuierungsgebiet gemacht hatte. Der seit Juni arbeitende Ausschuss bemüht sich um die Revitalisierung der einstigen Gemeinschaft.

Daher empfiehlt der Ausschuss, an Orten, die bereits von Flüchtlingen bewohnt werden, die etwa Minamisoma und Iwaki, den öffentlichen Wohnungsbau zu fördern und die Gemeinschaft so zusammenzuhalten. Der Bürgermeister erklärte der NHK zufolge, dass er die Einwohner so bald wie möglich über den Plan informieren werde.

Taifun Jelawat nähert sich Okinawa: Die japanische Wetterbehörde warnt vor einem Taifun, der sich auf die Hauptinsel Okinawa zubewegt und gab zudem weitere Warnungen wegen heftiger Winde, Sturmböen und schwerem Seegang aus.

Gegenwärtig (19:00 Uhr Ortszeit) bewegt sich der Taifun mit etwa 20 Kilometer pro Stunde vorwärts, er kann jedoch aufgrund seines atmosphärischen Drucks von 925 Hectopascal, Geschwindigkeiten bis zu 180 Kilometer pro Stunde erreichen.

Berichten der NHK zufolge wurden auf der Insel Ishigaki bereits Häuser abgedeckt und Straßen überflutet. In der gleichnamigen Stadt und zwei weiteren Gemeinden kam es zu Stromausfällen von etwa 2.100 Haushalten.

Es wird erwartet, dass der Taifun am Samstagnachmittag auf die Insel Okinawa trifft und sich am Sonntag in östlicher Richtung auf Honshu zu bewegt. Auf dem Flughafen der Stadt Naha wurden für Samstag alle ausgehenden Flüge gestrichen.

Diebstahlsvorwürfe und Invasionsvergleich im Senkaku-Konflikt: Die Volksrepublik China und Japan lieferten sich anlässlich der UN-Versammlung einen Schlagabtausch über die von China beanspruchten Inseln, die unter japanischer Verwaltung stehen und auch Korea fand dramatische Worte. Die neusten Entwicklungen jetzt zusammengefasst:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

China wirft Japan Diebstahl der Inseln vor: Wie erwartet hat Chinas Außenminister Yang Jiechi heute seine Vorwürfe gegen Japan fortgesetzt.

Dabei sprach er davon, Japan habe die Senkaku-Inseln gegen Ende des Ersten Chinesisch-Japanischen Kriegs 1895 von China gestohlen.

Japan habe damals China einen Vertrag aufgezwungen, der die Abtretung an Japan beinhaltet hatte. Der jetzige Ankauf von drei der fünf Inseln durch Japan sei hochgradig illegal und verletze Chinas Soueveränität.

Zudem verleugne es den Ausgang des „Welterfolgs des antifaschistischen Krieges“  und stelle eine ernste Herausforderung der weltweiten Nachkriegsordnung und der Charta der Vereinten Nationen dar.

Japans Vize-Botschafter wehrt ab: Nach der Rede von Yang ergriff Kazuo Kodama, stellvertretender Botschafter bei den Vereinten Nationen das Wort und betonte, die Senkaku seien ein inhärenter Bestandteil von Japans Territorium. Zudem hätten sowohl China, als auch Taiwan bis zu den 1970ern keine Ansprüche geltend gemacht. Dies sei erst nach den Vermutungen von Gasreserven in dem Gebiet erfolgt.

Chinas UN-Botschafter mit Geldwäschevergleich:  Li Baodong, Chinas Botschafter bei den Vereinten Nationen sagt, bei dem so genannten Inselkauf durch Japan handele es sich um nichts anderes als etwa Geldwäsche. Es diene lediglich dazu, den Diebstahl und Besetzung chinesischen Gebiets zu legalisieren und international die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Japan weist Diebstahlsvorwürfe zurück: Japans Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura erklärte in Tokyo als Reaktion auf Chinas Behauptung, diese Anschuldigungen entbehrten jeder Grundlage. Japan werde noch Gelegenheiten haben, Gegenargumente anzuführen. Auch er weigerte sich, von Territorialfragen zu sprechen, rief jedoch zu ruhigen Gesprächen auf.

Korea nennt Inselanspruch eine japanische Invasion: Gestern erklärte Südkoreas Außenminister, bei den Ansprüchen Japans auf die Takeshima handele es sich um eine zweite Invasion Koreas und bezog sich damit auf die Besetzung Koreas im Zweiten Weltkrieg. Bei seiner heutigen Rede werde er keine Nation nennen, dennoch werde jeder wissen, auf wen er sich bezieht.

Kim  deutete zudem an, er werde den Inselkonflikt und die Frage der koreanischen Armeeprostituierten bei der Kaiserlich Japanischen Armee in seiner Rede zur Sprache bringen.

Ganzseitige Propaganda-Anzeige in der New York Times: Eine doppelseitige Anzeige von Chinas englischsprachiger Zeitung „China Daily“ in der neben propagandistischen Argumenten auch ein Foto der Inseln, sowie eine Karte der Region enthalten ist, wurde von großen U.S. Zeitungsverlagen abgedruckt.

Unter anderem druckten die Washington Post und die New York Times die Anzeige, in der unter Bezug auf die Geschichte die Souveränität Chinas über die Inseln behauptet wird und den Aufkauf von drei Inseln als Verletzung derselben bezeichnet.

Kugel an chinesische Botschaft versandt: Wie heute bekannt wurde, haben Unbekannte unter Nutzung des Namens von Japans Premierminister Yoshihiko Noda am gestrigen Morgen offenbar einen Umschlag mit einer Gewehrkugel an die chinesische Botschaft in Tokyo versandt. Ihre Echtheit wird derzeit untersucht.