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Japan aktuell: Dekontamination in Fukushima-Ortsteil erstmals erfolgreich

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Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: symbolisch, TEPCO)

An unterirdischen Lagertanks, die nicht zur Lagerung von radioaktivem Abfall geeignet sind, tritt möglicherweise Wasser aus  – dieses Szenario fand sich jüngst nicht am AKW Fukushima, sondern im Nuklearkomplex der „Hanford Site“ in den USA.

In Japan dagegen gibt es aus der Präfektur Fukushima heute erfreuliche Meldungen, dort soll die Dekontamination erstmals echten Erfolg gezeigt haben.

Auch ein Rückgang bei der Belastung von Lebensmitteln wird aus Fukushima aktuell gemeldet. Weitere Fukushima News und sonstige Informationen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Juni 2013.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Dekontamination in Fukushima-Ortsteil erstmals erfolgreich
  • Fukushima-Gemeinden fordern zweite Runde der Dekontamination
  • Cäsiumbelastung in Fukushima-Lebensmitteln gesunken
  • AKW Monju mit weiteren zweitausend Mängeln bei Wartungsplanung
  • Fehlende Notfallpläne an Kliniken und Pflegeeinrichtungen

Dekontamination in Fukushima-Ortsteil erstmals erfolgreich: Vertreter des Kabinettsbüros und des Umweltministeriums teilte am gestrigen Sonntag mit, dass etwa 380 Einwohner der evakuierten Stadt Tamura (Präf. Fukushima) möglicherweise bereits ab Mitte August wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Zuvor war Anfang April 2012 bereits der Evakuierungsstatus aufgehoben worden.

Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Erstmals Dekontaminationserfolg in Präfektur Fukushima (Foto:pd)

Die Dekontamination des Stadtbezirks Miyakoji, der innerhalb des 20-Kilometer-Radius um das AKW Fukushima Daiichi liegt, ist das erste Projekt dieser Art, dass von den Behörden als erfolgreich abgeschlossen eingestuft wird. Insgesamt wurde in den seit Juli 2012 laufenden Maßnahmen ein Gebiet von 3,42 Millionen Quadratmetern dekontaminiert.

Die Strahlungswerte der Luft in einem 230.000 Quadratmeter messenden Wohngebiet in Tamura-Miyakoji sei zwischen 24 und 56 Prozent gesunken und betrage nun lediglich noch zwischen 0,32 bis 0,54 Mikrosievert pro Stunde – auch diese Werte liegen allerdings noch über dem anvisierten Jahresgrenzwert von 1 Millisievert (0,23 Mikrosievert pro Stunde).

Die aktuellen Strahlungswerte nach den Dekontaminationsmaßnahmen sei jedoch nicht gesundheitsgefährdend und darüber hinaus sei sowohl verkehrstechnisch, als auch im Bezug auf Energieversorgung und medizinische Betreuung, die Infrastruktur bereits fast vollständig wiederhergestellt, was eine Rückkehr ermögliche.

Das Umweltministerium erklärte auf die Forderung einiger Einwohner, es müssten mehr Strahlungskontrollen erfolgen, man werde im Herbst und nach erneuten Strahlungskontrollen darüber entscheiden, ob zusätzliche Arbeiten zur Senkung des Strahlungsniveau erforderlich sind, berichtet die Asahi Shimbun.

Fukushima-Gemeinden fordern zweite Runde der Dekontamination: Mehrere Gemeinden der Präfektur Fukushima haben mit eigenen Untersuchungen zur Strahlungsbelastung begonnen und fordern zunehmend eine zweite Folge von Dekontaminationsmaßnahmen, da in einigen Fällen trotz der Dekontaminationsversuche die Belastung immer noch über dem Jahresgrenzwert von einem Millisievert liege.

Wie etwa die jiji berichtet, wurden bei etwa 480 der insgesamt 1.061 Häuser in der Zone mit Evakuierungsempfehung der Ortschaft Kawauchi eine Strahlungsbelastung der Luft festgestellt, die trotz der dort durchgeführten Dekontaminationsmaßen immer noch über dem anvisierten Grenzwert liege.

Cäsiumbelastung in Fukushima-Lebensmitteln gesunken: Eine Studie des Gesundheitsministeriums kommt zu dem Schluss, dass die Strahlungsbelastung durch radioaktives Cäsium in den durchschnittlichen Mahlzeiten in der Präfektur Fukushima im Vergleich zwischen 2011 und 2012 auf ein Fünftel des ersten Werts gesunken ist.

Gyudon (Foto: Copyright by KJ)
Strahlungsbelastung in Fukushima-Mahlzeiten gesunken (Foto: Copyright by KJ)

Waren die Jahresdosis im Herbst 2011 noch auf 0,0193 Millisievert beziffert worden, betrug sie im Herbst 2012 nur noch 0,0038 Millisievert. Beide Werte liegen deutlich unter dem Jahresgrenzwert der Bevölkerung von einem Millisievert pro Jahr.

Grundlage der Untersuchung waren nach Angaben der Asahi Shimbun die Strahlunngswerte von Reis, Meeresfrüchten und weiterverarbeiteten Lebensmitteln, die in dem Hauptteil der Präfektur, um die Stadt Fukushima, produziert wurden.

Strahlungskritische Bürgerinitiativen veröffentlichen jedoch immer wieder selbst ermittelte und damit inoffizielle Daten zur Belastung von Umwelt und Lebensmitteln, die über den offiziell bestätigten Angaben der Regierung liegen.

AKW Monju mit weiteren zweitausend Mängeln bei Wartungsplanung: Der Betreiber des Forschungsreaktors Monju, die Japanische Atomenergiebehörde JAEA, muss nach dem Versäumnis von regelmäßigen Inspektionen bei fast 10.000 Geräten und Vorrichtungen seit 2010, nun weitere Mängel im Sicherheitsmanagement einräumen.

Neben den bislang 9,847 nicht inspizierten Teilen habe man bei weitere 2.300 Anlagen der Forschungseinrichtung die Inspektionen verschleppt. Die jüngsten 2.300 Fälle waren durch eine Sicherheitsinspektion der Atomaufsichtsbehörde NRA, die zwischen 3. Juni und dem Freitag vergangener Woche erfolgte, aufgeflogen.

Bereits die ersten 10.000 Versäumnisse hatten Ende Mai zur Entscheidung der NRA geführt, keine Neustartgenehmigung für den Reaktor zu erteilen, bis Maßnahmen getroffen sind, die eine Wiederholung derartiger Mängel im Sicherheitskonzept effektiv verhindern können. Die ausstehenden Inspektionen werden noch bis mindestens September nachgeholt.

Über den erneuten Mängelnachweis an dem bereits über eine Trillion Yen teuren Reaktorporjekt und den erneuten Vertrauensverlust, für den sich Takehide Deshimaru, stellvertretender Leiter des AKW Monju entschuldigte, berichteten Kyodo, NHK und Asahi Shimbun.

Fehlende Notfallpläne an Kliniken und Pflegeeinrichtungen: In dem jährlichen Papier der Regierung zum Katastrophenschutz finden sich Ergebnisse einer Umfrage des Kabinettsbüros – und die 21.000 gültigen Antworten zeigen deutlich, dass viele der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen nicht über Notfallpläne für Naturkatastrophen verfügen.

Schriftzug: Japanisches Rotes Kreuz (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Schriftzug: Japanisches Rotes Kreuz (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Derartige Notfallpläne zeigen, dass zwar zwei Drittel der Elektrizitätsversorger und fast 40 Prozent der Telekommunikationsunternehmen und Rundfunkanstalten über Notfallpläne verfügen, die einen Weiterbetrieb auch nach dem Katastrophenfall ermöglichen – jedoch nur sieben Prozent der medizinischen Einrichtungen und fünf Prozent der Pflegeanbieter einen Krisenplan haben.

Als Begründung wurde nach Angaben der NHK vor allem der Mangel an benötigtem Fachwissen und Personal zur Erstellung derartiger Konzepte genannt, so dass nach Ansicht der Regierung hier dringend eine entsprechende Förderung und Unterstützung bei dieser Aufgabe notwendig sei.

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