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Japan aktuell: Dritter Lagertank am AKW Fukushima beschädigt

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AKW Fukushima: Planenverlegung bei einem unterirdischen Wassertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Planenverlegung bei einem unterirdischen Wassertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Planenverlegung bei einem unterirdischen Wassertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: TEPCO erwägt Konstruktionsfehler als Ursache für Tanklecks (Foto: TEPCO)

Nach dem Großleck an Lagertank Nr. 2 und einem weiteren an Tank Nr. 3, das jedoch vernachlässigbar sei, ist jetzt ein drittes Leck aufgetreten – an einem der Lagertanks, in die das restliche radioaktive Wasser aus Tank Nr. 2 abgepumpt werden sollte.

Damit ist die Leckproblematik am AKW Fukushima aktuell wieder Thema.

Neben den jüngsten Entwicklungen, die vom Kernkraftwerk in Fukushima heute bekannt wurden, gibt es auch einige weitere Meldungen. Einzelheiten zu Fukushima News und übrigen Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. April 2013.

Unsere aktuellen Themen:

  • Leck in weiterem Lagertank am AKW Fukushima vermutet
    • Anstieg der Chloridkonzentration legt Leck an Tank Nr. 1 nahe
    • Chloridanalyse belegt nun auch Leck in Tank Nr. 1
    • TEPCO und Bauunternehmen diskutieren über Leck-Ursache
    • Ausblick zur Zukunft der Wasserlagerung
  • Atomkraftgegner wehren sich gegen Klage
  • Neue Spannungen mit Japans Nachbarn
    • Chinas Schiffe in japanischen Gewässern
    • Japan stationiert Flugabwehrraketen

Leck in weiterem Lagertank am AKW Fukushima vermutet: Heute begann um 10:00 Uhr der Transfer aus dem beschädigten unterirdischen Lagertank Nr. 2 in den bislang unbeschädigten Lagertank Nr. 1. Nach Angaben von TEPCO betrugen die Wasserstände der Tanks 1, 2 und 6 jeweils etwa 55, 31 und 33 Prozent.

Die Abweichung zur Meldung vom gestrigen Montag, als der Wasserstand in Tank Nr. 1 bereit 57 Prozent betrug, wurde von TEPCO mit der Heberwirkung von Tank Nr. 2 aufgrund des unterschiedlichen Wasserstands erklärt, so dass etwas Wasser zurück in Tank Nr. 2 gelangt sei.

Anstieg der Chloridkonzentration legt Leck an Tank Nr. 1 nahe: Bei einer anschließenden Kontrolle von Wasserproben an zwei Ablassöffnungen und zwei Leck-Kontrollöffnungen an Behälter Nr. 1 um 8:35 Uhr wurde festgestellt, dass die Chloridkonzentration an der nordöstlichen  Leck-Kontrollöffnung drastisch von 4ppm auf 910ppm angestiegen war.

Kochsalz (Natriumchlorid)
AKW Fukushima: Salzkonzentration zeigt Leck an unteridrischem Lagertank Nr. 1 auf (Foto: pd)

Da es sich bei dem in den Behältern gelagerten Wasser um Meerwasser handelt, aus dem radioaktives Cäsium gefiltert wurde, enthält das Wasser Salz (Natriumchlorid). Ein Anstieg der Chloridwerte an den Kontrollstellen spricht daher für die Freisetzung von Wasser.

Die vier Pumpen, die bislang Wasser aus Tank Nr. 2 in den Tank Nr. 1 transferiert hatten, wurde um 12:47 Uhr gestoppt. Man überlege nun, welche Maßnahmen getroffen werden müssten und kündigte eine Notfall-Pressekonferenz im Büro in Fukushima an, sobald man über ausreichend Informationen verfüge.

Chloridanalyse belegt nun auch Leck in Tank Nr. 1: Eine Wasseranalyse im Norosten von Tank Nr. 1 die um 13:40 Uhr durchgeführt worden war, belegte die Leckvermutung durch hohe Chloridwerte. Demnach stieg die bisherige Chloridkonzentration von 910ppm um 8:35 Uhr deutlich weiter an und erreichte einen Wert von 1100ppm.

Im südwestlichen Bereich fiel der Anstieg geringer auf und stieg von 8ppm um 8:30 Uhr auf insgesamt 9ppm die um 13:20 Uhr gemessen wurden. TEPCO erklärte, man beobachte die Situation weiterhin sehr aufmerksam.

Als bislang einzig sinnvolle Maßnahme erscheint das Abpumpen des Wassers aus beiden unterirdischen Tanks und den Transport in einen anderen.

Menge des ausgetretenen Wassers: TEPCO machte zunächst keine Angaben zur Menge des ausgetretenen Wassers. Geht man jedoch davon aus, dass die Differenz von 57 auf 55 Prozent nicht wie vermutet durch die physikalische Hebewirkung, sondern gänzlich auf ein Leck zurückzuführen ist, müssten zwei Prozent des gesamten Fassungsvermögens – also 260 Kubikmeter ausgetreten sein. Offiziell bestätigt wurden diese Zahlen jedoch bislang noch nicht.

TEPCO und Bauunternehmen diskutieren über Leck-Ursache: Über die Ursache für die Lecks der jüngsten Vergangenheit wird spekuliert und nun vermutet der Betreiber TEPCO, das Unternehmen, das die unterirdischen Lagerbehälter für radioaktiv kontaminiertes Wasser gebaut hat, könnte verantwortlich sein.

Während TEPCO erklärt, man habe Erfahrung mit dem Entwurf derartiger Tanks, gibt das Bauunternehmen Maeda Corporation an, man würde im Regelfall einen solchen Behälter anders entwerfen. Nun ist strittig, ob es sich um einen Planungsfehler, oder aber um einen Konstruktionsfehler während des Baus handelt.

Der Tank ist nach Angaben von TEPCO mit drei wasserdichten Lagen abgedeckt – zwei Planen aus Polyethylen von jeweils 1,5 Millimetern Dicke, sowie eine 6,4 Millimeter dicke äußere Schicht aus Bentonit. Vermutungen des Atomkonzerns zufolge, könnte der Schaden durch eine erste Perforation durch das Leck-Kontrollrohr entstanden sein. Der Wasserdruck habe dann die Plane herabgedrückt, so dass sich die Öffnung geweitet und so zum Austritt des Wassers geführt hatte.

TEPCO beharrt auf der Bewährtheit des Konzepts, das in ähnlicher Weise bei Wasserspeichern im landwirtschaftlichen Bereich genutzt wird. In einem Gespräch mit der Mainichi Shimbun erklärte das Bauunternehmen Maeda Corp. dagegen, man hätte den Bau selbst anders entworfen, als dies TEPCO getan habe.

Auch wenn Versuche von TEPCO beaufsichtigte Versuche gezeigt hätten, dass die Planen offenbar wasserdicht sind, so wären die Planen ursprünglich nur für die Lagerung von Industrieabfällen vorgesehen gewesen, erklärt ein Vertreter der Baufirma.

Ausblick zur Zukunft der Wasserlagerung: Täglich fallen beim Abpumpen kontaminierten Grundwassers, etwa aus den Kellern der Turbinengebäude, trotz des bestehenden Kühlkreislaufs, etwa 400 Tonnen radioaktiv belastete Abwässer an. Lagerkapazitäten bestehen jedoch lediglich für weitere 55.000 Tonnen.

AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)

Aus diesem Grund kündigte TEPCO gestern an, man wolle nun auch oberirdische Wassertanks bauen, die etwa 126.000 Tonnen aufnehmen sollen.

Wann dieses Projekt in Angriff genommen werden soll, ist bislang noch unklar. Da die bisherigen unterirdischen Lagertanks baugleich sind, kann abgewartet werden, ob weitere Lecks auftreten.

Atomkraftgegner wehren sich gegen Klage: Nachdem das Industrieministerium die Entfernung von Zelten der Atomkraftgegner gefordert hatte, die dort seit September 2011 als Anlaufpunkt für die jeden Freitag stattfindenden Proteste dienen, und dieser Forderung nicht entsprochen worden war, klagt die Regierung nun gegen die Aktivisten.

Die Atomkraftgegner geben jedoch nicht klein bei und wollen die Klage anfechten. Auch wenn mittlerweile weniger Personen zu den Protesten kämen, stellten sie noch immer ein Symbol für den Wunsch nach einem kernkraftfreien Japan dar, erklärte ein Aktivist gegenüber der Asahi Shimbun.

In der Tat erhalten die Aktivisten weiterhin Unterstützung aus der Bevölkerung und auch Katsutaka Idogawa, der bis Februar den Posten des Bürgermeisters der Ortschaft Futaba (Präf. Fukushima) bekleidete, hatte die Zelte am vergangenen Freitag besucht.

Das Argument, die Zelte befänden sich auf staatlichen Grundstücken und würden den täglichen Betrieb stören, liess Idogawa nicht gelten. Staatseigentum gehöre der Allgemeinheit und die Regierung müsse auf die Meinung der Öffentlichkeit hören.

Neue Spannungen mit Japans Nachbarn: Neben den Drohungen Nordkoreas und der Stationierung von Waffensystemen an der Ostküste durch das Regime, ist auch Nachbar China wieder dazu übergegangen, die Spannungen in der Region zu erhöhen. Die aktuellen Meldungen für  Sie zusammengefasst:

JS Kurama: Zerstörer der Shirane-Klasse (Foto: pd)
Japan reagiert auf Spannungen in der Region (Foto: symbolisch, pd)

Chinas Schiffe in japanischen Gewässern: Erstmals seit dem 1. April sind chinesische Schiffe in japanische Hoheitsgewässer eingedrungen. Der Vorstoß der Haijian 26, Haijian 50 und der Haijian 66 um 10:00 Uhr ist die 36. Grenzverletzung seit dem Ankauf von drei der Senkaku-Inseln durch Japans Regierung. Kurz nach 13:30 Uhr verließen sie das Gebiet.

Japan stationiert Flugabwehrraketen: Japan hat Flugabwehrgeschütze vom Typ Patriot (PAC-3) in Japans Haupstadt Tokyo aufgestellt, etwa im Bezirk Chiyoda. Zudem entschloss sich das Verteidigungsministerium die Boden-Luft-Einheiten ab Ende April dauerhaft auf zwei Militärstützpunkten der Insel Okinawa zu stationieren.

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