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Japan aktuell: Brandspuren am Kühlsystem von Fukushima-Reaktor 4

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Brandfläche auf dem Motorgehäuse der Pumpe am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Brandfläche auf dem Motorgehäuse der Pumpe am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Brandfläche auf dem Motorgehäuse der Pumpe am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Brandfläche auf dem Motorgehäuse der Pumpe am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Gestern berichteten wir ausführlich über erste Erkenntnisse zur jahrelangen Flucht eines früheren Mitgliedes der Giftgas-Sekte Omu Shinrikyo. Jetzt gibt es nicht nur weitere Hintergründe zu diesem Thema – sondern auch vom AKW Fukushima aktuell neue Informationen. Dort ist es offenbar bereits gestern zu einem Motorbrand am Kühlsystem von Reaktor 4 gekommen.

Doch auch im Bezug auf die Einflussnahme der Atomlobby auf die Regierung und ihre Kontrollen gibt es Neues zu berichten. Somit also heute wieder Fukushima News, Meldungen zum Endzeit-Kult und sonstige Nachrichten – wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Motorbrand am Kühlsystem für Fukushima-Reaktor 4
  • Atomlobby verhinderte Richtlinien gegen Fukushima-Stromausfall
  • Giftgas-Sektenmitglied hielt enge Verbindungen während aufwändiger Flucht
  • Gerüchte um Finanzhilfe für flüchtiges Sektenmitglied
  • Mögliche Ermittlungspanne bei Sektenfahndung der Polizei
Innenseite des Anschlussgegehäuses der Pumpe am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO) -2012-06-04
Innenseite des Anschlussgegehäuses des Pumpenmotors am 4. Juni 2012 (Foto: TEPCO) -2012-06-04

Brandspuren am Kühlsystem für  Fukushima-Reaktor 4: Wie Fotos vom gestrigen Tag zeigen, die von der Betreiberfirma TEPCO jetzt auf einer Pressekonferenz am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlicht wurden, ist es offenbar  gestern an einem Motor der Pumpe des alternativen Kühlsystems für das Abklingbecken zu einem kleinen Brand gekommen.

Gegen 20:00 Uhr war an der Pumpe ein Alarm ausgelöst worden. Das Gerät habe sich automatisch abgeschaltet. Bei einer Überprüfung waren Brandstellen auf dem Kabelgehäuse des Motors der Pumpe entdeckt worden. Etwa 25 Minuten später ging eine Ersatzpumpe in Betrieb. Die genaue Ursache für die entdeckten Brandstellen ist bislang unklar.

Bislang hat TEPCO noch kein schriftliches Material für internationale Medien veröffentlicht. Die Temperatur im Abklingbecken liege mit 34 Grad Celsius jedoch noch deutlich unter den kritischen Werten, heisst es vom Elektrizitätskonzern.

Atomlobby verhinderte Richtlinien gegen Fukushima-Stromausfall:
Eine 1991 von der japanischen Atomsicherheitskommission (NSC) eingesetzte neunköpfige Arbeitsgruppe befasste sich mit den möglichen Auswirkungen eines langfristigen vollständigen Stromausfalls an einem Atomkraftwerk – exakt  jenem Szenario, dass zur bislang größten zivilen Atomkatastrophe in Japan führte, als aufgrund des Stromausfalls die Kühlung versagte und es am 11. März 2011 zu mehreren Kernschmelzen am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kam.

Nachdem es in den USA an einem AKW zu einem vollständigen Stromausfall, sowohl der externen als auch der Energiequellen für Notfälle gekommen war, arbeitete die Arbeitsgruppe zwioschen 1991 und 1993 daran, ob die Sicherheitsrichtlinien des Landes überarbeitet werden müssen.

Dennoch fanden keine Richtlinien zu Maßnahmen bei einer solchen Katastrophe Einfluss in die damals durchgeführte Überarbeitung der Sicherheitsrichtlinien für Atomkraftwerke – offenbar aufgrund von Druck durch die Atomindustrie.

Noch im Oktober 1992 hatte die NSC die Betreiberfirmen angewiesen schriftlich zu begründen, warum man der Ansicht sei, das keine Notwendigkeit bestehe, die Möglichkeit eines Stromausfalls von über 30 Minuten in Betracht zu ziehen. TEPCO hatte seinerzeit in der Anwort erklärt, es könne bei entsprechender Betriebsführung hinreichend Sicherheit garantiert werden.

Die Kommission erklärte jetzt, man habe Archivdokumente gefunden, die damalige vertrauliche Gespräche mit Energiekonzernen belegen. Deren Vertreter hatten erklärt, das Risiko für einen Stromausfall sei sehr gering und waren gegen die Festlegung exakter Vorgaben, wie in einem solchen Fall gehandelt werden müsse.  Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass die Kommission schlussendlich nicht nur auf eine derartige Regelung verzichtet hätte, sondern zudem ihren Bericht auf einem Entwurf, der von den Energiekonzernen erstellt worden war, stützten.

Die Dokumente und waren erst auf die aktuelle Anfrage eines parlamentarischen Ausschusses zur Fukushima-Krise auf Einsicht in die Archive entdeckt worden. Trotz einer Entscheidung im vergangenen August, der zufolge alle Berichte und Notizen aus vorangegangenen Treffen der NSC veröffentlich werden müssten, waren ausgerechnet die jetzt aufgedeckten Dokumente nicht veröffentlich worden. Dennoch bestreitet man eine Vertuschungsversuch. Man habe lediglich vergessen sie zu veröffentlichen und nicht vorsätzlich zurückgehalten, hiess es von einem Beamten des Kommissionssekretariats

Haruki Madarame, Vorsitzender der NSC entschuldigte sich für die Manipulation vor 20 Jahren und erklärte, es sei bedauerlich, dass der damalige bericht auf einer Vorlage durch Atomkonzerne beruhe.

Giftgas-Sektenmitglied hielt enge Verbindungen während aufwendiger Flucht:Offenbar hielt die jüngst inhaftierte Naoko Kikuchi während ihrer 17 Jahre dauernden Flucht enge Verbindungen zu anderen Sektenmitgliedern.

Foto von Naoko Kikuchi auf Omu Shinrikyo Fahndungsplakat (Foto: KJ)
Omu-Shinrikyo: Naoko Kikuchi festgenommen (Foto: KJ)

Sie habe sich an mindestens acht Orten versteckt gehalten – sechs davon in der Region Kanto und jeweils  eine in Kyoto und Nagoya – und die Polizei prüft nun, ob sie dabei Hilfe von anderen Anhängern der terroristischen Organisation hatte. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Ihre Flucht habe im März 1995 begonnen, nachdem sie bemerkt hatte, das gegen sie ermittelt wurde. Nach eigenen Angaben floh sie gemeinsam mit Yasuo Hayashi, der mittlerweile in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet. Das erste Versteck  habe sich in Hachioji (Präf. Tokyo) befunden, wo sich auch weitere Mitglieder der Sekte aufgehalten hatten – darunter auch Yoshihiro Inoue der im Mai 1995 gefasst wurde und nun ebenfalls auf seine Hinrichtung wartet.

Brief an die Omu Shinrikyo: Bestätigten Meldungen zufolge hielt sich Kikuchi im Juni 1995 gemeinsam mit Yasuo Hayashi in einer Wohnung in Ichikawa (Präf. Chiba) auf. Sie selbst sagte gegenüber der Polizei aus, in Folge mehrmals schnell den Wohnort gewechselt zu haben, unter anderem nach Kyoto und Nagoya. Im September 1995 schickte sie offenbar einen, in der Präfektur Iwate abgestempelten Brief an die Omu Shinrikyo der lediglich den Satz enthielt, man solle sich nicht sorgen.

Flucht mit Katsuya Takahashi: Danach hielt sie sich bis etwa  Ende November 1996 in Tokorozawa (Präf. Saitama) auf, bevor sie dann gemeinsam mit Katsuya Takahashi unterwegs war, worauf auch Zeugenaussagen hindeuten, die von ihren Aufenthalten  in der Wohnung des Mannes, der sie unter dem Falschnamen Shinya Sakurai gemietet hatte, berichten. Gegenüber der Polizei habe sie ausgesagt, beide seien entlang der Bahnhöfe Shin-Yokohama und Kawasaki von Hotel zu Hotel gewechselt, bevor sie zwei Einzelwohnungen in der Nähe des Bahnhofs ar Kawasakidaishi bezogen hätten.

Etwa zu dieser Zeit trennten sich dann die Wege von Kikuchi und Katsuya Takahashi. Katsuya sei nach Mieterangaben erst 2011 ausgezogen, habe als Mieter jedoch ohne Erlaubnis die Schlösser ausgewechselt. Ab hier verlor sich die Spur von Katsuya Takahashi, bis dieser nach Meldung des Asahi Shimbun gestern, am 4. Juni 2012 auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera in Kawasaki erkannt wurde. Seitdem wird verstärkt gefahndet. Für Hinweise zu seiner Ergreifung sind nach wie vor zehn Millionen Yen ausgesetzt.

Flucht mit Hiroto Takahashi: Fortan war sie mit Hiroto Takahashi unterwegs, mit dem sie später auch festgenommen werden sollte.

Beginn der Altenpflege in Machida: Gemeinsam zogen dann beide in eine Wohnung in Machida, wo sie gemeinsam lebten und Kikuchi begann mit ihrer Arbeit in der Altenpflege. Eine Anwohnerin erklärte später, man habe sie nie Wäsche aufhängen sehen und die Wohnung habe von außen nie bewohnt ausgesehen. Allerdings berichten  Nachbarn und Kollegen laut Asahi Shimbun, Kikuchi habe ein sehr höfliches Verhalten an den Tag gelegt, sei auch sozial eingebunden gewesen und gelegentlich auch mal geringe Mengen Alkohol getrunken. Ein später befragte Mann vermutet als Ursache weshalb bei plötzlich von dort verschwanden, dass man sich zu gut kennenlernte.

Umzug nach Sagamihara und Festnahme: Ende 2010 zog das Paar Hiroto Takahashi und Naoko Kikuchi nach Sagamihara (Präf. Kanagawa) und integrierte sich dort ebenfalls gut in die örtliche Gemeinschaft, bevor sie am 3. Juni 2012 nach einem Einkauf am Abend vor ihrer Wohnung von der Polizei angesprochen und festgenommen wurde.

Gerüchte um Finanzhilfe für flüchtiges Sektenmitglied: Um die am Sonntag festgenommene Naoko Kikuchi kommen nun Gerüchte auf. So beruft sich die Nachrichtenagentur jiji auf Informationen aus Ermittlerkreisen wenn sie meldet, dass die Gefasste mit möglicherweise das einzig noch auf der Flucht befindliche Sektenmitglied auf der landesweiten Fahndungsliste finanziell unterstützt haben soll. Als Hinweis hierauf gilt das Konto der Frau, das trotz des monatlichen Einkommens von etwa 180.000 Yen durch die Pflegetätigkeit lediglich etwa 100.000 Yen an Ersparnissen aufwies

Mögliche Ermittlungspanne bei Sektenfahndung der Polizei: Einer Meldung der Yomiuri Shimbun könnte es bei der Fahndung nach Kikuchi eine Ermittlungspanne gegeben haben. Bereits im Dezember 2011 soll eine 54 Jahre alte Angestellte, die in der Nähe wohnte gegenüber der Präfekturpolizei in Kanagawa ausgesagt haben, eine Frau gesehen zu haben, deren Augen sie an die gesuchte Person die im Zusammenhang mit der Omu Shinrikyo steht, erinnert hätten.

Wagen der japanischen Polizei (Foto: pd)
Mögliche Ermittlungfehler bei Sekten-Fahndung (Foto: pd)

Die Polizeibehörde der Region Tokyo erklärte, man werde die Berichte durchsehen um festzustellen, ob möglicherweise mit der Information nicht richtig umgegangen worden sei.

Die Hinrichtung des Sektenführers Chizuo Matsumoto (Aliasname Shoko Asahara) dürfte sich dadurch weiter verzögern, da zwar eigentlich ein Todesurteil innerhalb von sechs Monaten nach der endgültigen Entscheidung vollstreckt werden soll, das Justizministerium  jedoch prinzipiell keinen Hinrichtungsbefehl gibt, solange Komplizen noch vor Gericht stehen.

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