Start Aktuelles Japan aktuell: Erneute Kernspaltung im AKW Fukushima vermutet

Japan aktuell: Erneute Kernspaltung im AKW Fukushima vermutet

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AKW Fukushima: Reaktoren 1-4 am 15. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Droht eine Verschärfung der Krise? (Anlage im März 2011, Foto: TEPCO)

Auch wenn die Meldung über den Beginn eines weiteren Kernspaltungsprozesses im Atomkraftwerk Fukushima aktuell die Hauptmeldung darstellt, finden sich heute auch weitere Meldungen, die jedoch weitgehend ebenfalls Fukushima News darstellen, da sie in kausalem Zusammenhang mit der Katastrophe vom 11. März 2011 stehen. Mehr somit nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 02. November 2011.

Zweiter Hotspot aus Setagaya ebenfalls auf Radium-Flasche zurückzuführen: Die von Spreadnews am 31. Oktober gemeldeten Hotspots auf dem Gelände eines Supermarkts in Tokyos Stadtteil Setagaya, haben offenbar zum Teil Gemeinsamkeiten mit dem zuvor entdeckten Hotspot unter einem alten Gebäude.

In einem der  Hotspots auf dem Supermarktgelände an dem eine Strahlung von 110 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden war, wurde bei den Grabungen bereits in 30 Zentimetern Tiefe Blei und Bismut festgestellt – beides Elemente, die bei der Zersetzung von Radium entstehen. In 40 Zentimetern Tiefe sei dann ein flaschenähnliches Objekt gefunden worden.

Offenbar ist die Strahlungsquelle des Hotspots somit nicht auf das AKW Fukushima zurückzuführen – sondern wie im Fall des alten Gebäudes in Tsurumaki – auf Strahlung von Radium-226 –  auch wenn der Inhalt des Behälters noch unklar ist, wurde an dessen Oberfläche eine Belastung von 40 Milisievert pro Stunde gemessen.

Daneben besteht inoffiziellen unbestätigten Informationen zufolge eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Fund der Behälter unter dem Boden des alten Gebäudes – beide sollen von der selben Person, die unter dem Namen “ n0ri_tiki“ twittert, entdeckt worden sein.

Das Wissenschaftsministerium entfernte die am Dienstag aufgefundene Flasche noch nicht und sperrte lediglich den Bereich ab. Nun soll auch die zweite Stelle auf dem Supermarktgelände, an der 170 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden waren, aufgegraben werden. Insgesamt würden zwei bis drei Wochen benötigt, um beide Bereiche zu untersuchen und möglicherweise weitere Behältnisse zu entfernen.

Zudem beruhigte man die Bevölkerung, es bestünde beim Durchqueren des Hotspots keine Gesundheitsgefährdung. Da der Supermarkt das Gelände seit 1999 benutzt auf dem zuvor eine Schule stand und der entsprechende Bereich einen Bewuchs von einem Metern Höhe aufwies, scheint eine Gefährdung unwahrscheinlich. Das melden japanische Medien, darunter die Asahi Shimbun und die Nachrichtenagentur jiji.

Erneute Kernspaltung im AKW Fukushima vermutet: Vermutlich ist in Reaktor 2 des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi eine erneute Kernspaltung in Gang, teilte der Betreiber TEPCO mit. Als ersten Hinweis hierfür wird die Freisetzung von Xenon gewertet, da Xenon-Isotope bei der Kernspaltung in Kernkraftwerken entstehen. Dabei wurden sowohl das vergleichsweise kurzlebige Xenon-135 mit einer Halbwertszeit von neun Stunden, sowie Xenon-133, das über eine Halbwertszeit von 5,2 Tagen verfügt, festgestellt. Radioaktives Jod, das bei einer Kernspaltung ebenfalls freigesetzt werden würde, sei jedoch nicht gemessen worden, teilte TEPCO mit.

Aufgefallen waren die Werte nach dem Beginn der Analyse eines Luftfilters eines neuen Gaskontrollsystems am 28. Oktober. Noch ist unklar, ob und wenn ja wie lange, die Substanzen vor der Untersuchung des Filters freigesetzt worden waren. Eine unabhängige Untersuchung solle zudem die Identifikation als Xenon bestätigen.

Als erste Maßnahme hat der Betreiber damit begonnen, Borsäure in den Reaktor zu leiten um auf diese Weise das Voranschreiten einer Kernspaltung verlangsamen und kontrollieren zu können. Demzufolge beruhigt der Energiekonzern die Medien, die Lage sei unter Kontrolle und bislang sei weder die Temperatur im Reaktor gestiegen, noch sei radioaktives Material in die Umwelt freigesetzt worden. Auch die Atomsicherheitsbehörde NISA sprach in einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen von einer stabilen Situation..

Unabhängig davon welches Ausmaß die Entdeckung noch haben wird – der Plan den kontrollierten Zustand des „Cold Shutdown“ bis Ende des Jahres zu erreichen scheint nun gefährdet.

TEPCO will Schutzmaskenpflicht lockern: In einer Meldung vom Montag erklärte der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, da der Grad an radioaktivem Material in der Luft seit Juni bis zum jetzigen Zeitpunkt immer weiter abgenommen habe, soll die Schutzmaskenpflicht für Arbeiter gelockert werden, so dass sie etwa bei der Fahrt in Bussen keine Masken mehr tragen müssen.

Die Entscheidung soll dem Wohlbefinden der Arbeiter dienen. Die Atomsicherheitsbehörde NISA bestätigte den Sinn der Maßnahme, so dass sie ab dem 8. November in Kraft treten soll. Die Mitführung der Masken ist jedoch weiterhin verpflichtend, in der Reaktoranlagen selbst gelten weiterhin die bisherigen Sicherheitsbedingungen.  Ob die jüngsten Ereignisse die Neuregelung möglicherweise verhindern könnten, ist nicht bekannt.

Schülerin im September hoher Strahlung ausgesetzt: Im September waren sowohl ein achtjähriges Mädchen, als auch ihre drei Brüder in Minamisoma (Präf. Fukushima) einer Belastung von mehr als 1 Milisievert ausgesetzt. Das ergab  die Auswertung von Daten der passiven Glas-Dosimeter die an 36.989  Einwohner der Stadt, darunter Schwangere und Kinder ausgegeben worden waren.

Das Mädchen war demnach im September eine Belastung von 1,7 Milisievert ausgesetz. Ihre Brüder wiesen Werte zwischen 1,4 und 1,6 auf. Dennoch beruhigte die Stadtverwaltung, diese Dosis habe keine Auswirkung auf die Gesundheit der Kinder. Zudem seien bislang  36.478 der passiven Dosimeter zur Auswertung eingesammelt worden und in 99 Prozent der Fälle habe die Belastung nie höher als 0,3 Milisievert betragen. Bei der Auswertung der Daten von 2884 Schulkindern sei in 247 Fällen radioaktives Cäsium-137 nachgewiesen worden.

Keine Informationen gibt die Mainichi Shimbun über die Belastung mit Cäsium-134 oder anderem Material wie etwa Strontium.

Giftiger Kugelfisch mit Eingeweiden verkauft: Der Verzehr des Fugu genannten Kugelfischs, dessen Gift Tetrodotoxin tödllich ist, scheint im Vergleich zur radioaktiven Strahlung eine vergleichsweise traditionelle Methode aus dem Leben zu scheiden. Tatsächlich hat der Fisch vermutlich aufgrund des Nervenkitzels, den das prickelnde Taubheitsgefühl beim Verspeisen hervorruft, einen gewissen Kultstatus. Doch nicht umsonst ist die Zubereitung speziell ausgebildeten Köchen vorbehalten, welche die giftige Haut sowie die Innereien, von denen besonders die Leber gefährlich ist, entfernen.

Wenn nun die Verwaltung des Großraums Tokyo vor dem Verzehr warnt, da ein Händler insgesamt bis zu 14 Kugelfische ohne die Organe zu entfernen, verkauft hatte, ist das eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit. Der Händler erklärte im übrigen, er wisse nichts von der gesetzlichen Regelung, die den ausschließlichen Verkauf an lizensierte Köche vorsieht. Das meldet die Mainichi Shimbun.