Start Aktuelles Japan aktuell: Erste große Katastrophenübung seit Unglück am AKW Fukushima

Japan aktuell: Erste große Katastrophenübung seit Unglück am AKW Fukushima

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Neujahrserdbeben trifft Japan
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Japan mit großer Katastrophenübung

Fast könnte man meinen, die realen Umstände seien nicht genug, wenn man von der Katastrophenübung in Japan hört. Doch tatsächlich gehören derartige Übungen, in deren Verlauf sich Bürger auch mit den jeweils aktuellen Erste-Hilfe-Sets für derartige Notfälle eindecken, zu den üblichen Geschehnissen in Japan.

So befremdlich es anmuten mag, ist diese Übung doch ein Zeichen um die Bemühung, neben der Vorbereitung auf Katastrophen und dem Umsetzen von neuen Sicherheitskonzepten auch in Japan aktuell etwas Normalität einkehren zu lassen. Immerhin ist es bezeichnend, dass erstmals seit 33 Jahren die Bevölkerung der Präfektur Fukushima unter zwei Millionen sinkt.

Informationen über realere Probleme und sonstige lnformationen, darunter auch Fukushima News und andere Dinge die mit Fukushima aktuell in Zusammenhang stehen, nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 01. September 2011

TPCO erwägt fluten der Reaktoren um Brennstäbe zu entfernen: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi teilte am Mittoch mit, man plane die Brennelemente aus Reaktor 1 zu bergen. Zu diesem Zweck sollen zunächst Aufräum- und Reparaturarbeiten erfolgen, bevor der Behälter dann gänzlich mit Wasser gefüllt wird. In der Vergangenheit hatte es mit dem Füllen Probleme gegeben, da Lecks aufgetreten und dort Wasser hinausgelangt war.

Durch das Wasser solle der Grad an Radioaktivität gedämpft werden, so dass Arbeiter unter sichereren Bedingungen dort arbeiten könnten. Allerdings betonte der Betreiber auch, es handele sich lediglich um die aktuellste mehrere möglicher Option die geprüft werden müssten

Radioaktive Asche soll in Zement gebunden werden: Das Umweltministerium hat eine Mitteilung herausgegeben, in der örtlichen Verwaltungen die Richtlinien für den Umgang mit radioaktiver Asche erläutert werden. Demnach gelten die folgenden Regelungen nur für radioaktiv belastete Asche mit Werten zwischen 8000 und 100 000 Becquerel pro Kilogramm Asche. Bei dieser handelt es sich um ein Nebenprodukt, dass bei der Verbrennung von Bauschutt aus den radioaktiv belasteten Trümmern entsteht.

Den Verwaltungen wurde einem Artikel der Mainichi Shimbun nach zugesichert, die Kosten würden mehrheitlich von TEPCO übernommen. Zur sicheren Lagerung der Asche soll diese mit Zement gebunden werden. In Bereichen, deren Erdreich besonders leicht radioaktives Cäsium aufnimmt, sollen zum Schutz des Grundwassers zunächst 50cm dicke Umhüllungen eingebracht werden, bevor dann das Asche-Beton-Gemisch ausgegossen wird.

Mit Preußisch Blau gegen radioaktives Cäsium: Bereits am 16. April berichteten wir über ein am Tokyo Insitute of Technology entdecktes verfahren, mit Hilfe des Pigments Preußisch Blau, radioaktives Cäsium aus Wasser zu binden. Nun findet das Pigment weiter Verwendung, diesmal soll jedoch Erdreich dekontaminiert werden.

Das japanische „National Institute of Advanced Industrial Science and Technology“ (AIST) konnte mit dem Einbringen einer Lösung aus Wasser und einer geringen Menge verdünnter Schwefelsäure in das radioaktiv belastete Erdreich verbunden mit einer Erhitzung der Mischung auf 95°C insgesamt 88 Prozent des enthaltenen radioaktiven Cäsium extrahieren. Wurde der Vorgang bei einer Erhöhung der Temperatur auf 200°C und unter Hochdruck wiederholt, so erhöhte sich die Ausschwemmung auf annähernd 100 Prozent.

Das Cäsium kann anschließend durch die Beigabe von Preußisch Blau vollständig aus der wässrigen Lösung extrahiert werden, so dass sich die Lösung mehrfach verwenden lässt. Aufgrund der geringen Konzentration der Säure, gibt es keine Schäden am Erdreich.

Über dieses neue Verfahren berichteten sowohl die Nachrichtenagentur Jiji, als auch die Asahi Shimbun.

Erster Besuch von Einwohnern des Ortes Okuma in der 3km Zone: Während der Reisbauer Naoto Matsumura als einziger verbliebener Einwohner des vollständig evakuierten Ortes Tomioka freiwillig in einem Gebiet lebt, zu dem Menschen der Zutritt gesetzlich untersagt ist, besuchte eine Gruppe von 238 Personen aus dem Ort Okuma unter Aufsicht der Behörden für zwei  Stunden ihre Häuser innerhalb der 3km Sperrzone um dort wichtige Gegenstände zu bergen.

Vergangene Woche hatte es bereits eine derartige Aktion für die Einwohner von Futaba, ebenfalls innerhalb der 3km Zone, gegeben. Dies melden Asahi und Mainichi Shimbun.

Japans erste große Katastrophenübung seit dem großen März-Erdbeben: Zum ersten Mal seit der Katastrophe von Erdbeben und Tsunami am 11. März wurde eine der jährlichen landesweiten Katastrophenübungen durchgeführt. Dabei wurden dieses Mal auch Lehren die man aus dem schweren Tohoku-Erdbeben gezogen hatte, in den Katastrophenplan einbezogen.

Nachdem der Rücktritt von Premierminister Naoto Kan seinen Nachfolger Yoshihiko Noda dazu nötigt ein neues Kabinett zusammenzustellen, fand die Übung noch unter der Leitung von Kan statt.

Das Szenario bestand aus einem Erdbeben der Stärke 7,3 mit einem Epizentrum in der nördlichen Bucht von Tokyo am frühen Morgen.

  • Die Mitglieder des Kabinetts kamen zu Fuß zur Arbeit, um einen möglichen Ausfall der Transportmöglichkeiten nachzustellen. Erstmalig wurde auch ein Kommunikationssystem eingesetzt, um die Sicherheit der Kabinettsmitglieder bestätigen zu können.
  • Ein simulierter Krisenstab wurde eingerichtet um Informationen über das Ausmaß der Schäden sammeln zu können und eine vorgetäuschte eilige Pressekonferenz statt, in der die Bevölkerung über das schwere Erdbeben informiert wurde.
  • Auch wurden schnelle Möglichkeiten erarbeitet, wie Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete geschafft werden können, ohne dass diese vorher explizit angefordert werden mussten.
  • Einen klaren Bezug zur jüngsten Katastrophe hatte Kans simulierte Auskunft für die Bevölkerung, eine sofort ergangene Tsunamiwarnung sei aufgehoben worden und auch „keine besonderen Vorkommnisse von den Atomkraftwerken gemeldet“ worden seien.

Neben der Politik beteiligten sich jedoch auch andere öffentliche Einrichtungen an der Katastrophenübung.

  • Der Betreiber des KW Hamaoka (Präf. Shizuoka), der Konzern Chubu Electric meldete etwa einen scheinbaren Störfall, bei dem durch einen Tsunami, der durch drei aufeinander folgende Beben entstanden war, die gesamte Elektriztitätsversorgung zusammenbrach und führte Übungen zum Vorgehen in einer solchen Situation durch.
  • Die East Japan Railway Co. führte eine Übung durch, bei der Angestellte die Fahrgäste eines automatisch angehaltenen Zuges in sichere Bereiche bringen mussten.
  • Das Tokyo Metropolitan Police Deparment führte eine groß angelegte Übung durch, bei der über 100 Schnellstraßen der Stadt blockiert wurden, um die Verkehrsüberwachung und das reibungslose Durchkommen von Rettungsfahrzeugen zu üben.

An der Aktion in insgesamt 35 Präfekturen des Landes nahmen etwa 517 000 Stellen teil. Lediglich die im März besonders schwer getroffenen Präfekturen Aomori, Fukushima und Miyagi nahmen dieses Jahr nicht teil.

Chiba gibt nach Strahlungstests Reis frei: Die Präfektur Chiba hat bei Tests in 52 Gemeinden und insgesamt 319 Stellen keine Belastungen festgestellt, die den gesetzlichen Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm Reis überschritten. Außer in zwei Fällen sei überhaupt keine radioaktiven Substanzen messbar gewesen, so ein Bericht der Nachrichtenagentur jiji. Lediglich in jeweils einem Bereich der Städte Ichikawa und Shiroi waren Belastungen von 46-47 Becquerel festgestellt worden, die damit immer noch weiter unter dem Grenzwert liegen. Aufgrund der positiven Testergebnisse wurden am heutigen Tag die Ausfuhrbeschränkungen aufgehoben.

Fleisch aus Fukushima bald wieder im Handel: Vergleichbares gilt für Fleisch aus der Präfektur Fukushima, auch dort wird zuvor gebannte Ware bald wieder im Umlauf sein. In insgesamt 29 der 34 getesteten Fleischproben war kein Cäsium nachweisbar, die übrigen fünf blieben mit ihren Werten bis 44 Becquerel pro Kilogramm weit unterhalb des gesetzlichen Grenze. Fleisch aus Gebieten, in denen nachweislich radioaktiv belastetes Reisstroh verfüttert wurde, sowie Fleisch von Rindern die im Umkreis von 20-30km um das Kraftwerk herum, oder solche die in radioaktiven Hotspots leben, werde weiteren kontinuierlichen Prüfungen unterzogen.

Kindern erhielten jahrelang eine Überdosis radioaktiver Substanzen: Am Stadtkrankenhaus Kofu wurden während der vergangenen 12 Jahre versehentlich Kindern in mindestens 85 Fällen eine Überdosis von Technetium, einem radioaktivem Element, dass als so genannter Tracer bei nuklearmedizinischen Untersuchungen dient, verabreicht.

Der stellvertretende Leiter Kenji Watanabe erklärte laut einer japanischen Zeitung, es gebe „keine unmittelbaren Effekte auf die Gesundheit, das Risiko künftig an Krebs zu erkranken könnte allerdings leicht steigen“. Die höhere Dosis war verabreicht worden, da für die Verteilung der Substanz im Körper eine Ruheposition des Patienten erforderlich sei. Da Kinder sich jedoch mehr bewegten habe man, um das Verfahren nicht unnötig zu verlängern, höhere Dosen verabreicht.

Kritiker sehen diesen Zwischenfall als ein weiteres Zeichen dafür, dass eine sichere Handhabung von Radioaktivität auch in friedlicher Nutzung nicht möglich ist.

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