Start Aktuelles Japan aktuell: Cäsium in Asche aus Müllverbrennungen gefährdet Umwelt

Japan aktuell: Cäsium in Asche aus Müllverbrennungen gefährdet Umwelt

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Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Fukushima-Sperrzone: Langzeitbetroffene planen erstmals Klage (Symbolfoto: pd)
Japan-Karte: Präfektur-Fukushima radioaktiv (Foto: pd)
Durch Fukushima kontaminierter Abfall bedroht Umwelt (Foto: pd)

Hauptthema für die japanischen Medien ist heute ohne Frage des Tokyo Sky Tree, dem höchsten freistehenden Funkturm der Welt. Bereits im Voraus waren sowohl Hoffnungen als auch Kritik mit dem Projekt verbunden, so dass abzuwarten bleibt, welche Richtung die Entwicklungen tatsächlich nehmen werden.

Neben aller architektonischer Großartigkeit, gibt es jedoch auch weniger erfreuliche Meldungen.

Die wichtigste dürfte jedoch sein, dass die Entsorgung radioaktiv kontaminierter Abfälle, wie sie seit der Katastrophe von Fukushima aktuell gepflegt wird, die Umwelt gefährdet.

Genauere Fukushima News und ein ausführlicher Bericht zur Eröffnung sind heute Thema – im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. Mai 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Verbrennung radioaktiv belasteter Abfälle gefährdet die Umwelt
  • Eröffnung des Tokyo Sky Tree
  • Jährliche Lüftung der Atombombenopfer-Listen in Nagasaki

Verbrennung radioaktiv belasteter Abfälle gefährdet die Umwelt: Neue Konzepte zur Entsorgung von radioaktiv kontaminiertem Schlamm, der sich in den Abwasseranlagen ansammelt und dort verfestigt, sind von besonderer Wichtigkeit, da die bisherige Praxis, das angesammelte Material zu Asche zu verbrennen und mit Beton gemischt einzulagern, eine Umweltgefährdung darstellt.

Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam unter der Leitung von Hideo Yamazaki, Professor für Umweltanalysen an der Kinki-Universität. Die bislang genutzte Methode berge das Risiko, radioaktives Cäsium in die Umwelt freizusetzen. Als mögliche Alternative empfehlen sie die Hinzufügung von Tonerde zum verbrannten Material.

Das Material entstand, als Regenwasser das radioaktive Material aus dem AKW Fukushima in das Abwasserrohrsystem gespült habe und während der Verarbeitung der Abwässer verfestigte. Die Lagerung dieses kontaminierten Erdreichs stellt eine der großen Probleme für die örtlichen Verwaltungen dar.  Die Verbrennung schien bislang eine sinnvolle Möglichkeit, da so das Volumen des Materials lagerungsfreundlicher wurde. Doch dies könnte ein Fehler sein.

In ihren Experimenten fügten die Forscher radioaktiv kontaminiertem Erdreich aus Minamisoma eine geringe Menge Regenwasser, sowie zum Vergleich die Asche die bei der Verbrennung des Materials anfällt, hinzu. Nachdem man die Mischung zwei Stunden hatte ruhen lassen, wurde das Ausmaß der Übertragung von radioaktivem Cäsium in das Wasser untersucht.

Wurde das radioaktiv belastete Material unverarbeitet genutzt, so fand keine Übertragung in das Wasser statt. Wurde das Material in eingeäscherter Form genutzt, so gingen 0,11 Prozent an radioaktivem Cäsium in das Wasser über. Noch nachteiliger erwies sich die Mischung mit Zement. In diesem Fall stieg die Übertragungsrate auf 2,87 Prozent. Im Gegensatz dazu, hemmte die Beifügung von Lehm bzw Tonerde die Übertragung.

Als Ursache für diesen Effekt macht man den Umstand verantwortlich, dass sich Cäsium stark mit den lehmigen Tonkomponenten des Erdreichs, so dass wenig Flüssigkeit hinausgelangt. Die starke Austrockung durch die Verbrennung ermöglicht es dem Cäsium verstärkt hinauszugelangen, da die Asche nicht mehr durch die Lehmkomponenten gebunden wird. Die hinzufügung von alkalisch wirkendem Zement begünstigt den Austritt von Cäsium.

Doch gegenwärtig nutzen viele Gemeinden im Osten Japans die Asche in den Müllverbrennungsanlagen, da sie keinen anderen Lagerungsplatz haben. Die Verwaltung des Großraums Tokyo bringt das Material auf Mülldeponien unter, nachdem die Asche zuvor mit Zement und Wasser gemischt wurde.

Dies ist in Übereinstimmung mit den Sicherheitsrichtlinien der Regierung, die eine Lagerung auf Mülldeponien erlaubt, sofern das belastete Material maximal 8.000 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm enthält. Das meldet die Asahi Shimbun.

Tokyo Sky Tree in Tokyo eröffnet: Trotz des nicht optimalen Wetters begeisterten sich viele Bürger in Tokyo für die Eröffnung des Sendeturms und es bildeten sich lange Schlangen. Wohl dem, der bereits vorab eine der Karten für den Eröffnungstag ergattern konnte.

Tokyo: Blick auf den Tokyo Sky Tree von Asakusa aus (Foto: KJ)
Blick auf den Tokyo Sky Tree von Asakusa aus (Foto: KJ)

Nachdem der  634 Meter hohe Turm nach drei Jahren Bauzeit, inklusive einer Verzögerung durch das Tohoku-Erdbeben feriggestellt wurde, war es heute dann soweit. Noch am Sonntag waren die 400 Angestellten angetreten, um sich im Grüßen zu schulen, sowie ihr Äußeres wie Kleidung und  Fingernägel zu kontrollieren.

Die Eröffnungszeremonie um 10:00 Uhr fiel bei dem Regen zwar ins sprichwörtliche Wasser, jedoch hatte der Präsident der Tobu Railway auch hierfür die richtigen Worte, indem er von einem gesegneten Regen sprach, der Sky Tree (Himmelsbaum) wachsen lasse. Zu den Personen, die das symbolische rote Band durchschnitten gehörte auch Sadaharu Oh, ein Baseball-Star der im Bezirk Sumida geboren und dessen Ehrenbürger ist.

Die ersten Personen die offiziell die Beobachtungsplattform in 350 Metern betreten durften, waren die 42 Jahre alte Ayumi Nakazawa aus der Präfektur Saitama, die dem Turm seinen Namen gegeben hatte, mit ihrem zwölf Jahre alten Sohn Kenta.

Am Mittag, als der Turm auch für den Publikumsverkehr geöffnet wurde, konnten sich 7.500 Bürger über das Vorrecht freuen, als erste das Bauwerk besuchen zu können. Sie hatten in einer Lotterie gewonnen, die ihnen dieses Privileg ermöglichte. In den ersten 50 Tagen werden nur Personen mit vorbestellten Eintrittskarten Zutritt erhalten, um eine Überfüllung der Plattform zu verhindern.

Ab dem 11. Juli 2012 können dann auch Eintrittskarten ohne Reservierung erworben werden.

Die Betreiberfirma, sowie die Stadtverwaltungen raten Besuchern zur Verwendung öffentlicher Verkehrsmittel, da mit starkem Verkehrsaufkommen zu rechnen sei. Für das erste Fiskaljahr werden insgesamt etwa 32 Millionen Besucher erwartet.

Der Tokyo Sky Tree und die Wirtschaft: Unmittelbar am Turm befindet sich das „Tokyo Solamachi“, ein großer Einkaufskomplex. Dieser sollte ursprünglich um 10:00 Uhr seine Pforten öffnen, doch nachdem die Zahl der wartenden Kunden insgesamt 500 Personen erreicht hatte, entschloss man sich dazu, die Anlage 20 Minuten früher zu öffnen. Dennoch standen etwa eine Stunde nach der Eröffnung weiterhin Schlangen vor dem Komplex.

Tokyo Sky Tree im Bau (Stand August 2011)
Tokyo Sky Tree im Bau (Stand August 2011 Foto: pd)

Die Presse erhielt bereits am 18. Mai einen ersten Einblick in die acht Stockwerke umfassende Anlage. Vollgestopft mit Läden und Restaurants stellt es praktisch eine eigene kleine Stadt von 52.000 Quadratmetern Gewerbefläche mit 312 Läden von denen die Hälfte Lebensmittel und Süßigkeiten anbieten. Insgesamt 89 dieser Angebote gibt es ausschließlich in Tokyo Solamachi, die zudem Waren mit Bezug zum Sky Tree verkaufen.

Der nahe gelegene Bahnhof Narihirabashi der Tobu Isesaki Linie wurde bereits am 17. März 2012 in „Tokyo Skytree Station“ umbenannt und nach eine Erweiterung des Bahnhofsbereichs von etwa 60 Quadratmetern auf 700 Quadratmeter am 20. April 2012 unter dem neuen Namen in Betrieb genommen.

Nach heutiger Meldung der NHK erwarten die Ortsverwaltungen, dass der Tokyo Sky Tree und die umgebenden Anlagen etwa 21 Millionen Besucher pro Jahr anziehen und damit mehr als zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr nach Japan bringen wird. Schätzungen zufolge werden die Besucher alleine an Eintrittsgebühren, Restaurants und Geschäften etwa 990 Millionen Dollar ausgeben.

Auch landesweit geht man von einem Plus für verschiedene Geschäftszweige von etwa 1,2 Milliarden Dollar aus. Tatsächlich könnte der wirtschaftliche Einfluss jedoch noch größer sein, sind doch in den Schätzungen nicht die Einnahmen durch Aquarium und Planetarium im Bereich des Turmes berücksichtigt.

Der Tsutenkaku-Tower feiert mit: Doch nicht allein in Tokyo wurde das Ereignis gefeiert. Auch auf dem 103 Meter hohen Tsutenkaku Tower in Osaka wurde der Countdown zur Eröffnung mitgezählt, um dann Feuerwerkskörper zu zünden und Luftballons aufsteigen zu lassen. Auch einen Geburtstagskuchen gab es für den Turm in Tokyo und der Betreiber des Tsutenkaku verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Besucherzahlen auf allen Türmen in Japan steigen möge.

Befürchtungen vor Besuchern des Sky Tree: Nicht alle sind jedoch glücklich über die Einweihung. Bürger des Tokyoter Bezirks Sumida, in dem sich das Bauwerk befindet befürchten, künftig durch lautstarke Touristen, Abfälle und illegales Parken in ihrer Lebensqualität eingeschränkt zu werden, wie etwa die Mainichi Shimbun am Samstag gemeldet hatte.

Dass diese Befürchtungen nicht gänzlich aus der Luft gegriffen sind, zeigt dem Artikel der Zeitung zufolge, etwa die große Menge illegal geparkter Fahrzeuge auf der Kotoi-Brücke anlässlich der Beleuchtung des Turms am 6. Mai 2012. Die Bürgersteige der nahe gelegenen Azuma-Brücke waren teilweise derart von Menschen überfüllt, das sogar die Polizei einschreiten musste. Doch auch an Wochentagen hat die Zahl an Parkdelikten bereits zugenommen.

Die Einrichtung einer besonders wegen illegalen Parkens eingerichten Sonderzone mit einem Radius von 500 Metern wird das Problem nur verlagern. Da am Gebiet der Tokyo Sky Tree Town nur 918 Parkstellen verfügbar sind, befürchtet man eine Verstopfung von Straßen in den angrenzen Wohngebieten. Auch wenn für das dortige Parken eine Zeitsperre zwischen sieben Uhr morgens und acht Uhr Abends besteht, in der dort nicht geparkt werden darf, so sind weitere Regelungen für alle dortigen Straßen frühestens im Juni zu erwarten.

Yakibuta-Meshi Bento (Foto: jetalone-cc-by)
Tokyo Sky Tree: Anwohner fürchten Verschmutzung durch Passanten (Foto: jetalone-cc-by)

Auch eine Straße entlang des Flusses Sumida wurde bereits vor der Eröffnung zu einem beliebten Sammelpunkt für Touristen und Anwohner beschweren sich bereits jetzt über Jugendliche die sich dort Nachts treffen und über Besucher die in der Nähe von Müllsammelpunkten Abfälle hinterlassen – darunter auch Wegwerfpackungen für Fastfood.

Den Behörden bleibt nach Meldung der Zeitung wenig mehr, als die Besucher zu ordentlichem Verhalten aufzurufen und zehn Angestellte mit dem Aufsammeln von Abfällen zu beauftragen.

Jährliche Lüftung der Atombombenopfer-Listen in Nagasaki: Am 16. Mai 2012 berichtete Spreadnews über die Auslüftung der Listen mit den Namen der Atombombenopfer in Hiroshima. Am heutigen Tag nun wurden auch die 157 Bücher  mit den Namen der 155.556 Opfer des Atombombenabwurfs auf Nagasaki, am 9. August 1945 zur Lüftung in die Nationale Friedensgedächtnishalle für die Atombombenopfer gebracht. Mit dieser Maßnahme sollen mögliche Feuchtigkeitsschäden in der nahenden regenzeit verhindert werden.

Friedensstatue im Friedenspark von Nagasaki (Foto: Yoshimura, cc-by)
Friedensstatue-im Friedenspark von Nagasaki (Foto: Yoshimura, cc-by)

Seit vergangenem Jahr ist die Zahl der offiziellen Opfer um 3.274 Personen gestiegen. Die Liste wird seit 1968 gepflegt und die Namen von neu bestätigten Opfern seit August letzten Jahres ab Juni 2012 ebenfalls in die Bücher eingetragen werden. Neben den Büchern mit den Angaben zu den Nagasaki-Bombentoten gehört auch ein Buch mit 10 Namen von Personen die vom Atombombenabwurf auf Hiroshima betroffen waren, jedoch vor ihrem Ableben um einen Eintrag im Buch von Nagasaki gebeten hatten.

Zudem gehört auch ein Buch mit leeren Seiten, als Symbol für die unidentifizierten Opfer zu den Schriftstücken.