Start Aktuelles Japan aktuell: Einblick in TEPCO-Videomaterial für Journalisten erleichtert

Japan aktuell: Einblick in TEPCO-Videomaterial für Journalisten erleichtert

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AKW Fukushima: Aufnahme aus dem Leitstand in Reaktor 1 am 25. März 2011 (Foto: TEPCO)
Freigabe von Krisen-Videomaterial verbessert (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Aufnahme aus dem Leitstand in Reaktor 1 am 25. März 2011 (Foto: TEPCO)
Freigabe von Krisen-Videomaterial verbessert (Foto: TEPCO)

TEPCO steht unter Druck und gibt bei der Freigabe von Informationen und Videos an die Presse nach. Dennoch ist das Unternehmen immer noch weit entfernt von der vollständigen Transparenz – sind doch viele Umstände weiterhin ungeklärt.

Neben dem Drängen durch Regierung und Öffentlichkeit, hat der Betreiber des AKW Fukushima aktuell auch weitere Schwierigkeiten.

Berichte von immer neuen gesundheitlich bedingten Ausfällen von Arbeitern sind nur ein Teil der Fukushima News und wie üblich gibt es neben den Meldungen aus Fukushima heute ebenfalls weitere interessante Nachrichten – im Spreadnews Japan-Ticker vom 31. Juli 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Freigabe von TEPCO-Videomaterial zur Fukushima-Krise ausgeweitet
    • TEPCO lockert Nutzungsbedingungen
    • Einschränkungen bleiben dennoch
  • Fukushima-Reaktor 1 soll mit Ballon untersucht werden
  • Fukushima-Arbeiter am Montag in Krankenhaus eingeliefert
  • Über 8.000 Menschen mit Hitzefolgen in Kliniken gebracht
  • Olympia 2012: Japan gewinnt erste Goldmedaille
  • Japan-Auslieferung Fluchtgrund für Sea Shepherd-Gründer
  • Nagasaki-Friedensrede wird Atommüll thematisieren

Freigabe von TEPCO-Videomaterial zur Fukushima-Krise ausgeweitet: TEPCO, Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, lehnte  in der Vergangenheit die Veröffentlichung von Video-Aufnahmen aus Telekonferenzen ab.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Als Grund hierfür war damals die Privatsphäre von  Teilnehmern genannt worden. Am 27. Juli hatte sich der Elektrizitätsanbieter jedoch den öffentlichen Forderungen gebeugt und Medien den Zugriff auf das Videomaterial zugesichert.

Die Freigabe der Videos war allerdings von der Betreiberfirma an eine Reihe von Bedingungen geknüpft worden, die in dieser Form eine umfangreiche Berichterstattung stark erschwert hätten.

TEPCO hatte gegenüber den Medien folgende Forderungen an die Veröffentlichung der Inhalte des Videomaterials gestellt:

So dürfe nur ein einzelner Medienvertreter pro Organisation die Aufnahmen ansehen. Ton- oder Bildaufnahmen des gezeigten Materials seien verboten. Die insgesamt 150 Stunden und 30 Minuten umfassenden Aufzeichnungen sollten nur zwischen dem 6. und 10. August 2012 öffentlich gemacht werden.

Das hätte jedoch nach Angaben der Asahi Shimbun bedeutet, dass jeder Journalist nur ein Fünftel des gesamten Videomaterials, das zwischen dem 11. bis 15. März 2011 aufgenommen worden war, hätte sehen können.

TEPCO lockert Nutzungsbedingungen: Jetzt übte Industrieminister Yukio Edano Druck auf TEPCO aus und forderte das Unternehmen auf, diese Vorgaben zu ändern. Den Reportern müsse genug Zeit zur Sichtung der Videos gegeben werden. Auch riet Edano dazu, das Videomaterial nach Ablauf der Sichtungsfrist nicht zu zerstören.

Das Unternehmen lenkte gestern daraufhin ein. Vize-Präsident Zengo Aizawa erklärte auf einer Pressekonferenz, es werde keine Begrenzung auf einen Reporter pro Presseorganisation mehr geben. Auch die Frist zur Sichtung der Aufnahmen werde verlängert. Genauere Angaben werde TEPCO am heutigen Dienstag machen.

Einschränkungen bleiben dennoch: Einige Einschränkung will TEPCO jedoch beibehalten. Video- und Audioaufnahmen sollen weiterhin verboten bleiben. Namen von Personen, die nicht bereits öffentlich bekannt seien, dürfen nicht genannt werden. Auch die Verfremdung von Gesichtern und das überlagern von Namen durch ein „Piepen“ soll bestehen bleiben.

Ob sich das Unternehmen bei diesen Punkten von seinen Entscheidungen abbringen lassen wird, ist fraglich. Die Privatsphäre der Konferenzteilnehmer bleibt damit das stärkste Argument von TEPCO gegen eine gänzliche Offenlegung.

Fukushima-Reaktor 1 soll mit Ballon untersucht werden: Beim gestrigen Treffen zwischen Vertretern der Regierung und TEPCO, bei dem die mittel- bis langfristigen Maßnahmen zum Umgang mit der Fukushima-Katastrophe diskutiert wurden, stellte der Kraftwerksbereiber seinen Plan zur weiteren Untersuchung von Fukushima-Reaktor 1 vor.

AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011
TEPCO will Luftaufnahmen von Fukushima-Reaktor 1 (Foto: TEPCO)

Demnach plant EPCO durch den Einsatz eines Ballons, der mit vier Kameras ausgestattet ist, einen Einblick in den ersten Stock des Reaktorgebäudes zu gewinnen.

Dabei soll der Ballon durch eine Öffnung in der Decke, die sich vom Erdgeschoss bis in das fünfte Stockwerk erstreckt. Ein genaues Datum für die Untersuchung wurde nicht genannt, man geht jedoch von Anfang August aus.

Die Untersuchung von Fukushima-Reaktor 1 in den oberen Stockwerken ist schwierig, da das Gebäude bereits mit einem Schutzmantel versehen wurde, und sich die Trümmer der Explosion in den oberen Stockwerken aufhäufen. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Fukushima-Arbeiter am Montag in Krankenhaus eingeliefert: Gestern berichteten wir über zwei Angestellte eines Partnerunternehmens von TEPCO, die am Sonntag um 9:30 Uhr über Unwohlsein geklagt und aufgrund von Symptomen wie starker Benommenheit und der Unfähigkeit zu gehen in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Nach Angaben von TEPCO kam es allerdings gestern ebenfalls zu einem Zwischenfall.

Gegen 13:00 Uhr hatte der Angestellte eines Partnerunternehmens, der innerhalb des Kraftwerks beschäftigt war, über seine schlechte Verfassung geklagt und war in das medizinische Notfallzentrum der Reaktoren 5 und 6 gebracht worden. Nach einer Untersuchung durch den Arzt, dessen Diagnose eine genauere medizinische Untersuchung in einer entsprechenden Einrichtung notwendig mache, habe man um 14:04 Uhr den Rettungshubschrauber gerufen.

Anders als in den Fällen zuvor, wurde der Arbeiter am 14:27 Uhr zunächst in die Feuerwache des AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) transportiert und erst später, um 15:03 Uhr in das Krankenhaus in Iwaki eingewiesen. Auch in diesem Fall war laut Betreiberangaben kein radioaktives Material am Körper festgestellt worden.

Über 8.000 Menschen mit Hitzefolgen in Kliniken gebracht: Zwischen dem 23. Juli und Sonntag wurden nach heutigen Angaben der Behörde für Brand- und Katastrophenschutz insgesamt 8.686 Personen aufgrund von Hitzeschlägen in Krankenhäuser eingeliefert. Im Vergleich zu den Zahlen voriger Woche, als 5.678 Fälle gemeldet worden waren, stellt dieses einen sprunghaften Anstieg um das 1,5-fache dar.

Die drei Präfekturen mit den meisten Hitzefällen in Krankenhäusern waren:

  • Präfektur Aichi: 668
  • Präfektur Tokyo 646
  • Präfektur Saitama 632

Zuletzt waren 16 Todesfälle durch Hitzschlag gemeldet worden. Eine Woche zuvor waren es noch 13. Besonders betroffen sind Menschen über 65 Jahren. Diese machten 42,8 Prozent aller Krankenhausfälle, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen, aus. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Olympia 2012: Japan gewinnt erste Goldmedaille: Am gestrigen Montag, dem vierten Tag der olympischen Spiele in London holte die Judoka Kaori Matsumoto in der Klasse bis 57 Kilo die erste Goldmedaille für das Inselreich.

Die olympischen Ringe in London
Japans erste Goldmedaille in London (Foto: Daniel Proll)

Ihre Gegnerin, die Rumänin Corina Caprioriu wurde nach einem Angriff von hinten und dem Versuch eines verbotenen Wurfs disqualifiziert.

Der Sieg stellt für die 24 Jahre alte Matsumoto, die zuvor bereits die Judo-Weltmeisterschaft 2010 gewonnen hatte,  nicht nur ein erfolgreiches Debut bei olympischen Spielen dar, sondern sie ist zudem die erste Japanerin überhaupt, die in dieser Kategorie olympisches Gold gewann.

Noch am selben Tag holten ein männlicher Judoka, Riki Nakaya, in der Klasse bis 73 Kilo eine Silbermedaille. Japan kann sich nach vier Wettkampftagen über insgesamt 11 Medaillen freuen.

Japan-Auslieferung Fluchtgrund für Sea Shepherd-Gründer: Am Montag legte Paul Watson, der im Mai 2012 in Deutschland festgenommene Gründer der militanten Umweltschutzorganisation Sea Shepherd, die Gründe für seine Flucht aus Deutschland.

Watson war auf Kaution und unter der Auflage, sich einmal pro Tag bei der Polizei zu melden, von den deutschen Behörden auf freien Fuß gesetzt worden. Seit dem 22. Juli galt der Aktivist dann als untergetaucht.

Als Grund für seine Flucht schreibt Watson, der sich nach eigenen Angaben an einem sicheren Ort befinde, er habe von vertrauenswürdigen Quellen erfahren, dass Deutschland am folgenden Tag dem Auslieferungsantrag Japans stattgegeben hätte. Da er keine Aussicht sieht, jemals wieder aus japanischer Hand frei zu kommen, habe er sich zur Flucht entschlossen.

Er wisse zudem, dass Japan zwar alle Mittel nutzen werde um ihn aufzuhalten, schwor jedoch immer einen Schritt vorauszusein. Die NHK wertet dies als Aussage, er wolle sich weiter an der Behinderung des Japanischen Walfangs beteiligen.

Nagasaki-Friedensrede wird Atommüll thematisieren:  Tomihisa Taue, Bürgermeister der Stadt Nagasaki veröffentlichte heute den Entwurf einer Friedenserklärung, die er anlässlich des Gedenktages für den Atombombenabwurf am 9. August 1945, bei einer Zeremonie verlesen werde.

In diesem Entwurf nimmt sich der Bürgermeister der Fukushima-Krise an und drängt die Regierung in Tokyo zu einer Änderung von Japans Atompolitik. Während im vergangenen Jahr das Thema der erneuerbaren Energien im Mittelpunkt stand, findet sich dort nun ein Aufruf an die Internationale Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um das Problem des Atommülls, dass sich weltweit durch die Nutzung der Atomenergie ergibt, zu lösen.

Auch eine Botschaft der Bürger von Nagasaki an die Einwohner Fukushima ist in dem Dokument vorgesehen und soll diese unterstützen. Auch die Wichtigkeit, der Jugend die Bedeutung von Frieden zu vermitteln, ist Teil dieser Botschaft. Sie wird zusammen mit den anderen Teilen des Dokuments während der Friedenszeremonie während der Gesellschaft verlesen werden.

Taue erklärte, er hoffe, dass viele Menschen sich an der Bewegung gegen die Nutzung von Atomwaffen beteiligen werden. Das meldeten NHK und jiji.

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