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Japan aktuell: Bürger sollen in Evakuierungszone zurückkehren

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Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Fukushima-Sperrzone: Langzeitbetroffene planen erstmals Klage (Symbolfoto: pd)
Japan-Karte: Präfektur-Fukushima radioaktiv (Foto: pd)
Fukushima: Bürger sollen nach Kawauchi zurück (Foto: pd)

Wie vorgesehen, ist am heutigen Mittwoch Reaktor 5 des Kernkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa für reguläre Überprüfungen heruntergefahren, so dass hier nur noch Reaktor 6 läuft. Betreiber dieses AKW ist TEPCO, aus dessen schwer beschädigtem AKW Fukushima aktuell zwar wenig spektakulärs zu berichten gibt – die zahlreichen Lecks, undichten Stellen und Fehlalarme zeigen jedoch, dass auch ohne neue Katastrophenmeldungen, nicht von wirklicher Kontrolle die Rede sein kann. Über Auswirkungen in Landwirtschaft und Politik gibt es jedoch sehr wohl zu berichten – auch im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Januar 2012.

Ort in Sperrzone will Einwohner um Rückkehr bitten: Obwohl Kawauchi mit einst 3000 Einwohnern zur Hälfte in der früheren Evakuierungszone und mit der östlichen Hälfte in das 20 Kilometer Sperrgebiet hineinreicht, will die Stadtverwaltung die evakuierten Bewohner ihrer Gemeinde bitten, bis Ende März zurückzukehren. Als Vorbereitung hatten die Verantwortlichen zunächst ein Treffen veranstaltet, bei dem sich Bürger über die Pläne und bereits durchgeführte Maßnahmen zur Dekontamination und Sicherheit informieren konnten.

Nachdem die Betroffenen den Ausführungen „bis zu einem gewissen Grad“ zugestimmt hatten, will die Ortsverwaltung nach Absprache mit der Gemeindeversammlung und anderen, den Gouverneur der Präfektur Fukushima, Yuhei Sato, über ihre Entscheidung, am 31. Januar alle Bürger zur Rückkehr auffzuordern, in Kenntnis zu setzen.

Es wäre somit das erste Mal, dass eine Gemeinde, die in von der Regierung ausgewiesenen Risikozonen liegt, Rückkehrpläne offiziell ankündigt, so die Mainichi Shimbun.

Tokyo-Setagaya Bezirksverwaltung (Foto: Jun-Dai Bates-Kobashigawa cc-by-nd)
Tokyo-Setagaya Bezirksverwaltung (Foto: Jun-Dai Bates-Kobashigawa cc-by-nd)

Dekontamination radioaktiver Flaschen in Tokyo dauert an: Spreadnews berichtete im Oktober und November 2011 über den Fund von Flaschen mit radioaktivem Radium 226 in einem leerstehenden Haus in Setagaya, einem Bezirk von Japans Hauptstadt Tokyo, sowie auf dem Gelände eines Supermarkts im selben Stadtteil. Jetzt, etwa drei Monate später, sind die Arbeiten am Supermarkt immer noch nicht abgeschlossen, so die Mainichi Shimbun.

Zwar wuren die beiden Flaschen, die Ende Oktober unter dem Asphalt entdeckt worden waren bereits zwei Wochen später entfernt und damit die Strahlungsquellen von bis zu 170 Mikrosviert pro Stunde beseitigt.  Dennoch wurden insgesamt mehr als 10 weitere Stellen entdeckt, die eine Strahlung von mehr als 0,2 Mikrosievert aufwiesen.

Um die Strahlung durch das Aufsammeln von kontaminierten Glassplittern und den Aushub von Erdreich, sowie dessen Ersetzung durch unbelasteten Boden durchführen zu können, musste der Asphalt aufgebrochen werden, ein Ende der teuren Dekontaminationsarbeiten, die voraussichtlich mehrere Millionen Yen kosten werden, ist bislang nicht in Sicht.

Die Kosten hierfür muss die Zentralgenossenschaft der Landwirtschafskooperativen, die das Gelände an den Betreiber des Supermarkts vermietete, tragen, fordert allerdings von der Regierung für künftige Fälle entsprechende Maßnahmen wie die Kostenübernahmen zu regeln. Im Laufe der Jahre wurden in Japan immer wieder Behälter mit radioaktivem Material entdeckt, die noch aus der Zeit vor dem Inkrafttreten strengerer Gesetze stammen und  von Objekten stammen, die Personen in ihren Privathaushalten aufbewahrten.

Bei dem Fund in Setagaya handelt es sich um den ersten Fall, in dem die Substanzen nicht mehr einem früheren Besitzer, wie etwa einem Arzt zugeordnet werden konnten. Vor dem Aufkauf durch die Genossenschaft im Jahr 1973 hatte das Gelände zu einer Schule gehört.

Überreste japanische Soldaten in Indien entdeckt:  Bei der Suche nach den sterblichen Überreste von insgesamt 10.000 japanischen Soldaten, die 1944 während des Zweiten Weltkriegs bei der Schlacht Imphal, dort ihr Leben verloren hatten, ist laut einer Meldung der NHK eine Forschungsgruppe der japanischen Regierung  auf einem britischen Friedhof in neun der insgesamt elf japanischen Gräber, fündig geworden.

Damit ist erstmals nach 34 Jahren die Suche wieder aufgenommen worden, die 1978  aufgrund der schwierigen politischen Lage in der Region Assam und mangelnde Informationen abgebrochen wurde. Zuvor hatten bereits vier dieser Expeditionen stattgefunden.  Nun hofft man, durch Abgleich der in lateinischen Buchstaben geschriebenen japanischen Namen auf den Grabsteinen mit den früheren Truppenlisten, die Überreste der Soldaten zweifelsfrei zu identifizieren.

Eine Sonnenblume (Foto: pd)
Sonnenblume (Symbolbild, Foto: pd)

Sonnenblumenöl aus Fukushima-Sperrzone theoretisch sicher: Wissenschaftler des Nationalen Landwirtschaftsforschungszentrums (NARC) pressten jetzt insgesamt 8,9 Kilo der getrockneten Samen von Sonnenblumen die im Herbst vergangenen Jahres vom Zentrum für Landwirtschaftsindustrie der Präfektur Fukushima ausgesät worden waren und vor der weiteren Verarbeitung eine Belastung von 81,4 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm aufwiesen.

Durch das Pressen konnten 1,3 Kilogramm Öl gewonnen werden, das nur noch 2,58 Bequerel pro Kilogramm aufwies und nach einer bei der Ölverarbeitung üblichen Filtration sogar auf Werte von weniger als 1,1 Becquerel sank.  Erwartungsgemäß war jedoch die Belastung des entstehenden Bodensatzes entsprechend hoch und wies eine Belastung von 117 Becquerel auf.

Ursprünglich waren die Sonnenblumen gepflanzt worden, um ihre Resorption von radioaktivem Material aus dem Boden und damit ihrem möglichen Beitrag zur Dekontamination ganzer Landstriche zu  erforschen, hatte dabei jedoch keine überzeugenden Ergebnisse festgestellt. Nun wolle man das Öl-Experiment auch mit anderen Ölsaaten durchführen, erklärte ein Wissenschaftler gegenpber der Mainichi Shimbun.

Starke Befugnisse für neue japanische Atomaufsicht: Japans Premierminister Yasuhiko Noda hat am heutigen Mittwoch während eines Treffens mit Krisenmanagement-Minister Goshi Hosono und weiteren mit der Angelegenheit befassten Ministern angeordnet, die neue Kontrollinstanz solle über umfangreiche Befugnisse  bei der Entwicklung der Atomtechnik verfügen.

Die Gründung der neuen Behörde, die statt wie bislang geplant nicht „Nuclear Safety Agency“ heissen, sondern stattdessen auf den Namen „Nuclear Regulatory Agency“ hören und dem Umweltministerium unterstehen wird, ist eine Reaktion auf den Vorwurf, die bisher zuständige Atomaufsichtsbehörde (NISA) sei aufgrund ihres Status dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) unterstellt zu sein, in der auch die Interessen der Atomindustrie vertreten werden, nicht ausreichend unabhängig.

Bei dem Treffen stimmten die Minister der Änderung eines Gesetzes zu, dass die Betriebsdauer von Atomkraftwerken auf 40 Jahre beschränkt und eine Ausweitung auf 60 Jahre nur in besonderen Fällen erlauben wird. Eine schnelle Schaffung der Behörde ist ebenfalls ein wichtiges Ziel, bis April soll die neue Instanz handlungsfähig sein. Das berichtet die NHK.

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