Start Aktuelles Japan aktuell: Erstes Vertriebsverbot für Pilze und Bambussprossen nach neuen Grenzwerten

Japan aktuell: Erstes Vertriebsverbot für Pilze und Bambussprossen nach neuen Grenzwerten

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Onigiri: Reisball mit Nori-Alge. (Foto: KJ)
Onigiri: Der Reisball mit Nori-Alge. (Foto:Copyright by KJ)
Onigiri: Reisball mit Nori-Alge. (Foto: KJ)
Onigiri: Reisball mit Nori-Alge. (Foto: KJ)

Das mitnichten nur japanische Atomkraftwerke eine potentielle Gefahr für die Umwelt sein können, zeigte der gestrige Zwischenfall am AKW Penly. Dort war es zu einem Brand gekommen und kontaminiertes Wasser sei ausgetreten, wenn auch nach Betreiberangaben nicht in die Umwelt gelangt.

Allerdings hat Japan als Folge der Krise am AKW Fukushima aktuell auch andere Hindernisse zu bewältigen. Neben den Bestimmungen zu AKW-Neustarts, werden auch Auswirkungen auf Lebensmittel in Japan erneut deutlich. Mehr Fukushima News und weitere Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. April 2012.

Erstmalig Vertriebsverbot nach neuem Grenzwert:Am gestrigen Donnerstag hat die japanische Regierung erstmals ein Vertriebsverbot für Lebensmittel erlassen, die über dem neuen verschärften Sicherheitsstandard liegen.

Nachdem in der Ortschaft Murata (Präf. Miyagi) Shiitake mit einer Belastung von 350 Becquerel pro Kilogramm festgestellt worden waren, wurde der Gouverneur der Präfektur, Yoshihiro Murai angewiesen, den Vertrieb der Pilze zu verhindern.

Eine derartige Verbotsanordnung erhielt auch Kensaku Morita, Goueverneut der Präfektur Chiba. In diesem Fall gilt das Verkaufsverbot für Bambussprossen aus den Städten Kisarazu and Ichihara. Hier waren Werte von 110 Becquerel bzw 120 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen worden, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Stadt bietet Einwohnern einen Strahlungsmessungsdienst: Die Stadt Utsunomiya City, nördlich von Tokyo, stellt seinen Einwohnern auf Wunsch einen Dienst zur Strahlungsmessung von Gebäuden zur Verfügung. Der Bürger kann mit einem einfachen Telefonanruf um eine derartige Prüfung bitten. Angestellte der Stadt besuchen dann den Bewohner und messen an drei gewünschten Orten die Strahlung. Das Ergebnis wird direkt nach der Überprüfung mitgeteilt.

Die Stadt will ihre Dienstleistung, die nach den Berichten über Hot Spots in mehreren Städten ins Leben gerufen wurde, um den Bürgern mehr Sicherheit zu geben, bei einem Pensum von fünf Häusern am Tag bis Ende September fortführen. Neben den Anfragen durch Bürger messen die Angestellten auch die Belastung in öffentlichen Einrichtungen und Schulen.

Bislang liegen alle Messergebnisse unter dem Richtwert von 0,23 Mikrosievert pro Stunde, ab dem die Regierung die Kosten für Dekontamination übernimmt.

Verbraucher wählen billigen Importreis: Nachdem als Folge der Fukushima-Krise die Preise für heimischen Reis in die Höhe schnellten,ist nun eine zunehmende Zahl von Kunden dabei, sich für günsteren Importreis zu entscheiden. Daher greifen auch Lebensmittelbetriebe auf diese Quelle zurück.

Nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei betrug der durchschnittliche Handelspreis im Februar 15.327 Yen pro 60 Kilogramm, was einem Anstieg vom 21 Prozent zum Vorjahr entspricht. Im Juli vergangenen Jahres trat ein Gesetz in Kraft, dass Restaurantbetreiber dazu zwingt, Reiskäufe zu protokollieren und die Herkunft auszuweisen, so dass es unter anderem auch den Verbrauchern leichter fällt nachzuvollziehen, wo ausländischer Reis Verwendung findet.

So begann etwa Seiyu GK, Betreiber einer großen Supermarktkette am 10. März damit, in allen 149 Filialen in Tokyo und Ablegern in fünf weiteren Präfekturen, Reis aus der chinesischen Provinz Jilin zu verkaufen. Dieser Reis wird aufgrund der Tatsache, dass er um 20 prozent günstiger ist, als der preiswerteste heimische Reis, zunehmend populärer, so dass auch der Supermarktkettenbetreiber erstaunt ist.

Tokyo: Kaiten-Sushi-lokal (Foto: KJ)
Sushi-Lokal in Tokyo (Foto: KJ)

Weitere Anbieter die auf ausländischen Reis zurückgreifen sind etwa eine Sushi-Restaurantkette in Saitama, die bereits seit Januar auf Reis aus den USA setzt und das Unternehmen Matsuya Foods, dass eine Reihe von Gyudon-Lokalen betreibt und dort einheimischen und australischen Reis mischt. Da es sich bei Gyudon um ein Gericht handelt, das im wesentlichen aus Reis, gekochtem Rindfleisch und Soße besteht, bevorzugt der Betreiber härtere Reissorten, da diese die Soße nicht zu sehr aufsaugen.

Vor allem aufgrund des Engpasses im heimischen Hartreisangebot habe man auf australischen Reis zurückgegriffen und dabei festgestellt, dass die härtere ausländische Sorte ein besseres Geschmackserlebnis beim Gyudon biete, als der weichere japanische Reis.

Ein Problem bei der Einfuhr von ausländischem Reis sind diesbezügliche Begrenzungen.  Gegenwärtig erhebt Japan einen Zoll von 778 Prozent auf die Reiseinfuhr, um heimische Reisbauern zu schützen, was zur Folge hat, das jährlich nur 100 bis 200 Tonnen pro Jahr eingeführt werden.

Gegenwärtig genutzter Reis geht daher auf eine Handelsvereinbarung aus dem Jahr 1993 zurück, bei dem eine gewisse Menge jährlich zollfrei eingeführt werden muss, so dass etwa 770.000 Tonnen jedes Jahr unter dieser Mindestzulassung importiert werden, während die heimische Reisproduktion bei acht Millionen Tonnen liegt.

Bislang wurde dieser zwangsweise zollfrei eingeführte Reis lediglich als Viehfutter und Zutat in industriell gefertigten Lebensmitteln verwendet, oder als Hilfsgüter ins Ausland geliefert wurden.

Als Grundnahrungsmittel kann Reis im Rahmen des Mindesteinfuhr-Abkommens jedoch nur bis zu einer Menge von maximal 100.000 Tonnen eingeführt werden, doch die steigende Nachfrage könnte Forderungen nach einer Lockerung dieser Regelung nach sich ziehen, so auch das Fazit des Artikels der Yomiuri Shimbun.

Erste Sicherheitskonzepte beschlossen: Japans Regierung ist dabei, neue Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke zu entwerfen. Auf diese habe man sich am gestrigen Donnerstag geeinigt und sollen auch die Erkenntnisse beinhalten, die man aus der Fukushima-Krise habe ziehen können. Dabei betonte die Atomsicherherheitsbehörde NISA, bei dem nun ausgearbeiteten 30-Punkte-Plan, handele es sich nicht um jene Vorgaben, die von Gemeinden als Bedingungen für den Neustart von AKW gefordert werden. Vielmehr sei der 30-Punkte-Plan einer der Schritte auf dem Weg zur Findung neuer Sicherheitsvorgaben, meldet die NHK.

Die 30 Punkte berücksichtigen zunächst jene Faktoren, welche die Fukushima-Krise möglich gemacht hatten. So sollen etwa mehrere Nostromgeneratoren an unterschiedlichen Orten in gesicherter Position genutzt werden, und auch die elektrischen Elemente sollten auf mehrere Standorte verteilt werden, um einen Totalausfall zu verhindern.  Neben einem allgemeinen Schutz vor Tsunami müssten etwa die auch im Notfall genutzten Zentralen sowohl erdbebensicher gebaut sein, als auch gegen starke Strahlung geschützt werden. Auch das Ablassen von Dampf und die Verwendung von Kommunikationssystemen und Ventilen müsse gewährleistet werden.

Nach Angaben der NISA handelt es sich bei 13 der 30 Punkte um Notfallmaßnahmen, die teilweise schon umgesetzt wurden. Die weiteren stellen mittel- bis langfristig angelegte Maßnahmen dar, die neue Anlagen und Ausrüstung erforderlich machten.

Bitte um Neustart-Erlaubnis in Kürze erwartet: Unter Berufung auf entsprechende Quellen berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo gestern, Japans Premierminister Yoshihiko Noda wolle frühestens am Sonntag seinen Industrieminister Yukio Edano zu einem Treffen mit Issei Nishikawa, Gouverneur der Präfektur Fukui entsenden um diesem zu vermitteln, dass ein Neustart der Reaktoren 3 und 4 am örtlichen AKW Oi sicher sei, wenn dieses dem diese Woche beschlossenen vorläufigen Sicherheitsstandard entsprechen.  Diese Eignung muss jedoch zunächst geprüft werden.

Industrieminister Yukio Edano sagte am heutigen Freitag , man werde den Betreiber der Anlage, Kansai Electric, dazu auffordern, einen Zeitplan für die Einführung von Sicherheitsmaßnahmen an den beiden Reaktoren vorzulegen, bevor der Neustart des AKW Oi erlaubt werden könne. Nach Vorlage dieser Dokumente wird erwartet, dass Noda, Edano sowie zwei weitere Minister frühestens nächste Woche entscheiden werden, ob der Neustart beider Reaktoren sicher genug ist.

Erst nach der Feststellung, dass die Maßnahmen geeignet seien, werde Yukio Edano in die Präfektur Fukui reisen um den dann gewonnenen Standpunkt mit Gouverneur Nishikawa zu diskutieren. Auch wenn Premierminister Noda zuvor gesagt hatte, man werde keine Entscheidung ohne Einbeziehung örtlicher Stellen treffen, so liegt die letztliche Entscheidungsgewalt bei ihm.

Keine Neustarts ohne Energiebedarf: Japans Industrieminister Yukio Edano sagte im Rahmen einer heutigen Pressekonferenz, die Regierung werde den Neustart von Reaktoren nicht genehmigen, sofern keine Elektrizitätsknappheit dies erforderlich mache. Der Minister unterstrich den Standpunkt, dass die Regierung nicht nur die Übereinstimmung mit den Standards zur Reaktorsicherheit prüfen, sondern auch das Gleichgewicht des Energiebedarfs in die Entscheidung über einen Neustart einfliessen lassen werde. Zuvor war erwartet worden, Edano werde am Sonntag in der Präfektur Fukui für einen Neustart des AKW Oi werben. Das meldet die Nachrichtenagentur jiji am heutigen Freitag.

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