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Japan aktuell: Erste Stufe der Arbeiten am AKW Fukushima offiziell abgeschlossen

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Das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan. (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Brennstäbe-Bergung begonnen
Tepco: Das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan. Foto: Tepco
AKW Fukushima: Von Erfolgsmeldungen und Krisenzeichen. Foto: TEPCO

Wie zuvor angekündigt, würde des Empire State Building in New York in den Nationalfarben des Fußball WM Gewinners erstrahlen und so leuchtete das Gebäude im Rot-Weiß der Flagge Japans. Doch immer noch ist Fukushima aktuell ein Thema und auch der Taifun Ma-On bleibt mit seinen sintflutartigen Regenfällen in den japanischen Medien. Zuletzt ist auch der Skandal um radioaktiv belastetes Rindfleisch für die Japaner weiter aktuell – hatte es doch in Japan erst im Mai mehrere Todesfälle durch Lebensmittelvergiftung in einer Kette von Yakiniku-Lokalen, die auf Fleischspießchen spezialisiert sind, gegeben.

Mehr Informationen zum Wetter und zum Fleischskandal in Japan, sowie die verfügbaren Fukushima News nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. Juli 2011.


Tepco gibt erfolgreichen Abschluss von Stufe Eins bekannt:
Regierung und TEPCO vermelden Erfolge bei der Abarbeitung der gesetzten Ziele – über deren Umfang kann man jedoch geteilter Ansicht sein. Der erste Schritt sei am 17. Juli und damit annähernd termingerecht abgeschlossen worden, allerdings mussten Regierung und TEPCO bei der bisherigen Abarbeitung der geplanten Schritte deutliche Abstriche einräumen.

Mängel bei der Erreichung von Schritt Eins: So sei zwar die Kühlung der Anlage nun durch die Kombination mit der Dekontaminationsanlage wassersparender, so dass der Pegel an radioaktiven Abwässern in den Keller nicht durch große Mengen ständig neuen Kühlwassers steigt, die sich angesammelt hatten, nachdem die Pläne zur Leckabdichtung am Reaktor aufgrund von zu hoher Strahlung eingestellt werden mussten. Allerdings erfüllt die Anlage nicht die ihr abverlangte volle Kapazität und durch Fehlerbehebungen wie Ventilabdichtungen sowie notwendige  Filterwechsel, bleibt das Gesamtkonzept hinter den Erwartungen zurück.

Auch die gesundheitlichen Probleme wie etwa die Zusammenbrüche von Arbeitern aufgrund von Hitze, Erschöpfung und Wassermangel sind keine Punkte, die auf dem Plan zum erfolgreichen Abschluss von Stufe Eins vorgesehen waren.

Pläne und Ziele für Schritt Zwei: Doch wie sehen nach den Vorstellungen der Regierung die nächsten Schritte und Ziele aus?Nach dem Abschluss von Stufe eins soll nun in den folgenden drei bis sechs Monaten die zweite Stufe anlaufen.  Zu den Zielen  gehört neben einer Senkung des Wasserstands in den Gebäuden, und dem Bau einer mindestens dreißig Meter tiefen unterirdischen Mauer zur Verhinderung von weiterer Kontamination des Grundwassers, vor allem der so genannte „Cold Shutdown“ der Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima.

Cold Shutdown als Primärziel: Was unter solch einer „Kaltabschaltung“ genau zu verstehen ist, war bislang recht unklar, doch nun hat die Regierung sich hierzu geäußert. Der so genannte Cold Shutdown sei erreicht, sobald es gelungen ist, die Temperatur am Boden des Reaktors auf 100°C oder darunter zu senken und tatsächlich ist dies eine Voraussetzung, will man das dort angesammelte Corium eines Tages sichern. Die Regierung nennt jedoch die deutliche Verringerung der Strahlendosis, der die Öffentlichkeit ausgesetzt ist, als Ziel des Shutdowns.

Der Cold Shutdown war zuvor als eine der Bedingungen genannt worden, um die 20km Zone um das AKW Fukushima Daiichi aufzuheben, allerdings gibt es bislang keine Vorgaben, ab welchem Strahlungslevel eine Rückkehr in diesen Bereich möglich ist.

Stillegung der Reaktoren in Fukushima vorerst Wunschtraum: Regierung und Medien sprechen angesichts der erfolgten Schritte und des Abschlusses der ersten Stufe des Plans vielfach schon von ersten „Vorbereitungen zur Stillegung der Reaktoren“ des AKW Fukushima Daiichi und der Abschluss von Stufe Zwei, der für den Januar 2012 geplant ist wird bereits als tatsächliche „Stilllegung des Atomkraftwerks Fukushima 1“ angesehen.

Japan ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt von einem tatsächlichen Erfolg in der Fukushima-Krise weit entfernt und die Arbeiten an der Anlage werden noch Jahre benötigen – in Anbetracht der bisherigen Serie an Pleiten, Pech und Pannen scheinen eine wirkliche Kontrolle, geschweige denn eine Stilllegung tatsächlich in den Sternen zu stehen.

Doch es gibt weiteres aus Japan zu berichten:


Taifun Ma-On bringt heftige Regenfälle:
In Japan wird der Weg des Taifun von den Bürgern verfolgt, auch Sicherheitshinweise werden gegeben. Durch bisherige Regenfälle von 600mm/h sind Gebiete auf der südlichen Hauptinsel Shikoku extrem unsicher, es muss mit Erdrutschen gerechnet werden.

Bis zum Mittwoch werden für die Kanto-Region (u.a. die Städte Tokyo, Chiba, Yokohama) um 250mm/h  und für die Region Kinki (u.a. die Städte Kyoto, Osaka) sowie für Shikoku 800mm/h an Regen erwartet

AKW Fukushima Daiichi und weitere Taifunvorbereitungen: Wettervorhersagen zufolge, wird der Taifun Ma-On über Nacht vermutlich einen Weg nehmen, der ihn nicht in unmittelbare Nähe zum zerstörten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi bringt, so die Einschätzung einiger Meteorologen. Trotzdem arbeitet der Betreiber der Nuklearanlage, der Energiekonzern TEPCO weiter daran, die verbliebenen Gebäudereste möglichst regendicht zu schützen, um Schäden durch den Wind und einen möglichen Anstieg des Wasserpegels durch heftige Regenfälle zu verhindern.

Nachdem am gestrigen Montag bereits eine erste große Dachöffnung im Turbinengebäude von Reaktor 3 in einer sechsstündigen Aktion mit einem dreiteiligen Schutzdach, dessen Einzelteile je fünf  Meter lang und 16 Meter breit sind versehen werden konnte, soll am heutigen Dienstag eine weitere Öffnung geschlossen werden. Beide waren durch Wasserstoffverpuffungen in den angrenzenden Reaktoren entstanden.

Durch den EInsatz von Sandsäcken soll das Einlaufen von Regenwasser über den Boden verhindert werden, so die Berichterstattung der NHK.

Toyoto baut Fahrzeuge künftig in Katastrophenregion Iwate: Der japanische Automobilkonzern Toyota hat am heutigen Dienstag angekündigt, künftig kleinere Hybridfahrzeuge in der Präfektur Iwate fertigen zu lassen. Mit der Jahresproduktion von schätzungsweisen 100.000 Fahrzeugen will  der Autohersteller der vom Erdbeben und Tsunami schwer getroffenen Präfektur wirtschaftlich helfen. Das meldet die Nachrichtenagentur Jiji.

Fleischkrise: Regierung  stoppt Fleischlieferungen aus der Präfektur Fukushima: Die japanische Regierung hat einen Ausfuhrstopp von Rindern aus der Präfektur Fukushima angeordnet. Das melden die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji. Die Auslieferung sei gestoppt, bis die Sicherheit des Fleisches wieder garantiert werden könne.

Regierungssprecher Yukio Edano entschuldigte sich für die schlechte Informationspolitik der Regierung, nachdem mehrere Landwirte geklagt hatte die Bitte der Regierung keine Futtermittel zu nutzen die im Freien gelagert worden seien, habe sie nicht, oder zu spät erreicht.

Besonders die Verkäufer des belasteten Reisstrohs machen die Regierung für das Ausmaß der Verbreitung verantwortlich und fordern ebenso wie die Rinderzüchter finanzielle Entschädigung von der Regierung. Zugleich leiden auch Barbecue-Restaurants und die sonst beliebten Lokale für Yakitori (Fleischspieße) unter der Angst vor dem „Atomfleisch“, wie es einmal reisserisch genannt wurde.

Fleischkrise: Zahl der betroffenen Rinder bei 648: Die Zahl der Rinder, die mit radioaktiv belastetem Reisstroh gefüttert und ins gesamte Land ausgeliefert wurden, hat sich nach Angaben von NHK und Yomiuri Shimbun mittlerweile auf 648 erhöht. Betroffen sind auch Betriebe in den Präfekturen Yamagata und Niigata die belastetes Reisstroh aus der Präfektur Miyagi zur Fütterung genutzt hatten.

Die höchste Belastung wies dabei Reisstroh aus der Stadt Motomiya in der Präfektur Fukushima auf.  hier wurden 690.000 Becquerel radioaktives Cäsium pro Kilo Reisstroh festgestellt.

Fleischkrise: Belastetes Rindfleisch betrifft über die Hälfte der Präfekturen: Nach Angaben der Yomiuri Shimbun sollen bereits in 37 der 47 Präfekturen Japans Fleisch von Rindern geliefert worden sein, die mit Reisstroh gefüttert worde waren, dessen Werte an radioaktivem Cäsium die gesetzlich zulässige Höchstmenge überschritten. In insgesamt 35 Präfekturen soll das Fleisch darüber hinaus auch an den Verbraucher gelangt sein, so die Zeitung nach Auswertung von Aussagen.

Fleischkrise: Alle Präfekturen sollen Viehfutter testen: Landwirtschaftsminister Michihiko Kano rief alle 47 Präfekturen des Landes dazu auf, dortiges Viehfutter auf mögliche radioaktive Kontamination zu testen, das meldet die NHK. Auslöser für diese Entscheidung war der Fund von kontaminiertem Reisstroh in den Präfekturen Niigata und Yamagata, die aus Miyagi geliefert worden waren. Kano erklärte, man werde eng zusammenarbeiten um eine weitere Verfütterung von Cäsium-belasteten Stroh zu verhindern.

Fleischkrise: Kompletter Rinderbestand der Präfekturen Fukushima und Miyagi soll getestet werden: Wie die Leitung der Präfektur Fukushima bekannt gab, soll bis zum 3. August der gesamte Viehbestand der 4000 Rinderfarmen getestet werden, so ein Bericht der Yomiuri Shimbun. Die Untersuchungen des Bestand der 915 Viehbetriebe in der Präfektur Miyagi begann bereits am Freitag.

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