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Japan aktuell: Eine Nation spart Strom

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Tokyo - Yodobashi Kamera mit Beleuchtung. Foto: KJ
Tokyo - Yodobashi Camera mit Beleuchtung. Foto: KJ

International nimmt die Berichterstattung und damit auch die Informationslage über die Entwicklungen in Folge des Tohoku-Erdbebens und des damit verbundenen Tsunami ab. Doch während die verbliebenen Medienberichte sich meist auf die Situation am schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi und den dortigen Störfall sowie in Einzelberichten auf die Situation in den Evakuierungslagern beziehen, geht das Leben in Japan weiter – auch mit dem Stromsparen.

Beleuchtung von Gebäuden: Unmittelbar nach dem Erdbeben war in vielen Gebieten der Strom ausgefallen und die späteren Aufrufe an die Bevölkerung Elektrizität zu sparen führten dazu, das selbst jene Gebäude, die sonst selbst tagsüber durch große Neonreklamen und riesige Videoleinwände auf sich aufmerksam machen, vielfach im Dunkeln lagen und teilweise immer noch von den Stromsparmaßnahmen betroffen sind – ein ungewohnter Anblick in der japanischen Millionenmetropole Tokyo.

Das Yodobashi-Gebäude in Tokyo ohne Beleuchtung. Foto: KJ
Tokyo - Yodobashi-Camera ohne Beleuchtung. Foto: KJ

Der Tenno spart Strom: Das kollektive Einsparen elektrischer Energie, besonders durch den Verzicht auf elektrisches Licht, ist jedoch nicht allein Sache des Volkes. Der Tenno, der als Symbol des Staates zwar fast ausschließlich repräsentative Funktion hat, geht mit gutem Beispiel voran und beteiligt sich an den nationalen Bemühung des Stromsparens.

Haushalt: Neben elektrischen Geräten wie dem Reiskocher, dem Fernseher oder Computer, werden die Stromsparmaßnahmen die mindestens noch ein Jahr andauern sollen, zumindest in manchen Haushalten an kühlen Abenden auch etwas Gemütlichkeit rauben, werden doch die kotatsu genannten beheizbaren Tische, unter denen man die Beine wärmt, auch praktisch ausnahmslos elektrisch betrieben.

 


Beleuchtung der Verkaufsautomaten:
Doch nur Gebäude sind von den Einsparungen betroffen, sondern auch für die populären, Jido hanbaiki genannten Verkaufsautomaten die im Normalfall ihr Angebot leuchtend präsentieren, gibt es Pläne, die Beleuchtung abzuschalten.

Tokyo - Automat mit Grüntee-Softdrinks der Marke Ito En Foto: KJ
Tokyo - Automat mit Grüntee-Softdrinks. Foto: KJ

Im Gegensatz zu Deutschland wo etwa öffentliche Automaten nicht eine derart große Verbreitung haben,  häufig in schlechtem Zustand und oft durch Vandalismus beschädigt sind, kann man in Japan mit Sauberkeit und frische der angebotenen Waren rechnen.

Dennoch isst das Auge ja bekanntlich mit – künftig vermutlich eben ohne Dauerbeleuchtung.

Klimaanlagen: Ein weiterer großer Energiefresser neben der Beleuchtung sind jedoch die Klimaanlagen. Besonders in Kaufhäusern oder Bürokomplexen herrschen in Sommermonaten Temperaturen, die dem leichten Sommerjacket wieder zu seiner Funktion verhelfen. Auch hier gibt es bereits erste Anordnungen, die Anlagen nicht über ein bestimmtes Limit hinaus kühlen zu lassen – was neben der Ersparnis an Elektrizität sicher auch die Gegner der globalen Erwärmung freuen dürfte.

In der Tat sind viele Japaner gegenwärtig vermutlich mit anderen Dingen beschäftigt, als sich über das Klima Gedanken zu machen. Die Sorge vor radioaktiv belasteten Lebensmitteln nimmt zu und auch die zeitweilig im Leitungswasser von Tokyo gefundenen Spuren von radioaktivem Jod, die zur offiziellen Austeilung von Wasserflaschen und zu Hamsterkäufen geführt hatten, dürften in den Köpfen der Japaner präsenter sein, als Pläne zum „Prima Klima“.

Nicht zuletzt die öffentlichen Demonstrationen für mehr Aufklärung über die Hintergründe und aktuellen Geschehnisse durch die Betreiber des Atomkraftwerks zeigen ein wichtiges Thema auf – da wird dann auch mal der Fernseher wieder eingeschaltet.

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