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Japan aktuell: Drei AKW droht Gefahr durch Tsunami

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Gefahr für drei japanische AKW durch Tsunami (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Am Wochenende fand eine landesweite Katastrophenübung statt, die sich mit den Folgen von Erdbeben und Tsunami befasste. Doch natürlich bleibt die Situation am AKW Fukushima aktuell – nicht zuletzt wegen der Flutgefahr an weiteren AKW.

Der Schwerpunkt der heutigen Meldungen liegt somit deutlich im Bereich der Naturkatastrophen, so dass es auch ohne direkten Bezug zum Kernkraftwerk Fukushima heute aufschlussreiche Neuigkeiten gibt. Alles weitere neben den Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. September 2012.

Unsere Themen zum Wochenbeginn:

  • Überflutungsgefahr der AKW Takahama und AKW Tsuruga bei Tsunami
  • Viele Verwaltungsgebäude vor Tsunami ungeschützt
    • Überschwemmungen über zehn Meter befürchtet
    • Notfallzentrale des AKW Ikata soll trotz Flutgefahr nicht verlegt werden
  • Vorschlag für Atommüll-Endlager
  • Großangelegte landesweite Katastrophenübung
    • Regierung in Katastrophenübung
    • Übung zur Brandbekämpfung in Tokyo
    • Organisation im Katastrophenfall
    • Medizinische Rettung im Katastrophenfall
  • Keine Dekontamination von beschädigten Altgebäuden geplant
  • Neue Anklage gegen Giftgas-Sektenmitglied Takahashi
  • Video-Aussage zur Ermordung der japanischen Journalistin

Überflutungsgefahr der AKW Takahama und AKW Tsuruga bei Tsunami: Wie die Leitung der Präfektur Fukui am heutigen Montag mitteilte, hätten Untersuchungen ergeben, dass die Kernkraftwerke Tsuruga und Takahama im Falle eines Großbebens durch einen Tsunami geflutet werden könnten.

Ein von der Präfektur eingesetztes Komitee zur Auswertung von Tsunami-Kalkulationen kommt zu dem Schluss, dass ein Küstenabschnitt  bei Sendai etwa 30 Minuten nach einem Erdbeben der Stärke 7,63 in der Bucht von Wakasa, von einem bis zu 8,68 Meter hohen Tsunami getroffen werden würde.

Dies hätte auch Folgen für zwei Kernkraftwerke, denn sowohl das AKW Takahama der Kansai Electric, als auch das AKW Tsuruga von Japan Atomic Power,  wären durch Wellen von 3,74 Metern bzw 3,48 Metern betroffen.

Aufgrund des Standorts von 3,5 Metern über dem Meeresspiegel beim AKW Takahama und nur drei Metern im Fall des AKW Tsuruga, könnten einige Teile der Anlagen, darunter auch solche zur Wassereinspeisung, überflutet werden.

Trotz dieser Warnung durch Experten bestreiten die Betreiber eine Gefahr für den Betrieb. In den erwarteten Flutbereichen befänden sich keine Einrichtungen, die zum sicheren Betrieb erforderlich wären. Zudem habe man bereits Schutzmaßnahmen gegen Tsunami integriert, erklärten die Unternehmen der Nachrichtenagentur jiji zufolge.

Viele Verwaltungsgebäude vor Tsunami ungeschützt: Eine Koordination von Rettungsmaßnahmen könnte im Fall des Nankai-Großbebens nicht überall gewährleistet werden, besteht doch in vielen Orten die Gefahr, dass Verwaltungsgebäude selbst Opfer eines Tsunami werden.

Eine Befragung von örtlichen Verwaltungssitzen in mehreren Gebieten, die sich durch die Region Kanto bis in die südlichen Gebiete von Kyushu erstreckten machte deutlich, dass in mindestens 35 Fällen die Hauptgebäude der Verwaltung mit großer Wahrscheinlichkeit vom Tsunami überflutet werden, wenn der Wasserstand über einen Meter steigt.

Da diese Hauptgebäude in den Katastrophenplänen zumeist auch als Notfallzentralen vorgesehen sind, ist es nun nötig, Verwaltungsgebäude in höher gelegenen Gebieten einzurichten, will man von den Naturkatastrophen nicht handlungsunfähig gemacht werden.

Überschwemmungen über zehn Meter befürchtet: Im schlimmsten Fall könnten die Regierungsstellen von 12 Städten und 23 Dörfern in den Präfekturen Ehime, Kochi und Mie, sowie Miyazaki,  Oita, Tokushima und Wakayama von Fluten über einem Meter betroffen sein. Die höchsten Überschwemmungen von mehr als 10 Metern wären in Nakatosa (Präf. Kochi) zu erwarten.

In Mugi (Präf. Tokushima), wo mit annähernd 10 Meter hohen Fluten gerechnet werden müsste, befinden sich die meisten der Einrichtungen, die als Zentrale für Katastrophenmanagement dienen könnten, im Überflutungsgebiet. Hier wird man auf eine Schule in höherer Lage ausweichen.

In Kihoku (Präf. Mie) hat man beschlossen, ein neues Notbüro einzurichten, da der für die Zukunft bestimmte Standort ebenfalls in dem Überflutungsgebiet liegen würde.

Notfallzentrale des AKW Ikata soll trotz Flutgefahr nicht verlegt werden: In Kihoku (Präf. Mie) und Ikata (Präf. Ehime) wären immerhin noch Fluten von mehr als fünf Metern Höhe  zu rechnen. In Ikata befindet sich auch das gleichnamige Atomkraftwerk. Dessen Katastrophenzentrale befindet sich  im fünften und sechsten Stock des Rathauses.

Obwohl der Tsunami dort bis zu 7,7 Meter erreichen könnte, beabsichtige man nicht, die Einrichtungen der Regierung zu verlagern, da das Gebäude noch sehr neu sei.

Auch in Mihama (Präf. Wakayama), wo im Ernstfall praktisch die Hälfte der Fläche überflutet werden würde, denkt man nicht über einen Umzug des Verwaltungsgebäudes nach, da die Gebiete die außerhalb der Bereiche liegen, praktisch nur aus Gebirge bestehen würden, und man alle Einrichtung dort erst aus dem Boden stampfen müsse.

Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, können sich viele Orte eine Verlagerung der Verwaltungsgebäude nicht leisten. Sollten mögliche Dämme brechen, könnten die Folgen noch gravierender sein, da diese Möglichkeit bei der Erstellung der Karte offenbar nicht berücksichtigt worden war.

Vorschlag für Atommüll-Endlager: Am heutigen Montag stellte die japanische Regierung einen Vorschlag für den Standort der Endlagerung hochgradig radioaktiver Abfälle in der Präfektur Tochigi vor. Die Abfälle hatten sich durch die Atomkatastrophe in der benachbarten Präfektur Fukushima angesammelt.

Schätzungen zufolgen sollen etwa 4.446 Tonnen hochgradig radioaktiver Abfälle, darunter Schlamm, dessen Werte an radioaktivem Cäsium über 8.000 Becquerel  pro Kilogramm liegen, in der Präfektur gelagert werden. Insgesamt sollen dann etwa 9.000 Tonnen dieser Abfälle in der Präfektur anfallen.

Japan-Karte: Präfektur-Fukushima radioaktiv (Foto: pd)
Endlagerstätten für Präfektur Tochigi vorgeschlagen (Foto: pd)

Der stellvertretende Umweltminister Katsuhiko Yokomitsu benannte bei einem Treffen mit Tomikazu Fukuda, Gouverneur der Präfektur Tochigi, einen Wald in der Stadt Yaita als mögliches Endlager. Das etwa fünf Quadratkilometer messende Gelände sei ausreichend groß und liege in entsprechender Entfernung zu Wohngebieten oder Wasserversorgung.

Zum Aufbau gab es folgende Angaben: Die Anlage werde zur Abwehr von Regenwasser über ein Dach verfügen. Die Lagerstätten würden etwa 10 Meter unterhalb der Erdoberflächen liegen und durch Boden und Wände aus spezialbehandelten Stahlbeton abgeschirmt, der gegen Korrosion gesichert ist. Die Lagerung selbst erfolgt in Ölfässern.

Nachdem die Ölfasser durch einen Kran in das Lager gehoben wurden, wird die Anlage von einem nahe gelegenen Überwachungsraum aus kontrolliert werden, ebenso wie das Grundwasser. Sobald das Lager gefüllt ist, werde man es mit einem lehmartigen Schlamm füllen und mit Stahlbeton abdecken, gefolgt von zwei weiteren Lagen Erdreich.

Möglicherweise könnte dann sogar der Kontrollraum derart gesichert werden.

Nach Angaben des Umweltministeriums könnten die Werte der Anlage unter 10 Mikrosievert pro Jahr gesenkt werden, was einem Hunderstel dessen entspricht, was gesetzlich als Jahreswert für die allgemeine Öffentlichkeit gilt.

Der Gouverneur erklärte, die Regierung müsse die örtliche Bevölkerung um Erlaubnis bitten und zur Entscheidungsfindung vollständige Informationen zur Verfügung stellen.

Tadashi Eno, Bürgermeister von Yaita erklärte gegenüber dem Vize-Umweltminister Yokomitsu, dass dieser Vorschlag gänzlich inakzeptabel sei und seine Bürger niemals ihr Einverständnis erklären würden. Die Fukushima-Katastrophe habe ohnehin bereits unter unbegründeten Gerüchten zu leiden. Der Vorschlag habe ihn selbst aus heiterem Himmel getroffen.

Geht es nach dem Willen des Umweltministeriums, so würden ab Oktober sechs Monate dauernde Erläuterungen für die Zivilbevölkerung vor Ort beginnen, und der Transport der ersten radioaktiven Abfälle ab Sommer 2014 erfolgen.

Unter den neun Präfekturen in denen sich durch die Fukushima-Katastrophe derartige Abfälle entstanden waren, ist Tochigi die erste, bei der eine genaue Lagerstätte benannt und vorgeschlagen wurde. Auch die übrigen acht Präfekturen sollen nach dem Willen der Regierung ihren radioaktiven Abfall in entsprechenden Endlagern unterbringen.

Bislang haben neben Tochigi jedoch nur Chiba, Ibaraki und Miyagi entsprechenden Entsorgungen zugestimmt, unter der Bedingung, dass diese auch von den zuständigen örtlichen Gemeinden akzeptiert werden. Für diese drei Präfekturen will die Regierung noch innerhalb dieses Monats Vorschläge für Lagerstätten einreichen.

Hierüber berichtete etwa die Kyodo, NHK und die Yomiuri Shimbun.

Großangelegte landesweite Katastrophenübung: An einer landesweit durchgeführten Katastrophenübung, welche nach Angaben der Organisatoren Erkenntnisse aus den Tohoku-Katastrophen 2011 ebenso berücksichtigte, wie das erwartete Nankai-Großbeben, nahmen insgesamt fast 400.000 Personen teil.

Die Übungen sind Teil des jährlich am 1. September stattfindenden „Bosai no Hi“ genannten Katastrophenschutztages.

Karte Japans (Grafik: pd)
Japan: Ganzes Land in Katastrophenübung (Grafik: pd)

Regierung in Katastrophenübung: Auch die Regierungsspitze beteiligte sich an der Übung, und so hielten die Regierungsvertreter ein simuliertes Katastrophentreffen des Kabinetts ab.

Dessen Mitglieder trafen gegen 8:00 Uhr zu Fuß im Büro des Premierministers ein, wo dieser am simulierten Katastrophentreffen teilnahm und sich Berichte über Schäden aus verschiedenen Gebieten geben liess.

Auch eine gestellte Pressekonferenz mit einem Aufruf an die Bevölkerung, trotz der Situation weiterhin Ruhe zu bewahren, stand auf dem Programm der Übung.

Übung zur Brandbekämpfung in Tokyo: Die Verwaltung des Großraums Tokyo hielt dagegen, ausgehend vom Szenario eines Inland-Erdbebens der Stärke 7,3 eine Übung in einem alten Bezirk der Hauptstadt abhielt, in der dicht gedrängt Holzhäuser stehen.

Altes Holzhaus (Foto: KJ)
Altes Holzhaus (Foto: KJ)

In Tokyo werden etwa 16.000 Hektar Gesamtfläche, vor allem in den Bezirken Meguro, Shinagawa und Sumida als Risikobereich wegen einer hohen Konzentration von Holzhäusern, viele vor 1971 gebaut, klassifiziert.

Die Verwaltung des Großraums Tokyo führte an insgesamt 30 Stellen, darunter Bereiche in der Nähe des Bahnhofs Nishi-Koyama (Bezirk Meguro) und im Komazawa Olympic Park ab. Die Beteiligung lag bei 6.000 Personen.

Ausgehend von zahlreichen Schäden an den Holzgebäuden übten die Bewohner das Bergen von Personen und die Bildung von Eimerketten zur Brandbekämpfung.

Organisation im Katastrophenfall: Am Bahnhof Meguro wurden Statisten unter der Führung durch drahtlose Katastrophendienste, Radiodurchsagen und Tweets in Notunterkünfte dirigiert.

Offiziellen Schätzungen nach wird es 5,17 Millionen Menschen im Falle eines Inlandbebens nicht möglich sein, sofort nach Hause zurückzukehren. Daher ist ein sicherer Weg zu Notunterkünften von besonderer Bedeutung.

Japanische Ambulanz 救護車 (Foto: pd)
Japanische Ambulanz (Foto: pd)

Medizinische Rettung im Katastrophenfall: Auch medizinische Notfallübungen fanden statt – darunter etwa der großangelegte Krankentransport nach dem erwarteten Nankai-Großbeben, das im Rahmen der Übung schwere Schäden in den Präfekturen Tokushima und Kochi angerichtet hatte

Die medizinische Übung umfasste die Entsendung eines 1.000 Mann starken medizinischen Katastrophenhilfsteams in die betroffenen Erdbebengebiete.

Über den Einsatz berichteten Yomiuri Shimbun, Mainichi Shimbun, NHK und jiji.

Keine Dekontamination von beschädigten Altgebäuden geplant: Einer ersten Untersuchung zufolge wird eine Zahl von Häusern und Gebäuden, die sich im Bereich um das AKW Fukushima Daiichi befinden und während des Tohoku-Erdbebens stark beschädigt wurden, nicht dekontaminiert werden.

Minka, 民家, altes japanisches Haus (Foto: Chen4 cc-by)
Altes japanisches Haus (Foto: Chen4 cc-by)

Dies hat auch bauliche Gründe, da insbesondere etwa alte Bauernhäuser in Iitate und Kawauchi, die Lehmwände und Holzkonstruktionen aufweisen, ebenso wie andere alte Gebäude, etwa in Naraha, durch den Einsatz der üblichen Dekontaminationsmethoden, wie der Hochdruckreinigung, zerstört werden würden, so ein Bericht der Mainichi Shimbun.

Die bisherigen Ergebnisse lassen vermuten, dass die Zahl der als nicht dekontaminierbar eingestuften baulichen Konstruktionen noch steigen wird, was bei Einwohnern von insgesamt 11 Ortschaften innerhalb der Sperrzone, oder der auf Evakuierung vorbereiteten Zone, für Unmut sorgt.

Sogar in Städten, wie etwa Tamura, in denen eine vollständige Dekontamination bereits läuft, wurden eine Gebäude aufgrund ihres Zustands bzw. Alters und der damit verbundenen Schwierigkeiten, von der Dekontamination ausgenommen.

Die Dekontaminationsarbeiten werden von Steuergeldern finanziert, so dass jeweils vorher geprüft wird, ob das Gebäude entsprechend seinem baulichen Zustand dekontaminiert werden kann.

Neue Anklage gegen Giftgas-Sektenmitglied Takahashi: Der bereits wegen mehrerer Vergehen angeklagte Katsuya Takahashi, wird sich nun auch wegen der Entführung und des Mordes an einem Rechtsanwalt im Jahr 1995 verantworten müssen, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo am heutigen Montag.

Takahashi, früheres Mitglied der als „Giftgas-Sekte“ bekannt gewordenen Gruppierung Omu Shinrikyo, soll dabei geholfen haben, den 68 Jahre alten Rechtsanwalt Kiyoshi Kariya in einen Wagen zu zerren und anschließend als Fluchtwagenfahrer tätig gewesen zu sein. Er selbst äußerte sich zu  den Vorwürfen nicht.

Video-Aussage zur Ermordung der japanischen Journalistin: Die Gegner des Assad-Regimes in Syrien veröffentlichten nun ein Video, auf dem ein Soldat der Regierungstruppen zu sehen sein soll, der eine Art Geständnis zum Tod der Journalistin Mika Yamamoto ablegt.

In dem Video der Freien Syrischen Arbeit erklärt der angebliche Soldat, der sich „Sergeant Mahmut von der 170. Brigade“ nennt  die Regierungstruppen hätten ein Treffen in Aleppo abgehalten und die Ermordung ausländischer Journalisten beschlossen, um die Taten den Gegnern des Regimes anlasten zu können.

Auch wenn der Mann selbst keine Angaben zu einer möglichen Beteiligung an der Ermordung der Journalistin in Aleppo machte, so stellt die Freie Syrische Armee diese Verbindung her. Yamamoto war Ende August in der Stadt Aleppo, während sie sich in Begleitung von Oppositionskräften befand, getötet worden.

Der Mann trägt in dem Video ein weißes T-Shirt und weist keine sichtbaren Verletzungen oder Folterspuren auf, heisst es von den Medien.

Gegenüber der NHK machte ein Kommandant der Freien Syrischen Armee telefonisch die Angabe, auch zwei weitere Soldaten, die in Verbindung mit der Ermordung stünden, wären von den Rebellen gefasst worden. Die Regierung von Präsident Basher al-Assad behauptet dagegen, die Tötung sei das Werk von politischen Gegnern gewesen. Das melden jiji, Yomiuri Shimbun und NHK.

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