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Japan aktuell: Explosionsartiger Anstieg der Cäsiumwerte am AKW Fukushima

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Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Terrorismus-Gefahr durch Schlamperei (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Fukushima: Explosionsartiger Anstieg der Cäsiumwerte (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Nach dem Anstieg der Tritium-Konzentrationen, wird vom AKW Fukushima heute eine plötzliche Zunahme der Grundwasserkontamination durch weiteres radioaktives Material gemeldet.

Zu den sonstigen Neuigkeiten gehören Aushärtungsmaßnahmen gegen das Grundwasser.

Auch der Tod des früheren Kraftwerksleiters zählt zu den Meldungen, die im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Fukushima aktuell zu hören sind.

Weitere Neuigkeiten betreffen beispielsweise den Fund eines Gegenstandes in einem Abklingbecken. Einzelheiten zu den Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. Juli 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Sprunghafter Rekordanstieg der Cäsiumbelastung in Fukushima-Grundwasser
  • Ex-Leiter des AKW Fukushima Daiichi gestorben
  • S-förmiges Objekt in Abklingbecken von Fukushima Daini
  • Chemikalien zur Bodenhärtung gegen Grundwasser eingesetzt
  • NRA führt weitere Untersuchung am AKW Oi durch
  • Arbeit an Tsunami-Seismographen begonnen

Sprunghafter Rekordanstieg der Cäsiumbelastung in Fukushima-Grundwasser: Wie TEPCO heute mitteilte, kam es an einem Grundwasser-Kontrollpunkt in der Nähe des Turbinengebäudes von Reaktor 2 zu einem sprunghaften Anstieg der Cäsiumwerte. Dabei wurden neue Rekordwerte erreicht.

AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Die gestern dort entnommenen Proben wiesen Belastungen von Cäsium-134 in einer Höhe von 9.000 Becquerel pro Liter und Cäsium-137 in Höhe von 18.000 Becquerel pro Liter auf.

Das bedeutet, dass es nach der letzten Messung am Freitag am selben Kontrollpunkt innerhalb von nur drei Tagen zu einer Erhöhung der Werte fast um das Neunzigfache kam.

Die gesetzlichen Sicherheitswerte für beide Substanzen wurden dabei überschritten. Im Fall von Cäsium-134 betrug die Grenzwertüberschreitung das 150-fache und beim Cäsium-137 sogar das 200-fache des zulässigen Maximalwerts.

Die Gesamtbelastung von 27.000 Becquerel an radioaktivem Cäsium ist der bislang höchste gemessene Wert seit der Katastrophe.

Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich das radioaktive Material unterirdisch weiter ausbreitet. Die genaue Ursache für den plötzlichen massiven Cäsium-Anstieg ist bislang ungeklärt – ebenso welche Auswirkungen dies auf den Hafenbereich der Anlage haben wird. Der Kontrollpunkt befindet sich nur 25 Meter vom Hafen entfernt.

Der Gehalt an Betastrahlern wie Strontium und Tritium am Kontrollpunkt betrug am Montag 890.000 Becquerel. Am Freitag waren an der gleichen Stelle noch 900.000 Becuqerel nachgewiesen worden. Hier gibt es also einen leichten Rückgang.

Am Grundwasser-Kontrollpunkt 2, der sich östlich von Reaktor 3 befindet, wurde eine Betastrahlungs-Gesamtbelastung von 1.700 Becquerel pro Liter nachgewiesen. Auch dies ist ein neuer Rekord. Über die Strahlungsrekorde berichteten neben TEPCO auch Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Problematisch bei der Beurteilung der Angaben von TEPCO ist der Umstand, dass keine detaillierten Angaben darüber gemacht werden, ob es sich bei den veröffentlichten Daten um den Maximalwert oder einen Durchschnittswert handelt.

Ex-Leiter des AKW Fukushima Daiichi gestorben: Wie der Elektrizitätskonzern TEPCO heute mitteilte, verstarb der frühere Leiter des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, am heutigen Tag um 11:32 Uhr in einem Krankenhaus in Tokyo an Speiseröhrenkrebs.

jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)

Kraftwerksleiter Masao Yoshida hatte auf dem Höhepunkt der Fukushima-Krise um die Stabilisierung der Anlage gerungen und sich schließlich sogar über Weisungen hinweggesetzt, um eine Kernschmelze doch noch abzuwenden. Obwohl ihm befohlen worden war, die Einspeisung von Meerwasser einzustellen, fuhr er damit fort – eine richtige Entscheidung wie sich herausstellte.

In den veröffentlichten Aufnahmen der Videokonferenzen trat Yoshida immer wieder resolut gegenüber seinen Vorgesetzten auf und betonte die Gefahr für die Arbeiter vor Ort.

Auch wenn Yoshida noch im Dezember aufgrund einer Krebserkrankung von seinem Posten zurücktreten musste, berichtete er über seine Erfahrungen während der Krise, machte jedoch nie Angaben zur Strahlungsbelastung, der er während seines Einsatzes ausgesetzt gewesen war – offiziell aus Gründen der Privatsphäre.

Der heutige Tod der früheren Kraftwerksleiters ist nach Angaben von TEPCO nicht auf die Radioaktivität während seiner Arbeit zurückzuführen. Masao Yoshida wurde 58 Jahre alt. Einst wegen seiner Eigenmächtigkeit gerügt, sprach die TEPCO-Führung nun mit Respekt über seine Bemühungen. Über den Todesfall berichteten Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

S-förmiges Objekt in Abklingbecken von Fukushima Daini Am 8. Juli entdeckte ein Mitarbeiter im Abklingbecken von Reaktor 2 des AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) um 11:48 Uhr ein fremdes s-förmiges Objekt, von etwa drei Zentimetern Länge, das auf der Halterung der Brennelemente lag.

AKW Fukushima Daini: S-förniges Objekt in Reaktor 2 am 8. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Daini: S-förmiges Objekt in Reaktor 2 am 8. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

TEPCO erklärte, man werde den Gegenstand zunächst näher untersuchen, bevor man ihn aus dem Becken entfernt.

Der Fund habe keinerlei Auswirkungen auf den Betrieb der Anlage, oder das Strahlungsniveau gehabt, teilte das Unternehmen mit.

Im Mai war zuvor im Abklingbecken von Reaktor 6 eine Ringmutter entdeckt worden, die sich offenbar gelöst hatte (Spreadnews berichtete am 23. Mai).

Chemikalien zur Bodenhärtung gegen Grundwasser eingesetzt: Im Kampf gegen das radioaktiv kontaminierte Grundwasser, das nun zunehmend das Meer gefährdet, greift der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi nun auf eine Verstärkung des Bodens auf der Küstenseite zurück.

Bodenaushärtung in Fukushima: Chemianlage, Mischung der Komponenten, Bohrgerät (Foto: TEPCO)
Bodenaushärtung in Fukushima: Chemieanlage, Mischung der Komponenten, Bohrgerät (Foto: TEPCO)

Die gestern begonnenen Arbeiten bestehen nun zunächst darin, auf einer Strecke von 90 Metern in einem Abstand von 80 Zentimetern jeweils 14 Meter tiefe Gruben auszuheben.

Diese sollen dann mit Chemikalien gefüllt werden, die dort aushärten und den Erdboden wasserdicht machen sollen. Das Unternehmen rechnet damit, die Arbeiten bis Ende des Monats abschließen zu können.

TEPCO begleitet diese Erklärung mit einem Video und einer Reihe von Fotografien.

Auf den abgeschnitten wirkenden Fotos ist unter anderem die genutzte Chemieanlage zu sehen, das Mischen der beiden Ausgangssubstanzen, sowie das Vorgehen bei den Bohrungen mit schwerem Gerät.

Eine der möglichen Alternativen zur Eindämmung des Grundwassers hatte darin bestanden, den Boden durch den Einsatz von Chemikalien und eines Kühlsystems dauerhaft zu frosten, um auf diese Weise einen Stopp des kontaminierten Grundwassers zu erreichen (Spreadnews berichtete am 30. Mai 2013).

NRA führt weitere Untersuchung am AKW Oi durch: Japans Atomaufsicht NRA kündigte gestern an, ein Team aus Mitarbeitern und externen Experten werde eine weitere Untersuchung der geologischen Verwerfung unterhalb des Kernkraftwerks Oi (Präf. Fukui) durchführen. Es ist die dritte Untersuchung durch die Behörde an Japans derzeit einzig aktivem AKW.

Die fragliche Verwerfung verläuft auf dem Gelände unterhalb einer Einrichtung, die Meerwasser zur Reaktorkühlung einspeisen kann.

Der Betreiber der Anlage, Kansai Electric, erklärte am 1. Juli, dass die Experten des Unternehmens nach geologischen Forschungen in einem eigens ausgehobenen, 70 Meter langen und 40 Meter tiefen Graben, keine Hinweise auf eine Aktivität der Verwerfung hätten feststellen können.

Sollte sich herausstellen, dass die Verwerfung in der Tat aktiv ist, würde dies das Aus für den Betrieb der Reaktoren 3 und 4 des Kraftwerks bedeuten. Über die neue Kontrolle berichtete die NHK.

Arbeit an Tsunami-Seismographen begonnen: Mit einer Zeremonie in Minamiboso (Präf. Chiba) begannen heute die Arbeiten an einem Projekt, in dessen Verlauf Unterwasser-Seismographen und Tsunami-Beobachtungsgerät an weiten Teilen der Pazifikküste, etwa entlang des Japan-Grabens angebracht werden sollen.

Das 32 Millarden Yen Projekt, des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie soll nun über zwei Jahre nach dem Tohoku-Erdbeben 2011 für schnellere und genauere Warnungen vor Erdbeben und Tsunami liefern.

Die Arbeiten an den Messposten, die sich von Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido bis zur Boso-Halbinsel (Präf. Chiba) erstrecken, sollen laut jiji bis Ende März 2015 abgeschlossen sein.

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