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Japan aktuell: Cäsiumwerte fast so hoch wie zu Beginn der Fukushima-Katastrophe

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Zweites Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 am 19. März 2011
AKW Fukushima: Radioaktives Wasser im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 (Foto März 2011, TEPCO)
Zweites Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 am 19. März 2011
AKW Fukushima: Abwasserprobleme seit Beginn der Krise ungelöst (Foto März 2011, TEPCO)

Nach dem Wochenende belegen Zahlen, die vom Betreiber des AKW Fukushima aktuell vorgelegt wurden, dass sich seit Beginn der Krise in einigen Punkten praktisch nichts geändert hat.

Neben der schlechten Informationspolitik, sind einige Probleme an der Anlage in Fukushima heute immer noch ungelöst.

In den übrigen Fukushima News finden sich Meldungen zur Gesundheit der Arbeiter und Forderungen an TEPCO. Einzelheiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Juli 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Cäsiumwerte fast so hoch wie zu Beginn der Fukushima-Katastrophe
  • TEPCO meldet Rekordwerte an Tritium
  • Keine wichtigen Augenkontrollen bei Fukushima-Arbeitern durchgeführt
  • NRA fordert Trockenlegung durch TEPCO
  • Taucher suchen nach Überresten von Katastrophenopfern

Cäsiumwerte fast so hoch wie zu Beginn der Fukushima-Katastrophe: Der Kraftwerksbetreiber TEPCO meldete am Samstag, dass die Radioaktivität im Wasser, das durch einen unterirdischen Tunnel des AKW Fukushima in das Meer fließt, annähernd das selbe Niveau habe, wie zu Beginn der Krise.

AKW Fukushima: Chemische Bodenaushärtung am 6. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
Bodenaushärtung am AKW Fukushima: Mit neuer Technik gegen alte Probleme (Foto: TEPCO)

Die am Freitag aus einem Kabelschacht entnommene Probe wies radioaktives Cäsium in Höhe von insgesamt 2,35 Milliarden Becquerel pro Liter auf. Dabei entfallen 750 Millionen auf Cäsium-134 und ganze 1,6 Milliarden Becquerel auf Cäsium-137. Zudem wurde weiteres radioaktives Material in Höhe von weiteren 750 Millionen Becquerel pro Liter nachgewiesen.

Mit diesen Messergebnissen ist der Wert dort annähernd ebenso hoch wie im April 2011 und somit kurz nach Ausbruch der Fukushima-Katastrophe am 11. März 2011. Damals war bei einem Leck am Wassereinlauf von Reaktor 2, hochgradig radioaktives Wasser mit einer Belastung von 3,6 Milliarden Becquerel pro Liter nachgewiesen worden.

Als Quelle des jetzt festgestellten Wassers geht der Betreiber nicht zuletzt aufgrund der ähnlichen Strahlungswerte davon aus, dass die große Menge an radioaktiv kontaminierten Wassers bereits beim Ausbruch der Krise in den Schacht gelangt war. Cäsium-134 hat eine Halbwertszeit von etwa zwei Jahren, während diese bei Cäsium-137 etwa 30 Jahre beträgt.

TEPCO erklärte, derzeit sei man der Ansicht, dass das radioaktive Wasser in dem Schacht bleibe. Dennoch werde man kontrollieren, ob möglicherweise Lecks auftreten, die zu einer Freisetzung in den Erdboden führen. Auch werde man den Boden dort chemisch aushärten, um zu verhindern, dass das Wasser ins Meer gelangt.

Allerdings hatte TEPCO bei einer Pressekonferenz am 24. Juli bereits einen Arbeitermangel bei diesen dringenden Schutzmaßnahmen eingestanden. Da die Angestellten aus Sicherheitsgründen auch Pausen benötigten, waren die Arbeiten sogar zwischenzeitlich ausgesetzt worden. Daher bleibt unklar, wie schnell TEPCO tatsächlich reagieren kann.

Über die Entdeckung der hohen Strahlungsbelastung berichteten Kyodo, Asahi Shimbun und NHK.

TEPCO meldet Rekordwerte an Tritium: Am gestrigen Sonntag meldete TEPCO den Nachweis von hohen Konzentrationen an radioaktivem Tritium, die am Freitag in dem unterirdischen Kabelschacht nahe Reaktor 2 festgestellt worden waren. Dort wurden 8,7 Millionen Becquerel pro Liter nachgewiesen – das 145-fache des gesetzlichen Grenzwerts.

Diese Nachricht kommt nur einen Tag, nachdem neben den 2,35 Milliarden Becquerel an radioaktivem Cäsium auch der Fund von insgesamt 750 Millionen Becquerel an Beta-Strahlern, darunter auch Strontium, gemeldet wurde. Über den aktuellen Fund berichten jiji und Asahi Shimbun.

Die genauen Zustände, wie sich die Situation des radioaktiven Grundwassers darstellt, sind immer noch unklar. TEPCO geht weiterhin davon aus, dass das Wasser möglicherweise bereits seit dem Ausbruch der Krise in dem Kabelschacht vorhanden gewesen sei. Man schätzt, dass sich mehr als 5.000 Tonnen an radioaktivem Wasser noch dort befinden.

Keine wichtigen Augenkontrollen bei Fukushima-Arbeitern durchgeführt: Aufgrund der Strahlungsbelastung sind Kraftwerksarbeiter einem erhöhten Risiko an grauem Star zu erkranken ausgesetzt. Dennoch wurden annähernd 40 Prozent der TEPCO-Beschäftigten am AKW Fukushima nicht der vorgeschriebenen Augenuntersuchungen unterzogen.

Fukushima-Reaktor 1: Arbeiter am 18. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Kraftwerksarbeiter am 18. Oktober 2011 in Fukushima-Reaktor 1(Foto: TEPCO)

Bei den Angestellten von Subunternehmen dürfte die Zahl aufgrund der losen Arbeitsverhältnisse sogar noch höher sein

Insgesamt hätten sich 247 der 647 TEPCO-Angestellten, die im Fiskaljahr 2012 zu einer Augenuntersuchung verpflichtet gewesen wären, nicht der erforderlichen Kontrolle unterzogen. Das berichtet die Asahi Shimbun unter Bezug auf nicht näher genannte Quellen.

Das Gesundheitsministerium, das im Oktober 2011 Gesundheitsrichtlinien für etwa 20.000 Notfallhelfer am AKW Fukushima Daiichi erlassen hatte, verpflichtete TEPCO dazu, Personen, die Belastungen von mehr als 50 Millisievert ausgesetzt waren, einer jährlichen Augenuntersuchung zu unterziehen und bei Belastungen über 100 Millisievert eine jährliche Krebsvorsorge durchführen zu lassen.

Der Kraftwerksbetreiber erklärt, man wisse nicht, ob die Beschäftigten von Subunternehmen auch Augenuntersuchungen unterzogen wurden, weist die Verantwortung jedoch den kleinen Betrieben zu, die oft nicht über entsprechende Arbeitssicherheitsrichtlinien  verfügen. Da viele Arbeiter zu Beginn der Krise nur Hilfskräfte waren, die nicht mehr beschäftigt werden, dürfte die Dunkelziffer dort noch höher liegen.

Das Gesundheitsministerium versucht im Fall der TEPCO-Angestellten immer noch genaue Zahlen der fehlenden Augenpatienten zu ermitteln und will diese Zahlen in Kürze bekanntgeben. Bereits im Oktober 2011, musste allerdings die Zusammenstellung einer Gesundheitsdatenbank aller Kraftwerksarbeiter abgebrochen werden, da bei Subunternehmen in 8.000 Fällen Fehler in den personenbezogenen Daten gefunden wurden.

NRA fordert Trockenlegung durch TEPCO: Japans Atombehörde wies den Kraftwerksbetreiber TEPCO am heutigen Montag an, das radioaktiv kontaminierte Wasser aus den unterirdischen Tunneln unterhalb der Anlage zu entfernen.

Radioaktives Wasser dringt am 2. April 2011 durch Riss (Foto: TEPC)
Radioaktives Wasser dringt am 2. April 2011 durch Riss (Foto: TEPCO)

Man geht weiterhin davon aus, dass das hochgradig radioaktiv kontaminierte Wasser aus den Kellergeschossen der Turbinengebäude stammt und sich von dort aus durch die Schächte verteilt. Es sei von Bedeutung, dass eine weitere Kontamination des Meeres durch derartige Abwässer verhindert werde.

TEPCO erklärte nach Angaben der NHK, man werde den Plan, die Kiesschichten, durch die das Wasser dringen soll auf chemische Weise zu versiegeln, weiter fortführen. Dann soll ab September eine Dekontamination des Wassers in den Tunneln erfolgen, indem man sie durch ein entsprechendes Gerät zirkulieren lässt. Ab kommendem April ist dann eine Trockenlegung geplant.

Problematisch bleibt jedoch, die Quelle des radioaktiven Wassers in den Kellergeschossen zu schließen – und auch die Lagerung des bei der Trockenlegung anfallenden Wassers ist noch ungeklärt. Sollte das Wasser nicht rechtzeitig amgepumpt werden, könnte der Pegel des gestauten Wassers ansteigen.

Taucher suchen nach Überresten von Katastrophenopfern: Mehr als zwei Jahre, nachdem das große Tohoku-Erdbeben 2011 und der damit verbundene Tsunami die Ortschaft verwüstet hatten, machten sich am Samstag freiwillige Taucher einer Non-Profit-Organisation in Rikuzentakata (Präf. Iwate) auf die Suche nach den Überresten von Katastrophenopfern.

An Land gespültes Boot in Rikuzentakata (Foto: Mitsukuni Sato cc-by)
Trümmer in Rikuzentakata (Foto: Mitsukuni Sato cc-by)

Das 1,2 Quadratkilometer messende Marschgebiet, das die Taucher des „DSP Saigai Shien Project“ durchsuchen, befindet sich in der Nähe der so genannten „Wunderkiefer“. Dort durchsieben sie Gelände nach festem Material und lassen es anschließend bergen, so dass es später von Gerichtsmedizinern auf menschliche Überreste geprüft werden kann.

Auch unter dem Schlamm, der sich in der Zwischenzeit angesammelt hat, wollen die freiwilligen Helfer nach Angaben der Mainichi Shimbun noch suchen. Die Arbeiten waren bislang nur langsam vorangegangenen, da die Präfekturpolizei Iwate nicht über eine Taucherstaffel verfügt.

Für die Zukunft ist, mit Unterstützung durch Küstenwache und Fischereikooperativen, auch im Meer vor der Küste die Suche nach den Überresten der einstigen Bewohner geplant. In Rikuzentakata werden, mit Stand vom Samstag, immer noch 216 Menschen vermisst.

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