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Japan aktuell: Dritter Fall von radioaktivem Wasserleck an Fukushima-Großtank

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Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung an Anlagengrenze übersteigt zulässigen Wert (Grafik: pd)
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Drittes Radioaktives Tankleck (Grafik: pd)

Kraftwerksbetreiber TEPCO meldet das mittlerweile dritte Wasserleck an einem Großtank der Anlage.

Wie vom AKW  Fukushima aktuell zu hören, ist der Grenzwert dabei deutlich überschritten worden.

Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Situation an der Anlage in Fukushima heute, zweieinhalb Jahre nach Beginn der Krise, immer noch nicht gänzlich unter Kontrolle ist.

Einzelheiten zu diesen Fukushima News finden sich im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. Oktober 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Drittes Wasserleck an einem Fukushima-Großtank

Drittes Wasserleck an einem Fukushima-Großtank: Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO noch am gestrigen Mittwoch mitteilte, entdeckten Angestellte gegen 20:05 Uhr innerhalb einer Betonbarriere um einen Wassertank, ausgetretenes Wasser. Dies weise eine Betastrahlung in Höhe von 200.000 Becquerel pro Liter auf. Der Sicherheitsgrenzwert liegt bei 30 Becquerel pro Liter.

AKW Fukushima: Übergelaufener Wassertank am 3. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Übergelaufener Wassertank am 3. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)

Später reichte TEPCO genauere Zahlen nach. Demnach hätten Wasserproben aus dem betroffenen Tank B-A5 am 2. Oktober eine Betastrahlung von 580.000 Becquerel pro Liter ergeben. Für Cäsium-134 lag der Wert bei 24 Becquerel pro Liter. Für Cäsium-137 wurden 45 Becquerel pro Liter gemessen.

Wasserproben die am selben Tag aus dem Bereich der Betonbarrieren entnommen wurden, wiesen eine Betastrahlung von 200.000 Becquerel pro Liter auf. Für Cäsium-134 und Cäsium-137 lagen sie bei 18 bzw. 54 Becquerel pro Liter

Menge: Die genaue Menge des radioaktiven Wassers war zunächst nicht klar. Später wurde sie auf etwa 430 Liter geschätzt.

Leckstelle: Als Quelle des radioaktiven Wassers wurde der obere Bereich eines der Lagertanks in der Nähe von Reaktor 4 ausgemacht.

Das Wasser sei an einer Verbindung zwischen dem Oberteil des Behälters und Seitenwänden ausgetreten. Der betroffene Tank hat ein Fassungsvermögen von 450 Tonnen und wird durch Bolzen zusammengehalten.

Ursache: Als Ursache für den Zwischenfall nannte TEPCO auf einer Pressekonferenz die im weiteren Verlauf das Tages folgte, menschliches Versagen.

Arbeiter hätten versehentlich zu viel Regenwasser in den Tank gepumpt. Daher sei es vermutlich an einem Verbindungsstück wieder ausgelaufen.

Da mit dem erwarteten Taifun noch mehr Regen verbunden sein wird, wollte man den Bereich innerhalb der Betonbarrieren trockenpumpen. Allerdings wurde dabei offenbar der Umstand übersehen, dass die Großtanks bereits außerplanmäßig bis zu 98,6 Prozent ihrer Kapazität gefüllt waren.

Weitere Faktoren: Dass die Behälter im Bereich B auch auf abschüssigem Gelände stehen, könnte zu einer ungewöhnlichen Lage des Wasserstands beigetragen haben. Die geneigte Seite des Großtanks beugt sich in Richtung Küste.

Da die Wasserstandsmesser in den Lagertanks nur an deren höchster Stelle angebracht sind, könnte die Schräglage über den tatsächlichen Wasserpegel hinweggetäuscht haben.

Die Differenz im Wasserspiegel durch die Neigung zwischen dem intakten Behälter B-A1 und dem Lecktank B-A5 beträgt 50 Zentimeter.

Meeresbelastung wahrscheinlich: Ein Teil des Wassers sei erst über einen Fußweg geflossen, der über die Betonbarriere führt, bevor es in den Boden gelangte.

Das Wasser ist laut Betreiberangaben vermutlich auch über die Barriere hinaus gelangt. TEPCO teilte mit, daher werde untersucht, ob kontaminiertes Wasser trotz der Betonbarriere in den Boden eingedrungen ist und habe Proben entnommen.

Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass etwas davon durch die Entwässerungssysteme ins 200 Meter entfernte Meer gelangt sein könnte. Zur Sicherung habe man Sandsäcke in die Kanäle des Entwässerungssystems geschafft.

Zeitraum: Das Leck dessen Beginn am gestrigen Morgen um 8:40 Uhr vermutet wird, wurde erst gegen 20:00 Uhr entdeckt. Dies bedeutet, dass es in einem Zeitraum von etwa 12 Stunden zu einem Wasseraustritt kommen konnte. Das Leck war nach Angaben von TEPCO erst so spät entdeckt worden, da es geregnet habe. Offiziell wurde es heute gegen 15:30 Uhr für gestoppt erklärt.

Zuvor hatte man eine Tonne Wasser aus dem Großtank abgepumpt und in einen anderen geleitet, um den Wasserstand zu normalisieren.

Bereits jetzt gelangen täglich 400 Tonnen an radioaktivem Wasser ins Meer, nachdem TEPCO die bisherige Schätzung von 300 Tonnen Ende September angehoben hatte (Spreadnews berichtete am 27. September). Über den aktuellen Zwischenfall berichteten zunächst Kyodo, jiji und NHK. Diese Meldungen wurden später durch die Asahi Shimbun weiter ausgeführt.

2 KOMMENTARE

  1. Peanuts, die paar Liter im Atlantischen Ocean, Die Brennstäbe müssen ja unbedingt gekühlt werden. Die radioaktiven Brennstäbe (hunderte von Tonnen) liegen immer noch offen im Trümmerreaktor fest und müssten sofort geborgen werden. Werden die bei einem erneuten Erdbeben ganz frei gesetzt, dann ist Feierabend. Eines steht schon fest: Tepco hat weder die wissenschaftlichen, technischen noch finanziellen Ressourcen, um das zu meistern. Die Welt schaut zu, wie Japan vielleicht im Chaos versinkt, und wir setzen noch weiter auf Kernkraft.

  2. Das ist „erst“ der dritte leckgeschlagen Tank, es werden noch viele folgen. Ich kann mich dem Vorredner nur anschliessen, denn man braucht kein Kernwissenschaftler zu sein, wenn man hier davon liest dass schon jetzt einige dieser Tanks schief stehen und die Füllmenge nicht korrekt überwacht wird, daß im Falle eines erneuten Erdbebens zahlreiche Tanks bersten werden. Was in solchem Fall mit den alten Brennelementen in Block 4 passieren könnte will man sich gar nicht erst ausmalen!

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