Start Aktuelles Japan aktuell: Erneut Zusammenbruch eines Arbeiters im AKW Fukushima

Japan aktuell: Erneut Zusammenbruch eines Arbeiters im AKW Fukushima

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AKW Fukushima: Notfallraum am 6. September 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Arbeiter in Krankenhaus eingeliefert (Symbolfoto: TEPCO)
AKW Fukushima: Notfallraum am 6. September 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Notfallraum am 6. September 2011 (Foto: TEPCO)

TEPCO veröffentlichte gestern vom AKW Fukushima aktuelle Bilder, in denen die Demontage an der Anlage, unter anderem auch großer Träger gezeigt wird. Dabei ist das Unternehmen in seinem Wunsch die Arbeiten durchzuführen offenbar seiner Zeit voraus – datiert es doch eine der Aufnahmen auf den 22. September 2012. Die aktuellen Totenzahlen aus den Katastrophengebieten sind dagegen hoffentlich korrekt.

Um künftig diese Zahlen so gering wie möglich zu halten, müsse man realistischere Tsunami-Notfallübungen durchführen, bei der Gebietsumfang, Vorgehen bei der Evakuationund die Flucht mit Kindern berücksichtigt werden, forderte der Gouverneur der Präfektur Iwate in einem Interview mit der jiji.

Eine beunruhigende, aus dem AKW Fukushima aktuell gemeldete Neuigkeit ist etwa die Bewusstlosigkeit eines Arbeits. Weitere Fukushima News und Meldungen aus der gleichnamigen Präfektur sowie natürlich sonstige Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. März 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Fukushima-Arbeiter bewusstlos aufgefunden
  • AKW Fukushima verseucht vermutlich weiterhin das Meer
  • Neuer Roboter für AKW-Einsatz entwickelt
  • Tohoku-Erdbeben hatte 80 Folgebeben
  • Internationales Atomkatastrophen-Treffen des Roten Kreuzes geplant
  • Mehrzahl der Toten und Vermissten sind Senioren
  • Epizentrum für künftiges Erdbeben  höher als vermutet
  • Tenno wird Wasser aus Lunge entfernt
  • Giftgas-Sektenmitglied spricht von Familiengefühl

Fukushima-Arbeiter bewusstlos aufgefunden: In einer Pressemeldung berichtet der Betreiber des AKW Fukushima, der Energiekonzern TEPCO, von einem Zwischenfall bei einem der dortigen Arbeiter. Am heutigen Mittwoch gegen 13:55 Uhr Ortszeit fand der Angestellte eines Partnerunternehmens im ersten Untergeschoss des Gebäudes, in dem eine Wärmetauschanlage untergebracht ist einen Arbeiter, der dort an der Isolierung von Wasserleitungen arbeitete, reglos am Boden liegend vor.

Um 14:36 Uhr forderte das Unternehmen den Rettungshubschrauber an. Der Arbeiter erlangte wieder das Bewusstsein und erlitt keine äußerlichen Verletzungen. Radioaktives Material wurde am Körper des Angestellten nicht festgestellt.

AKW Fukushima verseucht vermutlich weiterhin das Meer : Einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, kommt eine Gruppe von Wissenschaftler zu dem Schluss, dass nach wie vor radioaktiv kontaminiertes Wasser aus dem AKW Fukushima in das Meer austritt. Als Hinweis darauf werten sie den lediglich geringen Rückgang der Konzentration von radioaktivem Cäsium im Meer nahe  der Anlage. Die Konzentrationsabnahme verlaufe langsamer als gedacht.

TEPCO, der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks erklärte dagegen, das Unternehmen vermute nicht, dass gegenwärtig weiterhin radioaktiv belastetes Wasser in das Meer gelange. Zudem sei die Konzentration von Cäsium trotz der offensichtlich geringeren Abnahme der letzten drei bis vier Monate deutlich niedriger als zum Zeitpunkt des Unglücks. Im April des Vorjahres war eine Freisetzung ins Meer festgestellt und diese durch das Einbringen von Chemikalien gestoppt worden.

Neuer Roboter für AKW-Einsatz entwickelt: Die in Tokyo ansässige Firma Topy Industries, die Rettungsroboter für Brandeinsätze herstellt, hat auf Anfrage von TEPCO einen neuen Roboter für den Einsatz im AKW gebaut. Der Roboter „Survey Runner“ sei lediglich 50 Zentimeter lang, deutlich kompakter und damit wendiger, als die bislang eingesetzten Roboter vom Typ Quince, berichtet die NHK.

So kann das neue Gerät nicht nur abschüssige Treppen bewältigen und enge Treppenabsätze von 70 Zentimetern überqueren, sondern kann zudem durch bis zu drei Zentimeter tiefes Wasser fahren und unter tropfendem Wasser arbeiten, was in Anbetracht der hohen Luftfeuchtigkeit und Kondensation besonders sinnvoll scheint.

Ausgerüstet ist der von Shingo Tsukui entwickelte Roboter mit  fünf Kameras, sowie einem Dosimeter, das durchgängig die Umgebungsradioaktivität misst. Der Erfinder hofft, dass durch den Roboter die Strahlungsbelastung für AKW-Arbeiter sinken könnte.

Tohoku-Erdbeben hatte 80 Folgebeben: Mit Masatoshi Miyazawa kommt ein außerordentlicher Professor im Institut für Katastrophenvorbeugung der Universität Kyoto nach Analyse von Seismographen-Daten zu dem Schluss, dass durch das Tohoku-Erdbeben vom 11. März 2011 innerhalb von 15 Minuten nach dem Großbeben insgesamt 80 weitere Erdbeben ausgelöst wurden. Diese ereigneten sich meist in der Nähe von Vulkanen, wo bereits eine starke seismische Aktivität besteht.

Der Großteil dieser Folgebeben erreichte zwar nur geringe Stärken, dennoch wurde auch ein vergleichsweise starkes Beben der Stärke 4,7 registriert. Ungewöhnlich auch die Distanzen über die sich die seismischen Wellen des Tohoku-Bebens ausbreiteten. So wurde noch in der südwestlichen Präfektur Kagoshima und damit etwa 1.300 Kilometer vom Epizentrum des Ursprungsbebens entfernt, ein Erdbeben gemessen.

Zur Berechnung stützten sich die Wissenschaftler auf die Messdaten von 1.500 Seismographen im ganzen Land. Das berichtet die NHK.  Zwar kannte man das Phänomen der Folgebeben bereits von anderen Ereignissen, wie dem Sumatra-Erdbeben 2004, in Anzahl und Stärke ist das Tohoku-Erdbeben vom März allerdings bislang einmalig.

Rotes Kreuz: Zelt beim Mie Universitätsfestival 2004 (Foto: Rudolf Ammann cc-by)
Rotes Kreuz: Zelt in Mie 2004 (Foto: Rudolf Ammann cc-by)

Internationales Atomkatastrophen-Treffen des Roten Kreuzes geplant: Wie heute bekannt gegeben wurde, planen das nationale Rote Kreuz Japan und die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) für den Mai 2012 ein Treffen in Tokyo. Hier sollen die im Rahmen der Fukushima-Katastrophe gemachten Erfahrungen geteilt und als Grundlage für ein besseres Vorbereitetsein im Falle dieser Art von Krisen genutzt werden.

So sollen Mitgliedsgesellschaften aus 30 Ländern mit Atomkraftwerken, sowie Schwesterorganisationen aus weiteren Ländern zum Treffen eingeladen werden. Auch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und die Weltgesundheitsorganisation WHO sind zur Teilnahme an dem Ereignis eingeladen worden.

Mehrzahl der Toten und Vermissten sind Senioren: Die Nationale Polizeibehörde hat am gestrigen Dienstag Zahlen zum Alter der Todesopfer und vermissten Personen in den Krisengebieten veröffentlicht. Diese machen deutlich, dass vor allem ältere Menschen zu Opfern der Naturkatastrophen vom März 2011 wurden.

Nach Angaben der Behörde beträgt die offizielle Zahl der Vermissten Ende Februar 2012 insgesamt 3.279 Personen. Davon waren 893 der Vermissten in den 70ern, weitere 642 in den 60ern und 577 in den 80ern. Damit sind 70 Prozent der Vermissten über 60 Jahre alt. Die Zahl an Kindern bis neun Jahre die vermisst werden beträgt 116 und die der zwischen 10 und 19 Jahren 45 Personen.

Butsudan: Buddhistischer Hausaltar (Foto: pd)
Butsudan: Buddhistischer Hausaltar (Foto: pd)

Doch auch zur Geschlechterverteilung legte die Polizeibehörde Daten vor: Mit 56 Prozent ist die Mehrheit der Vermissten weiblich, 44 Prozent der vermissten Personen männlichen Geschlechts.

Im vergangenen Jahr waren 552.700 Polizeibeamte im Sucheinsatz. Aktuell sind etwa 200 Beamte der Polizeidienststellen in den drei am schwersten betroffenen Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi im Einsatz. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Zur Zahl der Toten, den Todesursachen und der Identifikationsrate zieht die Mainichi Shimbun ebenfalls die aktuellen Angaben der nationalen Polizeibehörde in Tokyo heran.

Demnach konnten  in den drei Katastrophenpräfekturen insgesamt 15.308 Todesopfer identifiziert werden. Davon waren 24,5 Prozent über 70 und 22,1 Prozent über 80 Jahre alt. Die Identifikation erfolgte in 89,1 Prozent durch körperliche Merkmale oder Besitz. Zusätzlich fanden Zahnabgleiche (7,5 Prozent), Finger- oder Handabdrücke (2,4 Prozent), sowie DNA-Analysen bei Verwandten (0,7 Prozent) und Blutproben des japanischen Roten Kreuzes (0,2 Prozent) Verwendung.

Die häufigste Todesursache in den Krisenregionen war das Ertrinken – eine klare Mehrheit von 90,6 Prozent der Todesfälle gehen auf diese Todesart zurück. Daneben wurden bei 15.786 Körpern das Erschlagen oder schwere Verletzungen (4,2 Prozent) und das Verbrennen (0,9 Prozent) als Todesursache benannt. In 4,2 Prozent der Fälle bleibt die Todesursache  unklar.

Epizentrum für künftiges Erdbeben  höher als vermutet: Nach fünfjähriger Studie hat ein Team von Wissenschaftlern, die im Auftrag der Regierung geforscht hatten, am heutigen Mittwoch einen Bericht vorgelegt. Dem Dokument zufolge würde das Epizentrum des erwarteten große Erdbebens in der Bucht von Tokyo näher an der Oberfläche liegen als bislang geschätzt wurde.

Die Entdeckung sei von Bedeutung, da die Stärke eines Erdbebens zunehme, je näher sich das Epizentrum der Erdoberfläche befindet. Die neuen Ergebnisse  basieren auf den Daten von etwa 300 Seismographen, anhand derer die Struktur der Region Kanto analysiert wurde. Zu den Wissenschaftlern gehört auch Professor Naoshi Hirata von der Universität Tokyo.

Er und das Team kommen zu dem Schluss, dass ein vermutliches Epizentrum wahrscheinlich 10 Kilometer höher liegen werde und daher mit einem Erdbeben der Stärke sieben auf der siebenstufigen japanischen Skala zu rechnen sei. Kazuki Koketsu, ebenfalls Professor am Erdbebenforschungsinstitut der Universität erklärte, seine Gruppe plane nun anhand der neuen Daten eine Berechnung der Stärke der zu erwarteten Erschütterungen. Eine Veröffentlichung dieser Ergebnisse wird für Ende März erwartet, so die Meldung der NHK.

Tenno wird Wasser aus Lunge entfernt: Nach der Bypass-Operation am 18. Februar unterzog sich der Tenno am heutigen Mittwoch einer Punktur, um das Wasser, das sich nach der Operation in der Lunge gesammelt hatte, zu entfernen. Der Eingriff fand unter Lokalanästhesie im kaiserlichen Hofkrankenhaus statt. Nach Angaben von Ichiro Kanazawa, Hofamts-Verantwortlicher für medizinische Behandlungen erklärte, die Maßnahme sei erfolgreich verlaufen. Zuvor hatte eine Röntgenuntersuchung am Dienstag eine Zunahme an Flüssigkeit gezeigt.

Ein Team von behandelnden Ärzten hatte jedoch bereits zuvor gesagt, eine derartige Flüssigkeitsansammlung sei nach einer Operation an Koronaraterien durchaus normal. Bereits am Nachmittag soll der Tenno wieder in den Kaiserpalast zurückkehren und seine Reha-Maßnahmen wieder aufnehmen.

Der Tenno hofft weiterhin, wie von ihm ausdrücklich gewünscht, am Sonntag, an einer vor der Regierung ausgerichteten Gedenkfeier zu Ehren der Opfer des Tohoku-Erdbebens teilnehmen zu können, berichtet das kaiserliche Hofamt. Deren Meldung wurde von der NHK, der Kyodo und der jiji aufgegriffen.

Giftgas-Sektenmitglied spricht von Familiengefühl: Akemi Saito (46) früheres Mitglied des Endzeit-Kults der Omu Shinrikyo stellte sich am 10. Januar 2012  der Polizei – nachdem dies ihr Partner Makoto Hirata nach fast 17 Jahre dauernder Flucht zu Neujahr getan hatte. Nun muss sich Saito seit Dienstag wegen des Vorwurfs, einen gesuchten Kriminellen Unterkunft gewährt zu haben, verantworten.

In der Verhandlung am 3. März 2012 legte Saito ein Geständnis ab und verlas einen vorformulierten Text, in dem sie erklärte, das Verbrechen für das sie büßen müsse, sei die Mitgliedschaft in der Sekte. Zudem entschuldigte sie sich bei „den Opfern und der Gesellschaft“.

Zentrum der Sekte Omu Shinrikyo 1994 in Tokyo (Foto: pd)
Früheres Zentrum der Omu Shinrikyo in Tokyo (Foto: pd)

Zu ihrem Verhältnis mit Hirata befragt erklärte Saito, sie betrachte ihn als eine Art Familie und wünschte sich, nach dessen Rückkehr in die Gesellschaft ein Zusammenleben mit ihm. Dagegen verneinte sie eine Unterstützung durch die Omu Shinrikyo bei der Flucht und sagte, sie bitte Personen die immer noch an die Lehren der Sekte glaubten, ihre Sicht zu überdenken und die Wahrheit zu erkennen.

Makoto Hirata, einst führendes Mitglied der Omu Shinrikyo, als guter Schütze bekannt und Leibwächter des Sektenführers Shoko Asahara (Realname Chizuo Matsumoto) wird die Teilnahme an einer Entführung, in deren Verlauf das Opfer nach der Injektion einer Droge starb, sowie die Durchführung von Brandanschlägen zur Last gelegt.

Im Zuge der polizeilichen Durchsuchungen im Jahr 1995 nach dem Anschlag mit dem Nervengas Sarin auf die U-Bahn von Tokyo waren beide nacheinander untergetaucht. Zuletzt hatte Saito eine Anstellung in einer ostheopatischen Praxis und versteckte Hirata in der gemeinsamen Wohnung.

Der Rechtsanwalt von Hirata, Taro Takimoto sagte nach der Anhörung gegenüber Reportern, die Angeklagte habe sich zur Zeit ihrer Mitgliedschaft in der Sekte in einer Bewusstseinskontrolle durch den Kult befunden. Er erklärte zudem, dass Saito die Summe von etwa acht Millionen Yen, die sie bei sich trug, als sie sich der Polizei stellte, den Opfern der zahlreichen Anschläge der Omu Shinrikyo spendete. Sowohl Kyodo als auch Mainichi Shimbun berichteten.

Nach Aussage des vorsitzenden Richters, Noriaki Yoshimura wird das Gericht am 27. März 2012 eine Entscheidung im Fall Akemi Saito fällen.

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