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Japan aktuell: Bürger fliehen aus Tokyo nach Okinawa

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Okinawa: Kap Busena Ressort (Foto: 663highland cc-by)
Okinawa: Japans Tropeninsel als Fluchtort verängstigter Großstädter
Okinawa: Kap Busena Ressort (Foto: 663highland cc-by)
Okinawa: Japans Tropeninsel als Fluchtort verängstigter Großstädter (Foto: 663highland cc-by)

Während das Todesurteil für das letzte Mitglied der Sekte Omu Shinrikyo nun gesprochen ist, beschäftigt das Thema die Menschen weiterhin, wie dieser Artikel zeigen wird.

Okinawa, bekannt wegen der heftigen Kämpfe im zweiten Weltkrieg und von vielen Kampfkunst-Anhängern als „Geburtsort des Karate“ verehrt, wird im Zuge der Krise des AKW Fukushima aktuell von vielen Japanern als eine Art Rückzugsort  angesehen – auch wenn die radioaktive Belastung natürlich auch hier nicht halt macht.

Mehr Fukushima News nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. November 2011.

Tokyos Bürger fliehen nach Okinawa: Die Angst vor der Ausbreitung radioaktiven Materials nach dem Atomunfall am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi und das Misstrauen gegenüber offiziellen Angaben bringen viele Einwohner von Japans Hauptstadt Tokyo dazu, trotz des völligen Fehlens persönlicher Kontakte, wie etwa Verwandte vor Ort, in Japans äußersten Süden, nach Okinawa zu fliehen. Auch wenn es keine offiziellen Angaben zur Zahl der Flüchtlinge gibt, so gehen örtliche Quellen der Asahi Shimbun zufolge von mehreren hundert Personen aus.

Allerdings wird in dem entsprechenden Artikel auch davor gewarnt, unreflektiert Behauptungen aus dem Internet zu glauben, die auf keiner offiziellen Basis beruhen, sondern von wissenschaftlichen Laien die aus Medienberichten und eigenen Messergebnissen sowie angelesenem Wissen, eigene Schlüsse ziehen, die dramatisch klingen mögen, jedoch sachlich falsch sein können. Ein gesundes Maß an Skepsis, auch gegenüber offiziellen Angaben sei jedoch richtig.

Zudem dürfte jedem bewusst sein, dass die Radioaktivität nicht wie vor einer unsichtbar gezogenen Grenze halt macht. Gerade auch die Belastung des Meeres durch die steigende Kontamination durch das Wasser aus dem AKW Fukushima kann möglicherweise langfristig auch Gebiete belasten, die bislang von den Auswirkungen weitgehend verschont geblieben scheinen. Allerdings berichtete die Ryukyu Shimpo, eine lokale Zeitung, offenbar bereits über den Verkauf von mit Cäsium belastetem Mulch aus anderen Präfekturen auf Okinawa.

Präfekturleitung Saga war Meinungsmache von Kyushu Electric bekannt: Die Leitung der Präfektur Saga berichtete am Dienstag in einem Bericht an die Präfekturversammlung, man habe von den Vorbereitungen zur Manipulation der Diskussion über den dortigen Kraftwerksbetrieb durch den Stromkonzern Kyushu Electric gewusst, gleichzeitig bestreitet der Bericht jedoch eine Verwicklung des Gouverneurs Yasushi Furukawa in die Angelegenheit.

Vize-Gouverneur Kaoru Muta der interne Nachforschungen geleitet hatte erkärte zudem, die Versuche der Einflussnahme hätten die Diskussion selbst nich verzerrt, so ein  Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo.

Ein weiteres Statement, dass belegen sollte, wie unbeeinflusst die endgültige Entscheidung von diesen Manipulationen ist, erwies sich dann allerdings als Rohrkreprierer:  Man habe sich bei der Diskussion ohnehin auf die Ansichten von Experten konzentriert und auf die Meinungen der übrigen Diskussionsteilnehmer nicht viel gegeben. Kommentieren muss man diese Aussage wohl nicht weiter – und genau das tat dann auch Kyushu Eletrics und machte keine Angaben zu den Ergebnissen der internen Untersuchung.

Radioaktiv kontaminiertes Wasser erreicht internationale Datumsgrenze: Schätzungen von Wissenschaftlern der „Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology“ (JAMSTEC) zufolge, hat radioaktiv belastetes Wasser aus dem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi vermutlich bereits die internationale Datumsgrenze, die sich etwa 4000 Kilometer östlich von Japan befindet, erreicht.

Grundlage für die Berechnung der Höhe der Belastung sind die Werte die im Bereich um das AKW Fukushima herum gemessen wurden, unter Berücksichtigung weiterer Faktoren. Demnach werden die Werte für radioaktives Cäsium-137  Ende November zwischen 0,1 bis 0,01 Becquerel pro Liter betragen – und damit zehn bis hundert Mal höher als vor Beginn der Krise. Das ist zwar immer noch lediglich ein zweitausendstel bis zwanzigtausendstel der Wertes der als Sicherheitsstandard für Trinkwasser festgelegt ist, jedoch sei eine weitere Überwachung notwendig um die Auswirkungen auf Fische und Krustentiere zu ermitteln. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Berliner Philharmoniker spielen in Japan: Die Berliner Philharmoniker sind als UNICEF-Botschafter in Japan unterwegs und trotzen damit den Bedenken anderer klassischer Musiker, die Auftritte in Japan absagten. So spielten die Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle dann auch für 550 Kinder in einer Turnhalle in Sendai. Die folgenden Konzerte in der für ihre Akustik bekannten Suntory Hall in Tokyo, an deren Konzeption Herbert von Karajan mitgewirkt hatte, sind bereits jetzt vollständig ausverkauft.

Nach den Prozessen: Rund um die Giftgas-Sekte:  Für viele Opfer ist jedoch die Qual immer noch nicht vorbei. Zum einen haben viele von ihnen haben aufgrund des Gasangriffs Sehstörungen, oder sind schwerbehindert. Zum anderen ist es aber auch das Schweigen des früheren Sektenführers Shoko Asahara, der sich nie zu den Geschehnissen geäußert hat.

Jetzt da alle Prozesse beendet sind ist es zudem theoretisch möglich Asahara, der in Wirklichkeit Chizuo Matsumoto heisst, hinzurichten und somit die Todesstrafe durch Erhängen auch zu vollstrecken. Dem stehen jedoch Bedenken über dessen Geisteszustand entgegen. Während seines Prozesses war von Psychiatern bestätigt worden, dass er in der Lage ist seine Situation und des Geschehen um ihn herum zu begreifen.

Dennoch könnte sein Verhalten – er sitze meist mit verschränkten Beinen in seiner Einzelzelle, führe leise Selbstgespräche und kommuniziere auch mit anderen Personen sehr wenig und nur flüsternd, sowie der Umstand, das er jeden Kontakt zu Familie und Verteidigern ablehnt – zu einer neuen Einschätzung führen. Sein Verhalten habe sich jedoch soweit gebessert, als dass er nun auf die Aufforderungen zu essen oder ein Bad zu nehmen reagiert, er wird somit weiterhin nicht als psychisch krank eingestuft.

Auch weitere Besonderheiten des japanischen Rechtssystems sowie der Umstand, dass sich Japans Justizminister durchweg schwer damit tun, die Entscheidung über die Hinrichtung eines Täters zu fällen, dürfte die Durchführung der nun verhängten und bestätigten Todesstrafen weiter auf sich warten lassen.

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