Start Aktuelles Japan aktuell: Dritter Ausfall der Stickstoff-Einspeisung am AKW Fukushima

Japan aktuell: Dritter Ausfall der Stickstoff-Einspeisung am AKW Fukushima

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Sandsäcke als Leckschutz an der Drainage am 9. April 2012 (Foto: TEPCO)
Sandsäcke als Leckschutz am 9. April 2012 (Foto: TEPCO)
Sandsäcke als Leckschutz an der Drainage am 9. April 2012 (Foto: TEPCO)
Sandsäcke als Leckschutz am 9. April 2012 (Foto: TEPCO)

Sowohl technische als auch menschliche Probleme machen vor Feiertagen nicht halt und so kommt es, dass sowohl das buddhistische Kambutsue (Buddhas Geburtstag) am 8. April, als auch das christliche Ostern (Auferstehung Jesu) von Ereignissen, wie etwa einer erneuten Störung der Stickstoff-Pumpen begleitet werden.

TEPCO zeigt sich dann auch entsprechend bemüht und präsentiert vom AKW Fukushima aktuell Fotos von den provisorischen Schutzmaßnahmen. Somit also auch am Ostermontag wie gewohnt die Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. April 2012.

Unsere Themen am Ostermontag:

  • Stickstoff-Einspeisung am AKW Fukushima wieder ausgefallen
  • Trotz Großleck keine Meeresbelastung
  • Erdbebenbeurteilung innerhalb von Minuten statt Stunden
  • Über 400 Nachbeben des Tohoku-Erdbeben unentdeckt
  • Anbau von Meeresgemüse nach Sturm geschädigt
  • Angeschwemmte Katastrophentrümmer für USA erwartet
  • Japan will Richtlinien für Katastrophentrümmer überarbeiten
  • Betreiber des AKW Oi legt Zeitplan vor
  • Laubsammeln in der Stadt Fukushima
  • Kirschblüten in Tokyo mit Problemen

Stickstoff-Einspeisung am AKW Fukushima wieder ausgefallen:  Am Samstag musste TEPCO zum dritten Mal innerhalb eines Monats den temporären Ausfall der Stickstoff-Einspeisung am AKW Fukushima Daiichi melden. Die Zuführung von Stickstoff soll das Risiko einer Wasserstoffansammlung und damit eine mögliche Explosionsgefahr in den Reaktoren verringern.

Sandsäcke als Leckschutz an einem Abhang am 9. April 2012 (Foto: TEPCO)
Sandsäcke als Leckschutz an einem Abhang am 9. April 2012 (Foto: TEPCO)

Gegen 16:43 Uhr hatte ein TEPCO-Angestellter festgestellt, dass die Einspeisung von Stickstoff in die Rektoren 1 bis 3 aufgrund eines „Kompressor-Fehler“ Alarms angehalten hatte.

Gegen 17:56 Uhr habe man den Zufluss von Stickstoff durch ein zweites System wieder aufnehmen können. Eine Überprüfung um 18:28 Uhr habe gezeigt, dass die Einleitung nun wie vor dem Ausfall verlaufe und sich stabilisiert habe. Eine signifikante Änderung der Werte der Sicherheitsbehälter, oder der Konzentration an Wasserstoff habe es nicht gegeben.

Die Nachrichtenagentur jiji berichtet, die Ursache werde noch untersucht, nachdem zuerst am 12. März und dann am Mittwoch vergangener Woche ein Stickstoffpumpen-Reservesystem aufgrund von Verstopfungen des Filters ausgefallen waren, könne man von der gleichen Ursache ausgehen.

Trotz Großleck keine Meeresbelastung: Nachdem am Donnerstag vergangener Woche mit 12 Tonnen eine große Menge radioaktiv kontaminiertem Wassers aus einer Anlage am AKW Fukushima Daiichi gelangt war, wurde auch die Möglichkeit, das stark belastetes Wasser durch einen nahe gelegenen Abflussgraben ins Meer gelangt sein könnte, bestätigt (Spreadnews berichtete).

Nun teilte der Betreiber des Fukushima-Kraftwerks am folgenden Tag mit, insgesamt seien etwa 150 Milliliter, also 0,15 Liter in den Pazifik gelangt. Eine Untersuchung des Meerwassers in der Nähe des Abflusses der Anlage habe gezeigt, dass die Menge an verschiedenem radioaktivem Material wie etwa Strontium, unterhalb der Nachweisgrenze gelegen habe. Man vermute daher, dass der Großteil des kontaminierten Wassers durch den Boden aufgesaugt wurde. Die  Auswirkung auf die Umwelt sei praktisch Null, teilte man mit.

Erdbebenbeurteilung innerhalb von Minuten statt Stunden: Ein neu entwickeltes System, dass das Ausmaß von Bewegungen der Erdkruste innerhalb weniger Minuten nach einem Erdbeben berechnen kann, soll nach Abschluss der Testphase im Fiskaljahr 2013 vollständig in Betrieb gehen. Das bislang für diese Zwecke am meisten genutzte System benötigt für die gleiche Aufgabe fünf Stunden.

Am Freitag begannen die „Geospatial Information Authority of Japan“ (GSI) und die Tohoku-Universität mit den ersten Tests. Das neue System sammelt Daten von insgesamt 1.240 Beobachtungsstationen im ganzen Land und berechnet, während eines Erdbebens auf der Basis von Bewegungen in horizontaler und vertikaler Bewegung pro Sekunde die Krustenbewegungen.

Mit den bislang üblichen Methoden  die lediglich auf der Auswertung seismologischer Daten beruhen, können dagegen Werte unterschätzt werden, wie dies auch beim großen Tohoku-Erdbeben vom 11. März 2011 der Fall war. Damals hatte man die Stärke des Erdbebens zunächst mit 7,9 angeben und zwei Tage später drastisch auf 9,0 anheben müssen.

Das jetzt geplante System wäre innerhalb von drei Minuten auf einen Wert von 8,7 gekommen. Man arbeite jedoch daran, das System dazu in die Lage zu versetzten, bereits fünf Minuten nach dem Erdbeben noch genauere Daten zu liefern, so die Wissenschaftler der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge.

Über 400 Nachbeben des Tohoku-Erdbeben unentdeckt: Einen Tag nach dem schweren Tohoku-Erdbeben am 11. März 2011 ereigneten sich mehrere hundert schwere Erdstöße vor der Ostküste der Region Tohoku – die jedoch nicht von der japanischen Wetterbehörde aufgezeichnet wurden. Zu diesem Schluss kommt ein Team von Wissenschaftlern der Universität Harvard unter der Leitung des Seismologen und Professors Miaki Ishii.

Unter Verwendung einer besonderen Technik analysierte das Team von Ishii die Daten von Seismographen-Netzwerken der USA um die Bereiche zu ermitteln, in denen es starke seismische Energien gegeben habe. Dabei entdeckten sie  430 Erdbeben der Stärke 5,0 oder höher, die sich innerhalb von 25 Stunden nach dem Hauptbeben ereignet haben.

Als Ursache für den Umstand, dass die japanische Wetterbehörde diese Erdbeben nicht registrierte vermuten die Wissenschaftler, dass die Folgebeben fast zeitgleich erfolgten und ziehen auch die Richtung der seismischen Bewegungen sowie die Position der Seismographen als Elemente in Betracht.

Aufgrund der Schwierigkeit sie zu entdeckten, nannten die Forscher diese Art von heimlichen Erdbeben „Stealth Earthquakes“ (Tarnerdbeben) als Analogie zu den als „Stealth Fighter“ bekannten Tarnkappenbombern, die nur schwer vom Radar entdeckt werden und kündigten an, man wolle die Untersuchungen weiterführen um das Rätsel der heimlichen Erdbeben zu lösen.

Anbau von Meeresgemüse nach Sturm geschädigt: Der Wiederaufbau nach einer Naturkatastrophe und die Rückkehr ist schwer – und tatsächlich hat der Sturm, der Japan vergangene Woche getroffen und mehrere Todesopfer gefordert hatte in der Ortschaft Yamada (Präf. Iwate) zu einem Rückschlag geführt.

Gekochte Wakame-Alge (Foto: pd)
Gekochte Wakame-Alge (Foto: pd)

Ausgerechnet als sich die Ernte von Wakame und anderem dort angebauten Meeresgemüse auf dem saisonalen Höhepunkt befand, traf der Sturm die Anlagen und ein Drittel der nach dem Tsunami verbliebenen Anlagen wurde von hohen Wellen überspült, die sowohl die Algen miteinander verstrickten als auch Treibholz in die Anlagen schwemmten.

Erst im August vergangenen Jahres hatten es die Einwohner geschafft, an 136 der 200 durch den Tsunami beschädigten Anlagen die Aufzucht wieder aufzunehmen – mit mehr als einem Monat Verzögerung als in den Vorjahren.  Das berichtete die Mainichi Shimbun am heutigen Montag.

Angeschwemmte Katastrophentrümmer für USA erwartet: Nicht erst seitdem der japanischer Trawler „Ryou-Un-Maru“, der beim Tsunami im März 2011 fortgespült und vor der Küste Kanadas als Geisterschiff versenkt worden war, erreichen immer wieder Trümmer aus Japan die Küste des amerikanischen Kontinents.

In einer Schätzung, die das japanische Umweltministeriums am Freitag bekannt gab, kommt man zu dem Schluss, dass bis zum Februar 2013 insgesamt über 40.000 Tonnen an Trümmern und Überresten des Tohoku-Erdbebens an der Westküste Nordamerikas angeschwemmt werden.

Surfer (Foto: Bengt E. Nyman cc-by)
Künftig nicht nur Surfbretter an der Westküste (Foto: Bengt E. Nyman cc-by)

Auch wenn Japan nach internationalem Recht nicht dazu verpflichtet ist, diese Trümmer zu bergen, wolle man dennoch Gespräche mit Verantwortlichen der USA und Kanada führen, um eine mögliche Gefährdung des Schiffsverkehrs oder sonstige Probleme durch die Trümmer zu verhindern, erklärte ein Beamter des Umweltministeriums der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge am Freitag.

Die Asahi Shimbun berichtete hierzu am Samstag, man habe bei den Computersimulationen der Kyoto Universität auch die Auswirkungen von Westwinden und Meeresströmungen berücksichtigt. Mit der ersten Ankunft von Holz, etwa aus dem Hausbau, an der amerikanischen Küste rechnet man bereits diesen Herbst.

Japan will Richtlinien für Katastrophentrümmer überarbeiten:  Unter Berufung auf informierte Quellen berichtet die Nachrichtenagentur jiji heute über Pläne des Umweltministeriums, die staatlichen Richtlinien zur Entsorgung von Trümmern, die nach Katastrophen anfallen zu überarbeiten. Auf diese Weise soll sie Ereignisse wie etwa große Tsunami besser bewältigen können.Im gerade angebrochenen Fiskaljahr will das Ministerium nun einen Ausschuss einsetzen um die Änderungen auszuarbeiten und die jetzigen Richtlinien im Fiskaljahr 2013 gänzlich überarbeitet zu haben.

Die bislang gültigen Regelungen, an denen sich auch lokale Behörden orientieren, stammen vom Oktober 1998 und stellten eine Reaktion auf das Hanshin-Erdbeben 1995 dar.  Als Lektion aus den damaligen Umständen betonen sie etwa die Notwendigkeit erdbebensicherer Abfallentsorgungsanlagen und geben Richtlinien zur Berechnung von Trümmern und zum Bau von Zwischenlagern vor. Die staatlichen Regelungen  bilden die Grundlage für die jeweils örtlichen Entsorgungsrichtlinien.

Betreiber des AKW Oi legt Zeitplan vor: Wie gefordert, hat Kansai Electric, der Betreiber des AKW Oi, dessen Neustart diskutiert wird, einen Zeitplan zur Umsetzung der neuen Sicherheitsstandards vorgelegt. Bei einem Treffen zwischen dem Minister für Industrie, Yukio Edano und Makoto Yagi, Präsident der Kansai Electric, überreichte dieser den Zeitplan. Sowohl der Plan als auch dessen Umsetzung sind Voraussetzungen für einen Neustart von zwei Reaktoren am AKW Oi.

Zu dem Plan gehört der Einbau von Entlüftungen, die mit Filtern ausgestattet sind, um bei dem Ablassen von Dampf, wie es in Notfällen zum Druckabbau erforderlich werden kann, radioaktives Material herauszufiltern. Mit dem Einbau soll 2015 begonnen werden. Im selben Jahr und damit sogar ein Jahr früher als geplant, soll auch ein erdbebensicheres Bürogebäude errichtet werden, das als Einsatzzentrum bei Atomunfällen dienen wird, berichtet die NHK.

Nach Ansicht der Asahi Shimbun am Samstag, ist die Wahrscheinlichkeit, das es für den Neustart schnell grünes Licht geben wird, hoch. Ungenannten Quellen zufolge, befände sich die Regierung in Tokyo in engen, informellen Gesprächen mit hochrangigen Vertretern der Präfektur Fukui. Die Regierung Noda hält eine Akzeptanz der örtlichen Verwaltungen in der Präfektur Fukui für wahrscheinlich. Allerdings ist unklar, ob möglicherweise Einwände benachbarter Präfekturen die Pläne stören könnten.

Die Nachrichtenagentur jiji berichtet heute, der Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura habe auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben, Premierminister Noda werde sich am heutigen Nachmittag mit drei Ministern, darunter auch Yukio Edano treffen, um die Angelegenheit zu besprechen.  Nach Angaben der jiji soll eine Entscheidung über einen möglichen Neustart noch diese Woche getroffen werden.

Laubsammeln in der Stadt Fukushima:  Am Samstag versammelten sich etwa 350 Personen im Bentenyama Park der Stadt Fukushima um dort Laub und herabgefallene Äste aufzusammeln, die vermutlich mit radioaktivem Material kontaminiert sind. Tatsächlich sei die in der Luft gemessene Radioaktivität von 1,4 Mikrosievert pro Stunde, die zuvor gemessen worden war, nach den Arbeiten um 30 Prozent gesunken.

Fast 90 Prozent der Freiwilligen stammen nicht aus der Präfektur und das Treffen war im Zuge  der Zusammenarbeit zwischen der Präfekturleitung und der Gemeindeverwaltung zum Schutze von freiwilligen Dekontaminationshelfern  organisiert worden. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Kirschblüten in Tokyo mit Problemen: Das Hanami genannte betrachten der Kirschblüten, die an einigen Stellen sogar Nachts beleuchtet werden, findet meist in großen Parks statt und hat den Charakter eines nationalen Riesenpicknicks, bei dem man sich gemeinsam entspannt. Dazu gehört es auch Alkohol zu trinken – wobei es junge Leute gerne übertreiben.

Kirschblüte in japan 2011. Foto: MS
Kirschblüte in japan 2011. Foto: MS

Wie die Asahi Shimbun am heutigen Montag berichtete, mussten in Tokyo innerhalb von neun Tagen insgesamt 74 Personen wegen akuter Alkoholvergiftung in Krankenhäuser eingeliefert werden. Dabei wiesen 17 von ihnen so schwere Folgen auf, dass sie vorerst in der Klinik bleiben. Unter den 74 Personen befanden sich auch fünf Patienten die unter 20 Jahre alt waren und damit auch unter dem  legalen Alter für Alkoholkonsum lagen.

Die Zahl von 74 Fällen, die zwischen dem offiziellen Beginn der Kirschblüte am 31. März und dem gestrigen Sonntag erhoben worden waren, stellen den höchsten Stand seit fünf Jahren dar.

Ein weiteres Problem ist der anfallende Müll, denn um Platz für die zahlreichen Besucher zu schaffen, werden vielerorts öffentliche Mülleimer entfernt und in betrunkenem Zustand denkt kaum einer daran, seine Abfälle mitzunehmen.

Auf der Chidorigafuchi-Promenade entlang des Wassergrabens des Kaiserpalastes, wo es anders als in anderen Kirschblütenanlagen nicht erlaubt ist zu picknicken, zeigen die Bemühungen einer  Gruppe von Freiwilligen, die sich  „Sakura Mimamori-tai“ (Kirschblütenwächter) nennt, langfristige Erfolge, berichtet die Mainichi Shimbun.

Seit 12 Jahren sind deren Mitglieder unterwegs, um während des Hanami Abfälle aufzusammeln und die Besucher freundlich daran zu erinnern, nichts liegen zu lassen. Das Gebiet im Bezirk Chiyoda zieht jedes Jahr etwa eine Million Besucher an.

Waren es zwischen 2002 und 2006 noch etwa 40 der 45 Liter fassenden Plastiksäcke, die sich über zehn Tage lang ansammelten, lohnte sich das durchhalten, denn im Jahr 2007 halbierte sich die Menge des gesammelten Mülls auf 20 Säcke. Letztes Jahr waren es dann nur noch fünf.  Das Modell hat Schule gemacht und neben weiteren Freiwilligengruppen, setzt sich nun der Bezirk vermehrt  für die Pflege der Bäume ein.

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