Start Aktuelles Japan aktuell: Deckel des Druckbehälters von Fukushima-Reaktor 4 entfernt

Japan aktuell: Deckel des Druckbehälters von Fukushima-Reaktor 4 entfernt

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Fukushima-Reaktor 4: Abladen des Druckbehälterdeckels am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Abladen des Druckbehälterdeckels am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Abladen des Druckbehälterdeckels am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Abladen des Druckbehälterdeckels am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)

Die vom Betreiber des AKW Fukushima heute veröffentlichten Meldungen befassen sich mit baulichen Maßnahmen an zwei Reaktoren des Kraftwerks.

Gleichzeitig bemüht man sich in Japan neben den Arbeiten am Atomkraftwerk Fukushima aktuell auch um einen Weiterbetrieb der Atomanlage in Rokkasho. Nicht zuletzt wurden auch weitere Einzelheiten des neuen Katastrophenplans bekannt.

Somit gibt es neben den Fukushima News weitere interessante Themen, wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. September 2012

Unsere heutigen Themen:

  • Entfernung des Deckels am Druckbehälter von Fukushima-Reaktor 4
  • Problem niedriger Wassereinspeisung offenbar gelöst
  • Trümmer in Abklingbecken von Reaktor 3 untersucht
  • Kein Strontium aus Fukushima in 60 Erdproben nachgewiesen
  • Japan will vermutlich Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho erhalten
  • Mehrheit staatlicher Hilfe für Wiederaufbau durch Infrastrukturschäden verzögert
  • LDP-Politiker verglich AKW Fukushima mit Sekten-Giftgasfabrik
  • Senkaku- und Takeshima-Konflikt zwischen Japan und seinen Nachbarn
    • Neuer China-Botschafter Japans zusammengebrochen
    • Neue Rechts-Partei mit nationalistischem Logo
    • Präfektur Shimane fordert nationalen Takeshima-Tag

Entfernung des Deckels am Druckbehälter von Fukushima-Reaktor 4: In einem aktuellen Bericht meldet der Elektrizitätskonzern TEPCO die erfolgreiche Entfernung des kuppelförmigen Deckels des Druckbehälters von Fukushima-Reaktor 4. Zuvor war am 13. August der Deckel des Sicherheitsbehälters mit einem Kran geborgen worden (Spreadnews berichtete).

Fukushima-Reaktor 4: Entfernung des Druckbehälterdeckels am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Entfernung des Druckbehälterdeckels am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)

Die Vorbereitungen für die Maßnahme dauerten von 8:30 Uhr bis 9:30 Uhr, bevor um 9:30 Uhr mit den Arbeiten begonnen werden konnte. An den jüngsten Arbeiten waren 15 Kraftwerksangestellte beteiligt, die in zwei Teams aufgeteilt wurden. Bis 10:00 Uhr waren die Arbeiten abgeschlossen und das aus massivem Beton bestehende Bauteil geborgen.

Bei ihren Arbeiten waren sie nach Betreiberangaben einer maximalen Strahlungsdosis von 0,28 Millisievert pro Tag ausgesetzt. Die geplante Tagesbelastung lag bei 0,8 Millisievert pro Tag.

Interessant ist der Hinweis von TEPCO, man habe einige Aufnahmen bearbeitet, um persönliche Informationen zu schützen. Zuletzt hatte am 4. September die Manipulation eines Fotos von Arbeiten an Reaktor 4 für Aufsehen gesorgt. Dabei war ein Zugang zum Reaktor und sich möglicherweise davor befindliche Personen oder Maschinen wegretuschiert worden.

Problem niedriger Wassereinspeisung offenbar gelöst: Nachdem Ende August teils starke Schwankungen der Einspeisung von Kühlwasser in die Reaktoren festgestellt worden waren, wurde eine ständige Anpassung der Durchflussrate notwendig.

Bei der Ursachenforschung waren Schwebestoffe im Puffertank der Reaktorkühlanlage festgestellt worden, die sich als eisenhaltige Partikel erwiesen. Als Reaktion hierauf war der Tank durch eine Filterung gereinigt worden (Spreadnews berichtete).

Da jedoch seit 7. September, vor der Reinigung des Tanks, keine Schwankungen mehr festgestellt worden waren, wird als wahrscheinlich angesehen, dass die Teilchen, welche vermutlich die Anpassungsventile des Tanks teilweise blockiert hatten, bereits damit begonnen hatten sich aufzulösen oder anderweitig abzunehmen.

Heute entschied nun ein Schichtführer, dass die Werte, die gegen 16:00 Uhr gemessen wurden, wieder dem Betriebsstandard entsprachen. Dafür spreche nach Angaben von TEPCO auch, dass die Durchflussraten seit dem 7. September stabil blieben und keine Substanzen mehr im  Filter gefunden wurden.

Die Wassereinspeisungswerte sahen heute um 16:00 Uhr Ortszeit wie folgt aus:

  • Reaktor 1: 4,8 Kubikmeter pro Stunde (Erforderlicher Wert: 3,8 Kubikmeter pro Stunde)
  • Reaktor 2: 6,7 Kubikmeter pro Stunde (Erforderlicher Wert: 5,4 Kubikmeter pro Stunde)
  • Reaktor 3: 6,8 Kubikmeter pro Stunde (Erforderlicher Wert; 5,4 Kubikmeter pro Stunde)

Trümmer in Abklingbecken von Reaktor 3 untersucht: Am heutigen Donnerstag veröffentlichte der Kraftwerksbetreiber TEPCO einige Aufnahmen, die bei der Untersuchung des Abklingbeckens für abgebrannte Brennelemente gemacht worden waren.

Fukushima-Reaktor 3: Stahltrümmer im Becken für abgebrannte Brennelemente am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Stahltrümmer im Becken für abgebrannte Brennelemente am 13. September 2012 (Foto: TEPCO)

Ziel der Untersuchung war die Feststellung des Zustands der Spitze der Stahlelemente, die bei der Katastrophe teilweise in das Wasser gelangten.

Zu diesem Zweck wurde eine Unterwasserkamera an einem Raupenkran in das Becken herabgelassen.

Die Aufnahmen aus Reaktor 3 zeigen daher sowohl eine Aufnahme des Gebäudes aus der Vogelperspektive, die Trümmer oberhalb der Wasseroberfläche, sowie im Becken, unterhalb des Wasserspiegels.

Kein Strontium aus Fukushima in 60 Erdproben nachgewiesen: Das Wissenschaftsministerium veröffentlichte gestern eine Karte zur Belastung des Erdreichs mit radioaktivem Material und erklärte, an 60 Probestellen habe man kein radioaktives Strontium festgestellt.

Getestet worden waren Erdproben an 50 Standorten außerhalb eines 80 Kilometer Radius um das AKW Fukushima Daiichi, mit einer Luftbelastung von 0,2 Mikrosievert pro Stunde oder mehr.

Diese 50 Probestellen befanden sich daher in insgesamt 10 Präfekturen:

  • Präf. Chiba
  • Präf. Fukushima
  • Präf. Gunma
  • Präf. Ibaraki
  • Präf. Iwate
  • Präf. Miyagi
  • Präf. Saitama
  • Präf. Tochigi
  • Präf. Tokyo
  • Präf. Yamanashi

Zusätzlich wurden Erdproben von zehn Stellen aus der Ortschaft Soma (Präf. Fukushima) genommen, wo einer Messung im Juni 2011 hohe Werte an radioaktivem Cäsium und radioaktivem Strontium ergeben hatte. Die Ergebnisse, die von der Asahi Shimbun veröffentlicht wurden, klingen beruhigend.

Die maximal gemessene Konzentration von radioaktivem Strontium-90 wurde in Nishigo (Präf. Fukushima) gemessen und lag bei 130 Becquerel pro Quadratmete. An 19 der Standorte konnte überhaupt kein Strontium nachgewiesen werden.

Alle sonstigen gemessenen Werte lagen unter den 950 Becquerel pro Quadratmeter, die 2004 in der Präfektur Ibaraki gemessen worden waren und als höchster Wert innerhalb eines Zeitraums von 1999 bis 2009 gelten.

Japan will vermutlich Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho erhalten: Durch Berufung auf Quellen und zugespielte Entwürfe, wird zum einen von den Plänen der japanischen Regierung berichtet, bis in die 2030er den Atomausstieg anstrebt.

Damit wird ein Plan aus dem Jahr 2010 verworfen, der noch einen Anstieg des Anteils der Atomenergie an der Elektrizität angestrebt hatte. Zum anderen werde man aber auch versuchen, die Wiederaufbereitung von Brennstäben in der Anlage von Rokkasho (Präf. Aomori) weiterzuführen. Das gehe aus einem Entwurf des neuen Strategiepapiers hervor.

Auch Kazuhiko Matsuo, Mitglied der Verwaltung von Aomori sprach sich bei einem Treffen mit Industrieminister Yukio Edano und Goshi Hosono, Minister für Atompolitik, für eine Regelung zum Weiterbetrieb aus.

Edano erklärte, man müsse das Versprechen einhalten, die Stadt nicht zum Endlager zu machen. Im Bezug auf das Recycling sprach Hosono von Beratungsbedarf.

Ein Gegner des Atomausstiegs ist Issei Nishikawa, Gouverneur der Präfektur Fukui in der die meisten von Japans Atomkraftwerken stehen. Er beschwerte sich beim Vize-Industriueminister Seishu Makino über die Pläne und sagte, Premierminister Noda habe noch im Juni beim Start der Reaktoren am AKW Oi erklärt, ohne Atomenergie sei Japan nicht überlebensfähig.

Nishikawa forderte, sollte tatsächlich ein Atomausstieg erfolgen, obwohl Noda die Wichtigkeit der Atomenergie für die nationale Sicherheit betont habe, so müssten alle abgebrannten Brennelemente unverzüglich aus den Reaktoren seiner Präfektur entfernt und die Anlagen in den Ursprungszustand versetzt werden.

Die offizielle Linie zur künftigen Energiepolitik des Landes soll am Freitag vorgestellt werden. Im Voraus berichteten etwa Kyodo, Asahi Shimbun, jiji und NHK über die Pläne. Ein Bekenntnis zum Atomausstieg in den 2030ern scheint jedoch bereits jetzt absehbar.

LDP-Politiker verglich AKW Fukushima mit Sekten-Giftgasfabrik: Nobuteru Ishihara, Generalsekretär von Japans größter Oppositionspartei LDP könnte nach Meldung der Kyodo seine Chance, bei den innerparteilichen Wahlen am 26. September Parteichef zu werden, möglicherweise durch einen unglücklichen Vergleich zunichte gemacht haben.

In einer Fernsehsendung sprach er über die Fukushima-Katastrophe und verglich dabei das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi mit dem „Satian-7“ genannten Gebäude, in dem der Endzeit-Kult der Omu Shinrikyo (fälschlicherweise meist „Aum-Sekte“ genannt) Kampfstoffe wie Sarin herstellte, mit dem Sektenmitglieder 1995 einen Anschlag auf die U-Bahn von Tokyo verübten.

Es ist mit Protesten und dem Vorwurf des mangelnden Taktgefühls für die Opfer der Nuklearkatastrophe zu rechnen.

Mehrheit staatlicher Hilfe für Wiederaufbau durch Infrastrukturschäden verzögert: Die staatliche Unterstützung zum wirtschaftlichen Wiederaufbau von kleinen Unternehmen, die durch die Tohoku-Katastrophen 2011 geschädigt sind, läuft nur verzögert an.

Ursache hierfür sind nach Angaben der jiji Verzögerungen bei der Wiederherstellung von Inftrastruktur in den schwer getroffenen Küstengebieten, so dass 18 Monate nach der Katastrophe 61 Prozent der Empfänger noch auf die Zustellung der finanziellen Unterstützung warten.

Da Arbeiten zur Reparatur abgesackter Gebiete und  die Instandsetzung überschwemmter Zonen immer noch nicht flüssig vorangehen, wird der Wiederaufbau von Fabriken und Geschäften weiterhin verzögert, so dass das Ziel des Förderprogramms – drei Viertel der Kosten des Wiederaufbaus von Einrichtungen und Geschäften wichtiger Versorgungsketten, weit entfernt scheint.

Auch die Erfüllung weiterer Ziele, etwa auf diese Weise die örtlicher Wirtschaft und den Arbeitsmarkt zu beleben, lässt noch auf sich warten.

Der Erhalt der Zuwendung ist mit der Bedingung verknüpft, kleine Betriebe müssten sich gruppieren und den Wiederaufbau der Anlagen abwarten, bevor die Mittel ausgeschüttet werden – und eben jener Aufbau wird durch die schwache Infrastruktur behindert.

Japan und Korea im Disput um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Japanische Präfektur fordert Takeshima-Tag (Grafik: spreadnews.de)

Senkaku- und Takeshima-Konflikt zwischen Japan und seinen Nachbarn: Die Proteste nach dem Ankauf von drei der umstrittenen Inseln durch die japanische Regierung dauert weiter an und führt zu Spannungen. Meldungen hierzu nun im Kurzüberblick:

Neuer China-Botschafter Japans zusammengebrochen: Am heutigen Morgen wurde der erst am Dienstag neu ernannte Botschafter Shinichi Nishiyama (60) bewusstlos auf einer Straße im Tokyoter Bezirk Shibuya aufgefunden. Es gebe keine Hinweise auf Fremdeinwirkung, so die Polizei.

Neue Rechts-Partei mit nationalistischem Logo: Die aus einer Ortsgruppe des ultra-nationalistischen Bürgermeisters von Osaka hervorgegangene Partei „Nippon no Ishin no Kai“ stellte ihr Parteilogo vor, auf  dem die umstrittenen Inseln als Teil Japans zu sehen sind. Dennoch rief Gründer Toru Hashimoto, der für Regelungen wie das Aufstehen bei der Nationalhymne an Schulen  bekannt ist, zur Mäßigung auf.

Präfektur Shimane fordert nationalen Takeshima-Tag: Mit einer Mehrheit von 34 der 36 Stimmen hat die Leitung der Präfektur Shimane, zu der die Takeshima-Kette offiziell gehört, ein Schreiben aufgesetzt, in dem mehr Einsatz für die Souveränität Japans im Bezug auf die Inseln, sowie die nationale Anerkennung des von der Präfektur seit dem 22. Februar 2005 begangenen Takeshima-Tags.

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