Start Aktuelles Japan aktuell: Demontage von Fukushima-Wassertank geplant

Japan aktuell: Demontage von Fukushima-Wassertank geplant

1377
0
TEILEN
AKW Fukushima: Ausgetretenes Wasser aus dem Lagertank am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Betonbarrieren bieten nicht immer Schutz (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Ausgetretenes Wasser aus dem Lagertank am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Ausgetretenes Wasser aus dem Lagertank am 20. August 2013 (Foto: TEPCO)

Meldungen über weitere Lecks und eine als wahrscheinlich geltende Kontamination des Pazifiks sorgen am AKW Fukushima heute für erhöhte Aufmerksamkeit.

Der Betreiber will das Problem offensiver angehen und erklärte, man werde einen Wassertank demontieren.

Unterdessen führen französische Olympia-Karikaturen zu Protesten in Japan.

Detaillierte Fukushima News mit mehreren Neuigkeiten von der Anlage in Fukushima aktuell im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. September 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO will Fukushima-Wassertank auseinandernehmen
  • Hinweis auf Ausritt von radioaktivem Wasser in Pazifik
  • Leck an mobiler Anlage zur Wasserverarbeitung
  • Abgeordnete und US-Experte besuchen Fukushima
  • Protest nach  französischen Fukushima-Karikaturen zu Olympia
  • Anti-Terror-Übung für Olympische Spiele in Tokyo

TEPCO will Fukushima-Wassertank auseinandernehmen: Vertreter des Kraftwerksbetreibers TEPCO kündigten an, man werde den leergepumpten Wassertank, aus dem im August etwa 300 Tonnen an radioaktivem Wasser ausgetreten waren, zur Ursachenforschung demontieren.

AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)
AKW Fukushima: Wassertank im Leckbereich am 20. August 2013 (Foto; TEPCO)

Man werde alle Einzelteile des Behälters genau untersuchen, unter anderem auch die tragenden Strukturen. Zuvor durchgeführte Kontrollen an der Außenseite des Behälters hatten die Ursache des Lecks nicht ermitteln können.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA wies TEPCO an, auch den Betonboden, sowie das Erdreich unter dem Tank in die Untersuchungen einzubeziehen. Der Reaktorbetreiber teilte der Behörde mit, man werde gegen Freitag kommender Woche mit den Arbeiten beginnen.

Das Unternehmen wurde zudem erneut daran erinnert, die unterirdische Verbreitung von radioaktivem Material umgehend zu melden, berichtet die NHK. Erst gestern war ein Anstieg des Tritiumlevels an einem Messposten auf 64.000 Bequerel gemeldet worden.

Hinweis auf Ausritt von radioaktivem Wasser in Pazifik: Aufgrund der Konzentration von radioaktivem Material, das am Mittwoch aus einem Abflussgraben entnommen wurde, vermutet TEPCO, dass radioaktives Wasser in das Meer nahe der Anlage gelangt sein könnte.

In den fraglichen Proben waren 220 Becquerel pro Liter nachgewiesen worden. Die Strahlungswerte von Cäsium, Strontium und weiteren Betastrahlern lagen das 12-fache über den am Dienstag dort festgestellten Werten – Werte, die zuvor am Dienstag in dem Abflussgraben ermittelt wurde.

Der fragliche Abflussgraben befindet sich etwa 150 Meter von der Küste entfernt und dient zur Ableitung von Regenwasser.

Vor dem Fund waren Arbeiter oberhalb der Fundstelle damit beschäftigt, durch den Einsatz von Wasserstrahler den Graben von Schlamm zu befreien. Hierbei wurde bereits radioaktives Cäsium von 104 Bequerel pro Liter nachgewiesen.

Die Reinigungsarbeiten könnte dazu beigetragen haben, dass radioaktives Material weiter transportiert worden  sei. Als Ursache für die gestiegenen Werte geht TEPCO nach Angaben der Kyodo jedoch davon aus, dass das Wasser aus Sandsäcken gedrungen sei, die oberhalb der Fundstelle zum Schutz vor kontaminiertem Wasser aufgeschichtet worden waren.

Bereits gestern hatte Seiji Takeda von der Japanischen Atomenergiebehörde JAEA die Theorie erläutert, da die Tritiumwerte an den Kontrollpunkten der Küstenseite nahe von Reaktor 2 höher seien, als die Werte an anderen Stellen. Es sei wahrscheinlich, dass radioaktives Material primär von dort durch einen unterirdischen Tunnel in das Meer gelange.

TEPCO hatte nach Angaben der NHK am selben Tag eingeräumt, dass die Verstärkung des Uferdamms bislang nicht den gewünschten Effekt bei der Bekämpfung der Lecks gehabt habe.

Leck an mobiler Anlage zur Wasserverarbeitung: Gegen 15:20 Uhr entdeckte ein TEPCO-Angestellter ein Wasserleck an einem System zur Verarbeitung von angesammelten Wasser für die Reaktoren 5 und 6, das auf einem Fahrzeug montiert war.

Nach der Entdeckung wurde das System umgehend angehalten und wenig später bestätigt, dass der Wasseraustritt erfolgreich gestoppt wurde. Nach Angaben des Unternehmen erstreckte sich das ausgetretene Wasser auf eine Fläche von 3×3 Metern. Die Wassertiefe betrug ein Zentimeter.

Der Betreiber der Anlage erklärte, gegenwärtig untersuche man Umstände und Ursache des Wasserlecks. Da sich kein Abflussgraben in der Nähe befindet, geht man davon aus, dass kein Wasser in das Meer gelangt war.

Abgeordnete und US-Experte besuchen Fukushima: Elf Mitglieder eines Rats für Wirtschaft und Industrie aus dem japanischen Unterhaus, besichtigten heute die Kraftwerksanlage Fukushima Daiichi und nahmen den Lagertank in Augenschein, der kommende Woche demontiert werden soll. Anschließend folgte ein Gespräch mit Fischern aus Iwaki, die über berufliche Ängste klagten.

Japanisches Parlamentsgebäude (Foto: Kim Ahlström cc-by)
Japans Parlamentsgebäude (Foto: Kim Ahlström cc-by)

Produktiver schien dagegen der Besuch der Anlage durch Lake H. Barrett, ein Experte, der früher bei der US-Atomkontrollbehörde beschäftigt war und von TEPCO eingeladen wurde, um den Atomkonzern zu beraten (Spreadnews berichtete am gestrigen Mittwoch).

Er erklärte, die Folgen der Fukushima-Krise seien komplexer, als jene beim Zwischenfall an der Three Mile Island Anlage im Jahr 1979, da damals radioaktives Wasser in den Reaktorgebäuden verblieben war. Im Fall von Fukushima käme das Grundwasser erschwerend hinzu.

Nach einer ersten Begutachtung des gleichen Tanks, und einer Besichtigung eines Bereichs, in dem Barrieren zum Schutze der Küstengewässer gefertigt wurden, hatte er auch erste Beurteilungen. TEPCO hätte die Begrenzungen um die Lagertanks höher errichten müssen, um selbst im Fall eines völligen Auslaufen des Behälters Schutz zu bieten.

Eine Senkung der radioaktiven Substanzen unterhalb nationaler und internationaler Grenzwert ist nach Ansicht von Barrett ebenfalls erforderlich.

Die Menge an kontaminiertem Wasser sei zu groß, um sie unbegrenzt lagern zu können. Für den Fall, das Wasser in den Ozean geleitet werden müsse, sei die Bewilligung durch die Öffentlichkeit wichtiger, als technische Raffinessen. Am morgigen Freitag wird der US-Experte an einem Treffen im TEPCO-Hauptsitz seine Empfehlungen vorlegen. Hierüber berichtete die NHK.

Protest nach  französischem Fukushima-Karikaturen zu Olympia: Die französische Zeitschrift „Le Cannard Enchaine“ hat durch Karikaturen, welche die Atomkatastrophe am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi mit den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokyo in Verbindung bringen, zu Protesten geführt.

Japans Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga (Foto: pd)
Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga protestiert gegen Karikaturen (Foto: pd)

In einem Cartoon stehen zwei Männer mit Schutzanzügen an einem Wasserbecken. Einer von ihnen hält ein Messgerät in der Hand. Kommentiert wird das Bild mit dem Hinweis, für die Olympischen Spiele gäbe es ja bereits ein Becken in Fukushima.

In einem zweiten Cartoon werden zwei abgemagerte Ringer gezeigt, von denen der Eine drei Arme und der Andere drei Beine aufweist – im Hintergrund ist die AKW-Ruine zu sehen. Während die Schiedsrichter (gyoji) in Schutzanzügen dort sitzen, erklärt ein Reporter „Dank Fukushima ist Sumo nun Olympische Disziplin!“

Japans Regierung kündigte heute an, man werde Protest über die japanische Botschaft in Frankreich einlegen. Das Vorgehen des Magazins sei unangemessen und verletze die Gefühle der Betroffenen der Katastrophe. Außerdem vermittele es ein falsches Bild der Lage vor Ort, erklärte Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga auf einer Pressekonferenz.

Japans Ministerium werde sich nun bemühen, derartige Berichterstattung zu verhindern. Über die umstrittenen Fukushima-Cartoons berichteten Kyodo, jiji und Asahi Shimbun. Bereits im letzten Jahr hatte sich Frankreich mit einem Fernsehspot, in dem Japans Fußball-Torwart mit vier Armen dargestellt worden war, unbeliebt gemacht

Anti-Terror-Übung für Olympische Spiele in Tokyo: Die Polizei Tokyo führte heute eine Anti-Terror-Übung im Bezirk Chuo durch. Im dortigen Ortsteil Harumi soll das olympische Dorf entstehen. Neben 50 Personen die unmittelbar Teilnahmen, wurde auch ein Komplex, an dem unter der Woche 20.000 Büroangestellte arbeiten, eingebunden.

Tokyo: Blick auf Harumi im Bezirk Chuo (Foto: pd)
Tokyo: Blick auf Harumi im Bezirk Chuo (Foto: pd)

Das Szenario, mit dem sich Polizeibeamte und private Sicherheitskräfte während der Übung konfrontiert sahen, bestand in der telefonischen Bombendrohung von Olympiagegnern. Bei der Suche wurde an der genannten Stelle eine herrenlose Tasche gefunden, in der Spürhunde Sprengstoff witterten. Anschließend wurde der „Sprengsatz“ von Spezialkräften entfernt.

Die Polizei kündigte an, man werde sowohl Kontrollgänge, als auch das Training der Beamten erhöhen, um der Angst vor Terroranschlägen zu begegnen. Hierüber berichteten jiji und NHK.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here