Start Aktuelles Japan aktuell: Erneuter Alarm nach Neustart der Stickstoffversorgung am AKW Fukushima

Japan aktuell: Erneuter Alarm nach Neustart der Stickstoffversorgung am AKW Fukushima

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Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima (Foto: TEPCO)
Die Fukushima-Reaktoren 1 und 2 am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima
AKW Fukushima: Reaktoren 1 und 2 am 6. Mai 2011 ( Foto: TEPCO)

Die Woche endet – und mit ihr das Leben von zwei Männern, an denen heute die Todesstrafe vollstreckt wurde.

Auch endete ein am AKW Fukushima heute durchgeführte Versuch anders als gewünscht.

Tatsächlich gibt es aus dem Kernkraftwerk in Fukushima aktuell auch wieder einmal Lecks zu berichten.

Insgesamt hat der heutige Freitag nicht nur im Bezug auf die Fukushima News nur wenig positives zu bieten, so dass man sich geradezu ins Wochenende retten möchte. Doch an dieser Stelle gibt es natürlich noch weitere Informationen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Wasseraustritt an Druckanzeiger der Cäsiumfilteranlage
  • Neustart der Stickstoffversorgung am AKW Fukushima löst erneut Alarm aus
  • Industrieminister eröffnet Fehlverhalten von Atomlobbyisten
  • Flug der Japan Airlines muss nach Sekten-Bombendrohung umkehren
  • Japan vollstreckt zwei Todesurteile
  • Premierminister Noda verspricht Treffen mit Atomkraftgegnern

Erneuter Alarm nach Neustart der Stickstoffversorgung am AKW Fukushima: Am 27. Juli 2012 war an der Gasabscheidung der Stickstoffversorgung für die Reaktoren 1 bis 3 ein Stopp der Versorgung festgestellt und zwei Alarmmeldungen „Problem am Kompressor“ und „schweres Problem am Inverter“ bestätigt (Spreadnews berichtete).

Im gestrigen Bericht fügte TEPCO hinzu, man gehen weniger von einem Komplettausfall, als vielmehr von einer Fehlfunktion des Geräts aus. Nach der Beurteilung durch ein technisches Untersuchungsgerät entschloss man sich, einen Testlauf durchzuführen.

Um 8:02 Uhr wurde der Testlauf begonnen und die Funktionsstand-Bestätigungsfunktion eingeschaltet. Mit dem manuellen Halt des Untersuchungsgeräts um 9:13 Uhr wurde aufgrund des  Inverterstopps auch die Funktionsstanderffassung abgestellt.

Da keine Fehlfunktion festgestellt werden konnte, erfolgte um 12:10 Uhr der Neustart des Stickstoff-Gasabscheiders A  und etwas später, um 12:27 Uhr wurde dann auch die Stickstoffversorgung wieder dazugeschaltet – wieder unter der Erfassung durch die Funktionsstand-Bestätigungsfunktion.

Um 14:03 Uhr ertönt dann ein Alarm am erdbebensicheren Hauptgebäude. Um 14:25 Uhr wurde offiziell der erneute automatische Stopp des Geräts bestätigt, so dass man auch das Bestätigungssystem abstellte. Nach Angaben von TEPCO wurden die gleichen Fehlermeldungen erneut ausgegeben.

Wasseraustritt an Druckanzeiger der Cäsiumfilteranlage: Am heutigen Freitag entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens auf einem Kontrollgang gegen 7:30 Uhr, dass aus dem Rohrverbindungsstück am Druckanzeiger des Filters für System B der zweiten Cäsiumadsorptionsanlage, Wasser entwich. Die Anlage wird mit zwei derartigen Systemen – A und B – betrieben.

Als Gegenmaßnahme habe man das Vinyl dort nachbehandelt und aushärten lassen. Da bei der ständigen Überwachung festgestellt werden musste, dass hierdurch der Wasseraustritt nicht aufgehalten werden konnte, wurde System B noch am selben Tag um 12:11 Uhr abgestellt. Man habe dann das Filtersystem B umgeleitet und das System und 22:20 Uhr neu gestartet.

Eine Kontrolle ergab, dass der Wasseraustritt aufhörte, nachdem man das System B abgeschaltet und die schadhafte Stelle mit wasserdichtem Band abgegedichtet hatte. Das System A lief unabhängig weiter. Die Durchflussrate sah wie folgt aus:

  • Vor- und nach dem Stopp von System B: 40 Kubikmeter pro Stunde.
  • Während des Stopps von System B: 20 Kubikmeter pro Stunde.

Industrieminister eröffnet Fehlverhalten von Atomlobbyisten: Japans Industrieminister Yukio Edano offenbarte auf einer Pressekonferenz am heutigen Freitag, dass sich mit Kyoji Yoshino,  Leiter der Atomenergie-Planungsabteilung der Behörde für natürliche Ressourcen und Energie, ein Teilnehmer der Regierungstreffen zur Zukunft von Japans Atompolitik, unangemessen verhalten habe.

Kyoshi Yoshino hatte dem Vorsitzenden der Atomenergiekommission des Kabinettsbüros, Shunsuke Kondo,  eine schritliche Stellungnahme zukommen lassen, in der die weitergehende Nutzung von Atomenergie favorisiert wurde.

Sein Vorgehen habe nach Aussage von Edano dem Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung geschadet, da der Eindruck entstehen konnte, die Regierung wolle Atomkraftwerke vorsätzlich in Betrieb lassen. Für sein Verhalten war Yoshino von der Behörde gerügt worden. Das berichtet die jiji.

Flug der Japan Airlines muss nach Sekten-Bombendrohung umkehren: Am Mittwoch erreichte das Kundenservice-Center der Japan Airlines (JAL) eine E-Mail, in der behauptet wurde, an Bord des JAL-Fluges 006, der sich auf dem Weg vom Narita International Airport (NRT) in Tokyo nach New York befand, sei ein Sprengsatz versteckt worden.

JAL: Japan Arlines Boeing 777 300 (Foto: pd)
JAL: Japan Arlines Boeing 777 300 (Foto symbolisch, pd)

In  der Bombendrohung wurde die Freilassung von Chizuo Matsumoto gefordert, der unter dem Namen Shoko Asahare der Gründer der Endzeit-Sekte Omu Shinrikyo war. Die Gruppierung hatte in den 1990ern als „Giftgas-Sekte“ durch Terrorakte Schlagzeilen gemacht. Matsumoto wurde zum Tode verurteilt und sitzt seitdem in der Todeszelle.

Die Maschine, die sich mit 265 Passagieren und Crew an Bord zu diesem Zeitpunkt über der Inselkette der Aleuten befand, kehrte daraufhin um und landete gegen 20:00 Uhr Abens auf dem Flughafen Narita.

Die Polizei wird bei den Ermittlungen vor allem überprüfen, ob tatsächlich Personen die in Verbindung mit der Sekte stehen, in den Zwischenfall verwickelt sind. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Die Religionsgemeinschaft, die sich seit 2000 „Aleph“ nennt, steht unter Beobachtung von Geheimdienst und Polizei, die mit Sonderbefugnissen jederzeit Razzien und Kontrollen durchführen kann.

Japan vollstreckt zwei Todesurteile: Japan ist neben den USA eine Industrienation ohne totalitäres Regime, in der noch die Todesstrafe verhängt wird. Doch noch seltener als ausgeprochen, wird das Urteil auch zeitnah vollstreckt, so dass in den Todeszellen die Insassen bereits seit Jahrzehnten auf ihre Hinrichtung warten und durch das Verbot von Fernsehen und Zeitungen in ihrer Zelle völlig isoliert sind.

Japanische Hinrichtungen in der Edo-Zeit (Foto: KJ)
Die Todesstrafe hat in Japan Tradition (Foto: KJ)

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Justizminister jeder Regierung versuchen, die Entscheidung zur Vollstreckung so lange hinauszuzögern, bis es zum Regierungswechsel kommt und man so der Verantwortung enthoben ist. Nun wurden unter dem neuen Justizminister Makoto Taki jedoch tatsächlich zwei zum Tode verurteilte Straftäter hingerichtet.

Damit sind unter der Regierung von Premierminister Yoshihiko Noda bereits fünf Menschen exektutiert worden. Damit gehen insgesamt sieben vollstreckte Todesurteile auf das Konto der regierenden  Demokratischen  Partei Japans DPJ.

Die letzten drei Todesurteile waren vor vier Monaten, am 29. März 2012 vollstreckt worden. Seit 2010 hatte es keine Hinrichtungen mehr gegeben.

Bei den jetzt hingerichteten Männern handelt es sich zum einen um den 40 Jahre alten Bauarbeiter Junya Hattori, 40, der im Jahr 2002 eine 19 Jahre alte Schülerin in der Präfektur Shizuoka zunächst sexuell missbraucht und dann sein Opfer, das noch bei Bewusstsein war, lebendig verbrannt hatte und dessen Todesstrafe 2008 in letzter Instanz bestätigt worden war.

Das zweite Opfer der Todesstrafe wurde der  31 Jahre alte Arbeitslose Kyozo Matsumura, wegen der Ermordung von zwei Angehörigen im Februar 2007. Er hatte seine damals 57 Jahre alte Tante in Nagaokakyo (Präf. Kyoto), sowie seinen 72 Jahre alten Großonkel in Sagamihara (Präf. Kanagawa) getötet und Geld, sowie Wertgegenstände entwendet.

Nach Angaben des Justizministeriums fanden die Hinrichtungen am Freitagmorgen statt. Über die doppelte Vollstreckung berichteten unter anderem die Mainichi Shimbun, Die Kyodo und die jiji.

Insgesamt befinden sich nach den heutigen Hinrichtungen derzeit 130 Insassen in den Todeszellen.

Der bekannteste Todeskandidat ist Sektenführer Shoko Asahara. Er wurde unter seinem Realnamen Chizuo Matsumoto wegen der Planung mehrerer Verbrechen, darunter der Sarin-Gasanschlag auf die Tokyoter U-Bahn 1995 zum Tode verurteilt. Trotz seines teilweise bizarren Verhaltens in der Haft gilt er als zurechnungsfähig.

Die Todesstrafe wird in Japan durch die so genannte Drosselhängung vollstreckt. Dabei wird dem Verurteilten die Schlinge um den Hals gelegt und er muss sich auf eine Klappe stellen. Dann drücken drei Justizbeamte gleichzeitig auf jeweils einen Knopf vor sich. Nur einer davon löst die Klappe aus und so bleibt für die drei Beteiligten unklar, wer den Delinquenten letztlich tötete.

Premierminister Noda verspricht Treffen mit Atomkraftgegnern: Japans Premierminister Noda versprach am heutigen Freitag noch einmal, er wolle sich in „nicht allzu ferner Zukunft“ mit Organisatoren der wöchentlichen Atomproteste treffen, heisst es von der Nachrichtenagentur Kyodo. Wie bereits berichtet, handelt es sich vermutlich jedoch mehr um ein „müssen“ statt möchten, da andernfalls der zu starke Eindruck eines Desinteresses an der öffentlichen Meinung entstehen könnte.

Tokyo: Demonstration von Atomkraftgegnern am 11.06.2011 (Foto: KJ)
Atomkraftgegner protestieren seit 2011 (Foto: KJ)

Thema der Gespräche wird der Neustart der Reaktoren des AKW Oi sein. Die Protestler fordern eine Abschaltung der Anlage, insbesondere da sich potentiell aktive geologische Verwerfungen unter mindestens einem der Reaktoren gefunden hätten. Von Noda wird wenig mehr als höfliches zu hören erwartet.

Unterdessen gibt es beim Mikrobloggingdienst Twitter unbestätigte Behauptungen, dass die Angestellte von Subunternehmen am AKW Fukushima keine Verpflegung durch TEPCO erhielten, sondern ihre eigenen Mahlzeiten mitbringen müssten. Auch würden sie entlassen, sobald sie einen Hitzschlag erlitten haben.

Durch diese Behauptungen würde ein am 31. Juli vom Kraftwerksbetreiber veröffentlichte Umfrageergebnis zur Versorgung der Angestellten von Subunternehmen in Frage gestellt, da dort auch Beschwerden über das Essen zu finden sind – das sie nach Behauptungen des Twitter-Accounts nie erhalten haben.