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Japan aktuell: Experten sollen Japan auf Großbeben vorbereiten

2012
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Nachtleben in Tokyo (Foto: KJ)
Vor dem Großbeben: Feierabend in Tokyo. Foto KJ
Nachtleben in Tokyo (Foto: KJ)
Vor dem Großbeben: Feierabend in Tokyo. Foto KJ

Die Meldung über die Festnahme eines lang gesuchten Mitglieds der Sekte Omu Shinrikyo (meist fälschlich als Aum-Sekte bezeichnet) stürmte am Sonntag die japanischen Medien und bot angesichts der Tatsache, dass vom AKW Fukushima aktuell keine Meldungen über schwerwiegende Störungen zu hören sind, auch International der Presse eine Möglichkeit über Japan zu berichten, ohne auf das kritische Thema der Fukushima-Krise eingehen zu müssen.

Doch nicht nur an Kernkraftwerken herrscht mitunter die Ruhe vor dem Sturm – das lang erwartete Riesenbeben stellt eine nicht minder große Gefahr dar, gegen die man sich nun wappnen will. Mehr Informationen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 04. Juni 2012

Unsere heutigen Themen:

  • Ausschuss zur Vorbereitung auf Großbeben gebildet
  • Atomlobby liess Experten von Monju-Experimentalreaktor Geld zukommen
  • Stadt Susaki  plant Tsunamiwarnung nach Tierverhalten
  • Erdbeben der Stärke 4,5 in Miyazaki
  • Neues und Ärger um den Tokyo Sky Tree
  • Weibliches Mitglied der Aum-Sekte und Fluchthelfer festgenommen

Ausschuss zur Vorbereitung auf Großbeben gebildet: Ein breit zusammengesetzter Regierungssausschuss hat damit begonnen, wie sich das Land auf das erwartete Großbeben und den damit verbundenen Tsunami vor der Pazifkküste vorbereiten kann. Bei dem Treffen in Osaka, das am heutigen Montag stattfand nahmen Vertreter von 130 Ministerien, Behörden und Ortsverwaltungen ebenso teil, wie Telekommunikationsanbieter und Energieversorger.

Gemeinsam werde man einen Notfallvorbereitungs-Plan erarbeiten, dessen Grundlage ein Riesenbeben entlang des Nankai-Grabens darstellt. Wie Wissenschaftler festgestellt hatten, nahmen  bereits in der Vergangenheit mehrere Erdbeben und Tsunami ihren Ursprung in dem 900 Kilometer langen Graben ihren Anfang.

Von Regierungsvertretern wurde die Wichtigkeit eines flüssigen Informationsaustauschs zwischen lokalen Stellen und der Regierung in Tokyo betont und angekündigt, man werde noch in diesem Monat einen Bericht zusammenstellen, in dem die Schätzungen zu Opfern und Schäden durch das Szenario enthalten sein werden. Es handelt sich um das erste Organ dieser Art, das auf langfristiger Basis agieren wird.

Um zu einem besseren Überblick über die unterschiedlichen Notwendigkeiten bei der Katastrophenvorbereitung in verschiedenen Regionen des Landes zu erhalten, will man Subkomitees für jede der sechs Hauptregionen von Kanto bis Kyushu bilden. Ebenfalls Thema werden die Möglickeiten zur gegenseitigen Hilfe der örtlichen Behörden untereinander sein. Das berichtet die  NHK.

Atomlobby liess Experten von Monju-Experimentalreaktor Geld zukommen: Drei Mitglieder eines Auschusses, der die Sicherheit des Brutreaktors am AKW Monju beurteilen soll, haben über einen Zeitraum von fünf Jahren finanzielle Zuwendungen von der Atomindustrie erhalten.

Die drei Akademiker sollen Zuwendungen in einer Höhe von 16,1 Millionen Yen erhalten haben. Da diese als Spenden für die Forschung an ihre Universitäten gingen, bestreiten die Wissenschaftler eine Beeinflussung des Expertenkomitees durch die Gelder.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Fragwürdige Spenden an Ausschuss (Foto: pd)

Der siebenköpfige Untersuchungsausschuss war im November vergangenen Jahres von der japanischen Atomenergiebehörde JAEA, dem Betreiber des Versuchsreaktors auf Anweisung des Wissenschaftsministeriums eingesetzt worden. Die Spenden waren bekannt geworden, nachdem die Tageszeitung Mainichi Shimbun unter Berufung auf Offenlegungsgesetze die Informationen über Spenden an die Universitäten der Ausschussmitglieder erhalten hatte.

Die Informationen zu den Fiskaljahren 2006 bis 2010 liegen nun vor und drei der Wissenschaftler gaben gegenüber der Zeitung zu, Spenden erhalten zu haben. Die japanische Atomenergiebehörde JAEA, die vor Ernennung der Mitglieder keine Informationen über deren Kontakte zur Atomindustrie eingeholt hatten, untersuche nun den Fall und werde nötigenfalls Mitglieder auswechseln. Das Wissenschaftsministerium erklärte, man werde die Behörde Anweisen, alle Mitglieder des Komitees ihre finanziellen Zuwendungen bekannt zu machen.

Bei den Spendern handelt es sich um die

  • Mitsubishi Heavy Industries Ltd. (Baufirma des Monju-Reaktors)
  • Mitsubishi Electric Corp.
  • Kansai Genshiryoku Kondankai (Organisation mit Anschluss zu Kansai Electrics)
  • Nuclear Engineering Ltd.
  • Global Nuclear Fuel-Japan Co.

Bei den drei Wissenschaftlern handelt es sich um

  • Hironobu Unesaki, Professor für Kernenergietechnik an der Universität Kyoto
  • Isao Kataoka, Professor für Maschinenbau an der Universität Kyoto, Vorsitzender des Ausschusses
  • Toshikazu Takeda, Hochschuldirekter des Forschungsinstituts für Kerntechnik der Universität Fukui

Unesaki erhielt 1,8 Millionen Yen von Kansai Electric und der Kondankai, Kataoka 4,5 Millionen Yen von der Kondankai und der Mitsubishi Electric. Takeda erhielt Zuwendungen von Mitsubishi Heavy, Nuclear Engineering, der Kondankai and Global Nuclear Fuel-Japan in Höhe von 9,8 Millionen Yen.

Der Monju-Reaktor ist aufgrund mehrerer technischer Probleme derzeit nicht aktiv.

Stadt Susaki  plant Tsunamiwarnung nach Tierverhalten: Die Stadtverwaltung von Susaki (Präf. Kochi) erwägt eine ungewöhnliche und bislang einmalige Methode um Tsunami rechtzeitig vorherzusagen. Anhand von ungewöhnlichem Verhalten von Tieren, wie aufgeregten Hühnern oder scheinbar verschwundenen Katzen könnten Bewohner künftig gewarnt werden.

Während es immer wieder Erzählungen und anekdotenartige Hinweise die Möglichkeit nahe legen, dass derart ungewöhnliches Verhalten vor großen Erdbeben auftreten, gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass diese tatsächlich ein solches Ereignis voraussagen. Daher kann die ungewöhnliche Methode zwar nach den geltenden Gesetzen für Evakuierungsempfehlungen nicht als Grundlage für Evakuierungen dienen – dennoch will Bürgermeister Yoshihito Myojin seinen Einwohner zumindest die Möglichkeit zur freiwilligen Evakuierung nach solchen möglichen Warnzeichen ermöglichen. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Erdbeben der Stärke 4,5 in Miyazaki: Am Montagnachmittag gegen 15:51 Uhr (Ortszeit) erschütterte ein Erdbeben mit einer durchschnittlichen Stärke von 4,5 die Präfektur Miyazaki und Umgebung. Unmittelbar nach dem Beben lagen keine Berichte über Verletzte oder Sachschäden vor. Die japanische Wetterbehörde gab keine Tsunamiwarnung heraus und erklärte, das Epizentrum habe sich  im Süden der Präfektur befunden.

Neues und Ärger um den Tokyo Sky Tree: Am Samstag begann eine Ausstellung im achten Stockwerk des Einkaufszentrums Solamachi, auf dem Gelände des Tokyo Sky Tree, auf der die neusten Entwicklungen des Chiba Institute of Technology auf dem Gebiet der Robotertechnologie vorgestellt werden. Zu den Highlights gehört dabei „Rosemary“ ein neuartiger Roboter, der als Nachfolger von „Quince“ antreten soll, der derzeit im AKW Fukushima Daiichi genutzt wird und ein Simulator mit dem der Benutzer einen simulierten Flug über den Mars steuern kann. Das verwendete Bildmaterial stammt von der NASA, berichtet die Mainichi Shimbun.

Einen Überblick ganz anderer Art stört dagegen die Anwohner der Anlage. In dem stark von engen nachbarschaftlichen Kontakten geprägtem Bezirk Sumida sind wegen der erwarteten Touristenströme insgesamt 77 Überwachungskameras installiert worden – einige an gut sichtbaren Stellen, wie etwa an Straßenkreuzungen. Damit weist diese gemütliche Nachbarschaft mehr Überwachung auf, als das Rotlichtviertel Kabukicho im Bezirk Shinjuku. Dort existieren lediglich 55 Kameras.

Die Bezirksverwaltung erklärte, man wolle, dass sich die Bürger durch die Kameras , von denen jede zwischen 500.000 bis 700.000 Yen kostet, geschützt und nicht beobachtet fühlen. Um Bedenken wegen eines möglichen Mißbrauchs entgegenzuwirken, machen die Kameras zwar ständig Aufnahmen, sind jedoch nicht Vollzeit mit Mitarbeitern besetzt. Selbst wenn die Polizei einen Einblick in die Aufnahmen haben will, muss zunächst ein Antrag der Polizeirevierleitung erfolgen.

Dennoch fürchten die Bewohner um den nachbarschaftlichen Charme und die engen Kontakte sowie die Unbekümmertheit angesichts von Touristen in Videoüberwachung. Das berichtete die Kyodo am Samstag.

Weibliches Mitglied der Giftgas-Sekte und Fluchtelfer festgenommen: Am gestrigen Sonntag wurde die 40 Jahre alte Naoko Kikuchi von der Polizei in Sagamihara festgenommen. Sie befand sich gegen 20:00 Uhr mit Einkaufstüten auf dem Weg zu ihrer Wohnung in einem Einfamilienhaus, als die Polizeibeamten sie ansprachen. Die Frage, ob sie Naoko Kikuchi sei, bejahte sie und wurde daraufhin vorläufig festgenommen. Eine anschließende Kontrolle identifizierte sie anhand ihrer Fingerabdrücke.

Foto von Naoko Kikuchi auf Omu Shinrikyo Fahndungsplakat (Foto: KJ)
Omu-Shinrikyo Fahndungsplakat: Naoko Kikuchi festgenommen (Foto: KJ)

Die Polizei war aktiv geworden, nachdem ein Mann zuvor am selben Tag mitgeteilt habe, eine Frau die der Gesuchten ähnlich sehe, lebe gemeinsam mit einem Mann im Bezirk Midori der Stadt. Bei der Festnahme sei Kikuchi deutlich schlanker gewesen, als auf dem Fahndungsfoto und einer der Ermittler erklärte, es sei praktisch unmöglich sie im vorbeigehen zu identifizieren. Die Frau habe Make-Up getragen, es sei jedoch noch unklar, ob sie sich möglicherweise auch plastischer Chirurgie unterzogen habe.

Nach Ansicht der Polizei könnte die Erhöhung der Belohnung für sachdienliche Hinweise, die im Februar durchgeführt worden war, die Ermittlungen beschleunigt haben.

Bei Kikuchi handelt es sich um ein Mitglied der Endzeit-Sekte Omu Shinrikyo, die durch mehrere Anschläge, darunter auch der Terroranschlag mit dem Nervengift Sarin auf die U-Bahn von Tokyo im Jahr 1995 negative Bekanntheit erlangte. Nachdem sich mit Makoto Hirata ein früheres Führungsmitglied des Kults nach fast 17 Jahre dauernder Flucht kurz nach Neujahr 2012 freiwillig der Polizei stellte, hat die Polizei mit Naoko Kikuchi nun ein weiteres der bislang drei gesuchten Hauptmitglieder gefasst.

Tatvorwurf: Kikuchi wird Mord und versuchter Mord vorgeworfen, da sie an der Entwicklung des Nervengifts Sarin beteiligt gewesen sein soll, durch das beim Einsatz während des U-Bahn-Anschlags 13 Menschen gestorben und eine Gesamtopferzahl vvon  6.252 Personen erzielt worden war. Einige Opfer leiden noch heute unter den neurologischen Schäden, welche das Gas bei ihnen verursachte.

Sie selbst räumt nach Polizeiangaben zwar ein, in der „Chemie-Einheit“ der Sekte und in der Sarin-Produktion tätig gewesen zu sein, behauptet jedoch, ihr sei nicht bewusst gewesen, was sie dort eigentlich herstellten.

Die Behörden vermuten zudem, dass sie sowohl bei der Herstellung des hochgiftigen VX-Gas mitgewirkt habe, mit dem ein Mann 1994 ermordet worden war, nachdem der Verdacht aufkam, er agiere gegen die Sekte, als auch beim Versand einer Paketbombe an den Gouverneut von von Tokyo im Jahr 1995 beteiligt gewesen sei.

Ermittlungen und Hausdurchsuchung: Am heutigen Montag durchsuchten Kräfte der Polizei ein Haus in Sagamihara (Präf. Kanagawa) um Informationen über ihr Leben auf der 17 Jahre dauernden Flucht zu erlangen, als auch um zu ermitteln, ob sie während dieser Zeit von der Sekte weiterhin unterstützt worden war.

Ersten Ergebnissen zufolge lebte sie unter dem Falschnamen Chizuko Sakurai und arbeitete seit 2010 als Altenpflegerin. Ihre Kolleginnen und andere Kontakte zeigten sich über die Enttarnung als flüchtige Terroristin geschockt. Sie sei nicht sehr gesprächig über sich selbst gewesen, hätte aber stets sechs Tage die Woche hart gearbeitet. Abgesehen von einer Brille habe sie nie Maßnahmen getroffen ihr Gesicht zu verbergen, was mit den in Japan durchaus üblichen Atemmasken nicht ungewöhnlich gewesen wäre.

Fluchthelfer ebenfalls festgenommen: Die Stelle war ihr durch Hiroto Takahashi (41) vermittelt worden – ein selbsternannter Unternehmensangestellter, der mit Kikuchi zusammengelebt hatte. Takahashi stellte sich am Sonntagabend gegen 22:15 Uhr freiwillig der Polizei in Kanagawa, nachdem er aus dem Fernsehen erfahren hatte, das Kikuchi festgenommen worden war. Ihm wird nun vorgeworfen, dem früheren Sektenmitglied Unterschlupf gewährt zu haben, obwohl ihm bekannt gewesen sei, dass Kikuchi landesweit zur Fahndung ausgeschrieben war.

Takahashi erklärte gegenüber der Polizei, er selbst habe keine Verbindungen mit der Sekte. Beide hatten sich offenbar 2005 bei einer anderen Beschäftigung als Teilzeitkraft kennengelernt und seit 2006 in den ersten vier Jahren in Machida und dann zwei Jahre in Sagamihara gelebt.  Sechs Monate nach ihrer ersten Begegnung habe er ihr einen Heiratsantrag gemacht. Daraufhin habe sie ihm ihre wahre Identität offenbart und dies als Grund gegen eine Heirat genannt. Zuvor sei sie ihm ebenfalls nur unter ihrem Falschnamen Chizuko Sakurai bekannt gewesen.

Offenbar Kontakt zu weiterem Sektenmitglied: Er erzählte den Beamten zudem, in den Jahren 2006 und 2010  auch Kontakt zum weiterhin flüchtigen Sektenmitglied Katsuya Takahashi gehabt zu haben, da er ihn in der damaligen Wohnung von Kikuchi in der Stadt Kawasaki getroffen habe.

Fahndungsfoto von Katsuya Takahashi (Foto: KJ)
Fahndungsfoto von Katsuya Takahashi (Foto: KJ)

Als Reaktion auf diese Angaben durchsuchte die Polizei den früheren Wohnsitz noch Sonntagnacht, konnte jedoch keine Hinweise über den Aufenthalt des Terroristen dort finden.

Kikuchi selbst sagte gegenüber der Polizei, sie sei erleichtert über das Ende ihrer Flucht und entschuldigte sich zugleich dafür, dass sie so vielen Menschen Probleme bereitet habe. Über den Fall berichteten praktisch alle japanischen Medien, darunter die Asahi Shimbun, die NHK, sowie die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

Flüchtige Sektenmitglieder: Von den ehemals drei gesuchten wichtigen Mitgliedern – Makoto Hirata, Naoko Kikuchi und Katsuya Takahashi – befindet sich somit nur noch letzterer auf der Flucht vor der Polizei. Auf seine Ergreifung sind bis zu zehn Millionen Yen ausgesetzt.

Die Omu Shinrikyo heute: Die Sekte Omu Shinrikyo (fälschlicherweise oft Aum-Sekte genannt) ist weiterhin aktiv (seit 2000 unter dem neuen Namen Aleph) und wird, ebenso wie die Splittergruppe Hikari-no-Wa, von Japans Polizei und den Geheimdiensten mit Sonderbefugnissen überwacht und kontrolliert. Führungsmitglieder, darunter auch der Sektenführer Chizuo Matsumoto (Aliasname Shoko Asahara) wurden zum Tode verurteilt und warten auf ihre Hinrichtung.

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