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Japan aktuell: Braunes Wasser an Fukushima-Filteranlage entdeckt

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AKW Fukushima: Braunes Wasser an Tank-Schweissnaht der ALPS-Filteranlage am 16. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Braunes Wasser an Tank-Schweissnaht der ALPS-Filteranlage am 16. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Braunes Wasser an Tank-Schweissnaht der ALPS-Filteranlage am 15. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Braunes Wasser an Tank-Schweissnaht der ALPS-Filteranlage am 15. Juni 2013 (Foto: TEPCO)

Ausgerechnet am modernen Filtersystem, in das der Betreiber des AKW Fukushima aktuell viel Vertrauen setzt, um kontaminiertes Wasser künftig sicher entsorgen zu können, gibt es nun Hinweise auf ein mögliches Leck.

Auch an anderer Stelle war das Kernkraftwerk in Fukushima heute Thema, wurde doch das Problem der Entsorgung kontaminierter Abfälle angegangen.

Neben den Fukushima News gibt es jedoch auch Meldungen über die neusten Entwicklungen in Japans Katastrophenmanagement. Alle Informationen wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. Juni 2013.

Unsere Meldungen zu Wochenbeginn:

  • Radioaktives braunes Wasser am ALPS-Filtersystem nachgewiesen
  • Japan setzt auf zwei Ausschüsse zur Zwischenlagersuche
  • Regierung erlässt neues Katastrophenmaßnahmengesetz

Radioaktives braunes Wasser am ALPS-Filtersystem nachgewiesen: Wie der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, der Elektrizitätskonzern TEPCO, am heutigen Montag mitteilte, kam es bereits am Samstag an einem Behälter der modernen ALPS-Filteranlage zu einer ungewöhnlichen Entdeckung.

AKW Fukushima: Braune Wassertropfen an der ALPS Multinuklidfilteranlage am 15. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Braune Wassertropfen an der ALPS Multinuklidfilteranlage am 15. Juni 2013 (Foto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO entdeckte ein Angestellter bei einer routinemäßigen Kontrolle der Kondenswasserbildung gegen 23:00 Uhr eine Spur von braunem Wasser, dass entlang einer Schweißnaht eines Behälters des Multinuklid-Filtersystems verlief und in eine Auffangwanne für Kondensationswasser tropfte.

Der zylindrische Tank ist sechs Meter hoch und hat einen Umfang von drei Metern. In ihm werden bis zu 25 Tonnen an radioaktivem Wasser gelagert, bis das kontaminierte Wasser durch das Multinuklid-Filtersystem der ALPS-Anlage, die sich derzeit im Testbetrieb befindet, System gefiltert wird.

Der Vorgang der Wasserkondensation an dem Behälter an sich ist nicht ungewöhnlich und findet ständig statt – es ist jedoch dass erste Mal, dass dabei braunes Wasser festgestellt wurde.

Das betroffene Filtersystem A begann am gestrigen Sonntag um 18:17 Uhr damit, das System herunterzufahren, insgesamt nimmt der Vorgang jedoch sechs Stunden in Anspruch. Die Umstände werden gegenwärtig untersucht. Möglicherweise sind fehlerhafte Schweißnähte Teil des Problems.

Eine Nukliduntersuchung der insgesamt 370 Mililiter aus dem Behälter ergab folgende Werte:

  • Cäsium-134: 1,9×100 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Cäsium-137: 3,9×100 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Betanuklide gesamt: 6,7×103 Becquerel pro Kubikzentimeter

Im verfärbten Wasser an der Schweißnaht wurde ein radioaktiver Zerfall von 7.900 CPM („counts per minute“) festgestellt und auch in der Auffangwanne wiesen die braunen Tropfen noch Messwerte von 4.300 CPM auf.

Da an der nicht verfärbten Seite der Schweißnaht nur 700 CPM und im übrigen Bereich der Wanne nur 1.300 CPM nachgewiesen wurden, befürchtet TEPCO, dass möglicherweise konzentriertes Salzwasser direkt aus dem Filtersystem dringt und aus dem geschweißten Teil des Behälters austrat. Sollte sich der Verdacht eines Lecks bestätigen, wird sich das Ende des im März begonnenen Testbetriebs verzögern.

TEPCO setzt große Hoffnungen in die ALPS-Filteranlage, da sie 62 radioaktive Substanzen, darunter auch Strontium, aus dem Wasser filtern kann und das Unternehmen hofft, so mehr Vertrauen für die Entsorgung von Abwässern in das Meer zu erhalten.

Japan setzt auf zwei Ausschüsse zur Zwischenlagersuche: Japans Umweltministerium teilte am heutigen Montag mit, dass man für Entscheidungen zum Bau möglicher Zwischenlager für kontaminiertes Erdreich in den Ortschaften Futaba, Naraha und Okuma zwei Epertenausschüsse einsetzen will, die ihre ersten Treffen am 28. Juni abhalten werden.

Die Eperten des ersten Ausschusses, der aus Radiologen und Geologen besteht, sollen Sicherheitsfragen im Bezug auf den Standort klären, sowie durch ihre Ratschläge Aufbau und Größe der Anlagen entscheidend mitbestimmen. Der zweite Ausschuss soll sich dagegen mit mögliche Auswirkungen auf die Umwelt durch die geplanten Anlagen, sowie dem Umweltschutz befassen.

Nach Meldung der NHK zeigen sich insbesondere einige Einwohner der betroffenen Ortschaften dennoch weiterhin alarmiert und sehen die Lagerung des Materials, an dem zum Teil Strahlungswerte von mehr als 100.000 Becquerel gemessen wurden, als kritisch für eine mögliche Rückkehr in evakuierte Gemeinden an.

Ziel der drei Zwischenlager ist es, die Mengen an radioaktiv kontaminiertem Erdreich und Trümmern, die bei Wiederaufbauarbeiten und Dekontaminationsmaßnahmen angefallen sind, sicher einlagern zu können. Wie die jiji meldet, hofft die Regierung, bereits im Januar 2015 mit dem Transfer der Abfälle beginnen zu können.

Regierung erlässt neues Katastrophenmaßnahmengesetz: Einstimmig hat das japanische Parlament heute die überarbeitete Fassung des Katastrophenmaßnahmengesetzes verabschiedet. Die neuen Regelungen treten innerhalb eines Jahres in Kraft.

Tsunami-Warnplakat (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Tsunami-Warnplakat (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Ein wichtiger Bestandteil der Neuregelungen sind die erweiterten Alarmbefugnisse lokaler Behörden.

Diese dürfen künftig, anders als zuvor, neben Evakuierungsaufforderungen, nun die Bevölkerung auch dazu auffordern, die Häuser nicht zu verlassen.

Insbesondere während Überflutungen könnten Massenevakuierungen zu erhöhter Gefährdung der Bürger führen.

Zudem sollen die Verwaltungen auch Listen von Personen führen, die im Katastrophenfall aufgrund von Alter oder Behinderungen nicht alleine entkommen könnten.

Bei Genehmigung durch diese Bürger, sollen die Listen auch mit weiteren Stellen, etwa der Feuerwehr, geteilt werden.

Neben diesem Gesetz, das die Erfahrungen aus dem Tohoku-Erdbeben und des damit verbundenen Tsunami berücksichtigt, wurde auch ein weiteres Gesetz beschlossen, das den Wiederaufbau von Gebieten nach Naturkatastrophen vereinfachen und die örtlichen Verwaltungen durch Übernahme von Wiederaufbaumaßnahmen durch den Staat, helfen will. Das berichtet die NHK.

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