Start Aktuelles Japan aktuell: Erdboden am AKW Fukushima soll künstlich vereist werden

Japan aktuell: Erdboden am AKW Fukushima soll künstlich vereist werden

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Schematische Darstellung der Kühlvorrichtung gegen Grundwasser am 30. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Schematische Darstellung der Gefrieranlage gegen Grundwasser am 30. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Schematische Darstellung der Kühlvorrichtung gegen Grundwasser am 30. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Schematische Darstellung der Kühlvorrichtung gegen Grundwasser am 30. Mai 2013 (Foto: TEPCO)

Eiskalt soll TEPCO gegen die Kontamination von Grundwasser vorgehen – zumindest ist dies der Plan eines Regierungsausschusses, der sich mit dem Grundwasserproblem am AKW Fukushima aktuell befasst.

In einem anderen Bericht präsentiert der Betreiber des AKW Fukushima heute ein Fundstück, dass zuvor in einem Abklingbecken entdeckt worden war.

Neben diesen Fukushima News geht es jedoch auch um Schadensersatz und Untersuchungsbericht zu anderen Kernkraftwerken. Alle Einzelheiten wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. Mai 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Objekt aus Fukushima-Reaktor 6 geborgen
  • Eiswand gegen Grundwasserproblem am AKW Fukushima
  • Radioaktives Material nach J-PARC-Zwischenfall einen Kilometer verbreitet
  • Über 10.000 Einwohner von Namie klagen auf mehr Schadensersatz
  • Verwerfungs-Bericht zum AKW Mihama erneut verzögert

 

Eiswand gegen Grundwasserproblem am AKW Fukushima: Grundwasser, dass durch Risse in die Reaktoren eindringt, dort stark radioaktiv kontaminiert wird und anschließend aus den Kellern hochgepumpt und gefiltert werden muss, bleibt bislang eines der größten Hindernisse zur Stilllegung der Anlage.

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Eisige Zeiten für Grundwasser geplant (Foto: TEPCO)

Der zuletzt von TEPCO vorgebrachte Plan, die täglich anfallende Grundwassermenge von 400 Tonnen hochzupumpen und in den Ozean zu verklappen, stößt bei örtlichen Fischern auf deutlichen Widerstand, auch wenn der Vorschlag von einem Vertreter der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA begrüßt worden war.

Nun schlug ein Regierungsausschuss, der sich seit April 2013 gezielt mit der Lösung des Grundwasserproblems befasst, eine andere Herangehensweise vor.

Durch künstlich geschaffene unterirdische „Eiswände“ die auf einer Strecke von 1.400 Metern um die Reaktoren 1-4 verlaufen würden, könnte der tiefgefrorene Boden das Grundwasser davon abhalten, in die Reaktorgebäude zu dringen.

Zu diesem Zweck müssten die Rohre einer Kühlwasserleitung in den Boden um die Reaktoren eingebracht und durch Kühlmittel auf Temperaturen heruntergekühlt werden, die den Erdboden gefrieren lassen, so dass kein Grundwasser mehr eindringen kann, wie NHK und Kyodo berichten.

Allerdings würde sich TEPCO dann weiteren technischen Herausforderungen stellen, denn sollte der Grundwasserspiegel weit genug sinken und so unter den Eiswänden hindurchgelangen, würde das Wasser dennoch kontaminiert. Außerdem ist die Lebensdauer einer solchen Anlage begrenzt. Ein fertiger Plan soll auf einem heutigen Treffen vorgestellt werden.

Trotz der Probleme, die der Plan aufwirft, drängt der Regierungsausschuss TEPCO auf die Umsetzung, um die Grundwasserfragen zu lösen.

Objekt aus Fukushima-Reaktor 6 geborgen: Am 23. Mai war bei Kontrollen in Fukushima-Reaktor 6 ein Objekt entdeckt worden, bei dem es sich offenbar um eine Ringmutter handelte (Spreadnews berichtete am selben Tag).

Fukushima-Reaktor 6: Geborgene Ringmutter am 28. Mai 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 6: Geborgene Ringmutter am 28. Mai 2013 (Foto: TEPCO)

Der Gegenstand war einem Angestellten bei der Durchsicht von Videomaterial aus dem Abklingbecken aufgefallen.

Wie die Betreiberfirma TEPCO in einem heutigen Bericht mitteilte, konnte die Ringmutter am Dienstag geborgen werden.

Über die exakte Herkunft des Bauteils, das im östlichen Bereich auf der Halterung der Brennelemente gelegen hatte, machte der Kraftwerksbetreiber keine Angaben, begleitete die Meldung jedoch mit Aufnahmen des Fundstücks.

Die Reaktoren 5 und 6 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi waren zum Zeitpunkt der Katastrophe am 11. März 2011 bereits heruntergefahren, so dass es dort nicht zu Kernschmelzen gekommen war.

Radioaktives Material nach J-PARC-Zwischenfall einen Kilometer verbreitet: Nach dem Zwischenfall in einer Nuklearforschungseinrichtung vergangener Woche, wurden gestern erste Schätzungen zur Verbreitung der freigesetzten radioaktiven Substanzen bekannt gegeben.

Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Radioaktives Material aus Forschungseinrichtung ausgetreten (Grafik: pd)

Demnach ist Material, dass am 23. Mai zweimal durch die Lüftung eines Forschungslabors freigesetzt wurde, etwa einen Kilometer in westlicher Richtung verbreitet worden. Diese Schätzungen beruhen unter anderem auf den Wetterbedingungen zum Zeitpunkt des Zwischenfalls.

Auch Wohngebiete sind möglicherweise von der Kontamination betroffen, da sich bereits in etwa 600 bis 700 Metern Entfernung Wohnkomplexe befinden. Die JAEA teilte mit, man werde nicht nur alles unternehmen, um das Vertrauen in die Anlage wiederherzustellen, sondern erklärte ausdrücklich, die Strahlung sei niedrig und werde keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Die höchste Belastung sei demnach etwa 90 Meter vom Laborgebäude entfernt. Ein einstündiger Aufenthalt hätte eine Belastung von 0,29 Mikrosievert zur Folge.

Allerdings musste die JAEA einräumen, dass die Zahl der Mitarbeiter, die von der Kontamination betroffen sind, von 33 auf 34 gestiegen ist. Der 57 Jahre alte Mann war etwa eine Stunde lang in der Anlage geblieben und wies eine Belastung von 0,1 Millisievert auf.

Zwei weitere Personen konnten noch nicht getestet werden, da sie das Land verlassen hätten und nun in ihren Heimatländern auf Strahlungsbelastung kontrolliert werden müssen. Über die aktuellen Entdeckungen berichteten.

Über 10.000 Einwohner von Namie klagen auf mehr Schadensersatz: Insgesamt 11.602 Personen und damit mehr als die Hälfte der 21.000 Einwohner der Ortschaft Namie klagen, vertreten durch Bürgermeister Tamotsu Baba und Rechtsanwälte, auf die Auszahlung höherer Entschädigungen durch den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Einwohner von Namie fordern mehr Entschädigungen (Symbolfoto: pd)

Die Kläger fordern, die bisherige monatliche Zahlung von 100.000 Yen müsse auf 350.000 Yen erhöht werden, um dem Auseinanderbrechen von Familien, dem Verlust jeder Perspektive und der Angst vor einer ungewissen Zukunft angemessen Rechnung zu tragen. Außerdem müssten die Entschädigungsrichtlinien der Regierung angepasst werden.

Die gemeinsame Klage wurde von der Verwaltung der Kleinstadt Namie ins Leben gerufen, da die Evakuierten als Einzelpersonen nicht über ausreichend finanzielle Mittel für eine juristische Auseinandersetzung mit dem Elektrizitätskonzern verfügen würden.

Der Ort ist seit April 2013 ein Teil des Drei-Zonen-Modells, für viele Einwohner ist eine Rückkehr aber noch immer fraglich. Über die Klage berichteten NHK, jiji und Asahi Shimbun.

Verwerfungs-Bericht zum AKW Mihama erneut verzögert: Die Kansai Electric Power Company (KEPCO) teilte mit, die Veröffentlichung des Schlussberichts zur Einschätzung einer Verwerfung, die unter dem Kernkraftwerk Mihama (Präf. Fukui) verläuft, werde sich ein zweites Mal, nun bis Ende Juli verschieben.

Seit September vergangenen Jahres führte das Betreiberunternehmen geologische Untersuchungen durch, habe jedoch noch nicht alle notwendig Daten zusammen. Ursprünglich sollte der Bericht bereits im März 2013 veröffentlicht werden, war dann jedoch bis Ende Mai verschoben worden. Die Atomaufsicht NRA will an dem Reaktor zudem eigene Untersuchungen durchführen.

Es wird nach Angaben der NHK vermutet, dass die Verwerfung unter dem Reaktor in Bewegung geraten könnte, sollte eine bekannte aktive Verwerfung, etwa einen Kilometer östlich der Anlage seismische Aktivität zeigen.

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