Start Aktuelles Japan aktuell: Erneute Angst vor Wasserstoffexplosion und Meereskontamination in Fukushima

Japan aktuell: Erneute Angst vor Wasserstoffexplosion und Meereskontamination in Fukushima

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Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. (Foto: TEPCO)
Aufnahme vom Mai 2011: Erste Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser (Foto: TEPCO)
Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. Foto: Tepco
Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser Foto: Tepco

Während einige Maßnahmen zur Kontrolle der Lage am AKW Fukushima Daiichi, wie etwa die Einspeisung von lediglich leicht radioaktiv belastetem Wasser in das riesige Tankfloß ohne Zwischenfälle verlaufen und weitgehend unkommentiert bleiben, ist es vor allem die Angst vor Komplikationen, die Berichte zur Situation in Fukushima aktuell  halten. Auch heute gibt es keine positiven Nachrichten vom Kernkraftwerk zu melden, erneut sind die Fukushima News lediglich besorgniserregend. Mehr Informationen zu diesen und weiteren Themen nun im aktuellen Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Juli 2011.

Öffnung von Unterwasserbarrieren könnte zu Meereskontamination führen: TEPCO teilte am Montag mit, man plane in den kommenden drei Monaten rund 36 mal die Barrieren, die kontaminiertes Wasser vor dem Einfluss in das Meer verhindern sollen zu öffnen, um so Schiffen die Passage zu ermöglichen, da sie am Bau der Tsunami-Schutzdämme mitwirken sollen.

Dabei könnte hochgrad radioaktiv belastetes Wasser  ins Meer gelangen. TEPCO sieht einer Meldung der Asahi Shimbun zufolge, die Gefahr für die Umwelt jedoch für gering an, da die Sperren jeweils nur eine kurze Zeitspanne lang geöffnet seien.

Angst vor Wasserstoffexplosion – Einleitung von Stickstoff geplant: Bereits seit gestern Nachmittag ist der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, der Energiekonzern TEPCO dabei an den Rohren zu arbeiten, über die Stickstoff in den Behälter von Reaktor 3 geleitet werden soll. Das meldet der Nachrichtensender NHK. Vor der Einspeisung ist jedoch noch eine Genehmigung der  japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA erforderlich, nach deren Erteilung TEPCO mit der Maßnahme beginnen will.

Durch die Einspeisung von Stickstoff versucht man eine weitere Explosion wie zu Beginn der Fukushima-Krise zu verhindern. Da sich in den Reaktoren durch die Zuführung von Kühlwasser sowohl Sauerstoff als auch Wasserstoff bilden, steigt das Risiko einer Explosion und damit die Gefahr für die Arbeiter. Die Sauerstoffverdrängung durch den Stickstoff würde den entsprechenden Prozess entschleunigen und so das Risiko etwas senken.

Irritation über Reaktoren ohne Endprüfung: Der von Spreadnews am 7. Juli berichtete Betrieb von Reaktoren des AKW Oi (Präf. Fukui) und des AKW Tomari (Präf. Hokkaido) die zwar alle Sicherheitschecks durchlaufen, jedoch keine abschließende Prüfung erhalten hatten, wurde nun auch von Haruki Madarame, dem Vorsitzenden der japanischen Atomenergiesicherheitskommission NSC, beanstandet.

Damit haben die Betreiber – Kansai Electric. bzw Hokkaido Electric – zwar nicht gegen Gesetze verstoßen, der Status der Reaktoren als Testbetrieb ist jedoch besonders im Hinblick auf die anstehenden Stresstests sehr ungewöhnlich. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Vandalismus in Übergangshaussiedlungen
: In Higashi-Matsushima haben unbekannte Täter auf dem Gelände einiger Übergangshäuser mehrere Autos beschädigt, indem sie an mindestens neun geparkten Wagen die Reifen zerstochen. Einem Artikel der Mainichi Shimbun zufolge gab es bereits zuvor Parkplatzstreitigkeiten, da jedem Haushalt nur ein Parkplatz zugeteilt ist, einige Familien jedoch über mehrere Fahrzeuge verfügen.

Zu den Reibungen führt auch der geringe soziale Zusammenhalt, viele  der Bewohner sind nicht miteinander bekannt. Teilweise fürchten die Bewohner offenen Vandalismus. Die Stadt Higashimatsushima war nach dem Tsunami zur Hälfte überschwemmt, die Erdbeben hatten zu mehreren Bränden geführt.

Leichensuche trotz Sommerhitze in den Präfekturen: Vier Monate nachdem der Tsunami die Präfektur Iwate traf, suchen trotz der sommerlichen Hitze etwa 150 Bereitschaftspolizisten sowie eine Zahl von Freiwilligen im Ort Otsuchi nach Körpern. Alleine in Otsuchi werden noch 827 Personen vermisst, einem Artikel der Mainichi Shimbun zufolge meldete die Polizei von Iwate in den ersten zwölf Julitagen insgesamt 19 Leichenfunde.

Auch in der Präfektur Miyagi gibt man ungeachtet der hohen Temperaturen die Suche nach Vermissten nicht auf. In Ishinomaki, wo eine Grundschule fortgerissen worden war werden noch ein Lehrer sowie vier Schüler vermisst. Angehörige die sich eine entsprechende Lizenz als Suchkräfte ausstellen liessen, suchen nun auch mit schwerem Gerät, so ein Bericht der Asahi Shimbun.

Neues zu radioaktiv belastetem Rindfleisch in Japan: Die Sorge um radioaktiv belastetes Rindfleisch hält an. Wie der japanische Fernsehsender NHK meldet, wurden Landwirte angewiesen kein Futter mehr zu verwenden, das seit dem 11. März im Freien gelagert hatte, zudem will die Präfekturleitung nun alle Viehzuchtbetriebe überprüfen.

Das Landwirtschaftsministerium will nun herausfinden, in welchem Umfang das radioaktive Cäsium aus Gras von Schlachtvieh und Milchkühen aufgenommen wird, so ein Bericht der Yomiuri Shimbun. Der durch die erhobenen Zahlen berechnete Übertragungsfaktor würde dann künftig bei der Ermittlung helfen, ob die Werte für Fleisch und Milch die Vorgaben übersteigen.

Nach Angaben der Asahi Shimbun erliess die Verwaltung der Präfektur Fukushima eine Anordnung, der zufolge der Viehbestand von etwa 260 Betrieben getötet und das gesamte Fleisch in Strahlungstests auf mögliche Belastung zu testen sei, bevor es verkauft wird.

2 KOMMENTARE

  1. Es ist zwar hervorragend gelungen Fukushima aus den medien zu nehmen, aber dennoch werden wir noch viel unangenehmes davon hören. Das Thema wird uns noch Jahre verfolgen trotz der ständigen angeblichen kleinen Fortschritten. Von den neuen Störfällen der anderen Kernkraftwerke die inzwischen nebenbei daherkommen wird ebenfalls gebunkert mit Informationen. Wie schön.

    • Ja wir denken auch, ohne Seiten wie diese hier wüsste man viel weniger über die Atomgeschichte in Fukushima. Mal ein Danke an die Redaktion!

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