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Japan aktuell: Erste Bilder und Strahlungswerte der Kondensationskammern im AKW Fukushima

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AKW Fukushima: Tür der Kondensationskammer von Reaktor 2 am 14. März 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Tür der Kondensationskammer von Reaktor 2 am 14. März 2012 (Foto: TEPCO)

Mit einigen Aufnahmen illustriert die Betreiberfirma TEPCO eine gestrige Premiere. Denn erstmals haben Arbeiter einen weiteren Bereich des AKW betreten, so dass es aus dem AKW Fukushima aktuell neue Bilder zu sehen gibt. Doch da die Fukushima News in den wenigsten Fällen ausschliesslich positiver Natur sind, gibt es auch heute Meldungen die Kritik am Unternehmen und seinen Bemühungen üben. Weitere Neuigkeiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. März 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Erste Bilder und Strahlungswerte der Kondensationskammern
  • Verzögerung bei Preisgabe von SPEEDI-Daten bedauerlich
  • Stadtverwaltung von Naraha lehnt Zwischenlager ab
  • Früherer TEPCO-Vizepräsident entschuldigt und erklärt
  • Ex-Premier Kan nötigte TEPCO zum Handeln
  • Opfer der Giftgas-Sekte fordern schnellere Entschädigung

Erste Bilder und Strahlungswerte der Kondensationskammern im AKW Fukushima: Wie die NHK berichtet, wurden in der Nähe der Kondensationskammern von zwei Reaktoren des AKW Fukushima Daiichi hohe Werte von Radioaktivität gemessen, die es den Angestellten unmöglich machen, dort weitere Inspektionen durchzuführen. Der Betreiber TEPCO räumte nach der Inspektion ein, dort sei der Einsatz von Robotern erforderlich, da die dortigen Bedingungen den Einsatz menschlicher Arbeiter unmöglich machten.

Fukushima Reaktor 2 Blick im Torus im Nordosten am 14. März 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima Reaktor 2 Blick im Torus im Nordosten am 14. März 2012 (Foto: TEPCO)

Am gestrigen Mittwoch schickte TEPCO das erste Mal seit der Nuklearkatastrophe insgesamt sechs seiner Angestellten in die Kellerbereiche der Reaktoren 2 und 3 um dort die Kondensationskammern zu untersuchen. Diese liegen in Form eines Rettungsrings, eines so genannten Torus vor. Nach dem öffnen der Tür zur Kondensationskammern von Reaktor 2 maßen die Arbeiter dann eine Strahlenbelastung von bis zu 160 Millisievert pro Stunde.

Die Tür zur Kammer von Reaktor 3 war zu schwer beschädigt, um sie öffnen zu können. Diese Schäden seien vermutlich auf die Wasserstoffexplosion zurückzuführen. Der vor der Tür gemessene Höchstwert betrug 75 Millisievert pro Stunde.

Die vollständige Stillegung beinhaltet die Entfernung der geschmolzenen Brennelemente und die Auffüllung der Reaktoren mit Wasser. Hierfür ist jedoch zuvor eine Reparatur des Sicherheitsbehälters und der Kondensationskammern notwendig.

Die Mainichi Shimbun konzentrierte sich in ihrer Berichterstattung auf den Zustand der Kondensationskammern. So würden die von TEPCO gemachten Aufnahmen keine offensichtlichen Risse oder Deformierungen zeigen. Die Aufnahmen, bei denen es sich um die ersten Bilder aus dem Inneren dieses Teils des AKW Fukushima Daiichi handelt, stammen aus einem Video, das am Mittwoch beim Betreten des Kellerbereichs aufgenommen worden war.

Die Arbeiter waren nach Angaben von TEPCO einer maximalen Strahlungsdosis von 2,87 Millisievert ausgesetzt, der geringste gemessene Wert lag bei 0,67 Millisievert.

Japans Aussenminister Koichiro Gemba Im Jahr 2011 (Foto: pd)
Japans Aussenminister Koichiro Gemba Im Jahr 2011 (Foto: pd)

Verzögerung bei Preisgabe von SPEEDI-Daten bedauerlich: Japans Außenminister Koichiro Gemba äußerte ernsthaftes Bedauern über das Versäumnis der japanischen Regierung, die durch das SPEEDI (System for Prediction of Environmental Emergency Dose Information) berechneten Daten über die anzunehmende Verbreitung von radioaktivem Material, nicht unmittelbar nach dem Zeitpunkt des Fukushima-Unglücks veröffentlicht zu haben.

Gemba sagte bei einem Treffen des Haushaltsausschusses des Oberhauses, er halte die Verzögerung für bedauerlich, gerade weil er selber aus der Präfektur Fukushima stamme.

Gemba erklärte auf der anderen Seite, während die Informationen nicht öffentlich gemacht wurden, habe man die US-Streitkräfte in Japan bereits vom dritten Tag der Katastrophe an, kontinuierlich mit den Daten versorgt.

Über andere Details, etwa über Pläne eine mögliche Evakuierung der Hauptstadt Tokyo in Betracht zu ziehen, hatte man die US-Regierung in Washington dagegen offenbar nicht informiert. Jeffrey Bader, früher leitender Beamter der Regierung Obama, hatte Japan hierfür kritisiert. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Stadtverwaltung von Naraha lehnt Zwischenlager ab: Die Gemeindeverwaltung der Stadt Naraha, die aufgrund des Unglücks am AKW Fukushima Daiichi vollständig evakuiert wurde, verabschiedete ohne Gegenstimmen einen Antrag, der sich gegen die Einrichtung eines mittelfristigen Lagers für radioaktive Abfälle in der Ortschaft wendet.

Es bestünden Sorge, dass durch die Ansammlung großer Mengen radioaktiv kontaminierter Abfälle letztlich die Existenz des Ortes gefährdet werden könnte. Daher habe es bereits Bitten um einen Ablehnungsantrag durch eine Gegenbewegung gegeben.

Der Bürgermeister des Ortes, Takashi Kusano, der zumindest einen gewissen Grad an Zustimmung hatte erkennen lassen sagte, dies sei ein schlechter Zeitpunkt, da es noch keine diesbezügliche Erklärungen durch die Regierung in Tokyo gebe.Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Früherer TEPCO-Vizepräsidententschuldigt und erklärt: Mit Sakae Muto äußerte sich zum ersten Mal ein stellvertretender Vorsitzender des Energiekonzerns vor einer Kommission des japanischen Parlaments, die mit der Aufklärung der Umstände der Nuklearkatastrophe befasst ist. Nach Angaben von Muto habe TEPCO zumindest durch seine unzureichende Vorbereitung auf Naturkatastrophen eine Mitschuld an dem Atomunfall. Er war zuvor Teil der Abteilung gewesen, die sich mit der Möglichkeit eines 15,7 Meter hohen Tsunami befasst hatte.

Einige seiner Aussagen werfen ein  interessantes Licht auf die Vorgänge während des Beginns und dem Verlauf der Akutphase der Krise, in denen die mangelnde Koordinierung bei der Entscheidungsfindung deutlich wird.

So habe es beispielsweise bei der Einspeisung von Meerwasser zur Kühlung von Reaktor 1 Diskrepanzen zwischen den Erklärungen des Unternehmens und der japanischen Regierung hätten sich wiederholt geändert und widersprochen.

In der Nacht des 12. März 2011 wies das Büro des Premierministers den AKW-Betreiber TEPCO an, die Einspeisung von Meerwasser zu stoppen. Zu diesem Zeitpunkt ging Muto davon aus, die Anweisung sei vom damaligen Premierminister Naoto Kan gekommen. Er habe diese Entscheidung nicht nachvollziehen können, jedoch seine Meinung nicht geäußert und davon ausgegangen, ohne Erlaubnis des Premier sei eine Weiterführung der Kühlung nicht zulässig.

Masao Yoshida, der Leiter des Kraftwerks sah diese Anweisung jedoch als ungeeignete Maßnahme an und liess die Kühlung auf eigene Verantwortung weiter fortführen, da er die Kühlung als entscheidenden Faktor ansah. Rückblickend sei diese Entscheidung von einem technischen Standpunkt aus richtig gewesen, auch wenn sie die Befehlskette verletzt habe, so Muto.

Es sei zu Beginn der Ereignisse sehr schwierig gewesen einzuschätzen, ob sich eine Kernschmelze ereignet habe oder nicht, so Muto. Eine Absicht das Unglück weniger schwerwiegend wirken zu lassen, als dies der tatsächlichen Situation entsprach, bestritt er jedoch. Das Verhältnis zwischen Premierminister Kan und TEPCO sei sehr angespannt gewesen, dieser habe die Führung des Unternehmens in harschen Tönen beschimpft.

Der Artikel der Asahi Shimbun schliesst mit der Erkenntnis der Untersuchungskommission, TEPCO sei ganz offenbar nicht ausreichend vorbereitet gewesen.

Ex-Premierminister Kan nötigte TEPCO zum Handeln: Einem Bericht der Kyodo und der Yomiuri Shimbun zufolge, hat Ex-Premier Naoto Kan nachdem sich die erste Wasserstoffexplosion ereignet habe, offenbar ordentlich gegen die Verantwortlichen des Unternehmens ausgeteilt. Dies gehe aus Aufzeichnungen von TEPCO hervor. Kan habe dazu aufgerufen, die Lage unter allen Umständen wieder unter Kontrolle zu bringen.

Er wird unter anderem mit dem Worten zitiert, es spiele keine Rolle ob die Vorsitzenden die um die 60 Jahre alt sind, am Ort des Unfalls sterben würden, er werde schliesslich auch dorthin gehen.

Zudem würde die Situation zu diesem Zeitpunkt den Staat ruinieren. Wenn TEPCO das AKW jetzt aufgebe, könnte es zur Kernschmelze und zur Freisetzung von Radioaktivität kommen. In Anbetracht der Tatsache das TEPCO dies tatsächlich vorhaben können, sei er mehrmals sehr deutlich geworden und gesagt, das Unternehmen werde dann auf jeden Fall bankrott gehen, man könne nicht einfach davonlaufen.


Opfer der Giftgas-Sekte fordern schnellere Entschädigung: Mit Aleph sieht sich eine der so genannten neuen religiösen Bewegungen (Shinshukyo) in Japan weiterhin mit einer Entschädigungsklage in Millionenhöhe konfrontiert. Vor ihrer Umbenennung im Jahr 2000 hatte die Sekte unter dem Namen Omu Shinrikyo mehrere Anschläge verübt – der bekannteste davon der Anschlag mit dem Nervengas Sarin auf die U-Bahn von Tokyo im Jahr 1995.

Demonstration gegen die Omu Shinrikyo im Jahr 2009 (Foto: pd)
Proteste gegen die Omu Shinrikyo im Jahr 2009 (Foto: pd)

Eine Organisation, welche die Opfer der von Mitgliedern des Kultes verübten Verbrechen vertritt, fordert nun vor Gericht eine schnellere Auszahlung der zugesicherten Entschädigungen, da die Sekte über ausreichend finanzielle Mittel verfüge. Aum Shinrikyo hatte sich im Jahr 2000 bereit erklärt, man werde den Opfern innerhalb von fünf Jahren eine Zuwendung von 960 Millionen Yen auszahlen.

Nach Angaben der Kläger stehen jedoch noch etwa 160 Millionen Yen aus. Da ein Immobilienunternehmen, das von einem Sektenmitglied geführt wird, über genug Finanzmittel verfüge um ein Gebäude zu kaufen, sei die finanzelle Entschädigung schneller zu leisten, als dies bislang geschehen sei.

Eine weitere Forderung betrifft ein Verkaufsverbot von DVDs mit Aufnahmen der Reden des mittelrweile auf seine Hinrichtung wartenden, früheren Sektenführers Shoko Asahara (Realname: Chizuo Matsumoto). So erziele die Sekte trotz des Verlust des Copyrights weiteterhin Einnahmen mit dem Material. Das berichtet die NHK.

Nach Einschätzung der Polizei hätten sich Lehre und Methodik der Nachfolgeorganisation nicht wesentlich geändert, es würden weiterhin die von Asahara verkündeten Lehren befolgt. Die Sekte und die von ihr abgespaltenen Gruppierungen stehen unter Überwachung durch den Staat.