Start Aktuelles Japan aktuell: Deckel des Sicherheitsbehälters von Fukushima-Reaktor 4 entfernt

Japan aktuell: Deckel des Sicherheitsbehälters von Fukushima-Reaktor 4 entfernt

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Fukushima-Reaktor 4: Abhebung des kuppelförmigen Deckels des Sicherheitsbehälters am 10. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Abhebung des kuppelförmigen Deckels des Sicherheitsbehälters am 10. August 2012 (Foto: TEPCO)

 

Fukushima-Reaktor 4: Abhebung des kuppelförmigen Deckels des Sicherheitsbehälters am 10. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Abhebung des kuppelförmigen Deckels des Sicherheitsbehälters am 10. August 2012 (Foto: TEPCO)

Nachdem am gestrigen Sonntag die Olympischen Sommerspiele 2012 in London endeten, kehren nun vor allem erfolgreiche Athleten glücklich in ihre Heimatländer zurück.

Darunter auch Satoshi Shimizu, der im Bantamgewicht seinen aserbaidschanischen Konkurrenten mehrfach auf die Bretter geschickt hatte und dieser dennoch vom turkmenischen Ringrichter zum Sieger erklärt wurde.

Der Ringrichter wurde ausgeschlossen – und Shimizu konnte sich über die Bronzemedaille freuen.

Doch blieb am Wochenende zumindest in Japan das Thema Fukushima aktuell, da es Kraftwerksarbeitern gelang, eine durchaus heikle Aufgabe erfolgreich durchzuführen.

Dennoch gibt es vom Kernkraftwerk Fukushima heute erneut einen Skandal im Bereich des dortigen  Strahlungsschutzes der Arbeiter zu melden – wurde doch erneut ein Dosimeter „vergessen“.

Mehr Fukushima News und weitere Meldungen zu Wochenbeginn jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Deckel des Sicherheitsbehälters von Fukushima-Reaktor 4 abgehoben
  • Erneut Fukushima-Arbeiter ohne Dosimeter entdeckt
  • Fukushima-Katastrophe führte zu Mutationen bei Schmetterlingen
  • Experten fordern Suche nach Verwerfungen unter AKW Monju und AKW Mihama
  • Menschen besuchen Kiefer der Hoffnung vor dem Fällen
  • Südkoreas Präsident entflammt Takeshima-Inselstreit
  • Verkehrsminister will umstrittenen Yasukuni-Schrein besuchen

Deckel des Sicherheitsbehälters von Fukushima-Reaktor 4 abgehoben: Der Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte am Wochenende einige interessante Videoaufnahmen von Arbeiten am AKW Fukushima.

Fukushima-Reaktor 4: Absetzen der Sicherheitsbehälterkuppel am 10. August 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Absetzen des Sicherheitsbehälter-Deckels am 10. August 2012 (Foto: TEPCO)

Auf diesen ist zu sehen, wie innerhalb von 15 Minuten der obere Deckel des Sicherheitsbehälters von Reaktor 4 entfernt wird.

Aufgrund seiner gelben Farbe ist er auch auf den Fotografien gut zu erkennen.

Bei den Arbeiten wurden die insgesamt 18 beteiligten Arbeiter in zwei Gruppen aufgeteilt, die das Manöver mit Hilfe eines Raupenkrans (750 Tonnen) durchführten.

Bei der Aktion waren die Arbeiter nach Angaben von TEPCO einer Strahlung von 0,39 Millisievert ausgesetzt – die geplante Tagesdosis lag bei 0,8 Millisievert pro Tag.

Angaben zu den Hintergründen der Arbeit, oder das weitere Vorgehen machte das Unternehmen bislang nicht.

Erneut Fukushima-Arbeiter ohne Dosimeter entdeckt: Wieder  hat ein Angestellter eines weiteren Subunternehmens bei Arbeiten am AKW Fukushima Daiichi kein persönliches Dosimeter getragen.

Bereits zuvor war ein Fukushima-Arbeiter ohne Dosimeter aufgefallen (Spreadnews berichtete am 6. August 2012)

Wie TEPCO mitteilte, verbrachte ein Angestellter des Subunternehmens Toden Kogyo Corporation am Freitag insgesamt 90 Minuten mit Arbeiten, ohne ein derartiges Strahlungsmessgerät zu tragen. Hierzu befragt gab er an, das Gerät „vergessen“ zu haben.

Schätzungen aufgrund der Strahlungsbelastung anderer Angestellten die im selben Bereich arbeiteten, lassen auch bei dem fraglichen Arbeiter eine Belastung von 0,03 Millisievert wahrscheinlich erscheinen. TEPCO erklärte, ab Freitagabend werde man Schritte unternehmen, um gewährleisten zu können, dass alle an der Anlage tätigen Personen Dosimeter tragen.

Wie die Asahi Shimbun den Ausführungen des Konzerns ergänzend hinzufügte, rief das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales am selben Tag die Kraftwerksbetreiber im ganzen Land an, ihre Strahlungskontrollmaßnahmen zu verstärken und dabei auch ausreichend Dosimeter bereitzustellen.

Zudem wolle der Zeitung zufolge das Ministerium untersuchen, warum und wie die Arbeiter in der Lage waren ohne Dosimeter zu arbeiten. Anhand der Ergebnisse sollen neue Anforderungen gestellt werden, um eine weitere Wiederholung zu verhindern.

Fukushima-Katastrophe führte zu Mutationen bei Schmetterlingen: Wie in einem Artikel der in der britischen Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde, kommen japanische Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Radioaktivität, die bei der Fukushima-Katastrophe freigesetzt wurde, zu genetischen Anormalitäten bei den in Japan verbreiteten Schmetterlingen der Gattung Pseudozizeeria maha geführt hat.

Schmetterlingsgattung mutiert durch Fukushima Strahlung (Foto: pd)
Schmetterlingsgattung mutiert durch Fukushima Strahlung (Foto: pd)

Man gehe sowohl von physiologischen als auch genetischen Schäden aus, die sich auch über weitere Generationen der Tiere andauern werden.

Da die Empfindlichkeit gegenüber Strahlung bei Lebewesen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, plädiert Professor Joji Otaki, Dozent an der Universität Ryukyu für eine Überprüfung anderer Tiere.

Allerdings beschwichtigt Otaki auch und erklärte, Menschen unterschieden sich grundlegend von Insekten und sollten daher deutlich resistenter gegen die Einwirkung von Radioaktivität seien, heisst es in der Meldung der jiji.

Experten fordern Suche nach Verwerfungen unter AKW Monju und AKW Mihama: Die Atomaufsichtsbehörde NISA kam nach Angaben der Yomiuri Shimbun in einer Expertenanhörung am Freitag zu dem Schluss, dass sich unter fünf japanischen Kraftwertken keine geologisch aktiven Verwerfungen befinden.

Die damit als seismisch sicher liegende Kraftwerke sind demnach:

  • Das AKW Sendai (Kyushu Electrics, Präf. Kagoshima)
  • Das AKW Genkai (Kyushu Electrics, Präf. Saga)
  • Das AKW Ikata (Shikoku Electrics, Präf. Ehime)
  • Das AKW Tokai 2 (Japan Atomic Powert, Präf Ibaraki)
  • Das AKW Onagawa (Tohoku Electric, Präf. Miyagi)

Bei der Beurteilung wurden als Szenarien sowohl Erdbeben direkt unterhalb des Reaktors, als auch Erdbeben durch aktive Verwerfungen in der Nähe, oder Erschütterungen und tektonische Bewegungen durch ein Beben in entfernteren Gebieten mit einbezogen.

Sowohl die Yomiuri Shimbun, als auch die Mainichi Shimbun berichten allerdings auch über Bedenken von Experten in Bezug auf zwei weitere Kraftwerke.

Die beratende Expertengruppe der NISA fordert eine Untersuchung der Standorte des AKW Mihama (Präf. Fukui) und des Forschungsreaktors am AKW Monju. Nach der Expertenforderung vom Freitag ist es nun an der Behörde zu entscheiden, ob die Betreiber, Kansai Electric bzw. die japanische Atomenergiebehörde JAEA dazu veranlasst werden, Untersuchungen durchzuführen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Shiraki-Nyu Verwerfung etwa einen Kilometer östlich des AKW Mihama und sogar nur 500 Meter westlich des Monju-Reaktors verläuft, hatten Wissenschaftler bereits zuvor auf die Möglichkeit hingewiesen, dass die Bruchzonen auf den Geländen der Kraftwerken, bei Aktivitäten der Verwerfung ebenfalls seismisch aktiv werden könnten.

Sollten diese Bruchzonen in den vergangenen 120.000 bis 130.000 Jahren bewegt haben, werden sie als aktiv angesehen. Bislang bestreiten jedoch sowohl Kansai Electric als auch die JAEA, dass die Bedingungen eines derartigen Zeitrahmens erfüllt sind.

Insgesamt hat der Expertenausschuss bis zum vergangenen Freitag zehn weitere AKW untersucht, so dass damit die Einschätzung aller 18 zu untersuchenden Anlagen abgeschlossen ist.

Fraglich sind jedoch das AKW Shimane (Präf. Shimane) und das AKW Hamaoka (Präf. Shizuoka) bei denen zwar keine Verwerfung festgestellt wurde, jedoch untersucht werden müsste, ob es zu Bewegungen bei weiter entfernten Beben kommen könne.  Die NISA wird die Betreiber Chugoku Electric  bzw Chubu Electric zu Überprüfungen auffordern.

Obon-Totenfest beginnt in Japan: Am heutigen Montag beginnt das Obon genannte buddhistische Totenfest in Japan. Dies ist mit mehreren Bräuchen verknüpft, die davon ausgehen, dass die Verstorbenen für ein paar Tage zu ihren Hinterbliebenen zurückkehren. Daher ist das Obon auch eine Reisezeit, da sich oft Familienangehörige zusammenfinden, die sonst wenig Kontakt haben.

So berichtet dann auch die Mainichi Shimbun, dass Tsunami-Überlebende in Natori (Präf. Miyagi) den alten Brauch pflegen, vor den Türen ihrer Häuser Süßigkeiten in einem Feuer zu rösten – auch wenn von den Häusern meist nichts mehr übrig ist und die Feuer auf leeren Grundstücken brennen. Die Häuser sollen später in höherer Lage wieder erbaut werden.

Die Asahi Shimbun berichtet aus der Präfektur Iwate. Dort wurde an mehreren Stellen der Toten gedacht. In Kamaishi wurden etwa 1.000 Papierlaternen mit Hoffnungsbotschaften einem Fluss übergeben. In Miyako gedachte man mit Kerzen in Milchkartons mit positiven Schriftzügen und einem Feuerwerk den Opfern der Katastrophen.

In Otsuchi, ebenfalls in der Präfektur Iwate  beteten Angestellte der Verwaltung für 40 Kollegen, die durch das Unglück gestorben waren.

Wie die NHK berichtet, nutzten die Einwohner von Naraha die seit Freitag bestehende Möglichkeit, tagsüber wieder in den Ort zurückzukehren um auf dem Friedhof gestürzte Grabsteine wieder aufzurichten und die Gräber von Unkraut zu befreien, bevor in einem buddhistischen Tempel und an den Gräbern Blumen und Räucherstäbchen geopfert wurden.

Menschen besuchen Kiefer der Hoffnung vor dem Fällen: Nachdem sie als einzige eines ganzen Kiefernwaldes von 70.000 Bäumen den Wellen des Tsunami getrotz hatte, wurde eine einsame Kiefer unter Bezeichnungen wie „Kibo no Matsu“ (Kiefer der Hoffnung) bekannt.

Kiseki no ippon matsu - Die wundersame Kiefer der Hoffnung (Foto: Jacob Ehnmark cc-by)
Kibō no matsu - die Kiefer der Hoffnung in Rikuzentakata (Foto: Jacob Ehnmark cc-by)

Doch das Symbol des Wiederaufbaus hatte ebenfalls gelitten. Die durch das Salzwasser am Wurzelwerk entstandene Schäden waren zu groß, so dass nach vielen Rettungsversuchen der einsame Baum für tot erklärt wurde.

Dennoch gelang es zumindest Sprößlinge zu ziehen, die sich stärker als erwartet entwickeln sollen.

Jetzt besuchten anlässlich der Ferien zum buddhistischen Totenfest Obon viele Menschen noch einmal den Baum in der Stadt Rikuzentakata (Präf. Iwate) der noch in diesem Monat gefällt werden soll, berichtet die NHK.

Südkoreas Präsident entfacht Takeshima-Konflikt: Lee Myung-Bak, der als erster südkoreanischer Präsident einen Fuß auf die von den Japanern Takeshima genannte Inselkette setzte, hat mit seiner Aktion einen Sturm der Empörung in Politik und der japanischen Bevölkerung ausgelöst.

Tokyo rief seinen Botschafter zurück und Außenminister Koichiro Gemba kündigte an, die jahrzehntelange Politik der Zurückhaltung aufgrund von bilateralen Interessen sei vorbei – man wolle jetzt die Angelegenheit vor den Internationalen Gerichtshof bringen. Dies scheitert jedoch bislang an der erforderlichen Zustimmung Koreas.

Während Japan weitere politische Schritte erwägt, warf der 44 Jahre alte Masakazu Yuasa, ein Mann ohne festen Wohnsitz, der von sich behauptet, Mitglied einer rechtsextremen Gruppierung zu sein, die Glastür des koreanischen Konsulats in Hiroshima ein.

Auch wenn Südkorea nun ankündigte, eine geplante Militärübung an den Inseln zu verschieben, so dürften auch weitere Äußerung von Präsident Lee die Lage wenig entspannen. So warf er der japanischen Regierung laut der koreanischen Zeitung  Dong-A Ilbo fehlende Aufrichtigkeit in der Angelegenheit vor.

Für den südkoreanischen Fußball-Nationalspieler Park Jong-Woo hat die Takeshima-Affäre bereits jetzt Konsequenzen. Obwohl  durch den olympischen Eid politische Aktionen untersagt sind, hatte er nach dem 2:1 Sieg gegen Japan ein Schild emporgehalten auf dem die Worte “Dokdo ist unser Territorium” standen. Er durfte auf Druck des IOC an der Siegerehrung nicht teilnehmen.

Besonders im Netz hatten Koreaner protestiert und erklärt, sie hätten sich durch die bei einigen Wettkämpfen von Fans gezeigte japanische Militärflagge (Kyokujitsuki) beleidigt gefühlt. Diese steht in engem Zusammenhang mit dem Militarismus Japans im zweiten Weltkrieg.

Brenzlig wurde es unterdessen auch in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Hier kamen durch einen Großbrand auf der Baustelle eines Kunstmuseumgebäudes in der Nähe des traditionellen Gyeongbok-Palastes, vier Arbeiter ums Leben. 19 weitere  wurden mit Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser gebracht.

Verkehrsminister will umstrittenen Yasukuni-Schrein besuchen: Am vergangenen Freitag äußerte Yuichiro Hata, Japans Minister für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus seine Absicht, am Mittwoch anlässlich des 67. Jahrestags der japanischen Kapitulation, den Yasukuni-Schrein in Tokyo zu Besuchen um dort der Toten zu gedenken.

Der Yasukuni-Schrein in Tokyo
Der Yasukuni Jinja in Tokyo: Hier werden die Seelen der Kriegstoten verehrt (Foto: Miki Yoshihito cc-by)

Auch wenn er dies als Privatmann täte, so wäre Hata der erste Kabinettsminister seit der Regierungsübernahmme durch die Demokratische Partei Japans im September 2009.

Schreinbesuche durch Regierungsvertreter werden von den benachbarten Staaten China und Südkorea meist scharf kritisiert, gehören doch zu den Kriegstoten die dort in vergöttlichter Gestalt (Kami) verehrt werden, auch Militärs, die von den Alliierten als Kriegsverbrecher hingerichtet wurden.

Ob der Minister in Anbetracht der Provokation durch Südkorea an seinem Vorhaben festhalten, oder um weitere Spannungen zu vermeiden absagen wird, ist noch unklar.

Nachdem sich bereits Außenminister Gemba wenig diplomatisch gezeigt hatte, ist es jedoch gut möglich, dass sich Hata nun bewusst über die Gefühle der Nachbarstaaten hinwegsetzen wird.

Über die Absicht des Verkehrsministers berichteten Kyodo, Yomiuri Shimbun und Kyodo.

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