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Japan aktuell: Ex-Fukushima-Arbeiter klagt gegen Subunternehmer

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AKW Fukushima: Arbeiter in Reaktor 2 am 19. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Arbeiter in Reaktor 2 am 19. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
Tepco: Arbeiter in Reaktor 2 am 19.05.2011 Foto: Tepco
Fukushima-Arbeiter fordert Entschädigung (Foto: Tepco)

Aufgrund neuer Meldungen stehen die Arbeiter am AKW Fukushima heute verstärkt im Mittelpunkt des Artikels.

Es geht nicht nur um finanzielle Entschädigung, sondern auch um die gesundheitlichen Folgen, mit denen sich die Arbeiter in Zukunft möglicherweise noch konfrontiert sehen werden.

Zumindest für sie wird das Thema Fukushima aktuell bleiben, selbst wenn jede Berichterstattung eingestellt würde.

Doch bei uns gibt es auch heute Fukushima News, sowie weitere Meldungen im Spreadnews Japan-Ticker vom 1. November 2012

Unsere heutigen Themen:

  • Ex-Fukushima-Arbeiter klagt gegen Subunternehmer
  • Strahlungsbelastung von Fukushima bekannt gegeben
  • Tokyoter Verwaltung mit Insel-Katastrophenübung
  • Start der Warm Biz-Kampagne
  • Schulen spenden durch Energiesparmaßnahmen für Fukushima
  • Historische Vorwürfe gegen Japan
    • Japan stimmte vor UN für Südkorea
    • China fordert bei UN-Treffen Entschädigung von Trostfrauen
    • Nord/Südkorea fordert bei UN-Treffen Entschädigung von Trostfrauen

Ex-Fukushima-Arbeiter klagt gegen Subunternehmer: Auf einer Pressekonferenz erklärte ein früherer Kraftwerksangestellter, der aus Angst vor der Stigmatisierung seiner Familie anonym bleiben will, die Hintergründe für eine von ihm eingereichte Klage gegen seinen früheren Arbeitgeber.

Der fragliche Subunternehmer habe ihn und weitere Arbeiter wissentlich in extrem stark verstrahlten Bereichen der Anlage arbeiten lassen, ohne sie selber von dem besonderen Risiko in Kenntnis zu setzen.

Der 46 Jahre alte Mann, der zwischen März und April 2011 am AKW Fukushima Daiichi arbeitete, war am 24. März 2011 gemeinsam mit fünf Kollegen angewiesen worden, im Kellergeschoss und dem Turbinengebäude von Fukushima-Reaktor 3 Kabel zu verlegen, um die Kühlwasserpumpen wieder mit Elektrizität zu versorgen.

Es habe keinen Hinweis gegeben, dass dort Wasser eingedrungen sei, so dass nur zwei Arbeiter kniehohe Stiefel getragen hätten.

Während TEPCO seine Angestellten aufgrund der extrem hohen Strahlungswerte von 400 Millisievert pro Stunde schließlich aus dem Keller abzog, hätten er und weitere Arbeiter  vom Subunternehmen Kadenko, dass seinem übergeordnet war, die Anordnung erhalten, dort zu bleiben. Die automatischen Alarme der Dosimeter seien praktisch ignoriert und als Fehlfunktion bezeichnet worden.

Der Arbeiter schilderte, wie Mitglieder seines Arbeitstrupps, deren einzige Beleuchtung die Helmlampen waren, in der Finsternis durch das knöcheltiefe, dampfende radioaktive Wasser im Kellergeschoss wateten. Er selbst habe den Befehl dort Kabel zu befestigen verweigert, da er nur kurze Stiefel angehabt habe. Drei Kollegen hätten die Arbeit getan und ihn, sowie einen weiteren Arbeiter die im Erdgeschoss blieben, so vor Verletzungen bewahrt.

Alleine dort war er über eine Stunde lang einer Belastung von etwa 11 Millisievert pro Stunde ausgesetzt. Drei Männer der Gruppe seien während der folgenden Arbeiten noch mehrmals in den Keller hinabgestiegen. Mitarbeiter hätten sich durch das in die kurzen Stiefel eindringende Wasser auch Verbrennungen zugezogen.

Nun klagt der ehemalige Arbeiter, der kurz nach seinem dortigen Einsatz aufgrund der Überschreitung des Jahresgrenzwerts, seine Arbeit dort einstellen musste und argumentiert, der Subunternehmer Kandenko habe gegen das Gesetz zur Sicherheit und Gesundheit in der Industrie verstoßen.

Die Behörden müssten den Hauptvertragspartner Kandenko und den Kraftwerksbetreiber TEPCO zu Korrekturmaßnahmen in Richtlinien und Vorgaben zur Arbeitssicherheit verpflichten. Er sehe die Hauptfunktion seiner Lage darin, den dort noch tätigen Angestellten ein sicheres arbeiten zu ermöglichen.

Allerdings fordert er auch juristische Folgen und fordert von dem Unternehmen, dass ihn in die Aufgaben eingewiesen hatte die Zahlung von bis zu 500.000 Yen, oder sechs Monate Haft für die Verantwortlichen und beruft sich dabei auf das entsprechende Arbeitsschutzgesetz. Mittlerweile arbeitet der Kläger bei der Dekontamination von Hot Spots.

TEPCO hat nach Angaben der NHK bislang jeden Kommentar verweigert, die Asahi Shimbun berichtet jedoch, die Gruppenleiter hätten später gegenüber ihren Vorgesetzten erklärt, man habe sich entschieden dort zu bleiben, da sie ihren Auftrag sehr ernst genommen hätten und vielleicht zu beschäftigt waren, um über das Wasser nachzudenken.

Man habe die Arbeiter nicht vor radioaktivem Wasser gewarnt, da zwar Lecks von anderen Stellen der Anlagen berichtet worden waren, jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Kellergeschoss. TEPCOs Geschäftspartner Kanenko behauptet, man sei sich nicht der hohen Strahlung bewusst gewesen, bis TEPCO sie nach Abschluss der Arbeiten darüber informiert habe.

Strahlungsbelastung von Fukushima bekannt gegeben: Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte am gestrigen Mittwoch aktuelle Zahlen zur Strahlungsbelastung von Firmenbeschäftigten und Angestellten von Partnerunternehmen. Zum einen wurden im September 397 neue Arbeitskräfte am AKW eingesetzt.

  • Die höchste externe Strahlungsbelastung im September wiesen mit 18,57 Millisievert die Angestellten von Vertragspartnern auf. Bei TEPCO-Beschäftigten betrug der höchste gemessene Wert 7,86 Milllisievert. Zum Vergleich: Im Vormonat betrug der Höchstwert externer Belastung 7,20 (TEPCO) bzw. 9,92 (Partnerunternehmen).
  • Die höchste Gesamtbelastung (interne und extern) über 250 Millisievert wurde für September 2012 bei sechs TEPCO-Beschäftigten benannt. Da dies bereits im Zeitraum von März 2011 bis August 2012 der Fall war, ergab sich somit keine Zunahme seit März 2011. Bei Partnerunternehmen gab es keine betroffenen Angestellten in diesem Bereich.
  • Auffällig ist jedoch, dass in allen übrigen Klassen die Arbeiter von Partnerunternehmen durchgängig stärker belastet sind, als die TEPCO-Beschäftigten.
  • Die höchste Gesamtbelastung (intern und extern) bei Arbeitern, die in Umgebungen mit besonders hoher Strahlungsdosis, an denen die Strahlung 0,1 Millisievert pro Stunde überschreitet, der Reaktoranlage, am Lagerbecken für abgebrannte Brennelemente, der Dampfturbine und angeschlossenen Einrichtungen, beschäftigt sind, beträgt 93,65 Millisievert. Bei ihnen handelt es sich Ausnahmslos um TEPCO-Beschäftigte.

Tokyoter Verwaltung mit Insel-Katastrophenübung: Die Verwaltung des Großraums Tokyo führte heute auf der Insel Kozushima mehrere Katastrophenübungen ab, an denen etwa 1.200 Personen, darunter Polizei und Feuerwehr des Großraums Tokyo, Selbstverteidigungsstreitkräfte (SDF) und in Japan stationierte US-Truppen, sowie zahlreiche Bürger teilnahmen.

Es ist das erste Mal, dass die Tokyoter Verwaltung derartige Übungen unter Berücksichtigung des befürchteten Nankai-Großbebens durchführt und nachdem die erwartete Tsunami-Höhe von bislang sechs auf bis zu 25 Metern korrigiert wurde, war dies auch Grundlage des Übungsszenarios, berichtete die jiji.

Start der Warm Biz Kampagne: Nachdem die „Cool Biz“ Kampagne im Sommer durch das Herunterdrehen von Klimaanlagen und dem tragen lockerer Kleidung eine Einsparung im Stromverbrauch bewirken  sollte, hat nun die  „Warm Biz“ Regelung in Japan begonnen. In diesem Fall wird die Heizung, etwa in Büroräumen, auf unter 20°Celsius herabgedreht.

Die Angestellten können diesen Verlust an Raumtemperatur durch das Anlegen wärmerer Kleidungs kompensieren, so dass in diesem Fall über die Heizkostenersparnis ebenso wie bei der „Cool Biz“ Kampagne des Sommers, Elektrizität eingespart werden soll. Gegenwärtig sind nur zwei von Japans Atomreaktoren zur Stromerzeugung in Betrieb.

Schulen spenden durch Energiesparmaßnahmen für Fukushima: Seit Juni vergangenen Jahres beteiligen sich drei Grundschulen in Oami-Shirasato (Präf. Chiba) an einem ungewöhnlichen Projekt, in dem Umweltbewusstsein und Hilfsbereitschaft  zusammenfinden. Die erste Schule begann unmittelbar nach der Tohoku-Katastrophe.

Durch das Abschalten von nicht benötigter Beleuchtung und die Nutzung von Regenwasser zum Gießen ihrer Blumenbeete, sparen die Schülerinnen und Schüler nicht nur 20 Prozent des sonst genutzten Stroms und Wasser, sondern auch bares Geld – das zur Hälfte der Präfektur Fukushima zukommt. Bislang sind auf diese Weise 400.000 Yen zusammen gekommen.

Die andere Hälfte geht an die Verwaltung des Ortes Oami-Shirasato zurück, das die Ausgaben der drei Schulen, wie etwa Strom, Heiz- und Wasserkosten abdeckt und sich bereit erklärte, das eingesparte Geld, bei dem es sich technisch gesehen um Steuergelder handelt, der Präfektur Fukushima zu spenden.

Vor dem Beginn der Kampagne, die von der Masuho Middle School initiiert worden war, hatte man die möglichen Ersparnisse anhand vorheriger Rechnungen abgeschätzt.
Bis Ende Oktober des Vorjahres waren bereits 795 Yen erspart worden. Doch mit der Zeit schwand das Bewusstsein für die Energieersparnis. Als Reaktion darauf wurden entsprechende Plakate an prominenten Stellen angebracht.

Nachdem die Schüler von einem Versicherungsunternehmen, das von der Großzügigkeit beeindruckt war, mit einem Preis ausgezeichnet worden war, hat man sich nun entschlossen, auf der Preisverleihung im Dezember diesen Jahres einen landesweiten Aufruf an alle Schulen zu starten, sich an derartigen Projekten zu beteiligen, berichtet die Yomiuri Shimbun.

Historische Vorwürfe gegen Japan: In bewährter Art greifen Japans Nachbarn auf historische Ereignisse zurück, um den Inselstaat unter Druck zu setzen und so eine Handhabe für weitere politische Ränke zu haben. Die aktuellen Geschehnisse jetzt im Überblick:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Japan stimmte vor UN für Südkorea: Japan stimmte Mitte Oktober auf einer UN-Generalversammlung bei der Vergabe der Posten von fünf Nicht-permanenten Mitglieder des UN-Sicherheitsrats für Januar 2013 für Südkorea, offenbar ein Versuch Japans, die Spannungen zwischen beiden Staaten zu reduzieren.

China fordert bei UN-Treffen Entschädigung von Trostfrauen: China  drängte Japan auf einem Treffen des UN-Menschenrechtsrats in Genf dazu, sich bei den Armeeprostituierten des Zweiten Weltkriegs zu entschuldigen und den Opfern finanzielle Entschädigungen zukommen zu lassen.

Nord/Südkorea fordert bei UN-Treffen Entschädigung von Trostfrauen: Sowohl Nord- als auch Südkorea forderten von Japan in der gleichen Angelegenheit angemessene Schritte, darunter auch die finanzielle Entschädigung. Nordkorea erklärte, es bestehe in der Frage der Trostfrauen keine Verjährungsfrist.

Auch die Niederlande kritisierten das Fehlen des Themas in japanischen Schulbüchern und stellten die Frage, wie die Geschehnisse an künftige Generationen in Japan vermittelt werden sollen.

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