Start Aktuelles Japan aktuell: Erstmals Endoskop in Fukushima-Reaktor eingeführt

Japan aktuell: Erstmals Endoskop in Fukushima-Reaktor eingeführt

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Endoskopie im Inneren von Reaktor 2 am 19, Januar 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Endoskopie im Inneren von Reaktor 2 am 19, Januar 2012 (Foto: TEPCO)
Endoskopie im Inneren von Reaktor 2 am 19, Januar 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Endoskopie im Inneren von Reaktor 2 am 19, Januar 2012 (Foto: TEPCO)

Wenn Völkerverständigung immer so harmonisch wäre, wie im Fall eines zwei Monate alten Mischlingswelpen in Südkorea, der sowohl eine nordkoreanische, als auch eine südkoreanische Rasse in sich vereint und sein 80 Jahre altes dementes Herrchen nach einem Unfall in den Bergen warm hielt, bis Rettung eintraf, wäre sicher vieles einfacher. Verständigungsprobleme gab es bei TEPCO bereits technischer Art – und wie Berichte zur Entwicklung der Situation in Fukushima aktuell zeigen, sogar in anderem Ausmaß als bislang gedacht.

Im Zusammenhang gibt es jedoch auch weiteres zu berichten, unter anderem über die bereits im Titel genannte Endoskopie, die mittlerweile auch erste Bilder lieferte. Daher an dieser Stelle wie üblich weitere Fukushima News und sonstige Meldungen im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. Januar 2012.

Endoskop in Fukushima-Reaktor eingeführt: Am Dienstag begannen, einem Bericht der NHK zufolge, am AKW Fukushima Daiichi die Arbeiten zur Einschleusung eines Endoskops in den Sicherheitsbehälter von Reaktor 2. Zwar  ist bekannt, dass es in den Reaktoren 1, 2 und 3 des Kraftwerks zu Kernschmelzen gekommen, aber der genaue Zustand und wo im Behälter sich das aus dem radioaktiven Material zusammengeschmolzene Corium befindet, sind bislang lediglich Objekt von Berechnungen und Einschätzungen.

Am heutigen Donnerstag meldet der Kraftwerksbetreiber einen seiner eher seltenen Erfolge. In der Tat sei es gelungen, ein Industrie-Endoskop in den äußeren Sicherheitsbehälter (PCV) am Reaktor 2 zu schieben. Zuvor hatte ein Testlauf am Reaktor 5 stattgefunden.

Endoskopie in Fukushima-Reaktor 2 am 19. Januar 2012 (Foto: TEPCO)
Endoskopie-Aufnahme in Fukushima-Reaktor 2 am 19. Januar 2012 (Foto: TEPCO)

Das verwendete Gerät hat einen Durchmesser von 8,5 Milimeter und ist an seiner Spitze mit einer um 360 Grad schwenkbaren Kamera, sowie einem Thermometer ausgestattet. Mit letzterem soll die Temperatur innerhalb des Reaktors und, soweit erreichbar, auch des im Reaktor vorhandenen Wassers ermittelt werden. Um die erhaltenen Daten möglichst genau zu halten, hat TEPCO die Temperatur um den Druckbehälter, der sich innerhalb des Sicherheitsbehälters befindet gemessen, so dass die Toleranzspanne der Fehlerquote bei etwa 20 Grad liegt.

Der gesamte Einsatz dauerte 70 Minuten. Mit ersten Ergebnissen der Auswertungen wird noch am heutigen Tag gerechnet, melden japanische Medien wie die Nachrichtenagentur Kyodo.

Reaktorüberwachung hatte keinen Notstrom: Unterschiedliche Untersuchungskommissionen kommen trotz gänzlich unterschiedlicher Schwerpunkte ihrer Nachforschungen zum Reaktorunglück von Fukushima, immer wieder zu einem ähnlichen Fazit: Nachlässigkeit, Mängel im Sicherheitskonzept und fehlende bauliche Sicherungsmaßnahmen haben die Katastrophe in ihrem Ausmaß begünstigt.

So berichtet die Nachrichtenagentur jiji heute, TEPCO habe eingeräumt, dass die Anlage, deren Aufgabe es ist, Daten über Temperatur, Druck sowie weitere Messwerte an die Echtzeit-Reaktorüberwachung des „Emergency Response Support Systems“ (ERSS) zu übertragen, zum Zeitpunkt des Unglücks über keine Notstromversorgung verfügte.  Diese war im November 2010 während Arbeiten am System entfernt worden.

Nach eigener Einschätzung hätte das Datenübertragungssystem andernfalls bis zum Zusammenbruch des Katastrophen-Kommunikationssystens der Regierung noch etwa zwei Stunden lang Informationen senden können.

Hohe Werte an radioaktivem Cäsium in Feuerholz-Asche gefunden: In Nihonmatsu, wo der erste Fall von radioaktiv kontaminiertem Beton bekannt geworden war, wurde nun auch in der Asche von Feuerholz hohe Werte an radioaktivem Cäsium festgestellt. Wie das Umweltministerium heute mitteilte, konnten während der Tests die auf Anfrage der Stadtverwaltung von der japanischen Atomenergiebehörde JAEA bei diesem und einem weiteren Gebäude durchgeführt worden waren, 43.780 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen werden.

Das verbrannte Holz war zusammen mit dem übrigen Feuerholz noch vor Beginn der Krise im Freien gelagert worden und daher vermutlich der direkten Belastung durch radioaktives Material ausgesetzt. Auch im übrigen Holz konnten bis zu 4.395 Becquerel nachgewiesen werden.

Radioaktiver Beton bei Böschung verwendet: Bei einer Böschung in Motomiya (Präf. Fukushima) ist offenbar radioaktiv belastetes Gestein bei der Herstellung des Betons verwendet worden. Wie die Präfekturleitung mitteilte, wurde im Abstand von einem Zentimeter über dem Boden eine Strahlung in Höhe von 1 Millisievert pro Stunde nachgewiesen.

Bislang hat die Regierung seit der Entdeckung des kontaminierten Gesteins in einem Steinbruch bei Namie insgesamt 11 bauliche Strukturen, wie Häusern, Straßen und Flüssen überprüft, bei denen die Verwaltung nach der Fukushima-Katastrophe Bauarbeiten durchgeführt hatte.

Es handelt sich somit um das dritte Mal, dass hohe Werte an radioaktivem Material in Beton nachgewiesen werden konnten, seit die Kontamination des Betons bei einem Wohnkomplex in Nihonmatsu entdeckt worden war.

Einwohner von Fukushima essen stärker verstrahlte Nahrung: Eine gemeinsame Studie der Abteilung für Gesundheit- und Umweltwissenschaften der Universität Kyoto und der Asahi Shimbun zeigt, dass die Einwohner der Präfektur Fukushima stärker mit radioaktivem Cäsium belastete Lebensmittel konsumieren, als die Bewohner übriger Landesteile.

Im größeren Maßstab der Studie wurden die Lebensmittel und Getränke von 53 Haushalten am 4. Dezember 2011  in ganz Japan  herangezogen. Insgesamt 26 der Haushalte stammten aus der Präfektur Fukushima und 16 aus der Region Kanto, in der auch Japans Haupstadt Tokyo liegt. Die übrigen 11 verteilten sich auf Westjapan (Regionen Chubu, Kansai und Kyushu).

Alle Haushalte wurden angewiesen, die Speiseproben mit genau den gleichen Zutaten zuzubereiten, die sich auch normalerweise nutzten. Besonders viele Haushalte der Präfektur Fukushima griffen dabei auf vor Ort angebaute Gemüsesorten zurück.

Die mittlere tägliche Aufnahme von radioaktivem Cäsium in den 26 Haushalten der Präf. Fukushima betrug 4,01 Becquerel. Ein Mittelwert war anstelle eines pauschalen Durchschnitts herangezogen worden, da es keine genauen Zahlen zu Proben unterhalb der Nachweisgrenze gab.

Die jährliche Dosis einer derartigen Fukushima-Ernährung wurde auf 0,023 Millisievert beziffert, was deutlich unter dem neuen Sicherheitsstandard von 1 Millisievert liegt. Die höchste tägliche Aufnahme durch Fukushima-Mahlzeiten  betrug 17,30 Becquerel, was zu einer geschätzten Jahresdosis von 0,1 Millisievert führe – ein Zehntel des neuen Sicherheitsstandards.

Es bestehe somit keine Gesundheitsgefahr, besonders durch eine vielseitige ausgewogene Ernährung mit Lebensmitteln aus allen Landesteilen könnte dazu beitragen die örtliche Belastung durch Nahrungsmittel zunehmnend auszudünnen.

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